„Setz dich mal, Liebes. Mama und Papa müssen etwas mit dir besprechen.“
„Du hast bestimmt bemerkt, dass sich die Mama und ich uns schon
seit einiger Zeit nicht immer so gut verstehen…“
− Wer hätte das nicht gemerkt…?
„Das heisst natürlich nicht, dass der Papa und ich uns nicht
mehr lieb haben…“
− Ach ja? Ihr würdet euch doch am liebsten an die Gurgel
gehen!
„Es gibt im Leben eben manchmal Veränderungen, Menschen
ändern sich, Umstände ändern sich. Das ist normal und oft auch gut so.“
„Genau. Und der Papa hat sich in die eine Richtung
verändert, und ich mich in die andere Richtung. Und nun sind wir ziemlich weit voneinander
entfernt. Verstehst du, was wir sagen wollen?“
− Wart ihr euch jemals nah?
„Nun sag doch mal was, Liebes.“
„Ja, ich verstehe.“
„Da sind wir aber froh, mein Schatz, und wir sind mächtig
stolz auf dich, wie du das alles wie eine Erwachsene trägst.“
− Ich bin offensichtlich erwachsener, als ihr beide
zusammen!
„Das ist überhaupt das Wichtigste an allem: Wir lieben dich
genauso sehr, wie immer! Zwischen dir und Papa, und zwischen dir und mir wird
sich überhaupt nichts ändern.“
− Wieso?! Das muss es aber! So kann das nicht weiter gehen!
„Du wirst uns auch beide weiterhin sehen können. Wir bleiben
beide in der Stadt. Du kannst also jederzeit, Mama und mich besuchen. Das ist
doch super, findest du nicht?“
− Immerhin Schadensbegrenzung…
„Wieso sagst du denn nichts, Liebling?“
„Ja, find ich super.“
„Toll! Du bist so ein starkes Mädchen! Wir sind unendlich
stolz auf dich!“
− Das sagtest du bereits…
„Und der Papa wird auch etwas mehr Zeit für dich haben, das
hat er versprochen.“
− Uuuh… Das gefällt Papa aber gar nicht, was du da sagst… Ich
hab das Zucken in seinem Mundwinkel genau gesehen…
„Und Mama wird auch bestimmt nicht mehr so viel trinken, das
hat sie ebenfalls versprochen.“
− Oje, jetzt geht’s los…
„Zumindest hat sich die Mama nie mit anderen Männern herum
getrieben und dabei behauptet, sie sei so hart am arbeiten, während du daheim
auf sie gewartet hast, nicht wahr?“
− Nicht schon wieder…
„Jetzt komm nicht wieder mit dieser Geschichte! Das war ein
einziges Mal! Und was hätte ich auch zu dir nach Hause kommen sollen, du
hättest es in deinem Alkohol-Koma ja ohnehin nicht mitgekriegt.“
„Deine Parfümfahne hätte mich selbst von den Toten wieder
zurück geholt, keine Sorge!“
„Wir wollen jetzt mal nicht Fahnen vergleichen…“
„Du widerlicher—!“
„Du nutzlose—!“
„Hallo-o! Ihr wolltet mir damit sagen…?“
„Oh, entschuldige Liebes! Du siehst, wie viele Emotionen da
noch im Spiel sind… Das zeigt doch, wie lieb sich der Papa und die Mama im
Grunde noch haben.“
− Ein Spiel ist es schon lange nicht mehr. Und wenn das
Liebe ist, na dann Prost Mahlzeit!
„Und trotzdem könne wir nun mal kein Paar mehr sein. Das
verstehst du doch, mein Sonnenschein. Mama und ich müssen nun getrennte Wege
gehen. Das ist für alle von uns wahrscheinlich das Beste…“
− Das erste wahre Wort an diesem Abend! Aber kommt doch
endlich zum Punkt!
„Und deswegen haben der Papa und die Mama sich schweren
Herzens entschieden, dass wir uns scheiden lassen müssen… Verstehst du das,
Engelchen?“
„Ja, natürlich…“
− Aber kann man da noch von ENT-SCHEIDUNG sprechen…?
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