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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Montag, 8. März 2010

Bastle dir deinen eigenen Traum

Anleitung:
  1. Wähle aus den folgenden Kategorien (Frage) mind. ein Begriff (Antwort) aus
  2. Man mische die verschiedenen Antworten miteinander, kombiniert sie zu einer Geschichte
  3. Wenn man fertig ist mit der neuerfundenen Geschichte, lege man sich schlafen und wartet, bis man anfängt zu träumen….

Bsp:
Sauron (emotional, blauäugig und hungrig) und der Eifelturm (boshaft, giftig, haarig und grün) in einem unglaublich dramatischen Melodrama von Miau und boetzge.
Das ganze Drama spielt hinten rechts, etwa um Mitternacht, während sie Algorithmen lösen.
Nun seid ihr gefragt!


ORT?
• Auf dem Mars
• In der Hölle
• Auf der Toilette
• Im Wilden Westen
• Unter dem Meer
• In der Nähe eines baldigen 'Ausbruchvulkans'
• Im Magen
• Hinten rechts


WAS?
• Abenteuer
• Romanze
• Abenteuerliche Romanze
• Komödie
• Melodrama
• Titanikartige Geschichte
• Science Fiction
• Monolog


WER?
• Peter Pan
• Ich
• Du
• Niemand
• Ein Eifelturm
• Regenwurm
• Mein Held


MIT WEM?
• Tarzan
• Taschenlampe
• Mit seinem alten Ego
• Bruce Lee
• Bruce Willis
• Bruce Almighty
• Sauron


WARUM?
• Eifersucht
• Valentinstag
• Dummheit
• Er/Sie hat Hunger
• Langeweile
• Armut
• Weil es Simon gesagt hat


CHARAKTER?
• Dumm und naiv
• Fantasievoll
• Freundlich
• Boshaft und giftig
• Emotional
• Krankhaft
• Kindlich
• Entzückend

AUSSEHEN?
• Hässlich
• Schön
• Grün
• Blauäugig
• Haarig
• Kerzengerade
• Schleimig
• Blinkend


WIE?
• Selbstmord
• Mit dem Schlafsack
• Kriechend
• Saufend
• Sägend
• Tanzend
• Algorithmen lösend

WANN?
• Spät
• Heute Morgen
• Anno 1602
• Mittelalter
• Gar nicht
• 18.18
• Mitternacht
• In der Zukunft


Tipp: Ändert die Reihenfolge der Fragen und schon habt ihr einen ganz anderen Traum

Viel Spass beim Träumen wünscht Miau und boetzge

Träumen zu zweit

Dieser Traum entstand während den Skiferien 2010 am Valentinstag und ist eine Gemeinschaftsarbeit von Miau und boetzge. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind nicht vorhanden und der Sinn dieser Geschichte hat sich leider verirrt!

Träumen zu Zweit

Er stand in der weiten Ebene, sah sich um und da war absolut nichts.
Er wunderte sich noch, wie er hierhin gelang, doch lange Zeit blieb ihm dafür nicht. Also bald traf eine grosse Meute Uhus ein.
Sie umzingelten ihn. Sie zischten und kreischten, flatterten und schnatterten. Die ganze Unruhe machte ihn richtig nervös.
Ein Uhu hatte langes schwarzes Gefieder mit perlroten Augen. Sie leuchteten in dieser finsteren Nacht. Andere hatten leicht bläuliche Federn, welche unter dem Vollmond strahlten.
Derjenige mit den roten Augen schien ihr Anführer zu sein, aber ein weisser Uhu strahlte auch eine gewisse Macht aus, obwohl sie sich im Hintergrund hielt. Der Chef begann zu sprechen:
«Gurgur,gur. Pfeiff. Gurg.»
Als er zu seinem letzte 'Gurg', sprich Vogellaut ansetzte, stimmten all Uhus mit ein.
Eine Symphonie inmitten der Einöde ertönte.

