(von animus)
Sören schlenderte von zu Hause die Stadt
hinauf, versenkte seine Fäuste tief in den Taschen seines Gehrocks und genoss
dieses Gefühl des Daheimseins. Über die Straße hinweg vernahm er einen vertraut
klingenden Ruf, der das heimelige Gefühl in seiner Brust noch anschwellen ließ.
Unversehens drehte er sich um und erkannte gegen das Licht der untergehenden
Sonne den Freund sogleich an seiner Silhouette: „Emil – du alter Pestfetzen!“
jubelte Sören, während er sich beschwingt daran machte ihm mit großen Schritten
entgegenzugehen. „Wie schön dich zu sehen“, erwiderte Emil. Seit wann bist du
wieder hier? Ich habe dich vermisst, du elender Ludrian!“
Emil drückte seinen Freund herzhaft an seine
Seite und marschierte mit ihm entschlossen drauf zu. Sören wurde es bei dieser
freundlichen Grobheit warm ums Herz. Wie weggeblasen war seine Gedankenschwere.
„Es ist so einfach“, dachte er bei sich.
Bald gluggerte der dunkle Wein in appetitlichen
Wellen aus dem Trog zielgenau in Sörens Becher. Emil ließ den Krug ganz leer
laufen und umfasste ihn dabei so stark, dass der Eindruck entstand er wolle aus
ihm gewiss auch noch den letzten Tropfen herauspressen.
Sören reckte sich auf, um nach der Servierfrau
zu suchen, während er den süßlichen Rauch seiner Zigarre in einer langen und
stromlinienförmigen Bewegung über den Tisch hinweg blies. Er lauerte dabei in
seinem Stuhl wie ein Raubtier. In seinem Körper bemerkte er eine vitalisierend
leichte Anspannung, seine Augen waren geschlitzt und sein Blick haftete an den schmiegsamen
und wendigen Bewegungen der Servierfrau.
Kraftvoll und anmutig zugleich bewegte sie sich
mit sicherem Schritt, gleichsam tänzerisch, durch die engen Nischen, vorbei an
Stühlen und Tischreihen. Das eng um ihrer Taille geschnürte Kleid umspielte dabei
in verführerischen Linien ihren vollweiblichen Körper. Ihre Erscheinung hatte
etwas Majestätisches. „Sie kommt mir vor wie ein Versprechen, das Seligkeit
garantiert“ dachte Sören – ganz allein für sich.
Während die Erlöserin sich mit leichtfüßiger Beiläufigkeit
auf seinen Tisch zu bewegte, fiel eine lange dunkle Strähne in ihr blühendes
Gesicht. Nun erkannte Sören das fruchtige Rot ihrer Lippen und die neckische
Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen. Je näher sie dem Tisch kam, je tiefer
glitt sein Blick über Nacken, Hals und Schulter, tastete sich weiter über die
hügelige Landschaft praller, weißer Haut, um sich schließlich ganz in der
atemberaubenden Tiefe zwischen üppig herausquellenden Brüsten zu verlieren.
Mit einem satten Schlag knallte sie zahlreiche
Krüge auf die massive Tischplatte und rief mit frischer Stimme: „Was darf es
sein meine Herren?“
„Milch“ drängte es Sören zu sagen. Schmunzelnd
und im letzten Moment besann er sich jedoch und blieb beim „Wein“.
Als sie, einen Trog hinterlassend, wieder
hinter verwinkelten Nischen und Tischreihen verschwand, schaute Emil mit weit
aufgerissenen Augen in den vor ihm stehenden Krug und bemerkte: „Betrug! Der
Trog – er ist nur zur Hälfte gefüllt!“
(von animus)
Philosophie ahoi. Hut ab!
AntwortenLöschenDieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
LöschenAhoi, Ahoi - setzen wir die Segel! :)
Löschen