Seiten

Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 26. April 2017

EntScheidung

Da stehe ich vor dieser Tür

Sie aufzumachen ist recht schwer


Ich gebe auf und setz mich hin



Lehn mich dagegen
Treu-Ergeben


Frag mich:
Wo soll ich hin?

Wo komm ich her?


Und vor allem auch Wofür?



Zu zweifeln ist ein leichtes Ding
aber dann aufzustehen und zu gehen
durch diese Tür
durch dieses Tor

zu deiner Seele
deinem Leben

Nicht vielversprechend

-sondern leise-

aber echt und wahr
auf ihre ganz eigene
ART und WEISE


das fordert ALLES von DIR und MIR








Donnerstag, 6. April 2017

Entscheide dich



Ich tippe langsam das Wort bei Amazon’s Suchmaschine ein: «E-N-T-S-C-H-E-I-D-U-N-G». 24'592 Resultate! Scheinbar bin ich nicht die einzige, die manchmal mit Entscheidungen hadert. Jeder Tag besteht aber auch aus so vielen Entscheidungen. Vor allem als Student, habe ich das Gefühl. Soll ich zuerst an die Uni und dann mein Zimmer putzen? Soll ich zuerst einkaufen gehen, oder etwa noch die liegengebliebene Handy-Rechnung bezahlen, oder lieber mal ausschlafen, weil ich mir etwas gönnen sollte, oder doch lieber mal früh aufstehen, um an meiner Masterarbeit zu schreiben, wie ich es mir vorgenommen habe oder vorher noch joggen gehen, weil es mir guttun würde? Eigentlich könnte ich mich ja auch mit einer Freundin zum Brunch treffen, soziale Kontakte zu pflegen ist ja auch wichtig. Nun ja, ich gebe zu, wahrscheinlich stellen sich diese Fragen nicht nur Studenten. Aber mit mehr Freiheit ergeben sich mehr Entscheidungsmöglichkeiten. Eigentlich absurd, Freiheit bedeutet doch, dass man das tun kann, was man möchte. Und wenn man sich zu lange überlegt, was man tun könnte, sich also sozusagen in seiner Freiheit suhlt, bleibt am Ende aber keine Freiheit übrig, sondern man ist wieder mal zu spät aufgestanden, da man abends nicht von Netflix weggekommen ist, stolpert aus dem Haus und hat natürlich vergessen, sich etwas Gesundes als Mittagessen vorzubereiten und kommt dann mit einem etwas schlechten Gewissen ziemlich spät in die Bibliothek. Aufgrund dieser Gegebenheiten und da es wohl oft egal ist, wofür man sich entscheidet und es nur wichtig ist, dass man sich überhaupt entscheidet, da man sich sonst vom Leben treiben lassen lässt und nicht selbstbestimmt seinen Weg gehen kann, beherzige ich seit einiger Zeit bei Entscheidungssituationen folgenden einfach anzuwendenden Grundsatz, über den ich mal gestolpert bin, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht und mir Entscheidungen in kürzester Zeit möglich macht: Wenn du dich nicht entscheiden kannst, werfe eine Münze. Wie sie landet ist dabei völlig egal. Beim hochwerfen wirst du merken, auf was du hoffst.

Mittwoch, 5. April 2017

Entscheidung

„Setz dich mal, Liebes. Mama und Papa müssen etwas mit dir besprechen.“
„Du hast bestimmt bemerkt, dass sich die Mama und ich uns schon seit einiger Zeit nicht immer so gut verstehen…“
− Wer hätte das nicht gemerkt…?
„Das heisst natürlich nicht, dass der Papa und ich uns nicht mehr lieb haben…“
− Ach ja? Ihr würdet euch doch am liebsten an die Gurgel gehen!
„Es gibt im Leben eben manchmal Veränderungen, Menschen ändern sich, Umstände ändern sich. Das ist normal und oft auch gut so.“
„Genau. Und der Papa hat sich in die eine Richtung verändert, und ich mich in die andere Richtung. Und nun sind wir ziemlich weit voneinander entfernt. Verstehst du, was wir sagen wollen?“
− Wart ihr euch jemals nah?
„Nun sag doch mal was, Liebes.“
„Ja, ich verstehe.“
„Da sind wir aber froh, mein Schatz, und wir sind mächtig stolz auf dich, wie du das alles wie eine Erwachsene trägst.“
− Ich bin offensichtlich erwachsener, als ihr beide zusammen!
„Das ist überhaupt das Wichtigste an allem: Wir lieben dich genauso sehr, wie immer! Zwischen dir und Papa, und zwischen dir und mir wird sich überhaupt nichts ändern.“
− Wieso?! Das muss es aber! So kann das nicht weiter gehen!
„Du wirst uns auch beide weiterhin sehen können. Wir bleiben beide in der Stadt. Du kannst also jederzeit, Mama und mich besuchen. Das ist doch super, findest du nicht?“
− Immerhin Schadensbegrenzung…
„Wieso sagst du denn nichts, Liebling?“
„Ja, find ich super.“
„Toll! Du bist so ein starkes Mädchen! Wir sind unendlich stolz auf dich!“
− Das sagtest du bereits…
„Und der Papa wird auch etwas mehr Zeit für dich haben, das hat er versprochen.“
− Uuuh… Das gefällt Papa aber gar nicht, was du da sagst… Ich hab das Zucken in seinem Mundwinkel genau gesehen…
„Und Mama wird auch bestimmt nicht mehr so viel trinken, das hat sie ebenfalls versprochen.“
− Oje, jetzt geht’s los…
„Zumindest hat sich die Mama nie mit anderen Männern herum getrieben und dabei behauptet, sie sei so hart am arbeiten, während du daheim auf sie gewartet hast, nicht wahr?“
− Nicht schon wieder…
„Jetzt komm nicht wieder mit dieser Geschichte! Das war ein einziges Mal! Und was hätte ich auch zu dir nach Hause kommen sollen, du hättest es in deinem Alkohol-Koma ja ohnehin nicht mitgekriegt.“
„Deine Parfümfahne hätte mich selbst von den Toten wieder zurück geholt, keine Sorge!“
„Wir wollen jetzt mal nicht Fahnen vergleichen…“
„Du widerlicher—!“
„Du nutzlose—!“
„Hallo-o! Ihr wolltet mir damit sagen…?“
„Oh, entschuldige Liebes! Du siehst, wie viele Emotionen da noch im Spiel sind… Das zeigt doch, wie lieb sich der Papa und die Mama im Grunde noch haben.“
− Ein Spiel ist es schon lange nicht mehr. Und wenn das Liebe ist, na dann Prost Mahlzeit!
„Und trotzdem könne wir nun mal kein Paar mehr sein. Das verstehst du doch, mein Sonnenschein. Mama und ich müssen nun getrennte Wege gehen. Das ist für alle von uns wahrscheinlich das Beste…“
− Das erste wahre Wort an diesem Abend! Aber kommt doch endlich zum Punkt!
„Und deswegen haben der Papa und die Mama sich schweren Herzens entschieden, dass wir uns scheiden lassen müssen… Verstehst du das, Engelchen?“
„Ja, natürlich…“

− Aber kann man da noch von ENT-SCHEIDUNG sprechen…?