Wie jeden
Freitag trafen sich Ed, Ned und Fred in der Pianobar des Fünfsternehotels Les
trois rois. Auf Hochglanz poliert stellten sie sich in üblicher Reihenfolge an
ihren angestammten Platz an der Bar. Unaufgefordert servierte Tobias die
gewohnten Drinks. Ein Old Fashioned für Ed, ein Hemingway Special für Ned und
ein Whiskey Sour für Fred. Das herrliche Ambiente der luxuriösen Bar und der
angenehme Smooth Jazz des Pianos läuteten auch dieses Mal das Wochenende wieder
gebührend ein.
Gut gelaunt liessen
die drei die Gläser klingen, nahmen einen kräftigen Schluck und stiessen anschliessend
synchron einen Seufzer des Wohlgefallens aus, bevor sie die Gläser ebenfalls
synchron möglichst männlich zurück auf die Theke stellten. Dann setzten sie
sich auf die Barhocker, breitbeinig wohlverstanden, und liessen die geübten Blicke
nach den dieswöchigen Opfern schweifen. Daneben führten sie die belanglosen Alibigespräche,
um sich ihrer Würde nicht komplett zu entledigen.
„Na, wie läuft’s
in der Bude, Ned? Hat sich dein Chef endlich wieder mal blicken lassen?“ fragte
Ed.
„Pha! Dieser
Vollidiot taucht nur noch sporadisch im Büro auf. Die Woche war er insgesamt
vielleicht zwanzig Prozent anwesend, zahlt sich aber natürlich einen
dreihundertprozentigen Lohn!“
„Wem sagst du
das!“ protzte Fred. „Wir durften heute wieder länger bleiben, weil irgendso‘ne Schickimickikundin
noch ne Beratung für ein Soundsystem wollte. Der Chef war natürlich Punkt
halbsieben weg. Als er ging, hat er mich doch echt noch in die Seite gestossen
und gemeint ‚Der verkauft ihr noch was, Jungs‘, dann hat er noch so blöde
gezwinkert, die Flasche – ist das zu glauben!“
„Na, dann kann
ich ja echt nicht klagen! Ich durft‘ mich die Woche wieder mit paar netten
Ladies abgeben und sie kräftig verbiegen!“ Ed lachte laut auf.
„Ja ja, deine Prahlereien
kenne wir“, bremste ihn Ned. „Aber erzähl doch nochmal von den wabbeligen, verschwitzen,
stinkenden Fettsäcken, die du anleiten musst. Das vergisst du wohl gerne. Ne
du, mein Lieber, mit dir will ich nicht tauschen, egal wie viele heisse
Schnecken da auch immer sonst noch rum rennen.“ Er senkte plötzlich die Stimme.
„He apropos, Granate auf neun Uhr.“
Die anderen
zwei Köpfe wandten sich unauffällig zum gewiesenen Eingang. Zwei elegante junge
Frauen traten lachend ein und blickten sich nun offensichtlich nach geeigneten
Sitzplätzen um.
„Scharrrrrrf!“
liess sich Ed geistreich vernehmen.
„Hey, Achtung,
sie kommen zur Bar“, zischte Fred.
Unauffällig
wurden daraufhin an der Bar drei Bäuche eingezogen, drei Brüste geschwellt und
drei Frisuren gerichtet. Die beiden attraktiven Frauen setzten sich tatsächlich
neben sie an die Bar und bestellten ihre Drinks.
Als der
Barkeeper die Drinks servierte, streckte ihm Ned einen Schein hin. „Das
übernehmen dann wohl wir“, hauchte er verführerisch und sein Mund verzog sich
zu einem gespenstischen, unbequem wirkenden Grinsen, das seine gebleichten
Zähne entblösste.
„Soso, tönt
nach einem Befehl.“ Dann wandte sich die Brünette dem Barkeeper zu. „Widerstand
ist zwecklos, Tobias. Was kann man da machen.“ Sie lächelte und zuckte mit den
Schultern. Dann nahmen die beiden Schönheiten ihre Gläser und wandten sich ihren
Gönnern zu.
„Na dann
vielen Dank, die Herren!“ prostete die Blondine.
