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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Freitag, 26. Februar 2010

In Memoriam

Josef Eberhardt Stein, geboren am 2. Mai 1892 zu Pollstadt als erster Sohn des Köhlers Kurt Josef Stein und der Näherin Elisabeth Johanna geborene Rose. Am 7. Juli 1916 fiel er an der deutsch-französischen Front im Krieg für das Rechte und fürs Vaterland. Diese Schrift soll die Erinnerung an diesen tapferen jungen Mann, der uns viel zu früh verliess, wach halten.

Schon als Kind blickte ich immer zu meinem grossen Bruder auf. Nicht mehr als drei Jahre trennten uns, und doch wirkte er immer viel erwachsener auf mich, als es seinem Alter entsprach. Sein grösstes Vorbild war unser alter Herr, dem er es stets in Beruf und Lebensweise gleich machen wollte. Obgleich unser Vater ihm von dem harten Köhlerhandwerk abriet und ihm eine bessere Ausbildung ans Herz legte, wollte Josef Eberhardt nie etwas anderes werden, als Selbiges wie sein Vater. Des Öfteren begleitete er Vater schon als Junge zur Arbeit und half kräftig. Abends kam er stets begeistert nachhause und erzählte mir von seinen Erlebnissen. Dort wolle er arbeiten, so seine Worte. Die heissen Meiler, die weisse Glut, die trockene Luft und das schwarze Gold! So heiss sei es dort, dass der Schweiss sogleich verdampfe, sodass man trotz der erbarmungslosen Hitze stets ganz und gar trocken war. Schwarz und trocken.

In dieser Verehrung wuchs er also auf und zog auch mich bald mit in den Bann des Köhlerhandwerks. Bis eines Tages der Einzug zum Militärdienst kam. Josef Eberhardt und ich wurden beide aufgeboten, Mathias David war noch zu jung für den Einsatz und Vater war bereits aus dem Dienstalter. Wir waren so stolz, für unser Vaterland in den Krieg ziehen zu dürfen – und was sollte uns schon passieren… An einen echten Krieg glaubte damals niemand – eine Niederlage stand ausser Frage.

Doch es gab kein unbeschwerliches Soldatenleben, wie man es sich in den Städten erzählte. Wir wurden direkt an die Front nach Frankreich in den Stellungskrieg geschickt.

In der Nähe von Maricourt, einem kleinen Städtchen zwischen Albert und Péronne an der Somme, lagen wir Ende Juni 1916 im Schützengraben in nassen Kleidern vom gnadenlosen Unwetter. Seit einigen Tagen hagelte ein unerbittliches Trommelfeuer der Alliierten auf uns herab. Trotz des pausenlosen Regens war die erdrückende Junihitze kaum auszuhalten. Wir gehörten der 6. deutschen Armee unter dem Kommando von General Fritz und Below an. Wir hatten Bericht erhalten, dass unsere Kameraden an vielen Stellungen unter dem Trommelfeuer gezwungen waren, sich in den Schutz der nahegelegenen Dörfer und Gehöfte zurückzuziehen. Wir vermochten bislang unsere Maschinengewehrstellung zu halten. Doch die mittlerweile sechs Nächte ohne eine Minute Schlaf setzten jedem Mann zu. Das war das Schlimmste am Ganzen: Kein Schlaf.

Josef Eberhardt und ich waren mit einem weiteren Kameraden, Stutz (seinen Vornamen habe ich nie erfahren, oder vergessen), für ein Maschinengewehr zuständig und wechselten uns mit der Wache ab. Der ständige Lärm der detonierenden Sprengkörper liess keinen ein Auge zutun. In dieser schicksalhaften siebten Nacht hatte mein Bruder Wache. Das Trommelfeuer von der Front war etwas näher gerückt, hatte jedoch leicht nachgelassen. Doch es sollte sich nur als die Ruhe vor dem Sturm herausstellen.

Stutz und ich hatten uns zum Essen ins Lager begeben, wo der Koch die Schöpfkelle schwenkte und beschwingt jedem seine Portion weisse Bohnen und Rindfleisch verteilte. Hinzu kam eine unerklärliche doppelte Wurst- und Brotportion als Proviant. Und doppelte Rauchportion zusätzlich! Wir waren seit Langem zufrieden. Noch als Stutz, Müller, Kamm und ich so beisammen sassen und unsere Bohnen verdrückten, kam plötzlich ein aufgebrachter Junge aus Frontrichtung angelaufen.

