Zitat des Monats
Chinesische Weisheit
Willkommen!
In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.
Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.
Dann also viel Spass beim Schreiben!
Eilean
Mittwoch, 30. September 2009
Gedanken über das 'Zuhause'
·Wohl fühlen, Geborgenheit, Sicherheit
·Sich selbst sein, ohne Zwänge von aussen.
·In seine geliebten, luftigen, leichten, bequemen, aber leider nicht aussentaugliche Kleider schlüpfen. Mit Brille und schrecklich hochgesteckten Haaren herum schlurfen. Allgemein bekannt unter dem Namen: 'Bad Hair and Style Day'. Essen; wann, wo und was ich will. Herumtanzen und singen ohne das mich niemand sieht oder hört.
·Normalität
·Diese Gesichter, in die man seit frühster Kindheit schaut und die deinen Blick erwidern.
·Wärme, Harmonie, innerlicher Frieden, Ruhepol
·Seine Gewohnheiten ausleben, all seine schlechten Eigenschaften den 'Zuhausbewohnern' offenbaren- oder sie haben sich von alleine offenbart.
·Keine Blösse zeigen.
·Verdrängen der Aussenwelt. Man mummt sich ein in einen Kokon, man ist in seiner schützenden Höhle. Nichts und (fast) niemand kann mir was anhaben.
·Mein Reich, mein Rückzugsgebiet
·Vom Alltag und der teilweise grausamen Welt ablenkend.
·Langeweile? Doch sicher, manchmal. Aber mein Zuhause ist gross und voller unerforschten Ecken.
·Sich auf die Nerven gehen, da man schon so lange im selben Boot sitzt. Da man dem anderen manchmal nur schwer aus dem Weg gehen kann. Aufregen über die ewig gleichen Diskussionen, Verhaltensweisen.
·Verfestigen von alten Ritualen/Macken. Auch neue werden fleissig einstudiert.
·Der 'Zuhause-Duft'. Ich mag ihn. Er fällt mir vor allem auf, wenn ich auf Reise war und seit längerem nicht mehr zuhause war.
·Eintritte ins Zuhause können zu bösen Blicken führen. Werden nicht immer gerne akzeptiert. Können das 'Zuhause-Leben' umkrempeln/verändern, bis man sich daran gewöhnt hat.
·Wie wird es wohl, wenn ich mein Zuhause verlassen muss? Zum Glück muss ich mich damit noch nicht auseinander setzten.
Jetzt noch eine Anmerkung: Oder eher eine Frage:
Ist es überhaupt möglich, ein Text zu schreiben ohne seine Gefühle/Meinung darin zu präsentieren??
Montag, 28. September 2009
Zuhause...
Es ist dieses Frieren, daß von innen kommt. Diese Kälte und das Zittern, daß mich manchmal überkommt, wenn ich mich nach meinem Zuhause sehne, vielleicht weil ich weit weg bin, oder mich verspäte.
Aber was ist der Grund dafür, daß man sich zu Hause wohl fühlt? Und was, wenn man sich nicht wohl fühlt, erfriert man dann?
"Zuhause", was für ein einfaches Wort, daß sooft verwendet wird, unbedacht und manchmal sehr misachtend, und dann wieder liebe- hoffnungs- und freudevoll.
Was bedeutet es euch?
Ich möchte euch von meinen Erlebnissen mit dem "Zuhause" erzählen.
Vor einigen Jahren fuhr ich an einem eiskalten Januarabend mit dem Auto nach Hause. Es war schon lange dunkel und es schneite. Die Strasse war gesalzen worden und der Schnee wurde zu Matsch. Es schien mir, als ob die Kälte dieses Schmuddelwetters in meine Knochen ziehen würde. Ich dachte an zu Hause und stellte mir vor, wie meine kleinen Kinder mich freudevoll empfangen würden. Ich mußte lächeln... und es wurde mir plötzlich ganz warm. Die Kälte die eben noch meine Muskeln erhärteten verschwand und machte einer wohligen Wärme Platz die mich ganz erfüllte. Obgleich sich nichts an den widrigen Wetterbedingungen veränderte und die Autofahrt durch die bergigen Strassen nicht einfacher wurde, war ich guten Mutes und ließ mich schneller ans Ziel kommen als gedacht.
Zuhause erwarteten mich leider nicht die Kinder - sie schliefen schon. Aber meine Frau freute sich, mich zu sehen und sie war nun beruhigt, denn sie hatte sich große Sorgen um mich gemacht.