Wollten sie ihm etwas mitteilen? Vielleicht sollte er einen Brief an ein Übersetzungsinstitut versenden, um einen Fachmann anzufragen. Doch leider war da kein Briefkasten.
Kurzerhand entschloss er sich den Brief an ein Uhu zu befestigen und ihm so an das Vogellautdolmetscherunternehmen zu schicken. Doch der Vogel wehrte sich, schlug mit den Flügeln und war schon fast dabei weg zu fliegen.
Doch da riss unser Held der Geduldsfaden. Er sprang auf und rief laut aus:
«Tschip- tschip. Flöt»
Die Uhus starrten ihn mit grossen Augen an.
«Was soll denn das heissen?» fragten sie sich. Unser heroische Hauptdarsteller dieser skurrilen, wie auch abstrakten Geschichte, stockte der Atem. «Ihr versteht mich ja?!»

Aber obwohl das Problem der Verständigung nun gelöst war, blieben für ihn doch noch einige Fragen offen.
Wie kam er hierhin?
Wo war er überhaupt?
Was wollten die Uhus?
Und warum ausgerechnet Uhus?
Und warum in aller Welt sprach er in 'Tschip-tschip'?
Doch wie es immer so ist, sind Antworten rar.«Wo bin ich?» fragte er, auf das Wissen hin, dass er die Antwort vielleicht gar nicht hören wollte und auch sollte.
«Wo bin ich» äfften ihn die Uhus nach.«Wo sind wir?» sprachen sie.

Anscheinend waren Uhus ausgesprochen dumme Tiere und das, obwohl man ihnen sooo viel Weisheit nachsagte, dass sie sogar zum Tier der Göttin Athena erhoben wurden.
Er wendete sich darauf von den Tieren ab, denn sein Magen knurrte. Er, der helden-und tugendhafte Mann in Person, war seiner einzigen Schwachstelle ausgeliefert:
Schokolade, Jelly, Gugelhopf und Cola-Erdbeeren.

Sein knurrender Innenbewohner verlangte nach Nahrung!
Er hatte Glück- oder vielleicht auch nicht. Denn in diesem Moment ging die Sonne auf. Der Himmel verfärbte sich rosa und endlich sah er etwas mehr.
Doch damit war sein Hungerproblem noch nicht von dieser kuriosen Welt geschaffen. Also nahm er eine Leiter und stieg Richtung Himmel empor. Er wollte eine rosa Wolke fischen, doch immer, wenn er nach einer griff, löste sie sich auf.
Er gab es auf. Da er keine Zuckerwattewolke kriegen konnte, gab er sich mit Himmelstau zufrieden.
Der Himmelstau schmeckte nach Zitronensorbet und Kakaobohnen. Und da er aber einen Gugelhopf wollte, spuckte er es wieder aus. Dann nahm er sich ein Bett und schlief ein.
Während unser unnahbarer, vielleicht etwas unwirklicher Held sich also zuerst eine Mütze Schlaf gönnte, kletterte etwas rundes, braunes, schwarzäugiges die grünen, saftigen, aber steilen Wiesen eines Gebirges empor.
Der Held erschrak so sehr, dass es sofort aufwachte. Das runde, braune, schwarzäugige Ding kam immer näher. Als es knapp einen Meter vor ihm stand, erkannte unser idealisierte und irreale Möchtegern-Herkules das Ding:
Es war eine lebendige Billardkugel!

Sie blinzelte ihn aus treuen Hundeaugen an.
Das beruhigte ihn wieder ein wenig, doch er nahm sich vor, nicht nochmal in Himmel einzuschlafen -man weiss nie wo man aufwacht.

THE END/FIN/ENDE

Miau&boetzge

Freitag, 26. Februar 2010

Dreimal fliehen

Eine Welle von Wut brach über ihr zusammen und ihre Hand traf seine Wange mit so überwältigender Wucht, dass er zurücktaumelte und ins Laub zurückfiel. Und bevor er sich versah, war sie zwischen den Bäumen davon gerannt.



