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In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Sonntag, 1. November 2009

Der Ameisenkönig

"Es war einmal" begann die Alte "es war einmal in einer warmen Frühlingsnacht, da wurde ein Prinz geboren. Niemand hatte es kommen sehen. Von all den seltsamen Dingen, die in dieser Nacht vor sich gingen, war dies das seltsamste. So wurde seine Ankunft in dieser Welt auch nicht mit einer grossen Volksfeier gewürdigt, sonder alles was der Prinz in den ersten Minuten seines Lebens zusehen bekam, war das wutverzerrte Gesicht der Königin bevor sie den Raum verlies. Doch trozt all dieser anfänglichen Seltsamkeiten und Widrigkeiten war der Prinz gesund und wurde von Tag zu Tag grösser. Er war aufgestellt und lernte schnell sich in der Welt zurechtzufinden.
So verging die Zeit, der Prinz wurde langsam erwachsen und die Königin machte sich Sorgen: Seit jeher wurde der Thron von Königin zu Königin weitergegeben! Was hatte es zu bedeuten, dass auf einmal ein Prinz da war, der ihr vielleicht die Macht streitig machen würde? Doch die Königin war listig. Sie stellte dem Prinz eine Bedingung, die er erfüllen musste bevor er die Krone bekam: Er musste sich eine Prinzessin suchen. So, dachte die Königin, könnte dann seine Prinzessin die Macht übernehmen und die weibliche Herrscherlinie wäre nicht unterbrochen. Der Prinz selbst war nicht so begeistert als er dies hörte, denn das bequeme Leben gefiel ihm. Doch der Anreiz auf den Thron, von dem er sich ein noch viel bequemeres Dasein versprach, genügte um sein Einverständnis zu erreichen.
So zog der Prinz los um die Prinzessin seines Lebens zu finden. Er wanderte durch einen grossen Wald und es ging nicht lange, da sah er ein weinendes, junges Mädchen am Wegrand sitzen."Ich werde mein rotes Band nie mehr von diesem Baum hinunter bekommen!", schluchte sie. Der Prinz hatte etwas Mitleid mit ihr, doch der Baum war sehr gross und da er zwar ein Prinz, aber nichts desto trotz in erster Linie eine Ameise war, kam er zum Schluss hier nicht helfen zu können.
So zog er weiter und fand bald einen grossen Tisch auf dem er Brot ausmachen konnte und da er hungrig war, beschloss er sich zu bedienen. Er setzte sich und ass. Das Brot genügte seinem königlichen Standart nicht, aber wenn man wirklich Hunger hat, schmeckt einem alles. Während er ass, hörte er Stimmen weiteroben: "Er hält sie in diesem Schuppen gefangen!!", empörte sich die eine Stimme. Die andere erwiederte ruhig: "Und was willst du jetzt dagegen machen? Du weisst ein Befreiungsversuch wäre gefährlich!" "Aber man muss doch etwas dagegen tun können, es tut ihr nicht gut und das weisst du so gut, wie ich", hielt die andere Stimme wieder dagegen, während sie sich entfernten. Der Prinz hatte währen diesem Gespräch sogar vergessen zu essen. Es musst sich hier um eine Prinzessin handeln!! Wer sonst wurde gefangen gehalten und erträgt es schlecht? Er musste unbeding mehr Informationen bekommen. Noch während er so in Gedanken versunken war, erschien plötzlich oben an ihm ein Schatten, der schnell immer grösser wurde. In letzter Sekunde bemerkte der Prinz die Gefahr in der er schwebte und konnte in letzer Sekunke noch ausweichen, während die Frau schrie: "Es sind wieder Ameisen hier! Hol das Gift, den Zucker und den Kämmerer!" Es folgte noch ein ohrenbetäubender Schrei und lautes Getrampel verschiedener Füsse. Der Prinz rannte um sein Leben.
Nach dem sich die Situation wieder etwas beruhigt hatte, erkundigte sich der Prinz bei einem netten Käfer, was er denn von dieser Gefangenen wüsste. Er erfuhr, dass diese in einem riesigen Bau aus Holz und der Eingang von einem metallenen Ding versperrt sei. Nach dem er noch etwas genauere Ortsangaben bekommen hatte, machte sich der Prinz auf den Weg. Der Holzbau war einfach zu finden, denn er war ja unübersehbar. Aber was nun?
Der Prinz lief mehrmals um das ganze Holzding herum ohne einen Eingang oder so zu finden. Er war schon fast am aufgeben, da erblickte er hoch oben einen kleinen Spalt durch den vielleicht gerade eine Ameise passen könnte. So machte er sich an den langen, mühsamen Austieg. Erschöpft erreichte er gerade den Spalt, nur um dann festzustellen, dass er zwar in die Ritze passte, aber diese nicht nach innen führte. Doch er hatte Glück: Kaum wollte er sich an den Abstieg machen, da öffntet das Mädchen, das er weinen gesehen hatte, links von ihm ein Fenster. Schnell nutzte er die Chance die sich ihm hier bot. Doch sofort plagten ihn auch Gewissensbisse, weil er ihr nicht geholfen hatte, obwohl er es vielleicht gekonnt hätte. Irgendwie bereute er dies nun bitter. Während er sich auf dem Weg zu seiner Prinzessin befand, dachte er daran, dass er dem Mädchen nun vielleicht sein Happy End verdanken würde, ohen es ihr je vergelten zu können.
Dank den Beschreibungen des Käfers kam er ziemlich gut vorwärts und so fand er den vom Käfer bezeichneten Raum schnell. Nervös betrat er ihn und verlor sein Herz - vor ihm stand die Prinzessin!
Sie war gross, hatte wunderschön glitzernde Haut, ihre Gelenke klirrten metalisch, die Augen blitzen im Gegenlicht auf, ihre Schritte schepperten, sie war durch und durch ein Roboter.

