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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Samstag, 19. Dezember 2015

Ankunft

Niemand, niemand hat mir erzählt, was niemand, niemand weiß

Aus Nacht und Nass, auf Silberfuss, 
kamst Du, einer Brise gleich, 
ganz feuerrot, ganz mondlichtweich

Du zarte Fremde, die ich kenne,
Du Freund, mir so unbekannt
Glut und Phönix meiner Sinne,
Morgenlicht, in Tau gebannt


Niemand, niemand hat mir erzählt, was niemand, niemand sah

Aus reinem Licht, in heller Pracht,
hebe Deinen Blick empor,
entschlei're Dich, verhüll' die Nacht 

Bist Du des Morgens heller Saum?
Bist Du das Schwarz der Nacht?
Ein Flüstern zwischen Wach und Traum,
ein Paradies, von mir erdacht? 


Niemand, niemand hat mir erzählt, was niemals je geschah

Ganz aus dem Nichts, ganz ohne Klang 
warst Du schon, als ich Dich sah,
das Lied, das durch mein Sein so drang 

Du tauchst mich tief in Vergessen
Du helle, gold'ne Ewigkeit
Du Endlos, Du Unermessen
Du bist der Fluss, Du bist die Zeit

Niemand, niemand hat mir erzählt, was niemand, niemand weiß



Donnerstag, 3. Dezember 2015

Mein Monster, meine Melancholie

Es sitzt.
Es sitzt still.
Es sitzt ganz tief.
Es sitzt so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Oft macht es sich so klein, dass ich es gar nicht wahrnehme, um sich nach einer kurzen friedlichen Verschnaufpause umso grösser aufzublasen.

Es tobt.
Es tobt laut.
Es tobt ganz tief.
Es tobt so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Ich möchte ihm Raum geben, es soll raus, es soll sich austoben und abreagieren. Aber ich finde den Weg zu ihm nicht. Ich habe die Karte zu seinem lebendigen Grab vor langer Zeit vernichtet. Zu gross war meine Angst vor seiner zerstörerischen Raserei. Ich verbannte es ganz ganz tief und noch tiefer, wollte es ersticken.

Es kauert.
Es kauert erschöpft.
Es kauert ganz tief.
Es kauert so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Ich fühle eine ermüdete Stille, trügerisch. Ich spüre, es ist eine Frage der Zeit, bis es sich wieder aufbläht und wütet, tief in mir, ohne dass ich es rauslassen kann. Wir beide wissen, dass wir dazu verdammt sind, gemeinsam den Rest unseres Lebens zu verbringen und können doch nicht miteinander umgehen.

Es weint.
Es weint bitterlich.
Es weint ganz tief.
Es weint so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Ich würde es so gerne frei lassen, ich will es nicht in mir einschliessen, aber zu tief hatte ich es damals weggesperrt. Ich weiss nicht mehr, wo suchen, weiss nicht mehr, wo ich den Schlüssel zu seinem Käfig habe.

Es klopft.
Es klopft beharrlich.
Es klopft ganz tief.
Es klopft so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Es macht mich schwer, es ist ein Klotz am Bein, der mich ständig am Fliegen hindert. Wahrscheinlich beruht diese Abscheu auf Gegenseitigkeit.

Es hasst.
Es hasst leidenschaftlich.
Es hasst ganz tief.
Es hasst so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Können wir nicht lernen miteinander umzugehen? Ist es wirklich hoffnungslos? Finden wir denn nie unser Leben in Harmonie?

Es sitzt.
Es sitzt still.
Es sitzt ganz tief.
Es sitzt so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.