Eine unbegründete Angst packte das träumende Ich. Ich stürmte die sich im Gegenuhrzeigersinn hinabwindende Treppe hinunter und stürzte aus der Eingangstüre auf unsere Strasse hinaus. Unerwartet fand ich mich knietief in fliessendem Wasser wieder. Die Ruhe, die von mir Besitz ergriffen hatte, ermöglichte es mir, pragmatisch nach einer Lösung zu suchen. Und tatsächlich erblickte ich in der Parkierzone auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein Floss. Mit einem Sprung war ich auf dem Gefährt und trieb die Strasse hinab auf eine unübersichtliche Kante zu, hinter der das Wasser tosend hinabfiel und sich Hunderte Meter weiter unten aus einem Delta in unzählige kleine Rinnsale aufteilte. Von der Kante aus überblickte ich eine saftig grüne Landschaft mit grossen Waldgebieten, durchzogen von den vielen kleinen Flüssen, die vom Delta zu meinen Füssen ausgingen, während am Horizont eine goldgelbe Sonne hinter sanften Hügeln versank.

Als auch der letzte Sonnenstrahl hinter den Hügeln zurückblieb, kam Alice angerannt und packte mich bei den Schultern. „Er kommt, Sogna! Er kommt!“ keuchte sie, und aus ihren Augen schrie blankes Entsetzen. Sie machte einen grossen Satz über die Kante hinab und riss mich mit sich. Im Fall rief sie mir zu: „So wird er uns nicht kriegen!“ Ich nickte zustimmend und blickte rückwärts dem Wasserfall entlang nach oben zur Kante, die sich immer weiter und immer schneller von uns entfernte. Dort erkannte ich stolz aufrecht stehend eine dunkle Figur mit einem breitkrempigen Hut, die sich gegen den dämmrigen Himmel abhob. Die Erleichterung, dieser Kreatur entkommen zu sein, beflügelte mich und liess mich sanft hinabgleiten, während mich feine Wassertropfen glitzernd umspielten. Alices weisse Haare wehten sanft im Aufwind des Falls und ihre Gewänder umhüllten ihren Körper wie feenhafte Schleier. Das Flussdelta und der Urwald schwebten zu uns herauf, während wir uns gegenseitig verträumt zulächelten. Als unsere Zehenspitzen die Wasseroberfläche des tiefen Sees am Fusse des Wasserfalls berührten, breiteten sich filigrane Ringe über die spiegelglatte Wasseroberfläche aus, immer weiter, unaufhaltsam, bis hin zum Kiesufer vor dem dichten, schützenden Saum des Waldes, zu den Nebelwolken des lautlos tosenden Wasserfalls. Erstaunt über die absolute Ruhe blickte ich mich um. Werder der Wind, noch die Blätter, die in ihm zitterten, noch die Vögel, die über den Himmel zogen, noch das Wasser mit seiner ungeheuren Wucht waren hörbar. Es herrschte eine so intensive Stille, dass mein Trommelfell zu bersten drohte. Ich presste meine Hände gegen meine Ohren, um das erdrückende Gefühl der Taubheit zu verbannen. Doch selbst meine eigenen Bewegungen waren vollkommen lautlos. Als ich mit den Händen meine Ohren zuhielt, hörte ich nichts, als ich mich in Qualen wand und auf den Boden warf, hörte ich nichts, und ich hörte noch immer nichts, als ich vor Schmerzen zu schreien begann.

Dann plötzlich waren alle Töne, Geräusche und Klänge auf einmal wieder da. Mein Schrei flammte auf aus dem akustischen Nichts, sodass es mir wiederum fast den Schädel zerriss, und ich schreckte auf aus einem fiebrigen Schlaf, der weder körperliche, noch geistige Erholung gebracht hatte. Ein schlaffer Körper gehorchte meinen Befehlen kaum und lag wie gelähmt. Um mich herum hing ein weisser Vorhang, und fahles Licht fiel von einer Sparlampe auf das Leintuch herab, das über mir lag. Der beengende Raum war von einer sterilen Sauberkeit. Von irgendwo hinter den Vorhängen hörte man regelmässige Piepstöne und ein stetige Geräuschekulisse aus Rascheln, Klappern, Schlürfen, Husten, Röcheln, Schnarchen und leisen Gesprächen. Langsam lichtete sich auch der Nebel der Benommenheit und ich wagte mich zu regen. Erschöpft richtete ich mich auf einem schmalen Bett auf und spürte sogleich die Verspanntheit meines ganzen Körpers. Doch es blieb mir kaum Zeit, mich zu strecken: Mit einer stürmischen Wucht wurde der Vorhang zur Seite gerissen und ein Arzt, eingerahmt von zwei Krankenschwestern, ähnlich wie Fotokopien, trat besorgt an mein Bett.

