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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 17. Februar 2010

Zärtliche Stille

Ich sitze auf meinem roten Sofa und blicke dumpf in Richtung des Flatscreens an der gegenüberliegenden Wand. Ich bin müde, ich sollte eigentlich schlafen.
Es ist 22:20, gerade ist CSI fertig und die Werbung schießt mir gleich eines überlauten Maschinengewehrs ins Hirn. Die Versicherung die Bank die mir den Weg frei macht und der Schwangerschaftstest der garantiert 100%ig funktioniert, den ich aber nicht brauche weil ich ein Mann bin.
Französische Autowerbung gehört zu den dümmsten die je über die Mattscheibe geflimmert ist und sie nervt mich schon wieder, ich schalte um.
Nächster Kanal - Werbung! Ich schalte wieder und treffe schon wieder die Autowerbung. Ich drücke auf den Knopf... "machen sie ihr Gold zu Geld..." ZAPP... Talkshow, irrsinnig blöde Cartoons die für völlig verblödete Kinder gedacht sind und MTV wo nur noch HipHop in meine Tranceliebende Ohren tönt.
Der Screen gehorcht aber auch auf den roten Knopf und wird dunkel. Stille... ich gehe ins Bett. Ich freue mich auf mein Bett, denn ich bin müde und kuschle mich in meine Decke. Es ist warm und ich entspanne mich...Gedanken huschen durch meinen Kopf, Arbeit, Termine an die ich denken muss, die Probleme mit meiner Frau, die Schmerzen in meinen Füssen und die Frage ob die Inkas doch recht haben mit ihrer Apokalypse. Ich falle in einen unruhigen Schlaf und habe einen fürchterlich lauten Traum.
Ich bin in einer großen Stadt und versuche eine U-Bahnstation zu finden. Neben mir hupt ein völlig hysterischer VW Fahrer nur weil vor ihm ein Fahrschüler das Auto abwürgt, ein Düsenjäger kreischt über die Stadt und der Rettungswagen vom Roten Kreuz jagt mit schriller Sirene über die Kreuzung.
Die Nacht war kurz und meine Träume grauenvoll, was mache ich nur? Mein Handy weckt mich 5:30h und ich spüre wie fertig ich bin. Ich kann nicht mehr, ich brauche Urlaub. Heute werde ich in der Unfallchirurgie sein und ich weiß schon das der Professor wieder nerven wird. Der Mann ist alt und nuschelt fürchterlich, er kann sich selten schnell entscheiden welches Verfahren er für die Osteosynthese anwenden will, das bedeutet wieder Stress und Rennerei. Ich hab den Kanal gestrichen voll und es kotzt mich heute alles an.
Ich bin eigentlich immer gut gelaunt, besonders morgens, aber heute... irgendwie ist alles laut geworden. Zu laut für meine Seele die sich nach Ruhe sehnt.
Ich denke an meinen Strand in Dänemark und für einen Moment scheint es, als ob es das wäre...die Lösung. Ich sollte vielleicht nach Dänemark in Ferien fahren. Kein schlechter Gedanke, aber auch dort... habt ihr schonmal die Dänische Nordsee im Winter erlebt? Da kocht die See, echt wahr...sie donnert und kracht mit ohrenbetäubendem Lärm an den weiten Strand und der eisige Nordweststurm, der Tagelang ohne Unterbrechung den Schnee waagerecht über die See fegt und heult. Ich liebe das normalerweise, stehe dann nur zu gern am Strand und lasse mich von der See anbrüllen...und dann brülle ich zurück.
Aber heute sehne ich mich nur einfach nach Ruhe - keine Hektik, kein Stress, keine Autos, kein Fernsehen und kein Telefon. Aber auch die Natur soll mich nicht stören... ich sehne mich nach zärtlicher Stille, die mich liebevoll einhüllt und sanft wiegt, mir einfach meine Seele in Watte packt.
Ich komme heim und setze mich an den PC. Ich muss noch meine Farm in Ordnung bringen und meine Tiere pflegen. Farmville wurde zu einer Art Sucht.
Eine Freundin ist im Chat...hm...wie schön denke ich und klicke auf ihren Namen.
"Hej Mikkamaus" schreibt sie... Ich schreibe ihr in dieser Anrede zurück. Sie lacht und macht einen liebevollen Witz über mich. Ich mag ihre Witze, ich mag sie und ich mag die Ruhe die sie mir in mein Herz bringt. Wir chatten. Eine Stunde lang und sie fragt mich wie sie mir helfen kann meinen Stress zu bewältigen. Ich sage, mehr aus Witz, "wenn du mit mir auf eine Hütte in den Bergen gehst wo ich die perfekte Ruhe finden kann."
Meine Freundin grinst so breit sie nur kann, als sie den Schlüssel in der schweren Holztür umdreht. Hier oben ist es wirklich sehr still, nur unsere Stimmen und die knarrenden hölzernen Stufen sind zu hören.
Wir sind im Schwarzwald auf knapp 1400m über dem Meer, und es ist sehr kalt und: Ja es ist einfach still. Der Schnee türmt sich dieses Jahr über 250cm auf und alles ist einfach still. Es rieselt...Pulverschnee und aus dem Kamin unserer Hütte kräuselt langsam und still weißer Rauch - wie ein Wattebausch.
Schnell wird es dunkel in Januar hier oben in den Bergen und es gibt keine Strassenlaterne die die Ruhe mit ihrem Licht stören könnte, nur das Knistern im Kamin und der ruhige Atem einer jungen Frau, die mit mir hier oben ist und ihren Kopf zärtlich auf meiner Brust liegen hat und friedlich schläft. Ich atme vorsichtig ein und aus, denn ich will sie nicht wecken. Ich genieße diese zärtliche Stille, dann höre ich ihren Herzschlag, oder ist es meiner?

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