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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 13. April 2016

Reichtum

Viele meinen wohl es ist eine einfache Gleichung,
je grösser das Vermögen desto höher der Reichtum,
doch selbst wenn man beide Begriffe gleichsetzt,
ist es für mich unklar, die Frage bleibt die Gleiche.
Klar ist die Frage schnell und einfach geklärt,
wenn man Vermögen und Reichtum so versteht,
wie es ein Broker an der Börse definieren würde.
Für mich fehlt bei dieser Definition definitiv Würze.
Ich finde die Sicht der Soziologie schmeckt besser,
sie ist differenzierter und wird der Realität gerechter.
Denn Reichtum bedeutet nicht einfach nur Kapital,
dabei zählt zumindest für mich das Geld nur marginal.
Auch wenn Soziologen diesen Begriff verwenden,
ist es nicht nur als Synonym für Geld zu verstehen.
Eher als Oberbegriff für verschiedene Teilgebiete,
die sich in folgende 4 verschiedene Teile gliedert:

ökonomisches, kulturelles, soziales und symbolisches Kapital

Bourdieu beschreibt dieses “Vermögen” als Ressourcen
die ein Mensch braucht, um sich in der Welt zu versuchen,
als die Mittel die er für seine Ziele zur Verfügung hat,
die er dazu braucht, damit er diese erreichen kann.

Der Duden liefert für mich eine lapidare Beschreibung:
“reiche Fülle von etwas” trifft es sehr gut für Reichtum,
weil das “etwas” jeder selbst für sich definieren sollte.
Gewisse Dinge müsste man aber mehr Beachtung zollen,
Sachen die man oft nicht wertschätzt oder wahrnimmt
und zumindest auf meinem Podest zuoberst Platz nimmt.
Denn Reichtum fängt bei mir schon bei der Gesundheit an.
während dies für andere einfach selbstverständlich sein kann,
sind für mich Sachen wie laufen oder sehen Geschenke.
Diese Dinge zu schätzen helfen mich immer wieder zu erden
und zu versuchen mich nicht von materiellem zu blenden.
Nicht fassbare Sachen machen für mich Reichtum aus.

Liebe, Gesundheit und Nahrung für die Seele -
Der Rest Nebensache wie ein Garten neben einem Haus
oder der Rasen neben einem Baum.

Freitag, 1. April 2016

Bauchgefühl

Sonnenstrahlen 

ziehen goldene Fäden

hinaus in die Welt



Tasten

Spüren

Erfahren



Trau dich!


Geh den Spuren "im Nichts" nach

Und alles was du bist...

-ist dieser Moment-

Sonntag, 20. März 2016

Hamsterrad


Rund dreiviertel der mir verbleibenden Zeit sind verstrichen.

Wovon sprichst du?

Ich habe nur noch 93 Tage zu leben.

Ach ja – dein Experiment.

Wochen-, sogar monatelang habe ich nicht mehr daran gedacht. Heute Nacht jedoch, da träumte ich davon in der Hölle gelandet zu sein.

Auch du Scheiße. Und?

Als ich in der Hölle war ist mir als erstes aufgefallen, dass fast alle Leute am Arbeiten waren. Sie schienen mit kolossal wichtigen Sachen beschäftigt zu sein. Außerdem haben sie sich immerzu gegenseitig bestätigt wie wichtig das ist, was sie tun. Gleichzeitig gab es aber auch unfassbar viele Freizeitangebote und Möglichkeiten sich abzulenken, um etwas anderes zu tun als das, was man gerade tut.

Ich hab`s geahnt, sagte Eckhart  grinsend.

Ja, aber es kommt noch besser: In der Hölle habe ich einen Theologen getroffen.

Schon klar, sagte Eckhart  noch etwas breiter grinsend.