„Geht es Ihnen gut?“

Ohne meine Antwort abzuwarten, klatschte der in weissen Mantel und Stethoskop gekleidete Arzt in die Hände, worauf die beiden Schwestern sich synchron abwandten und verschwanden. Der Arzt zog hinter ihnen den Vorhang zu und trat dann vertraulich nah an mein Bett heran. Er nahm meine Hand, küsste sie höflich und begann dann in ernstem Ton: „Gnädigste. Ich wünsche Euch keinesfalls zu beunruhigen, doch wie es der Hippokratische Eid von mir verlangt—.“

„Reden Sie nicht weiter, Herr Doktor. Ich weiss worum es geht.“ Meine Worte klangen bedrückter, als ich es beabsichtigte. „Sagen Sie nichts mehr…“ Und ich zog ihn an seiner feuerroten, feuerheissen Krawatte zu mir heran und sah ihm auffordernd in die Augen. Daraus leuchteten mir zwei hellgraue, dunkel umrandete Iriden entgegen. Er hob seinen linken Mundwinkel neckisch an und fuhr mit der Zunge über eine makellose obere Zahnreihe. Dann warf er sich unvermittelt auf mich und küsste mich feurig. Seine Leidenschaftlichkeit überrumpelte mich vollkommen und liess mich willenlos in seine Arme sinken. Sein wallendes, weisses Haar wehte im Sturm unseres Berührungen, seine Hände strichen sanft über meine Beine, Arme, Brust und Wange, er sog gierig den Duft meines Körpers ein, und seine Küsse betäubten mich hin zu einer hypnotischen Trance. Mit einer einzigen Bewegung riss er seine Kleidung in Fetzen und enthüllte einen muskulösen Oberkörper. Meine Hand fuhr über seine glatte Brust, während seine meine Taille hinab strich, meinen Hintern in Leidenschaft ergriff, meine Brust sanft umspielte und mit leichten Fingerspitzenberührungen mir einen erotischen Schauer unter die Haut fahren liess.

Abrupt beendete ich jedoch unser Winden, da ich mich von meinem Verlobten beobachtet fürchtete.

„Sorgt Euch nicht, Gnädigste. Diese Sorge werde ich von Euch nehmen.“ Und unter aufbrausendem hysterischen Lachen band er mich mit eiskalten Lederriemen am Schragen fest. Im tieffinsteren, endlosen Raum flammten plötzlich kreisförmig angeordnete Scheinwerfer auf, deren flutendes Licht mich schmerzhaft blendete. Seine schrill lachende Silhouette bäumte sich vor mir auf, ein blitzendes Skalpell schwingend, und rauschte sogleich wieder zu mir nieder, sodass seine Nasenspitze die meine berührte und sein fauliger Atem mir die Galle hochtrieb. Sein pechschwarzes Haar hing in fettigen Strähnen über seine schweissige Stirn und eine unerträgliche Hitze ging von seinem Körper aus. Mit einem malignen Grinsen entblösste er seine gelb-schwarzen Reste von Zähnen. Er schleckte mir mit der gespaltenen Zunge einer Schlange das Gesicht, und der Blick aus seinen roten, flammenden Augen drohte mich von innen zu versengen. Ich wollte Schreien, doch meine Kehle war wie zugeschnürt. Das teuflische Lachen, das seinem Maul entwich, während er das Skalpell noch einmal anhob, jagte mir Tränen in die Augen. Er spreizte seine Arme in massloser Selbstverehrung und ballte seine krallenbesetzten Klauen zu mächtigen Fäusten. Die feuerrote, ledrige Haut bekam unter der grossen Spannung Risse, aus denen gleissendes Licht austrat. Und als sein massiger Körper in abertausend Fetzen zersprang, schien es Asche zu regnen und der durchdringende Gestank konzentrierten Schwefels breitete sich aus.



