Seiten

Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Aphrodites Verführung

Wer tanzt und singt da in des Sommers Nacht?
Es ist Philia in voller Pracht.
Sie ist bei sich, sie fühlt sich eins,
„Dieses Leben, es ist nur meins.“

"Doch, Philia, was birgst du jäh so bang dein Gesicht?"
"Siehst, Körper, du Aphrodite nicht?
Aphrodite mit flachem Bauch und langem Bein?"
"Philia, es ist des Mondes Schein."

"Liebe Philia, komm, komm mit mir!
Gar schöne Spiele erklär ich dir;
manch Lieberhaber warten dort am Strand,
komm mit, ich geb‘ dir ein viel schön‘res Gewand."

"Körper, Körper und hörst du denn nicht,
was Aphrodite mir leise verspricht?"
"Philia, sei ruhig, bleib ruhig und hör gut hin,
in dünnen Blättern säuselt der Wind."

"Willst, liebe Philia, du mit mir gehen?
Deinen Körper werde ich warten schön;
ich werde dir alles zeigen, du wirst gedeih’n,
ich führe dich in das Begehrtsein ein."

"Körper, Körper und siehst du nicht dort,
wie du dich verwandelst an jenem Ort?"
"Philia, Philia, ich seh es genau,
es wiegelt die Birke im nächtlichen Grau."

"Ich will dich, ich helf dir, sei unverzagt
und wählst du nicht mich, so hast du versagt."
"Philia, Philia, jetzt fasst sie mich an!
Aphrodite hat mir Leids getan!"

Philia grauset’s, sie wird ganz kalt,
ihr Wille immer mehr in Aphrodites Gewalt,
Sie erreicht den Tiefpunkt in grosser Not,
die alte Philia - sie ist jetzt tot.

3 Kommentare:

  1. Lieber Goethe, verzeih' mir den billigen Abklatsch. Betrachte ihn als meine Hommage an deinen unvergleichlichen Erlkönig.

    AntwortenLöschen
  2. krasses Gedicht… der Tod als Symbol für das Ende einer alten… überwundenen Identität? …oder als Symbol für die totale Übernahme zwanghaft versklavender Idealvorstellungen? oder… viel Raum für Interpretation - spannend!

    AntwortenLöschen
  3. Wirklich rührend! Zeigt sehr anschaulich den inneren Kampf, der allen Aussenstehenden ansonsten so verborgen bleibt...

    AntwortenLöschen