Der hat mir erklärt, dass Angst die Todesursache Nr. I ist; gefolgt von Stress – und nicht Rauchen oder fettes Essen. Und wie gesagt, um mich herum waren alle unentwegt mit Wichtigkeiten beschäftigt und mit ihren Smartphones. Meistens mit mehreren Dingen zugleich. Außerdem fiel mir auf, dass es unzählige Menschen gab, die sich bereitwillig in lange Warteschlangen stellten.

Warteschlangen?

Ja, Warteschlangen. Es gab zum Beispiel eine lange Warteschlange vor dem Standesamt, und vor der Karriereberatung, auch vor der Universität, vor Kirchen, Moscheen, Synagogen und vor Glückstempeln und Psycho-Veranstaltungen aller Art. Ach ja – und vor einem Pauschalreisebüro gab es auch eine Schlange; und vor einem Bratwurststand; und über Allem prangte Werbung in grellen bunten Schriftzügen.

Was stand denn da?

Die schönsten Versprechen: „Ewige Sicherheit!“ und „absolutes Lebensglück!“ und „Spiel, Spass, Spannung!“ und „Gewinnmaximierung ohne Ende!“ solche Sachen halt.

Auch über dem Bratwurststand?

Nein, über dem nicht.

Klingt trotzdem verlockend.

Ja. Und mir fiel noch was auf.

Was denn?

Dass es neben den langen Warteschlangen weite und offene Landschaften gab. Die nutzte aber kaum jemand, obwohl sie echt atemberaubend aussahen – und gleichsam vor der Haustüre lagen.

Niemand wollte dort hin?

Doch. Einige. Wenige. Die ließen das Getümmel einfach hinter sich. Ich konnte beobachten wie sie sich ein Herz fassten und aus den Warteschlangen heraustraten und drauf zu gingen – mitten hinein in diese überwältigende Landschaft.

Klingt schön. Befreiend.

Das war es auch. Sehr sogar!

Und trotzdem wollten nur wenige dort hin?

Ja. Es mag komisch klingen, aber mir war fast so als ob die Menschen, die das machten, ja dass sie erkannten in einem Traum gefangen zu sein; und indem sie das erkannten, haben sie sich entschlossen aus ihrer Begrenztheit herauszutreten und etwas Besseres mit ihrer Zeit anzufangen.

Wow – die haben im Traum erkannt nur Bestandteil eines Traumes zu sein und haben den Wahnsinn dann einfach hinter sich gelassen. Was haben sie denn dann Besseres getan?

Nachdem sie das Getümmel und die Warteschlangen verlassen hatten und in dieses weite Land aufgebrochen sind, da taten sie schlicht was sie tun wollten. Sie haben sich neue Welten geschaffen.

Einfach so, zwischen all den Warteschlangen?

Ja, einfach so. Sie stellten fest, dass das Leben, in dem sie sich eben noch gefangen fühlten, gar nicht so massiv, starr und unveränderlich ist wie sie dachten, sondern dass es viel Platz für Anderes gibt. Sie wurden dabei ganz ausgelassen.

Ausgelassen wie spielende Kinder?

Ja. Ausgelassen wie spielende Kinder. Und dann ist was Entscheidendes passiert.

Was denn?

Ich war nicht mehr nur Beobachter des Geschehens, sondern selbst einer der Vielen; und ich lief in einer Art Hamsterrad; und dachte darüber nach, ob auch ich heraustreten und in die weite Landschaft herausspringen sollte, aber ich hatte Angst; und gleichzeitig erkannte ich, dass ich ein Gefangener war – aber ohne, dass mich jemand gefangen hielt.

Mmh – so komme ich mir auch manchmal vor.

Als ich mich dann von dieser anziehenden Offenheit und Weite abwandte und mir meiner Situation im Hamsterrad gewahr wurde machte mich das völlig fertig. Ich meine, mir standen so viele Angebote zur Verfügung. Es gab so viele Menschen, die waren wohlhabend, gut gekleidet, begabt und dies und das – und doch: Obwohl wir so Viele waren, alle fühlten wir uns einsam, isoliert und irgendwie unzufrieden. Uns schien etwas zu fehlen; und die Angebote und Versprechungen rund um uns herum boten keine echten Lösungen, sondern machte alles nur noch irgendwie schlimmer.