Kaum hatte ich das Gebäude gefunden und betreten, lief diese Bekannte meiner Mutter aufgebracht auf mich zu und fuchtelte mit einem Blatt Papier vor sich her. Sie stolperte, fing sich jedoch wieder, taumelte einige Schritte und eilte dann weiter. „Sogna! Sogna, du bist gleich an der Reihe. Du hast nun ebenfalls einen Auftritt!“

Ich spürte, wie mir die plötzliche Nervosität das Blut in den Kopf trieb. Ich hatte doch mein Lied noch gar nicht geprobt. Ich versuchte mich zwanghaft an den Liedtext zu erinnern. Die Melodie hatte ich noch halbwegs in den Ohren, doch der Text… Even on an ocean deep and clear, I never feel lonely…

Hastig ging ich über den dunkelgrauen Spannteppich die Treppe hinauf. Meine Hände zitterten und mein Gehirn suchte in seinen tiefsten Windungen nach der Fortsetzung des Verses. Die Wände des Treppenhauses waren mit einem groben Verputz ausgekleidet. An der Decke hing auf jeder Zwischenetage eine kreisrunde Zylinderleuchte, welche ein schwaches Licht ausstrahlte. Das Geländer bestand aus mehreren Metallbahnen, die dem Treppenverlauf folgten und in regelmässigen Abständen von Streben zusammengehalten wurden. Als Handlauf diente eine schwarz lackierte Stange, die sich ebenfalls wie eine eckige Schlange durchs Treppenhaus wand. Zwei Stockwerke höher trat ich durch eine schwere, beschlagene Metalltüre mit einem Bullauge auf Augenhöhe. Ich trat auf einen breiten Gang hinaus, ebenfalls mit demselben Spannteppich ausgelegt und durch dieselben Leuchten schwach erhellt. Die rauen Verputzwände waren mit hohen Spiegeln und schweren Samtvorhängen geschmückt, welche durch goldene Kordeln zu dekorativem Faltenwurf zurückgebunden waren. Durch eine der edlen Holz-Glas-Türen trat ich in den Zuschauerraum und fand mich verloren inmitten einer erschreckend gigantischen Tribüne. Abertausend Zuschauer erfüllten die Halle mit erwartungsvollem Gemurmel, bis plötzlich sämtliche Scheinwerfer aufblitzen und die Bühne beleuchteten. Nur noch wenige Minuten bis zu meinem Auftritt, und ich zitterte hinter der Bühne wie Espenlaub. Noch ein letztes Mal äugte ich zwischen den schweren Vorhängen hindurch und vergewisserte mich der immensen Zuschauerzahl. Noch immer grübelte ich an der Fortsetzung des Liedtextes herum. Even on an ocean deep and clear, I never feel lonely. For everywhere I am you’re near, and…

So konnte ich nicht auftreten. Auf keinen Fall! Ich musste Mel nach dem Liedtext fragen. Auf dem schnellsten Weg verliess ich das Gebäude und ging durch den Garten auf den Wald zu. Es war in der Zwischenzeit bereits dunkel geworden, und das Schilf schimmerte schwach im Mondlicht. Die vielen, kleinen Teiche geschmückt mit Pfeifenputzerschilf auf den verschiedenen Gartenterrassen lagen wie Spiegel zwischen dem Gras und den Bäumen, worin Tausende Sterne als Spiegelbild ihrer selbst zu schwimmen schienen. Ich lief über die gewundenen Pfade und kleine Treppchen durch die vielen Terrassen, bis zur untersten Ebene hinunter, wo mich ein Pfad direkt in den Wald führte. Grillen zirpten schon und zwischendurch quakte ein Frosch.

Kaum war ich in den Wald eingedrungen, umgab mich eine Finsternis, dass ich meine Hand kaum vor Augen sah. Durch das dichte Blätterdach war für den Mondschein kein Durchkommen. Der Pfad war schmal und die Äste, die ihn säumten, zupften an meiner Kleidung. Bald war es nicht länger ein blosses Zupfen, sondern ein Reissen und Zerren, ein Klemmen und Schneiden. Bald hing meine Kleidung in Fetzen an mir herab. Die Wunden bluteten dermassen, dass sie kaum mehr schmerzten, sondern mich nur noch wie ein warmer, fast brennender Mantel einhüllten. Auch war da längst kein Pfad mehr, sondern nur dichtes Gestrüpp aus Dornenbüschen und Brennnesseln.

