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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Dienstag, 6. September 2016

angekommen

Hektisch rennt Daniela zum Gleis und wirft noch einmal einen Blick auf ihr Ticket. Ja, da steht Gleis 2, sie ist richtig, nur noch zwei Minuten, bis der Zug abfahren sollte. Nun steht sie hier, inmitten von Menschen, die ganz anders aussehen als sie. Frauen in Saris drängen sich an ihr vorbei, kleine Kinder mit dichtem schwarzen Haar beäugen sie neugierig und ein Verkäufer neben ihr rückt die Ware in seinem Korb zurecht. Die kleinen Brötchen, die aussehen, als ob sie gefüllt wären, sehen sehr lecker aus. Wie sie wohl schmecken? Sie blickt sich um und entdeckt noch ein anderes europäisch aussehendes Pärchen und eine asiatische Familie, die auch etwas verloren hier am Bahnhof von Colombo stehen und nach dem Zug Ausschau halten. Endlich, ein Zug fährt mit lautem Gedöse in die Bahnhofshalle ein. Menschen strömen heraus, mehr als man erwartet, dass überhaupt in einen Zug reinpassen. Daniela zeigt ihr Ticket zur Sicherheit noch einem älteren Mann, der sie anlächelt und ihr zu verstehen gibt, dass dies noch nicht ihr Zug ist. Unsicher bleibt sie inmitten der Menschen, die um sie strömen, stehen und entschliesst, dem Mann zu vertrauen und zu warten. Es vergeht eine weitere Zeit und Züge fahren ein, Menschenmengen entsteigen dem Zug und mindestens ebenso viele, so scheint es, steigen in den Zug ein. Doch der Mann, der in einiger Distanz zu Daniela steht, zeigt ihr an, zu warten. Sie beschliesst, abzuwarten und nicht herumzueilen, um herauszufinden, wann ihr Zug kommt. Plötzlich wird sie aus ihren Gedanken gerissen, im Eiltempo laufen die Menschen, die mit ihr am Gleis gestanden haben, davon. Sie schaut fragend den Mann an, der ihr in Zeichensprache hektisch zu erklären gibt, dass ihr Zug scheinbar auf einem anderen Gleis fährt. 45 Minuten Verspätung und der Zug schafft es nicht mal, am angesagten Gleis einzufahren! Doch Daniela hat keine Zeit, einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden und drängt mit der Menge zum besagten Gleis, wo gerade der Zug einfährt. Als er mit lautem Gequietsche anhält, realisiert Daniela, dass erst jetzt der richtige Kampf beginnt. Mit Ellbogen am Kopf stolpert sie mit mehr Glück als Verstand in den Zug hinein und bringt sich auf dem erstbesten Sitzplatz in Sicherheit. Puh, geschafft! Nachdem alle Menschen sich in den Zug gedrückt, auf dem Boden und bei der nicht vorhandenen Tür Platz genommen haben, tuckert der Zug los. Die städtische Umgebung weicht bald einer schönen Landschaft, die fortlaufend am Fenster vorbeizieht. Verkäufer drängen sich durch den Zug, was an sich schon fast unmöglich ist, und verkaufen Leckereien, deren Duft angenehm vorbeizieht. „Wadiwadiwadiwadi..“, der asiatische Junge gegenüber Daniela imitiert die anpreisenden Rufe des Verkäufers, woraufhin seine Mutter ihn etwas peinlich berührt tadelt. Der Zug tuckert weiter durch die Terrassen von Grünteeplantagen, wo Frauen mit Körben die Blätter pflückten. Eine gewisse Ruhe ist im Zug eingekehrt, man geniesst die Aussicht, einzelne haben angefangen miteinander zu plaudern und die Ausländer werden neugierig betrachtet. Die Sonne scheint durchs Fenster und Daniela steckt den Kopf raus in den Fahrtwind und winkt einem Kind weiter vorne, das ebenfalls aus dem Fenster lehnt.  Daniela geniesst den Augenblick und versucht den Moment festzuhalten. eine Leichtigkeit und Zufriedenheit durchströmt ihren Körper. Nun hat sie das Gefühl, angekommen zu sein.

1 Kommentar:

  1. Malerische Erzählung! Ich fühlte mich förmlich in die exotische Fremde versetzt. Und zum Schluss ein Gefühl, das wohl jeder irgendwoher kennt... :)

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