Dann haben die in den Warteschlangen und Hamsterrädern also das Glück gesucht, aber konnten es nicht finden, weil sie so sehr in ihren Gewohnheiten und Zerstreuungen gefangen waren?

Ja, etwa so in der Art. Außerdem suchte jeder nur sein eigenes privates Glück – gleichgültig gegenüber dem, was dem Rest der Welt widerfährt. Zwar glaubte jede und jeder daran das Beste aus seiner oder ihrer ablaufenden Zeit machen zu müssen, aber wir hatten den Glauben an ein Ziel oder einen Sinn verloren, der alles zusammenhält. Wir waren ohne Hoffnung und ohne Geborgenheit. Wir waren wie Geworfene; und die Warteschlangen und Hamsterräder waren da, um zu vergessen, dass wir ziel- und orientierungslos sind, in einer gottverlassenen Welt.

War das die Botschaft des Traums? 

Vielleicht, ja. Wir können nicht glücklich sein, solange wir uns vom Glück der anderen abkoppeln. Denn die Menschen neben den Schlangen, obwohl es nur wenige waren, die waren nicht einsam oder isoliert. Ich glaube sie fühlten sich in Verbindung mit Allem. Sie sahen glücklich aus.

Sie fanden Fülle, Sinn und Geborgenheit, obwohl es gerade diejenigen waren, die die Menge hinter sich ließen und ihren eigenen Weg gingen?

Ja. Paradox. Nicht wahr? Sie haben für sich alleine eine Entscheidung getroffen und sind als Einzelne aus der Menge herausgetreten. Und gerade sie entkamen der Einsamkeit. Sie schienen einander zugewandt und in enger Beziehung zueinander zu stehen. Irgendetwas ist da mit ihnen passiert. Sie waren zwar noch Einzelne aber nicht mehr separiert und einsam, sondern mit Allem und Jedem auf eigentümlich tiefe, geradezu intime Weise in Verbindung. Auch mit uns, die wir noch in den Hamsterräder liefen oder in den Warteschlangen standen. Denn indem ich bemerkte, dass sie auch auf mich, auf meine Gedanken und Gefühle reagierten, da spürte ich eine tiefe Resonanz mit ihnen. Sie brachten mit ihrer Art zu Sein, mit ihrer Bezogenheit auf mich etwas zum schwingen, das mich tröstete und beruhigte. Sie schienen wirklich in einer tiefen Verbindung zu mir zu stehen. Sie ließen sich berühren von meinem Schicksal und meinen Sehnsüchten und meinen Ängsten. Ihr Mitgefühl, ihr liebevolles Echo auf mein Dasein, berührte mich zutiefst. Es rührte mich zu tränen. Ich begann mein Herz zu spüren. Es fühlte sich an wie ein Organ aus Feuer.

Schön.

Ja, aber dann ist noch was Unglaubliches passiert.

Was denn?

Na – ich wachte auf.

Ach so. Und?

Gerade als ich aufwachte schaute mir Lara direkt ins Gesicht. Ich glaube sie hatte mir beim Schlafen zugesehen.

Was dann?

Dann schaute ich ihr einen Moment lang beim Zusehen zu. Sie kam ganz nah an mich heran; und noch bevor ich in der Lage war irgendetwas zu sagen, fragte sie mich, ob ich mich denn nun entschlossen hätte aus dem Hamsterrad herauszuspringen.

Nein!

Doch!

Und dann?

Na, da habe ich mich vielleicht gewundert!

Schon klar. Aber was dann?

Dann bin ich aufgestanden, um Kaffee zu kochen und mir den Schlaf aus dem Gesicht zu waschen.

Ok – aber was dann?

Dann klingelte der Wecker und ich erwachte...