06.15: Der Wecker klingelt, müde stellt Mia ihn aus. "Nur noch 2 Minuten liegen bleiben..."
06.20: Sie quält sich aus dem Bett. "Mist, warum schaff ich es nicht pünktlich aufzustehen?"
06.37: Frisch geduscht und etwas fitter. "Ich wollte doch das Duschen kürzer halten!?!"
06.52: Mia föhnt die Haare, wäscht die Brille, parfümiert sich. "Beeil dich, um 07.07 fährt der Zug."
07.00: Sie rennt runter zum Fahrrad. "Jetzt aber ganz schnell, vielleicht fährt der Zug später ab."
07.07: Gerenne durchs Pendlergedränge. "Warum müssen die alle zur gleichen Zeit los!?!"
07.10: Mia sieht gerade noch den Zug abfahren. "Wär' ich nur wirklich 2 Minuten liegen geblieben."
Um 07.09 Uhr verlässt der eigentlich auf 07.07 Uhr geplante ICE den Bahnhof, hätte Mia im Zug gesessen, wäre sie dennoch pünktlich am Zielbahnhof angekommen. Sie hätte ihre Arbeitsstelle rechtzeitig erreicht und man ihr hätte den neuen Chef persönlich vorgestellt. Sie wären einander sofort mehr als nur sympathisch gewesen. Bereits eine Woche später hätte er sie zu einem romantischen Dinner in einem kleinen, unbekannten aber nicht unbedeutenden Restaurant ausserhalb eingeladen. Dort hätten sich hervorragend unterhalten. Es wäre ein so schöner Abend geworden, dass sie die Verabredung wiederholt hätten, eins, zwei, drei, vier und noch viele Male mehr. Erst wäre die Beziehung heimlich gewesen, aber als es für beide ernster geworden wäre, hätten sie beschlossen, alles offen zu legen. Doch eine Beziehung mit dem Chef wäre am Arbeitsplatz nicht geduldet worden, Mia hätte aus freien Stücken die Stelle aufgegeben. Sie hätte stattdessen die seit ihrer Kindheit ersehnten, neue Ausbildung angefangen, in welcher sie völlig aufgeblüht wäre. Sie hätte sich neu erfinden können, hätte eine grossartige Beziehung mit dem Mann ihrer Träume geführt und wäre glücklich geworden...bis zum nächsten Zug, den sie verpasst und alles geändert hätte?
Mia aber steht verärgert am Bahnhof, früh aufstehen und nun auch noch Zeit im Pendlergedränge verplempern, bis dann endlich der 07.34 Uhr Zug fahren würde. Sie kann sich auch einen besseren Tagesbeginn vorstellen. Mia geht zum 20-Minuten-Stand und greift gleichzeitig wie er zur Zeitung. Sie blickt entrüstet auf, sieht den Fremden, der nicht, wie alle andern grummelig die Augen verdreht, sondern sie stattdessen offen anlächelt. Mia findet ihn auf Anhieb so sympathisch, dass sie beschliesst, die Chance zu nutzen. Sie fragt ihn, ob er Zeit für einen Kaffee hat. Hat er. Aus einer halben Stunde auf den Zug warten, werden zwei Stunden Kaffeeklatsch. Bereits am nächsten Abend lädt er sie in eine gemütliche Bar ein. Und auch in der Woche darauf und wieder und wieder...Es entsteht eine leidenschaftliche, romantische Beziehung. Aber er ist nicht von hier und nach zwei Jahren beschliessen sie, gemeinsam auszuwandern. Mia beschliesst, endlich ihren Kindheitstraum zu realisieren, beginnt die neue Ausbildung, in der sie völlig aufblüht. Sie kann sich neu erfinden, hat eine grossartige Beziehung mit dem Mann ihrer Träume und wird glücklich...bis zum nächsten Zug, den sie verpasst und alles ändert?
Zitat des Monats
Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.
Chinesische Weisheit
Chinesische Weisheit
Willkommen!
Liebe Schreibende
In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.
Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.
Dann also viel Spass beim Schreiben!
Eilean
In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.
Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.
Dann also viel Spass beim Schreiben!
Eilean
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Ist es nun gleich ausgegangen, oder ist es ganz anders ausgegangen? Das ist hier die Frage! ;)
AntwortenLöschenSchöne Illustration einer nicht beantwortbaren Frage!
(Oder ist es auf eine Art doch eine Antwort?)