Es war viel zu warm im Wohnzimmer und ich fragte mich, wann es endlich kühler würde. Ich mag es nicht, wenn es zu heiß ist. Ich lag auf dem Sofa, müde und kaputt von einem langen Tag im OP. Eine Operation, die 7 Stunden dauerte und man sich nicht setzen konnte.
Ich grübelte...dachte an den vergangenen Tag und daran wie mein Leben verlief. Ich schauderte bei dem Gedanken, daß alles so weiter gehen würde und es sich nichts ändern würde. Jeden Tag würde das selbe sein. Man steht auf, geht zur Arbeit und kommt wieder heim. Macht das Essen und geht wieder schlafen. Weil man zu müde ist um etwas zu tun, wird der Tag eintönig.
Die Kinder sind ja inzwischen alle groß und sie brauchen nicht mehr die Aufmerksamkeit wie früher. Alles hat sich verändert, es ist nicht mehr wie früher. Manchmal hat man das Gefühl der Einsamkeit es macht sich immer breiter und es wird zur Last.
Gerade jetzt fühle ich sie wieder, diese Einsamkeit. Sie drückt und sie schmerzt, weil mir bewußt wird, daß die Lebenszeit läuft ohne mich zu fragen.
Überhaupt, es fragt niemand mehr wie es war, auf der Arbeit. Niemand der sich dafür interessiert, wie es einem geht oder was man heute vielleicht gern noch machen würde. Sorgt sich denn am Ende überhaupt noch jemand um mich? Wen interessiert es schon, daß man heute einen wunderschönen Sonnenaufgang bewundert hat. Wie sehr hatte ich mir heute Morgen gewünscht dieses Erlebnis mit jemandem zu teilen. Aber da interessiert sich neimand dafür.
Plötzlich wird es kalt... die Kälte kommt langsam aber stetig in mich hinein und diesesmal kann ich nichts tun, denn ich bin doch schon zu Hause...
Da wo früher die Wärme zurück kam ist jetzt nur noch Leere. Was ist nur geschehen in den Jahren, was hat sich verändert?
Zuhause ist, wo man sich wohl fühlt, wo man liebt und wo man geliebt wird. Zuhause ist da, wo es einem warm wird und wo man nicht allein ist. Zuhause ist auch da, wo man sich in Sicherheit fühlt und Kraft schöpfen kann. Es ist schön, wenn das dann da ist, wo man wohnt. Es ist schwierig, wenn es nicht so ist.
Liegt es dann an mir allein, das Haus zu einem Zuhause werden zu lassen? Was kann ich tun? Was können die anderen tun? Ist es weise, sich an einen Tisch zu setzen und darum zu bitten, daß man beachtet wird? Zu ermahnen, daß dieses Haus doch ein Zuhause sein sollte und nun alle fleißig daran arbeiten müssen? Diese Frage gebirt eine andere Frage, eine, die schon tausende von Philosophen beschäftigt hat, nämlich: Was ist Liebe? Was hat Liebe mit dem Zuhause zu tun?
Was ist mit denen, die allein leben? Haben sie kein Zuhause?
Ihr seht, daß das Thema "Zuhause" ein sehr schweres und weites Feld an Überlegungen öffnet und viel Raum zum Philosophieren läßt.
Aber schließlich war es auch genau dies, was ich bezwecken wollte; es sollte eine Anregung für jeden sein, darüber nachzudenken, was sein, oder ihr Zuhause ist und was es sein soll.
Morgen werde ich wieder aufstehen und zur Arbeit gehen, werde hinter mir die Türe schließen und es wird niemand da sein, der mir auf Wiedersehen sagt. Wenn ich nach Hause komme, wird niemand da sein, der mich freudig begrüßt...
Was kann ich tun?
Montag, 21. September 2009
Beim schreiben
Wie gerne wäre ich jetzt zuhause! In einem warmen Bad oder Bett. Ich hätte ein Buch. Die Zimmer wären vertraut, hell. Ich würde mich wohlfühlen, könnte Stunden so verbringen. Nichts besonderes tun, nur etwas lesen, Musik hören. Das wäre angenehm. Ich könnte mir Zeit nehmen nur zu überlegen, was ich als nächstes zu tun gedenke. Einfach nur herumliegen. Zeit vertrödeln. Filme ankucken. Ich könnte..
