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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 31. August 2016

FinsterLicht


Hell das Licht in der Schwärze der Nacht
Fromm die Nonne in Christus' Haus
Heilig die Kuh im Herzen des Hindus
und
geschändet anderswo auf der Welt


Alt die Frau die ein Kind hält im Arm
und
jung ein Greis der mit Horas sich misst
Delikat der Kuchen wer im Munde kaut Brot
und
noch besser dies, wer zu essen hat nichts.


Tötung ist Tugend in Zeiten des Krieges
und
Mord wenn die weisse Flagge gehisst
Tor ein Bauer der mit Sokrates spricht
 doch
Wissen durch Denken, oder Wissen durch Tat?
Gezeichnet ein Jeder der geboren als Mensch
Gebrandmarkt bis er ruhet im Sarg


Lügner ist Lügner wenn nur Wahrheit man spricht
Ausgegrenzt nur jener, der möcht Einlass in Kreis
und
das Mal wird zur Schand wenn kongruent der Leut' Sicht.






Freitag, 19. August 2016

Beim Wahrsager

Betreten schaue ich in die mir dargebotenen Karten.
"Das soll nun meine Zukunft sein?", frage ich unsicher.
Mit grossen, verheissungsvollen Augen, erklärt mir Frau Silberzweig geduldig und mit rauchiger Stimme:
"Die Karten zeigen uns nicht die Zukunft, meine Liebe, die Karten zeigen uns das Potential der Gegenwart. Sie zeigen, was passiert, wenn Sie ihren jetzigen Weg weitergehen. Die Geschichten sind schon geschrieben, aber wir können sie verraten und uns mit dazu. Wir können so leben, wie wir glauben, leben zu müssen oder nicht anders leben zu können, doch es wird immer ein Leben geben, wie es für uns gemeint ist; es ist jenes, das uns am glücklichsten macht und das uns zu unserer wahren Grösse erhebt; was auch immer der Preis dafür sein möge und wie viel auch immer wir dafür auf uns nehmen müssen."

Dienstag, 16. August 2016

Geständnis

Ich erscheine gut.
Ich erscheine lachend.
Ich erscheine fröhlich.
Ich erscheine nett.
Ich erscheine intelligent.
Ich erscheine mitfühlend.
Ich erscheine interessiert.
Ich erscheine stark.
Ich erscheine optimistisch.
Ich erscheine gefühlvoll.
Der Sonnenschein.

Aber…

Ich bin schlecht.
Ich bin weinend.
Ich bin traurig.
Ich bin fies.
Ich bin unwissend.
Ich bin rücksichtslos.
Ich bin langweilig.
Ich bin schwach.
Ich bin feige.
Ich bin leer.
Der Sonnenbrand.

Ach, wär' ich doch der Sonnenschein,
ach, könnt' ich nur das Stigma sein.
Aus ich wird du, aus du wird ich,
mein Anschein sein, mehr will ich nicht.
Wie schön und einfach wär das Leben,
müsst' ich nicht nach dem Stigma streben.
Wär' ich nur, was ich scheine zu sein,
wär' ich nur der tolle Sonnenschein.

Aber...

Ich muss euch alle desillusionieren,
am meisten wird's wohl mich frustrieren,
Ich bin, was ich bin und das ist nicht gut,
immerhin hab ich zum Geständnis den Mut.
Das Einzige, was nun noch bleibt,
ist die traurige ewige Ehrlichkeit:
Ich bin ich, das liegt auf der Hand,
ich bin der verdammte Sonnenbrand.