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Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Mein Monster, meine Melancholie

Es sitzt.
Es sitzt still.
Es sitzt ganz tief.
Es sitzt so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Oft macht es sich so klein, dass ich es gar nicht wahrnehme, um sich nach einer kurzen friedlichen Verschnaufpause umso grösser aufzublasen.

Es tobt.
Es tobt laut.
Es tobt ganz tief.
Es tobt so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Ich möchte ihm Raum geben, es soll raus, es soll sich austoben und abreagieren. Aber ich finde den Weg zu ihm nicht. Ich habe die Karte zu seinem lebendigen Grab vor langer Zeit vernichtet. Zu gross war meine Angst vor seiner zerstörerischen Raserei. Ich verbannte es ganz ganz tief und noch tiefer, wollte es ersticken.

Es kauert.
Es kauert erschöpft.
Es kauert ganz tief.
Es kauert so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Ich fühle eine ermüdete Stille, trügerisch. Ich spüre, es ist eine Frage der Zeit, bis es sich wieder aufbläht und wütet, tief in mir, ohne dass ich es rauslassen kann. Wir beide wissen, dass wir dazu verdammt sind, gemeinsam den Rest unseres Lebens zu verbringen und können doch nicht miteinander umgehen.

Es weint.
Es weint bitterlich.
Es weint ganz tief.
Es weint so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Ich würde es so gerne frei lassen, ich will es nicht in mir einschliessen, aber zu tief hatte ich es damals weggesperrt. Ich weiss nicht mehr, wo suchen, weiss nicht mehr, wo ich den Schlüssel zu seinem Käfig habe.

Es klopft.
Es klopft beharrlich.
Es klopft ganz tief.
Es klopft so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Es macht mich schwer, es ist ein Klotz am Bein, der mich ständig am Fliegen hindert. Wahrscheinlich beruht diese Abscheu auf Gegenseitigkeit.

Es hasst.
Es hasst leidenschaftlich.
Es hasst ganz tief.
Es hasst so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.

Können wir nicht lernen miteinander umzugehen? Ist es wirklich hoffnungslos? Finden wir denn nie unser Leben in Harmonie?

Es sitzt.
Es sitzt still.
Es sitzt ganz tief.
Es sitzt so tief, dass ich es nicht mehr erreiche.


3 Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  2. Ich erlaube mir ein Kommentar :)

    Abschied

    Vor langer Zeit, noch in meinen Kindertagen, entdeckte ich ein Ungeheuer, das mir folgte auf den Schritt. Es kam und ging, doch nie für lange, es nistete irgendwo, fern von meinem Blick, in einer dunklen Ecke meines Raums. Mal war es verstohlen in meinem Schatten, mal der Begleiter in meinem Traum, mal ein Flüstern meiner Gedanken, oft unsichtbar und doch zu ahnen. Hin und wieder, aus halbem Herzen, bäumte ich mich auf, es zu verjagen. Es stand da nur ganz still und lachte sanft, ohne auch etwas zu wanken.
    Nach Jahren voll Kampf und Frust, voll Aufbegehren und Versagen, stand ich, in einer schlaflosen Nacht und es blickte mich im Spiegel an. Voller Angst senkte ich die Augen, war es doch nie so weit gekommen. Es ist nun so dreist geworden, und Blickt mir höhnend ins Gesicht. Ich blickte auf, es war noch da und sah mich weiter wortlos an. Doch je länger ich es ansah, so wenig Hohn fand ich da. Seine Züge waren, zum ersten Mal so nahe, weich und ruhig, sogar sanft. Die Augen, meinen nicht ungleich, voll von Furcht, voller Fragen. Es war, was mich so still ansah, nicht das Monster, das ich kannte. War es denn, nach all den Jahren, der Gefährte, den ich nicht sah? Es sah mich an und nickte leicht, machte einen Schritt auf mich zu. Ich öffnete meine Arme weit und drückte es an meine Brust. Die grosse Last meiner Jahre, mein Ungeheuer, mein hässliches, hatte ich es selbst nur erdacht? Einen Teil meiner Selbst gefunden, es voll Scham als Biest geächtet? Wie wir standen, sein Gesicht so in mir vergraben, schloss ich die Augen und lachte sanft, ganz gleich meinem Ungeheuer, das den Kopf in meine Brust versankt.

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