Zitat des Monats
Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.
Chinesische Weisheit
Chinesische Weisheit
Willkommen!
Liebe Schreibende
In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.
Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.
Dann also viel Spass beim Schreiben!
Eilean
In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.
Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.
Dann also viel Spass beim Schreiben!
Eilean
Montag, 11. Juli 2016
Wahrhaftigkeit oder das Streben nach der Wahrheit
Prolog:
Es muss Jahre her sein, seit ich einen Text auf dem Blog der verzweifelten Schreiber veröffentlicht habe. Nun ist es wieder soweit und das kam dabei heraus:
Wahrhaftigkeit oder das Streben nach der Wahrheit
Wir befinden uns in einem gewöhnlichen Klassenzimmer eines gewöhnlichen Schweizer Primarschulhauses. Der Raum ist hübsch farbig dekoriert mit Fotos der 23 Schüler und Schülerinnen.
Momentan sind viele gemalte Dinosauriern ausgestellt, welche die 4. Klasse einen Tag zuvor im Werkunterricht aus Papiermache und Wasserfarbe gemacht haben. Heute verbringen sie den ganzen Tag mit einem Dinosaurier-Postenlauf. Frau Mendel instruiert gerade eine Gruppe Schüler, wie sie das Arbeitsblatt "Rechnen mit Stegosaurus Rufus" lösen können. Gleich nebenan sitzen Susa, Angela, Fiona und Mehmet. Sie verteilen gerade das Dino-Memory verdeckt auf dem Tisch. Susa darf beginnen, da sie am schnellsten den Namen des Dinos auf der ersten Memorykarte sagen konnte ("Das ist natürlich ein Iguanodon"). In ihrem ersten Zug deckt Susa keine zwei gleichen Dinos auf, daher ist nun Angela am Zug. Sie deckt einen Triceratops und einen Megalosaurus auf. Auch diese beiden passen nicht zusammen. Nun kommt Fiona dran. Fiona nutzt die Gelegenheit als die anderen drei Kinder miteinander diskutieren und streiten, was die beiden vorherigen Dinos denn essen. Mehmet meint es sei Gras, diesem widerspricht Susa vehement. "Nein, du Dubbel, die essen denk beide Fleisch". Angela stimmt Susa zu. "Schau doch, die Zähne sind lang und so spitz".
Fiona entzieht sich dieser hitzigen Diskussion und hebt eine, zwei, drei Memorykarten schnell leicht an, damit sie sehen kann, welcher Dinosaurier darunter versteckt war. Susa schreit nun nach Frau Mendel. "Frau Mendel, Mehmet glaubt mir nicht, dass ein Allosaurus und ein Megalosaurus Fleisch essen". Frau Mendel hebt ihren Kopf, schaut Susa an, danach Mehmet und sagt: "Schaut euch die Zähne an, damit isst man keine Pflanzen, damit kann man nur Tiere reissen". Endlich war diese Diskussion vom Tisch. Susa wendet sich nun zufrieden dem Memory zu. Fiona deckt nun ihre erste Karte auf. Es ist ein Tyrannosaurus. "Den will ich", schreit Mehmet. Fiona greift zielgerichtet über den Tisch und deckt die zweite Karte auf, auch ein Tyrannosaurus.
....20 Jahre später....
Fiona sitzt in ihrem Universitätsbüro vor ihrem Computer. Vor ihr an der Wand ist ein Regal montiert, ausgestattet mit vielen Büchern zum Thema Wirtschaft und Marktforschung. Es ist warm und stickig im Büro, trotz später Abendstunde.
Der Bildschirm leuchtet grell im eher dunkeln Raum, da Fiona nicht gern das Neonlampenlicht in ihrem Büro anhat. Nur die Bürotischlampe brennt neben ihr. Sie tippt gerade einige Zahlen in die Tastatur ein, bewegt die Computermaus hin und her. Schon seit einigen Stunden ist sie nun daran, eine Grafik zu ihren letzten Forschungsresultaten zu erstellen. Irgendwie scheint es nicht aufzugehen. Auf der Grafik hat es einige Punkte, die einfach nicht in die erwartete Kurve passen wollen. "Immer diese bescheuerten Ausreisser", denkt sich Fiona. Nach einem tiefen Seufzer (es war nicht der erste heute), löscht sie diese kurzerhand raus. "Na bitte, nun passt es doch perfekt!".
