Friedrich dachte gerne über das Leben nach. Er
konnte bisweilen richtig in Fahrt geraten und dann philosophierte er sich förmlich in Rage. Er stellte Fragen und wälzte Problem ohne Ende. Er drehte
und wendete Gedanken und Theorien vom Kopf auf die Füße und wieder zurück. Er
wechselte gekonnt zwischen den unterschiedlichsten Perspektiven und nahm mit
seinem Verstand jedes Denkgebäude so raffiniert auseinander, dass
buchstäblich nichts mehr davon übrig blieb.
Friedrich mochte es, sich mit den großen Problemen
zu befassen und er kam dabei auf die eine oder andere sehr beeindruckende
Lösung – welche die Welt erschüttern konnten. "Was ist Wahrheit?",
fragte er sich. "Was ist ein gutes Leben?" Er analysierte
messerscharf die Vor- und Nachteile der einen oder anderen Art zu Leben.
"Was können wir sicher wissen? Wer bin ich eigentlich... und was ist der
Mensch? Wo kommen wir her und wo gehen wir hin?
Warum gibt es überhaupt Etwas und nicht vielmehr Nichts?"
Er dachte und
dachte über das Leben nach und suchte den Sinn von Alledem zu verstehen...
Eckhart hingegen war ein guter Zuhörer. Aber was
Friedrich am meisten an Eckhart beeindruckte, das war, dass Eckhart es mit seinen Fragen und Geschichten immer wieder fertig brachte ihm ein Bein zu stellen. Ausgerechnet ihm, der sich doch selbst dafür zuständig fühlte alles
zu Fall zu bringen... und Eckhart machte dies bisweilen mit ziemlich banalen Geschichten – was Friedrich
schließlich noch nachdenklicher machte.
„Friedrich – du denkst gerne und oft über das Leben nach“ – sagte Eckhart einmal. „Ich weiß nicht warum, aber irgendwie erinnerst du mich mit deinem maßlosen Nachdenken über die Welt und das Leben an meinen Großvater, der eine Menge Whisky trank – was ihm enorme Probleme einbrachte. Daher begann er den Whisky mit Wasser zu verdünnen, aber natürlich wurde er irgendwann auch davon betrunken. Dann stieg er auf
Pernod um, weil der weniger stark ist. Den trank er freilich auch mit Wasser. Er trank davon aber
mehr als vom Whisky. Natürlich wurde er auch davon betrunken. Schließlich stieg
er auf Wein um. Den Wein verdünnte er zwar auch mit Wasser, aber er trank so viel
davon, dass er auch davon betrunken wurde.“
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