„Es
ist die Angst, Herr Doktor. Sie beherrscht mein Leben und jenes vieler, die
mich umgeben…“ Sie seufzte und lehnte sich im Sessel zurück.
„Ich
verstehe. Das muss schwer für Sie sein.“
„Sie
können sich das unmöglich vorstellen.“ Sie hob den Schleier über ihr Gesicht
und blickte den Psychiater aus ihren dunklen Augen eindringlich an. „Ich fühle
mich so missverstanden. Wieso hassen mich denn so viele?“ Sie vergrub ihr
Gesicht in ihren Armen und fing an zu schluchzen.
„Viele
Leute wertschätzen eben nicht, was sie leisten…“
Sie
horchte auf. „Sie haben recht. Sie haben vollkommen recht!“ Sie wischte sich
die Tränen aus den Augen. „Die wissen einfach nicht, was es bedeutet, sich jeden
Tag unter widrigsten Bedingungen sein täglich Brot zu erarbeiten, diese
verwöhnten Stubenhocker, Sesselfurzer, Bürostifte! Und ein Obdach gewährt einem
ja auch kaum einer. Höchstens im modrigen Keller dulden sie uns noch, diese
treulosen Idioten! Dabei: Wo wären die ohne uns?!“ Sie stiess ein verächtliches
Lachen aus, lehnte sich wieder im Sessel zurück und schlug ihre langen,
schlanken Beine übereinander.
Der
Psychiater räusperte sich verlegen und versuchten die Wallung zu unterdrücken,
die ihn bei dem verführerischen Anblick überkam. „Wohl wahr! Wohl wahr!“
stimmte er zu.
„Untergehen
würden die Narren! Sie wüssten gar nicht, wie ihnen geschieht, das sage ich
Ihnen, Herr Doktor! Unsere Arbeit ist essentiell für das Kräftegleichgewicht.
Essentiell! Und diese Widerlinge behandeln uns wie Abschaum, wie Dreck.
Verjagen − ja quälen uns! Nur weil sie die Macht dazu haben. So glauben sie
zumindest. Dabei sind sie in der Unterzahl!“ Sie erhob sich aus ihrem Sessel
und reckte die Fäuste in die Höhe. „Wir sollten uns gegen sie erheben! Ja,
wahrlich! Wir sollten uns das nicht länger gefallen lassen! Der Sieg ist
unser!“ Sie brach in ein irres Gelächter aus, das ihren gesamten Körper
durchbebte. Wieder stiegen übermächtige Wallungen in dem armen Psychiater auf. Er
konnte seinen Blick nicht von ihr nehmen. Ihre fast unwirklich schlanke Taille
und ihr wohlgeformter Unterleib wippten mit dem Lachen rhythmisch auf und ab.
Welch betörender Anblick!
Er
riss sich gewaltsam aus der Trance. „Wollen wir“, unterbrach er ihr
diabolisches Gelächter heiser, „wollen wir uns nicht noch einmal Ihrem anderen
Problem widmen, Gnädigste?“ Er wischte sich den Schweiss von der Stirn.
Ein
neckisches Lächeln umspielte ihre Lippen. „Wie Sie wünschen, Herr Doktor“,
hauchte sie. „Ich hole mir vorher noch was zu trinken.“ Sie wandte sich um und
fragte im davongehen: „Kann ich Ihnen nicht doch etwas anbieten?“
Wieder
erstarrt durch den atemberaubenden Anblick dieser davon gleitenden Schönheit
war er unfähig zu antworten. Gebannt blickte er auf die feuerrote Sanduhrtätowierung
auf ihrem entblössten Rücken.
Sie
blickte ihn über ihre Schulter an. „Herr Doktor?“ hauchte sie.
„Oh
ja … äh … nein, danke … vielen Dank“, stammelte er und zwang sich erneut zu
professioneller Contenance.
„Wie
schade…“ Sie kehrte mit einem Drink in einem modernen, seidig umgarnten Gefäss
zurück. „Wo waren wir?“
Ihre
verführerische Erscheinung gepaart mit dieser geheimnisvoll bedrohlichen
Ausstrahlung hypnotisierte ihn förmlich, und es fiel ihm schwer, auch nur einen
klaren Gedanken zu fassen. „Wir wollten über Ihr anderes Sorgenkind reden.“
„Ja
richtig. Die lieben Männer!“ Sie stiess erneut verächtlich Luft aus. „Ich weiss
nicht, Herr Doktor, ich bin scheinbar nicht geschaffen für langanhaltende
Beziehungen. Diese anhänglichen Trottel! Sie wollen ja doch alle nur das Eine!
Und ich muss ehrlich sagen“, sie lehnte sich zu ihm vor, sodass er ihren Atem
in seinem Gesicht spürte, und fügte flüsternd an, „ich will auch gar nicht
mehr.“ Dann warf sie sich lachend im Sessel zurück und schlürfte ihren Drink
leer. Achtlos schleuderte sie das leere Gefäss zu Boden. „Was soll ich denn mit
so einer Klette? Dann müsste ich ja nur mein bescheidenes Zuhause auch noch
teilen! Und wofür? Für das Bisschen Vergnügen?! Pah! Dass ich nicht lache!“ Sie
hatte sich wieder aufgebäumt und brach wieder in dieses diabolische Lachen aus,
das ihn erschauern liess und gleichzeitig so elektrisierend erregte.
„Können
Sie denn an nichts denken, was ein Partner Ihnen sonst noch geben könnte,
Frau−“
„Aber
nicht doch, mein Lieber“, unterbrach sie ihn, während sie sich hingebungsvoll
über ihn beugte. Ihr Bein suchte das seine. „Wir kennen uns doch nun schon so
lange, Herr Doktor…“ Das zweite Bein, suchte das seine, und gedehnt hauchte
sie: „Nennen Sie mich … Vidua.“
Da
war es um seine Beherrschung geschehen. Sie fielen wild über einander her und
wälzten sich im hemmungslosen Liebesspiel. Die ganze Nacht lang vereinigten sie
sich wieder und wieder. Doch auch dieses Feuer erlosch allmählich. Langsam
verebbte die Wollust und eine übermächtige Erschöpfung hielt Einzug. Doch noch
bevor er sich des Endes ihrer Liebesnacht gewahr wurde, vollzog sich das
absehbare und doch unausweichliche Unglück!
Ein
letztes Mal bäumte sie sich vor ihm auf. Sie riss ihr Maul auf und entblösste
furchteinflössende, messerscharfe Zähne. Sie fuhr auf ihn nieder, umklammerte
ihn mit ihren sechs Beinen und biss zu. Er spürte wie das Gift durch seinen
Körper strömte und sogleich seine lähmende Wirkung zu entfalten begann. Mit den
hintersten beiden Beinen begann sie das tödliche Netz um ihn zu wickeln. Durch
die sich in seinem Kopf ausbreitenden Nebelschwaden hörte er ihre sanfte
Stimme: „Hab keine Angst, mein Liebling. So ist nun mal der Lauf der Dinge, und
selbst dein schlaues Köpfchen – wir haben es ja wahrhaftig versucht – konnte
daran nichts ändern.“
...so kann`s Enden - ganz schön... schlimm...
AntwortenLöschenstill my favorite ;)