Hinter Fiona hängt ein Bild an der Wand. Ein alter griechisch wirkender Kopf eines Herren ist abgebildet, darunter in Schnörkelschrift: 'Gibt es Wahres im Falschen? Ja, aber sie besitzt keine Wahrhaftigkeit!'
Auf dem unteren Bildrand ist eine Postkarte fixiert. Sie zeigt den orangen Kater Garfield. Er verschlingt gerade eine Lasagne, daneben verziert der Spruch 'Bleib dir selbst treu' in fetten Buchstaben den weissen Hintergrund.
Samstag, 9. Juli 2016
Eine bekennende Nachricht
"Liebe Lucette
Ich hoffe inständig, dass du mir diese Nachricht nicht übel nehmen wirst, denn sie rührt aus meiner Sorge um dich und dein Wohlergehen.
Weisst du, ich kann gut verstehen, dass du mich nicht immer zu dir gehörig wissen möchtest, mich vor anderen Menschen gerne verbirgst und so tust, als würden wir uns nicht kennen.
Die Entscheidung liegt gewiss alleine bei dir, wem du mich vorstellst, wem nicht, und in welchen Situationen. Manchmal, ja das gebe ich zu, da würde ich sogar mit dir übereinstimmen, dass es besser ist, dem Gegenüber eine andere Person anstatt der meinen vorzustellen.
Ich würde mich aber nicht in diese äusserst seltene Position begeben und dir eine direkte Nachricht zukommen lassen, wäre ich nicht ernsthaft um dich besorgt.
Du hast dich regelrecht dazu habituiert, mich gar vor dir selbst zu verstecken und mich aus deinem Bewusstsein zu vebannen. Du hast den Entschluss gefasst, mich nicht kennen zu wollen - obwohl das absurd ist, Lucette!
Du kannst noch so all deine Kräfte gegen mich wenden, mich inbrünstig aus deinem Leben, deinem Alltag verbannen, mich aus deiner Vergangenheit erodieren. Das gelingt dir nur oberflächlich und scheinbar, aber nicht wahrhaftig. Es wird dir niemals, hörst du?, niemals wahrlich gelingen, mich zu verleugnen und mich in eine Fremde zu wandeln.
Es muss nicht so sein, Lucette. Deine Abscheu gegen mich - gegen unsere Beziehung - rührt aus einem einzigen Suppentopf: weil ich nicht deinem Ideal entspreche. Solange mein Sein nicht kongruent mit deiner Vorstellung von mir ist, wirst du dir andauernd Schaden zuführen. Denn das Unterdrücken und Verdrängen unserer Beziehung lässt dich in eine Marionette mutieren, du wirst niemals zufrieden sein.
Deine Scham wird verrückt spielen, bei den nachfolgenden Beispielen, die du einfach nicht wahrhaben willst:
- Ich liebe Nikolas nicht. Er ist ein guter Freund, mehr aber auch nicht. Ich bin unglücklich mit dieser Beziehung. Sehr sogar.
- Ich hasse das Studium. Ich weiss, dass es von der Gesellschaft geschätzt wird. Aber ich will es gar nicht.
- Ich habe das Portemonnaie, welches ich auf der Strasse gefunden habe, nicht auf den Polizeiposten gebracht. Ich habe das Geld für mich genommen und den Geldbeutel auf eine Parkbank gelegt.
- Mir ist die Umwelt nicht egal, aber ich spucke Kaugummis auf die Strasse, lasse "aus Versehen" ein Papierchen fallen, schmeisse Pet-Flaschen in den normalen Müll, trenne weder Karton, Papier noch Glas und werfe meinen Hausmüll in die öffentlichen Eimer. Ich bin zu faul.
- Ich habe Vorurteile gegen Ausländer.
-Ich beneide Menschen, die sehr erfolgreich sind.
-Ich beneide meine Mitstudennten, weil sie den Anschein haben, mit dem Studium zufrieden zu sein.
-Wenn ich einkaufe, dann entscheidet schlussendlich immer der Preis: ich nehme das günstigere Produkt und kaufe nur dann Bio-, Fairtade-, Wasweissich-Labels ein, wenn ich mit Freunden einkaufe oder für Freunde Abendessen kochen muss.
-Ich putze meine Zähne nur einmal am Tag. Vor dem Schlafengehen.
-Ich lese den Hundehaufen nie auf. Nur, wenn jemand guckt.
