„Gestern
Abend lag ich unruhig auf meinem Bett und obwohl ich da lag wie sonst jeden
Abend konnte mich der Schlaf nicht finden. Immerzu musste ich an Lara Zeh
denken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn. Ich verzehre mich nach ihr.“
„Mmmh“ – summte Eckhart als er dazu ansetzte einen
Zweig zwischen einer Astgabel hindurch zu werfen. Er warf ihn kräftig und
verfolgte aufmerksam seine Flugbahn, die zwischen Bäumen hindurch und über
Büsche hinweg schließlich im grünen Moos endete.
„Nun – als ich endlich einschlafen konnte“, fuhr
Friedrich fort, „begann ich zu träumen. Im Traum
durchreiste ich fremde Gegenden bis ich schließlich am Fuße eines Berges die
Öffnung einer dunklen Spalte entdeckte. Ich drang in sie ein und betrat eine
Höhle. In der Höhle befand sich ein Wasserbecken. Ich ließ mich lustvoll in das
Wasserbecken hineingleiten und durchschwamm es bis zum anderen Ufer.“
Eckhart
spitze die Ohren, denn er mochte Friedrichs träume. Außerdem bemerkte er, dass es
hier um etwas ging, das Friedrich ganz besonders am Herzen liegt – weshalb Eckhart
seine Ohren auch ganz besonders spitze.
„Was
mich dort mit voller Macht anzog“, fuhr Friedrich mit großen Augen fort, „war
eine hohe lichtblaue Blume, die mich mit ihren breiten, glänzenden Blättern
berührte. Rund um sie herum standen unzählige andere Blumen von allen Farben; und der köstliche Geruch erfüllte die ganze Luft im warmen und feuchten
Innenraum der Höhle. Ich aber sah nichts als diese blaue Blume und betrachtete
sie lange und mit zärtlichen Gefühlen. In dem Moment als ich mich ihr nähern wollte, fing auch sie an sich zu bewegen und ihre Gestalt zu
verändern. Ihre Blätter wurden glänzender, ihr Stängel wuchs und ihre Blätter begannen sich zu spreizen. Schließlich neigte sie sich zu mir hin und ihre Blütenblätter
zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ich Laras Gesicht erkennen konnte.
Mein Verlangen nach ihr wurde größer und größer. Aber dann, als wir begannen uns zu küssen und sie ihren Mund öffnete, stellte sich mir der Atem ab. Je länger wir uns
küssten je mehr schnürte es mir die Luft ab. Ich versuchte zu atmen – war aber
kaum mehr dazu in der Lage. Ich wollte, aber ich konnte nicht. Ich drohte zu
ersticken. Schließlich erwachte ich – atemlos und unfassbar betört.“[1]
„Heute habe ich den größten Teil des Tages damit
verbracht über diesen Traum und Lara Zeh nachzudenken. Mein Verlangen nach ihr
ist schön; aber es ist auch schlimm.“
„Also ganz schön-schlimm“ – fügte Eckhart lächelnd hinzu, weil er sich über diese kleine Stimmigkeit freute.
„Ja Mann“, sagte Friedrich – dem das hübsche
Wortspiel zwar auch auffiel, sich aber weniger daran erfreute. „Ich grüble
mich noch zu Tode darüber wie ich meine schier unstillbare Sehnsucht nach Lara mit meinem unbändigen Verlangen nach Unabhängigkeit unter einen
Hut bekommen kann.“
Darauf sagte Eckhart – wie so oft – erst einmal
gar nichts.
Nach einer schönen Weile jedoch – es dämmerte schon
– zeigte er auf eine Pflanze am Wegesrand und fragte: „Was ist denn das für ein
Gewächs?“
Friedrich, der Eckhart immer wieder damit zum erstaunen bringen konnte,
weil es kaum etwas zu geben schien womit er sich nicht auskennt,
antwortete: „Das ist eine Bella Donna – die tötet jeden, der ihre Blätter
isst.“
„Mmh", summte Eckhart erneut, bevor er langsam und nachdenklich sagte: "...aber sie wird doch bestimmt niemandem schaden, der
sie nicht aufessen will. Ich meine, wer sich schlicht an ihrem Duft und
ihrem Dasein erfreut; wer gefallen daran findet sie wachsen, gedeihen und erblühen zu
sehen; also wer frei ist von dem Wunsch sie sich einzuverleiben und sich ohne Habsucht an ihrer Gegenwart und Schönheit erfreut – dem kann
sie doch ganz gewiss nicht schaden.“
Eckharts Aussage zum Schluss ist ja wohl eine Feststellung, keine Frage, oder...? ;)
AntwortenLöschen...das kommt ganz darauf an - was wäre denn (d)eine Antwort? ;)
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