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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Montag, 5. September 2016

Stinkendes Stigma

Nancy und Cindy betraten rege tratschend die Personaltoilette. Die neuen Gerüchte gaben wieder einiges her. Sie traten vor die beiden Toilettenkabinen. Als sie bemerkten, dass die eine besetzt war, warfen sie sich gegenseitig warnende Blicke zu und verstummten jäh – man weiss ja nie, wer auf der Toilette sitzt…
Cindy nahm die freie Kabine, und Nancy wartete vor der besetzten. Ein eigenartiges Rascheln war daraus zuhören, dann ein Spülen und die Tür schwang auf. Emma Dickmanns trat heraus und blickte Nancy kurz erschrocken an. Dann nickte sie beschämt zum Gruss und eilte mit gesenktem Blick aus der Toilette.
Nancy blickte ihr misstrauisch nach. „Hey Cindy“, zischte sie, „das war Emma von der Buchhaltung. Sie war total komisch drauf.“
„Wie komisch?“
„Naja…“ Nancy trat in die freigewordene Kabine. „Sie— Iiiiii!“ entfuhr es ihr vor Ekel. „Das ist ja widerlich!“ Sie stürzte wieder rückwärts aus der Kabine.
„Was ist denn?“ rief Cindy erschrocken, spülte und eilte ihrer Freundin zu Hilfe. Diese stand angewidert an die der Kabine gegenüberliegende Wand gelehnt und deutete wortlos auf die Toilette. Cindy konzentrierte sich auf die gewiesene Stelle und ihr entfuhr ebenfalls ein: „Iiiii! Was ist das?!“
Auf dem Toilettenring klebte eine dickliche, braune Masse
„Na was wohl, du Schlaumeier. Das ist Scheisse! Die ist ja echt widerlich, die Frau“, empörte sie sich, während sie sich in die andere Toilettenkabine begab. „Aber weisst du“, fuhr sie von dort aus fort, „ich hab’s mir schon immer gedacht, dass diese fette Kuh nicht ganz sauber ist – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich meine, ist dir aufgefallen, dass sie keine ihrer Blusen je bügelt?
„Ja stimmt, jetzt wo du’s sagst. Und ihre Schuhe trägt sie ja mehrere Tage hinter einander. Den ganzen Tag!“
„Genau. Und sie schafft es nicht, ihren Kaffee zu trinken, ohne sich irgendwo einen Fleck hin zu machen. Die hat einfach keine Manieren!“
„Und bist du mal in ihrem Wagen mitgefahren?“ setzte Cindy nach. „Ich glaube, das hat sie, seit sie es gekauft hat, kein einziges Mal geputzt. Da liegen Papierfetzchen am Boden rum, die Armatur ist ganz staubig und die Fenster sind verschmiert. Keine Ahnung, wie sie aus der Scheibe sieht.“
„Mich erstaunt viel eher, dass sie überhaupt hinter dem Steuer Platz hat“, lästerte Nancy, und beide brachen in schallendes Gelächter aus.
Sie gingen zur Spüle und wuschen sich die Hände.
„Ich werde ihr jetzt echt mal die Meinung geigen! Das ist ja echt nicht zum glauben!“
Sie traten aus der Toilette auf den Gang und schritten zielstrebig auf das Grossraumbüro der Buchhaltungsabteilung zu. Hätte ein Soundtrack diesen Marsch untermalen sollen, wäre es wohl Wagners „Ritt der Walküre“ gewesen. Die Luft knisterte vor Spannung, als die beiden kampfeslustig durch den Raum schritten. Die anderen Mitarbeiter kehrten sich nach ihnen um und verfolgten gespannt, was sich unweigerlich anbahnte.
Schon tauchte der breite Rücken von Emma Dickmanns hinter einer der niedrigen Trennwände auf.
„Emma!“ rief Nancy, als sie noch vier Meter von ihr entfernt war.
Erschrocken kehrte sich Emma um.
„Warst du das auf dem Klo?!“
Emmas Miene wurde blass.
„Das darf ja wohl wirklich nicht wahr sein! Wie alt bist du eigentlich?“ keifte Cindy dazwischen.
Emmas Unterlippe begann zu zittern.
„Ich meine, mag ja schon sein, dass es etwas schwieriger ist, bei deinen Proportionen“, spottete Nancy, „aber so feige davon rennen ist echt erbärmlich!“
Emmas Augen füllten sich mit Wasser.
„Wir hätten echt nicht geglaubt, dass du solch ein Ferkel bist!“ Cindy verschränkte die Arme und wandte sich angewidert ab.
„Ich finde“, fuhr Nancy fort, „und ich nehme an, unsere Kollegen werden uns da beipflichten, zumindest könntest du die Sauerei, die du hinterlassen hast, wieder bereinigen.“
Da brach der Damm und dicke Tränen rannen Emma über die dicken, heissen Backen. Beschämt blickte sie zu Boden und murmelte nur: „Ja, natürlich.“
„Das ist nämlich echt ‘ne Zumutung! Ein Blick zurück ist doch wirklich nicht zu viel verlangt!“
Emma horchte auf.“
„Auf ein dermassen – tut mir leid, ich kann’s nicht anders sagen – verschissenes Klo kann ja kein Mensch mehr gehen!“
„Verschissen?“ fragte Emma leise.
„Jetzt tu nicht so scheinheilig!“ zischte Nancy leicht verunsichert. „Was dachtest du denn?!“
„Ach, nichts“, entgegnete Emma mit einer deutlichen Erleichterung. „Es tut mir nur so schrecklich leid! Tut mir wirklich leid, Leute! Echt! Ihr habt total recht. Ist natürlich unentschuldbar. Ich werde es sofort bereinigen. Wie peinlich! Tut mir leid.“ Während ihrer Entschuldigungsleier hatte sie ihre Massen vom Bürostuhl erhoben und bewegte sich nun eilig, sich weiter entschuldigend, Richtung Toilette. Alle blickten ihr verdutzt nach, denn keinem war das eigenartige Lächeln entgangen, das ihre Lippen zum Schluss umspielt hatte.
Emma warf die Tür zur verräterischen Toilettenkabine auf und erblickte sogleich das Corpus Delicti. Sie nahm ein Toilettenpapier, wischte den braunen, klebrigen Fleck vom Toilettenring und blickte ihn kopfschüttelnd an.
„Scheisse!“ gab sie ihrem Ärger über sich selbst freien Lauf. „Ihr saudämlichen Schnepfen! Das ist Schokolade!“

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