„Ein Angriff! … Infanterie! … Sie kommen!“

Ohne die Reaktion der anderen abzuwarten stürzte ich los. Ich dachte nur noch an Josef Eberhardt, den wir alleine zurück gelassen hatten. Im zuführenden Graben nährte ich mich hastig dem Frontgraben. Ich nahm kaum die unzähligen Granaten und Feuerhagel wahr, die in meiner unmittelbaren Nähe einschlugen. Hinter mir rief jemand verzweifelt meinen Namen – oder rief er meinen Bruder? Endlich war unser Maschinengewehr in Sicht. Und Josef Eberhardt sass angestrengt dahinter. Ich erreichte die Grube atemlos und liess mich neben meinem Bruder gegen den Erdwall fallen. Ich lud mein Gewehr zur Schussbereitschaft und schrie entsetzt: „Was ist denn los?“

„Die Baguettefresser sind verrückt geworden!“ Das ohrenbetäubende Rattern der Maschinengewehrsalve verunmöglichte jedes weitere Gespräch. Ich blickte über den Schanzenrand, um zu erspähen, worauf Josef Eberhardt schoss. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen. Sie hatten nun tatsächlich die Tanks im Einsatz, gepanzerte Kettenfahrzeuge. Ich hatte von ihnen gehört, das Gerücht kursierte schon seit einigen Wochen, doch noch niemand hatte bislang einen zu Gesicht bekommen. Wir waren Zeugen des ersten Panzereinsatzes der Weltgeschichte! – Doch in diesem Moment war ich alles andere als stolz darauf. Ich wünschte mich an jeden anderen Ort auf dieser verfluchten Welt! Ich glaubte mich in der Hölle. Rundherum explodierte es mit ohrenbetäubender Macht. Der Regen prasselte noch immer gnadenlos auf uns herab und hüllte den dämmernden Morgen in ein einheitliches Grau.

„Nachladen!“ schrie Josef Eberhardt vom Geschütz her. Ich riss die Munition aus der Lagerkiste und machte mich am Gewehr zu schaffen. Indes spähte Josef Eberhardt durch seinen Feldstecher zur feindlichen Front.

Das letzte Wort, das ich von meinem Bruder hörte, war: „Verdammt!“ Dann stürzte er sich plötzlich auf mich, wir landeten zusammen im Schlamm des Grabens, und kurz darauf erbebte eine mächtige Explosion die Erde. Eine gewaltige Druckwelle erfasste uns, und ein markdurchdringender Schmerz erfüllte meinen ganzen Körper bis in den letzten Knochen. Ich verlor das Bewusstsein. Und als ich wieder zu mir kam, roch die Luft beissend nach Schwefel und alles schmeckte nach Blut und Erde. Schwer und reglos lag der Körper meines Bruders auf mir und nahm mir die Luft. Ich rollte mich zur Seite und kroch unter ihm hervor. Josef Eberhardt plumpste Gesicht voran in den Schlamm. Ich konnte meinen rechten Arm nicht mehr bewegen. So drehte ich ihn einarmig wieder auf den Rücken. Ich erschrak. Sein Gesicht war schlamm- und blutverschmiert. Ich wischte ihm Augen, Nase und Mund frei. Als ich mein Ohr an sein Gesicht hielt, hörte ich ihn schnell und flach atmen. „Josef Eberhardt!“ hauchte ich mit letzter Kraft. „Bruder!“ Doch er antwortet nicht. Er antwortete nie mehr. So hatte er sein Leben für meines hergegeben, tapfer und selbstlos. Der Regen wusch langsam sein schönes Gesicht sauber. Unter dem Helm floss langsam ein stetiger Blutstrom hervor. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und weinte. So lagen wir da. Zwei Brüder im Schützengraben. Blutig. Grün und nass.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Zärtliche Stille

