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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 30. Juni 2016

Wahrhaftigkeit

Wie sehr sehne ich mich

danach

die Weisheit in meinem Herzen

zu hören
zu fühlen
zu leben

Ich zerbreche in tausend Einzelteile
und löse mich auf
Nichts!


Mein Atem
Ich atme!
Oh JA!

Ein JA zum Sein
Zum Leben
Zu meinem Selbst

Es strahlt der Funke des Vergessens
aus meiner Welt
in diese Welt


Ich bin ein Stern
der diese Welt begrüsst
Wahrhaftig voller Freude!

Mittwoch, 15. Juni 2016

panta rhei

"Vorgestern stieg ich in ein Bächlein. Geschmeidig und sanft zog es seinen Weg um meine Knöchel.

Gestern stieg ich in einen Fluss. Rauschend und hartnäckig zog er an meinen Waden, mit denen ich mich gegen den Sog seiner Wassermassen stemmte.

Heute Morgen bin ich in denselben Fluss gesprungen, der mir bis unters Kinn reichte.
Heute Abend schwimme in einem tosenden Strom, um nicht unterzugehen.

Morgen werde ich mir, verzweifelt nach Luft schnappend wünschen, ich hätte den Fluss heute am Mittag wieder verlassen, als das Ufer noch nicht überschwemmt gewesen ist.

Und Übermorgen?

Dann werde ich gelernt haben, mich entspannt und erholsam treiben zu lassen, denn nur so werde ich in Zukunft nicht untergehen."

Dienstag, 7. Juni 2016

Kiitos

Kiitos“ sagte der finnische Familienvater zu Beginn der sonst stummen Mahlzeit. Da ich nicht verstand, fragte ich nachher meinen gleich jungen Austauschpartner, was das bedeute. „Danke“ antwortete er mir, worauf ich nicht weiter fragte. Fremd war mir dieser Brauch, doch er machte mir Eindruck. Galt der Dank Gott oder der Frau, die gekocht hatte, oder beiden? Noch heute, Jahrzehnte danach, erinnere ich mich manchmal daran und sage beim Essen „Kiitos“.

Freitag, 3. Juni 2016

Für dich

Das erste Mal mit dir war unvergesslich.
Wenn es um dich geht bin ich unersättlich.
Ich erinnere mich ans erste Mal als ich dich traf,
anfangs skeptisch, doch schnell wurde mir klar,
ich war ein dummer Ignorant mit meinen Vorurteilen,
doch nun wirst du für mich wie ein Ohrwurm bleiben.
Ich werde dich daher sicherlich nie wieder meiden,
für mich bist du glasklar die Nr. 1 aller Speisen.
Auch dank dir habe ich aus meinem Fehler gelernt
und das gefährliche Halbwissen in den Müll geleert.
Seither versuche ich mich ganz anders zu verhalten,
mich mit unbekannten Sachen näher zu befassen
und mich nicht einfach auf hörensagen zu verlassen.
Ich freue mich dich immerwieder zu geniessen
und komplett deinem Geschmack zu erliegen,
denn du bescherst mir kulinarische Orgasmen,
so berauschend wie Beethoven’s Sonaten
für einen Liebhaber der klassischen Musik.
Das hier ist ein Text für dich der dir huldigt.
Du hast mein Leben um ein Stück bereichert,
mein Horizont auf kulinarischer Ebene erweitert
und hoffe, dass du mich weiterhin begleitest,
um mir jeweils eine Prise Freude zu bereiten,
nachdem dich jemand für mich zubereitet,
und ich dich genüsslich in Ruhe verspeise
während ich zufrieden irgendwo verweile.

Vielleicht ist es übertrieben und vermessen,
denn letztlich ist es ja “nur” etwas zum Essen.

Für mich ist so eine Denkweise absolut verständlich
und zur gleichen Zeit eben auch absolut bedenklich.
Denn unser Lebensstandard in der Schweiz ist hoch,
und wir fühlen uns in unserem Luxus mehr als wohl.
So scheint also die Latte für uns hoch zu hängen,
und alles darunter hat aufgehört für uns zu glänzen.
Es wird schlicht als gegeben und normal betrachtet
und deshalb als nicht mehr so wichtig erachtet.
So verlernen wir die Fähigkeit Dinge zu schätzen,
darum wäre es gut sich hin und wieder zu erden,
den Blickwinkel auf Seiendes gelegentlich zu wechseln.
mit dem Ziel nicht immer nach mehr zu lechzen.
Da hilft es vielleicht sich den Weg dahin zu ebnen,
und anzufangen “Kleinigkeiten” im Leben zu putzen,
damit sie wieder glänzen und funkeln.

Das Postskriptum als Kommentar

Donnerstag, 2. Juni 2016

essen

Essen - die ewige Konstante, die uns alle tagein, tagaus begleitet und beschäftigt. Und verbindet. Menschen aus ferner Vergangenheit bis weit in die Zukunft. Vom jagenden Höhlenbewohner, über Jesus Christus am letzten Abendmahl oder den rundlichen Buddha, bis hin zu Heidi Klums "Germanys Next Topmodel". Unabhängig davon, welchen kulturellen Hintergrund oder Weltbild wir haben. Wir können uns für noch so unterschiedlich halten, uns aufgrund dessen gegenseitig zum Feind erklären und bis zum Tod bekriegen.
Essen ist ein fundamentaler, gemeinsamer Nenner, der uns von unseren individuellen, geistig-intellektuellen (irr)Wegen stets wieder zurück an die Einfachheit unseres Daseins erinnert.   An das simple Lebewesen, das wir sind, kaum besser als eine - im wahrsten Sinne des Wortes - hirnlose Mikrobe, deren unscheinbares Leben sich genauso um die Nährstoffaufnahme dreht, wie unseres.