Doch der Prinz fand keine Gelegenheit seine Bewunderung auszudrücken, denn schon marschierte wieder die Frau mit dem Ameisengift auf. Schnell machte der Prinz seiner Angebeteten einen Antrag und beschloss mit ihrem Einverständnis die Flucht zu wagen. Sie bot ihm eine sichere Deckung gegen das Gift unter einem ihrer Metallplatten und stürmte mit ihm aus dem Haus. Weiter gerade in den Wald hinein in Richtung des Ameisenhaufen des Prinzens.

Sie hatten Glück, die Frau gab die Verfolgung schnell auf, froh die Ameise losgeworden zu sein und so kehrte der Prinz mit seiner Prinzessin zurück. Sie heirateten schon unterwegs, getraut von dem netten Käfer. Die Königin bekam einen Schlaganfall von dem sie sich nicht wieder erholte und so lebte unser Liebespaar zusammen in friedlicher Harmonie“, so schloss die Alte die Geschichte ab mit einem traurigen Lächeln und einer kurzen Bemerkung zur Lebensspanne von Ameisen und Robotern.
Doch die Wirklichkeit sah doch noch etwas anders aus: Zwar liebte der Prinz seine Prinzessin, doch plagten ihn auch nach Jahren noch Gewissensbisse gegenüber dem Mädchen. Das Ameisenvolk wollte keinen König, sondern eine Königin, wie es schon immer gewesen war und die Prinzessin passte einfach nicht in den Ameisenhaufen. Die Königin erholte sich wieder und übernahm die Herrschaft. Der Prinz zog sich zusammen mit der Roboterprinzessin in die Berge zurück, wo er dann Ende Herbst verstarb. Aber noch heute ärgern sich die Spaziergänger im Wald über den alten, verrosteten Blechhaufen.

3 Kommentare:

  1. Hihi..
    Jetzt hesch also doch gschafft!
    Isch der echt glunnge, vorallem dä 'Abspann'
    Eifach supi!

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  2. ^-^ Süss! Ich stelle mir vor, der Einzug der Roboter-Dame in den Ameisenbau könnte sich als problematisch herausstellen... - Und die Moral von der Geschicht'...
    Klasse!

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  3. ´Spannend! Kurz und sehr amüsant.
    Lg Mikka

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