Ich sitze auf meinem roten Sofa und blicke dumpf in Richtung des Flatscreens an der gegenüberliegenden Wand. Ich bin müde, ich sollte eigentlich schlafen.
Es ist 22:20, gerade ist CSI fertig und die Werbung schießt mir gleich eines überlauten Maschinengewehrs ins Hirn. Die Versicherung die Bank die mir den Weg frei macht und der Schwangerschaftstest der garantiert 100%ig funktioniert, den ich aber nicht brauche weil ich ein Mann bin.
Französische Autowerbung gehört zu den dümmsten die je über die Mattscheibe geflimmert ist und sie nervt mich schon wieder, ich schalte um.
Nächster Kanal - Werbung! Ich schalte wieder und treffe schon wieder die Autowerbung. Ich drücke auf den Knopf... "machen sie ihr Gold zu Geld..." ZAPP... Talkshow, irrsinnig blöde Cartoons die für völlig verblödete Kinder gedacht sind und MTV wo nur noch HipHop in meine Tranceliebende Ohren tönt.
Der Screen gehorcht aber auch auf den roten Knopf und wird dunkel. Stille... ich gehe ins Bett. Ich freue mich auf mein Bett, denn ich bin müde und kuschle mich in meine Decke. Es ist warm und ich entspanne mich...Gedanken huschen durch meinen Kopf, Arbeit, Termine an die ich denken muss, die Probleme mit meiner Frau, die Schmerzen in meinen Füssen und die Frage ob die Inkas doch recht haben mit ihrer Apokalypse. Ich falle in einen unruhigen Schlaf und habe einen fürchterlich lauten Traum.
Ich bin in einer großen Stadt und versuche eine U-Bahnstation zu finden. Neben mir hupt ein völlig hysterischer VW Fahrer nur weil vor ihm ein Fahrschüler das Auto abwürgt, ein Düsenjäger kreischt über die Stadt und der Rettungswagen vom Roten Kreuz jagt mit schriller Sirene über die Kreuzung.
Die Nacht war kurz und meine Träume grauenvoll, was mache ich nur? Mein Handy weckt mich 5:30h und ich spüre wie fertig ich bin. Ich kann nicht mehr, ich brauche Urlaub. Heute werde ich in der Unfallchirurgie sein und ich weiß schon das der Professor wieder nerven wird. Der Mann ist alt und nuschelt fürchterlich, er kann sich selten schnell entscheiden welches Verfahren er für die Osteosynthese anwenden will, das bedeutet wieder Stress und Rennerei. Ich hab den Kanal gestrichen voll und es kotzt mich heute alles an.
Ich bin eigentlich immer gut gelaunt, besonders morgens, aber heute... irgendwie ist alles laut geworden. Zu laut für meine Seele die sich nach Ruhe sehnt.
Ich denke an meinen Strand in Dänemark und für einen Moment scheint es, als ob es das wäre...die Lösung. Ich sollte vielleicht nach Dänemark in Ferien fahren. Kein schlechter Gedanke, aber auch dort... habt ihr schonmal die Dänische Nordsee im Winter erlebt? Da kocht die See, echt wahr...sie donnert und kracht mit ohrenbetäubendem Lärm an den weiten Strand und der eisige Nordweststurm, der Tagelang ohne Unterbrechung den Schnee waagerecht über die See fegt und heult. Ich liebe das normalerweise, stehe dann nur zu gern am Strand und lasse mich von der See anbrüllen...und dann brülle ich zurück.
Aber heute sehne ich mich nur einfach nach Ruhe - keine Hektik, kein Stress, keine Autos, kein Fernsehen und kein Telefon. Aber auch die Natur soll mich nicht stören... ich sehne mich nach zärtlicher Stille, die mich liebevoll einhüllt und sanft wiegt, mir einfach meine Seele in Watte packt.
Ich komme heim und setze mich an den PC. Ich muss noch meine Farm in Ordnung bringen und meine Tiere pflegen. Farmville wurde zu einer Art Sucht.
Eine Freundin ist im Chat...hm...wie schön denke ich und klicke auf ihren Namen.
"Hej Mikkamaus" schreibt sie... Ich schreibe ihr in dieser Anrede zurück. Sie lacht und macht einen liebevollen Witz über mich. Ich mag ihre Witze, ich mag sie und ich mag die Ruhe die sie mir in mein Herz bringt. Wir chatten. Eine Stunde lang und sie fragt mich wie sie mir helfen kann meinen Stress zu bewältigen. Ich sage, mehr aus Witz, "wenn du mit mir auf eine Hütte in den Bergen gehst wo ich die perfekte Ruhe finden kann."
Meine Freundin grinst so breit sie nur kann, als sie den Schlüssel in der schweren Holztür umdreht. Hier oben ist es wirklich sehr still, nur unsere Stimmen und die knarrenden hölzernen Stufen sind zu hören.
Wir sind im Schwarzwald auf knapp 1400m über dem Meer, und es ist sehr kalt und: Ja es ist einfach still. Der Schnee türmt sich dieses Jahr über 250cm auf und alles ist einfach still. Es rieselt...Pulverschnee und aus dem Kamin unserer Hütte kräuselt langsam und still weißer Rauch - wie ein Wattebausch.
Schnell wird es dunkel in Januar hier oben in den Bergen und es gibt keine Strassenlaterne die die Ruhe mit ihrem Licht stören könnte, nur das Knistern im Kamin und der ruhige Atem einer jungen Frau, die mit mir hier oben ist und ihren Kopf zärtlich auf meiner Brust liegen hat und friedlich schläft. Ich atme vorsichtig ein und aus, denn ich will sie nicht wecken. Ich genieße diese zärtliche Stille, dann höre ich ihren Herzschlag, oder ist es meiner?