Doch bevor ich vor Erschöpfung und als Folge des Blutverlusts zusammenbrach, gab das Unterholz nach und ich torkelte auf eine Lichtung, fiel natürlich sogleich und landete keuchend auf allen Vieren. Die Sonne brannte auf meiner zerfetzten Haut. Brannte das Blut zu einer harten Kruste fest. Mein Atem ging schwer und schmeckte nach Blut.

Auf einmal hoben mich zwei starke Hände sanft in die Luft, und ich fand mich in den Armen meines Retters wieder.

„Ich wusste, dass du kommst, Thorn.“

Er blickte mich nur lächelnd an und ging, einen Arm um meine Schultern, einer unter meinen Knien, sodass er den langen Schleier meines seidenen Kleides auf dem Rasen hinter sich her zog, weiter den Hügel zur stolzen Burg hinauf. Von weitem sah man seine Ritterrüstung in der Sonne glänzen.

In einem der Burggemächer legte er mich in ein seidenbezogenes Bett und sich daneben. Er strich mir eine glänzende Haarsträhne aus dem Gesicht, während eine blonde Locke über seines fiel. Mit den tiefen schwarzen Augen eines bis zum Innersten reinen Gewissens blickte er mich an und sagte kein Wort – denn alles war bereits gesagt.

Und wir küssten uns. Und sein Oberkörper unter dem leinenen Hemd war straff und strotzte nur so vor Kampferfahrung. Sein Atem fiel über mich, wie ein sämtliche Sinne betäubender Schleier, so betörend, dass ich um mein Bewusstsein rang. Seine Hand streifte meinen Oberschenkel entlang unter mein Kleid bis zur Hüfte. Sanfte Berührungen, kaum spürbar und doch so bestimmt.

Dann kam diese Angst. Ich blickte zur Tür. –Und wenn er kommt? Sanft schob ich seine Hand zurück. Doch sein Feuer loderte. Er liess sich nicht so leicht bändigen. –Er könnte jeden Moment kommen… Ich wand mich unter seinen Küssen, presste mit beiden Händen gegen seinen makellosen Oberkörper. –Es ist nicht Rechtens, was wir tun! Seine Hand aus meinem Schritt. –Gleich steht er hier. Ich sehe schon sein Gesicht, vor Wut errötend. Wahrscheinlich wird er ausser sich geraten. Er wird etwas werfen. Seine Küsse wollten nicht enden. Er umfasste mich wild aber noch immer sanft und rücksichtsvoll. –Das reicht! Mit aller Kraft stiess ich Thorn von mir ab. Dieser prallte gegen einen der Bettpfosten und blieb bestürzt sitzen.

„Was ist mit dir?“ fragte Thorn verwirrt.

„Bitte, versteh mich nicht falsch, aber mein Verlobter—.“

Die Türe wurde aufgestossen und krachte gegen die Mauer. Ein in Überwurf und Kapuze gehüllter Mann, gefolgt von drei Lanzenträgern stürzte herein und verbeugte sich vor uns ehrerbietend.

„Es bleibt keine Zeit, eure Hoheit. Bitte folgt mir. Euer Pferd steht bereit.“

Verwirrt blickte ich zu Thorn. Traurig senkte dieser den Blick und küsste meine Hand.

„Dann soll es wohl nicht heute sein, meine Liebste.“ Ich wollte widersprechen, doch Thorn liess mir keine Zeit. „So geht. Aber gebt auf Euch Acht, Gnädigste. Ich verspreche, Euch zu folgen, sobald es mir die Umstände erlauben. Doch meine Begleitung wäre hierzulande zu auffällig. Vertraut mir.“ Er wandte sich an den Vermummten. „Gebt gut Acht auf sie. Ihr Leben liegt nun in Euren Händen, Sir Lancelot.“ Und damit erhob er sich vom Bett und eilte aus der Raum in die Dunkelheit der verwinkelten Gänge.