Sie stiessen
alle miteinander an, dann setzte Ned seinen Frontalangriff fort: „Was führt
denn zwei so bezaubernde Frauen alleine ins Trois Rois?“
Die Brünette
warf charmant die Haare zurück und ein betörender Geruch stiess Ned entgegen. „Ach,
ich wusste gar nicht, dass hier sonst nur abstossende Menschen zugelassen
werden.“ Sie stiess ihn sanft gegen den Oberarm. „Scherz!“ lachte sie und
kräuselte dabei verspielt die Nase. „Wir arbeiten zusammen hier ganz in der
Nähe. Normalerweise kommen wir fürs Feierabendbier nicht hier her“, wieder ein
Zwinkern, „aber heute hat’s grad irgendwie gepasst. Und ihr? Seid ihr
regelmässig hier?“
Nun ergriff Ed
das Wort. „Hin und wieder. Wir arbeiten eben auch alle in der Stadt, da ergibt
sich’s ganz gut. Ich leite das Fitnesscenter am Martinsplatz. Kennt ihr das?“
„Ach was! Das
ist doch ziemlich nobel, nicht?“
„Kann man wohl
sagen.“ Zum Glück hatte Ed noch zwei Ohren, sonst hätte nichts sein Grinsen gestoppt
und sein Kopf wäre zweigeteilt worden…
„Wow, schöner
Arbeitsplatz! Ihr habt ja Blick auf den Rhein. Beneidenswert!“ Die Brünette
nickte anerkennend.
„Wir arbeiten
leider in einem sehr alten Gebäude“, ergänzte die Blondine. „Schöne historische
Räume zwar, aber super düster.“
„Da kann ich
euch echt nachfühlen“, setzte Fred die Parade fort. „Mein Büro hat zwar ein
grosses Fenster, das geht aber auf eine enge Gasse hin. Direktes Sonnenlicht
seh‘ ich drum auch keines.“
„Wo arbeitest
du denn?“
„Ich bin Geschäftsinhaber
eines Elektronikgeschäfts am Rheinsprung.“
„Oh
Rheinsprung, auch eine gute Adresse!“ Erneut anerkennendes Nicken.
„Ja, wir
arbeiten alle ganz in der Nähe, drum eignet sich diese Hotelbar ja so gut als
Treffpunkt“, riss nun schliesslich auch Ned das Wort noch an sich. „Ich arbeite
am Marktplatz.“
„Ach was! Etwa
im Fielmann? Oder was gibt’s dort sonst noch.“
Ned lachte
etwas zu laut auf. „Nein. Ich bin Leiter der Baer Bank Filiale dort.“
„Ein Banker!“
lachte die Brünette herzlich. „Das war wohl auch schon eine bessere
Visitenkarte als heutzutage, was?“
Ned rang sich ebenfalls
ein Lachen ab, was ihm allerdings nicht allzu glaubwürdig gelang.
Die Brünette
legte beschwichtigend ihre Hand auf seinen Unterarm, und seine Miene hellte
sich augenblicklich auf. „Ich bin überzeugt, du bist ein vorbildlicher
Filialleiter“, säuselte sie.
Die Drinks waren
mittlerweile geleert und die beiden Damen blickten einander vielsagend an. Dann
blickte die Blondine auf ihre imaginäre Uhr und bemerkte: „Huch, es ist ja
schon Zeit!“
„Tatsächlich?“
empörte sich die Brünette. „Das ging ja jetzt schnell!“ Und an die verdutzten
Herren gewandt fügte sie lächelnd an: „Vielen Dank für das kurzweilige
Gespräch. War wirklich nett, euch kennen gelernt zu haben.“
Ned nahm die
ihm hingestreckte Hand entgegen und hielt sie fest. „Ihr wollt einfach so
gehen? Jetzt wird‘s doch erst lustig!“ Er zwinkerte näckisch.
„Ja, tut uns
schrecklich leid, aber wir haben noch eine Verabredung.“
Auch Fred
versuchte sein Glück: „Aber wir wissen doch noch nicht mal eure Namen.“
„Erfindet doch
einen, darin seid ihr spitze!“
Zum Schluss
noch Ed: „Was?“
„Naja… Wir
lassen uns nur von ihm was vorspielen.“ Damit wandten sich die beiden ab,
küssten den Pianisten auf die Wange und gingen mit ihm davon. Und während sie
die Pianobar verliessen, erklang aus den Lautsprechern ein bekannter Schlager: „Man
müsste Klavierspielen können. Wer klavierspielt hat Glück bei den Frau’n. Denn
nur er kann mit Tönen den lauschenden Schönen ein Luftschloss der Liebe erbau’n…“