Ich sitze Zuhause in meiner Badewanne und überlege, was mir zum Thema „Zuhause“ einfällt. Die Zeit vergeht und mir fällt nichts tiefgründiges ein. Zuhause sein bedeutet Normalität. Über das Alltägliche, das Gewohnte zu schreiben ist schwierig. Ich versuche es vom Gegenteil her zu schaffen. Wann fühle ich mich nicht Zuhause? Dazu fällt mir schon mehr ein, doch beschreibt es nicht das Gefühl Zuhause zu sein. Gerade jetzt fühle ich mich besonders zuhause. Ich fühle mich wohl, habe warm und Zeit nachzudenken. Im Hintergrund höre ich meine Familie. Ich bin zuhause.
Mittwoch, 9. September 2009
Stubenhocker
Es war Dreck.
Bestimmt.
Was sollte es sonst sein…
Ich blieb noch eine Weile vor dem Fleck an der Wand stehen und wandte mich dann angewidert ab. Das Wasser im elektrischen Wasserkocher hatte schon längst gekocht und war nun bestimmt schon wieder etwas abgekühlt. Doch das war perfekt. Perfekt für den Tee. Der sollte ohnehin mit nur achtzig Grad heissem Wasser aufgegossen werden. Ich leerte das Wasser über die getrockneten Kräuter, worauf diese sich in einem Wirbel zu drehen begannen, auf- und viel öfter abtauchten. Der frische Duft der Pfefferminze breitete sich aus. Ich stellte den Wasserkocher zurück in seine Halterung und verliess die Küche.
Erneut kam ich an dem Fleck an der Wand vorbei. Es war bestimmt Dreck.
Ich legte mich aufs Bett und begann zu weinen. Ich wusste selbst nicht wieso und kam mir deshalb etwas albern vor. Wäre ER hier, bräuchte ich nicht zu weinen. Dann gäbe es keinen Grund. Und trotzdem war nicht SEIN Fehlen der Grund für mein Weinen. ER hätte es nur verhindert. Ich verscheuchte IHN abermals aus meinen Gedanken. Zum zehnten Mal an diesem Tag. Bestimmt.
Die trällernde, ewig gleiche Popmusik aus dem Radio ging mir allmählich auf die Nerven. Darum schaltete ich den Radio aus. Ich liess mich auf den Fussboden sinken. So sass ich da, auf meinen eigenen Fersen, die Hände auf die Oberschenkel gelegt, das Gesicht mit geschlossenen Augen zur Decke gewandt, als erwarte ich jeden Moment die Erleuchtung. Ich seufzte tief (denn sie kam nicht).
Ich ging zurück in die Küche und brauche kein weiteres Mal zu erwähnen, dass ich noch immer der Überzeugung war, dass der Fleck Dreck war. Ich siebte den Tee ab und gab Zucker in den Krug. Viereinhalb Esslöffel auf eineinhalb Liter Tee. Nicht mehr und nicht weniger. Bestimmt.
Irgendein Bereich zwischen Herz und Magen begann sich leicht zu verkrampfen, was zu einem unangenehmen, aber unbeschreiblichen Gefühl führte. Es war annäherungsweise das Gefühl, das man verspürt, kurz bevor man sich übergeben muss. Keine Übelkeit. Mehr eine intensive, anstrengende Spannung, die man zwar zu unterdrücken versucht, die aber unweigerlich stärker, ja übermächtig wird. Die Spannung entlud sich abrupt in einem erneuten Tränenausbruch.
Ich nahm den Krug – das war ein Fehler. Meine Hände zitterten, sie hatten keine Kraft mehr. Der Krug fiel zu Boden, zerbrach, und der Tee breitete sich auf den Kacheln des Küchenbodens aus. Einige Spritzer erreichten die Wand und liessen Flecken entstehen.
Vielleicht war der Fleck Tee…
Es war Dreck.
Bestimmt.
Oder…? Ich nahm den Waschlappen, tränkte ihn mit dem Tee vom Boden und ging damit zum rätselhaften Fleck. Ich klatschte den Lappen gegen die Wand und beobachtete den entstehenden Fleck. Kein Vergleich. Nicht im Geringsten. Damit war es bewiesen: Der Fleck war kein Tee. Ein bisschen erleichtert liess ich den Lappen zu Boden fallen und begab mich wieder zum Schlafzimmer. Doch auf halbem Weg hielt ich inne. Der Fleck war dunkler als Tee.
Es könnte Kaffee sein…