Lucette, du musst mich endlich akzeptieren, denn nur so gibst du mir auch die Möglichkeit, mich zu ändern und mich zu entfalten. Du musst meiner Wahrhaftigkeit ins Angesicht blicken.
Nur das Beste für dich wollend,
deine wahrhaftige Lucette"
Ich hoffe inständig, dass du mir diese Nachricht nicht übel nehmen wirst, denn sie rührt aus meiner Sorge um dich und dein Wohlergehen.
Weisst du, ich kann gut verstehen, dass du mich nicht immer zu dir gehörig wissen möchtest, mich vor anderen Menschen gerne verbirgst und so tust, als würden wir uns nicht kennen.
Die Entscheidung liegt gewiss alleine bei dir, wem du mich vorstellst, wem nicht, und in welchen Situationen. Manchmal, ja das gebe ich zu, da würde ich sogar mit dir übereinstimmen, dass es besser ist, dem Gegenüber eine andere Person anstatt der meinen vorzustellen.
Ich würde mich aber nicht in diese äusserst seltene Position begeben und dir eine direkte Nachricht zukommen lassen, wäre ich nicht ernsthaft um dich besorgt.
Du hast dich regelrecht dazu habituiert, mich gar vor dir selbst zu verstecken und mich aus deinem Bewusstsein zu vebannen. Du hast den Entschluss gefasst, mich nicht kennen zu wollen - obwohl das absurd ist, Lucette!
Du kannst noch so all deine Kräfte gegen mich wenden, mich inbrünstig aus deinem Leben, deinem Alltag verbannen, mich aus deiner Vergangenheit erodieren. Das gelingt dir nur oberflächlich und scheinbar, aber nicht wahrhaftig. Es wird dir niemals, hörst du?, niemals wahrlich gelingen, mich zu verleugnen und mich in eine Fremde zu wandeln.
Es muss nicht so sein, Lucette. Deine Abscheu gegen mich - gegen unsere Beziehung - rührt aus einem einzigen Suppentopf: weil ich nicht deinem Ideal entspreche. Solange mein Sein nicht kongruent mit deiner Vorstellung von mir ist, wirst du dir andauernd Schaden zuführen. Denn das Unterdrücken und Verdrängen unserer Beziehung lässt dich in eine Marionette mutieren, du wirst niemals zufrieden sein.
Deine Scham wird verrückt spielen, bei den nachfolgenden Beispielen, die du einfach nicht wahrhaben willst:
- Ich liebe Nikolas nicht. Er ist ein guter Freund, mehr aber auch nicht. Ich bin unglücklich mit dieser Beziehung. Sehr sogar.
- Ich hasse das Studium. Ich weiss, dass es von der Gesellschaft geschätzt wird. Aber ich will es gar nicht.
- Ich habe das Portemonnaie, welches ich auf der Strasse gefunden habe, nicht auf den Polizeiposten gebracht. Ich habe das Geld für mich genommen und den Geldbeutel auf eine Parkbank gelegt.
- Mir ist die Umwelt nicht egal, aber ich spucke Kaugummis auf die Strasse, lasse "aus Versehen" ein Papierchen fallen, schmeisse Pet-Flaschen in den normalen Müll, trenne weder Karton, Papier noch Glas und werfe meinen Hausmüll in die öffentlichen Eimer. Ich bin zu faul.
- Ich habe Vorurteile gegen Ausländer.
-Ich beneide Menschen, die sehr erfolgreich sind.
-Ich beneide meine Mitstudennten, weil sie den Anschein haben, mit dem Studium zufrieden zu sein.
-Wenn ich einkaufe, dann entscheidet schlussendlich immer der Preis: ich nehme das günstigere Produkt und kaufe nur dann Bio-, Fairtade-, Wasweissich-Labels ein, wenn ich mit Freunden einkaufe oder für Freunde Abendessen kochen muss.
-Ich putze meine Zähne nur einmal am Tag. Vor dem Schlafengehen.
-Ich lese den Hundehaufen nie auf. Nur, wenn jemand guckt.
Lucette, du musst mich endlich akzeptieren, denn nur so gibst du mir auch die Möglichkeit, mich zu ändern und mich zu entfalten. Du musst meiner Wahrhaftigkeit ins Angesicht blicken.
Nur das Beste für dich wollend,
deine wahrhaftige Lucette"
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