Donnerstag, 7. Januar 2010

Helles weiches Sonnenlicht fiel auf mich, als ich die Augen öffnete. Frische kühle würzige Luft, gepaart mit dem schweren süßen Duft wilder Rosen und dem beruhigenden leisen summen von Bienen.
Ich drehte meinen Kopf zur Seite und begann mich umzusehen, während ich mich fragte wo ich eigentlich bin. Keine Erinnerung wie ich in dieses warme weiche Bett kam. Ich richtete mich auf und sah mich um.
Ich befand mich in einem japanischen Haus, schwarz lackierte schwere Holzdielen auf denen der bequeme Futon lag auf dem ich mich befand. Reisstrohmatten bedeckten den Boden teilweise und in der Ecke stand ein traditionelles Kohlebecken. Die Wände waren kunstvoll mit alten japanischen Kranichmotiven bemalt und das einfallende weiche, warme Sonnenlicht zauberte eine unwirklich zärtliche Athmosphäre in den Raum, der noch durch den Blick durch eine geöffnete Schiebetür neben dem Bett in den üppigen Garten verstärkt wurde.
Mein Blick fiel auf etwas rotes auf der anderen Seite neben mir, halb durch die cremefarbene Seidendecke verdeckt.
Meine Hand fuhr unter die Decke, unter es noch sehr warm war...wer war hier noch bis vor kurzem gelegen? Ein roter, seidener, kurzer Kimono glitt durch meine Hand, die ihn an mein Gesicht legte. Ein leichter süßer Duft nach Honig und Yasmin betörte für einen Augenblick meine Sinne und lies das Lächeln einer bezaubernden Schönheit in meiner Erinnerung entstehen. Aber leider nur sehr kurz dann bohrte sich wieder die frage nach dem "Wo bin ich" in mein Gehirn. Ich legte den Kimono beiseite und stand auf. Nun konnte ich auf die hölzerne Terasse blicken. Da standen zwei paar japanische Reisstrohsandalen akkurat vor der Schiebetür, ein Paar kleiner als das andere. Die schwarzen Holzdielen der Terrasse glänzten als ob sie nass wären; ihnen folgend gelangte mein Blick bis an deren Ende und über eine riesige halbkreisförmige, von hohen steilen Bergen begrenzte Meeresbucht. Offensichtlich lag mein Standpunkt sehr hoch, mindestens 200 Meter über dieser Bucht, doch ich erkannte mächtige Brecher die sich schäumend an vorgelagerten Klippen brachen. Der Wind trieb die Salzluft die Hänge hinauf bis hierher zu mir und lies den Morgen noch würziger duften.
Alles erschien mir wie im Paradies, es war wunderschön und ich fühlte mich ausgeruht und sehr entspannt, die Umgebung gefiel mir und lies mich denken, 'hier möchtest du für immer bleiben', aber wo war ich? Wie kam ich hierher? Und wer ist die Frau, die offensichtlich neben oder besser, mit mir die Nacht verbracht hatte?
Eine weiche, zarte, junge Frauenstimme flüsterte hinter mir leise meinen Namen. Ein wohliger Schauer lief mir den Rücken hinunter, als ich die feuchte Wärme süßer Lippen auf meiner Haut auf meinem Rücken spürte. Langsam, voller Erwartung drehte ich mich um...

Ich habe diesen Traum bereits 4 Male geträumt, doch nie träumte ich ihn zu Ende. Warum? Und warum träume ich diesen Traum sooft? Ist er symbolisch? Ist es meine Zukunft? Ist er ein Dejavu?
Ich weiß es nicht, doch denke ich sehr oft daran.
Wo war ich?