Ebenfalls in einen Umhang gekleidet, folgte ich Sir Lancelot durch die Gänge. Alsbald ertönten wilde Rufe hinter uns, und das Klappern eiserner Rüstungen wurde vernehmbar. Panisch rannte ich durch die Gänge, sich steil in die Tiefe windende Treppen hinab, durch Türen und Portale hindurch, welche in unzählige weiter Räume führten. Die drei Lanzenträger blieben bald zurück, um unsere Verfolger aufzuhalten. Sir Lancelot führte mich immer weiter hinein in das Labyrinth dieser Gemäuer. Schnell bog er in eine Abzweigung, bald sah ich nur noch einen Zipfel seines Umhangs hinter einer Ecke verschwinden und dann war da nur noch das immer leiser werdende Tappen seiner Schritte, das sich langsam in der Dunkelheit verlor.

„Sir Lancelot“, hisste ich. „Wo seid Ihr?“ Die Gänge waren still geworden. Ich blieb schnaufend stehen und drückte mich an eine Wand. Verloren blickte ich in die Dunkelheit. Beide Seiten des Ganges sahen gleich aus – tatsächlich wusste ich nicht einmal mehr genau, aus welcher Richtung ich gekommen war. Doch ein riesiger Schreck liess mir keine Zeit mehr zum denken. Völlig unvermittelt war ein wutentbrannter Wachmann aus der Dunkelheit gesprungen und hatte nach mir gegriffen. Instinktiv hatte ich mich herumgeschleudert. Doch der Wachmann hatte im Sturze seines Angriffs meinen Umhang zu fassen gekriegt. So hing ich an dem Umhang, der mich erbärmlich würgte. Schell öffnete ich die Brosche, die den Umhang befestigte und stürzte aus der Umfesselung vorwärts. Panisch rappelte ich mich auf und begann zu rennen, zerriss dabei meinen Unterrock und schürfte den Ellbogen an der rauen Mauer auf. Der Wachmann war mir dicht auf den Fersen – ich konnte gar sein animalisches Schnauben hören, während er mich verfolgte. Dann prallte ich unsanft auf eine Türe, die plötzlich in der Dunkelheit vor mir aufgetaucht war. Verzweifelt suchte ich den Türgriff, fand ihn und drückte ihn runter. Die Türe war versperrt.

Ein greller Lichtblitz tauchte alles in weiss. Dann schwarz.

In Memoriam

Josef Eberhardt Stein, geboren am 2. Mai 1892 zu Pollstadt als erster Sohn des Köhlers Kurt Josef Stein und der Näherin Elisabeth Johanna geborene Rose. Am 7. Juli 1916 fiel er an der deutsch-französischen Front im Krieg für das Rechte und fürs Vaterland. Diese Schrift soll die Erinnerung an diesen tapferen jungen Mann, der uns viel zu früh verliess, wach halten.

Schon als Kind blickte ich immer zu meinem grossen Bruder auf. Nicht mehr als drei Jahre trennten uns, und doch wirkte er immer viel erwachsener auf mich, als es seinem Alter entsprach. Sein grösstes Vorbild war unser alter Herr, dem er es stets in Beruf und Lebensweise gleich machen wollte. Obgleich unser Vater ihm von dem harten Köhlerhandwerk abriet und ihm eine bessere Ausbildung ans Herz legte, wollte Josef Eberhardt nie etwas anderes werden, als Selbiges wie sein Vater. Des Öfteren begleitete er Vater schon als Junge zur Arbeit und half kräftig. Abends kam er stets begeistert nachhause und erzählte mir von seinen Erlebnissen. Dort wolle er arbeiten, so seine Worte. Die heissen Meiler, die weisse Glut, die trockene Luft und das schwarze Gold! So heiss sei es dort, dass der Schweiss sogleich verdampfe, sodass man trotz der erbarmungslosen Hitze stets ganz und gar trocken war. Schwarz und trocken.

In dieser Verehrung wuchs er also auf und zog auch mich bald mit in den Bann des Köhlerhandwerks. Bis eines Tages der Einzug zum Militärdienst kam. Josef Eberhardt und ich wurden beide aufgeboten, Mathias David war noch zu jung für den Einsatz und Vater war bereits aus dem Dienstalter. Wir waren so stolz, für unser Vaterland in den Krieg ziehen zu dürfen – und was sollte uns schon passieren… An einen echten Krieg glaubte damals niemand – eine Niederlage stand ausser Frage.

Doch es gab kein unbeschwerliches Soldatenleben, wie man es sich in den Städten erzählte. Wir wurden direkt an die Front nach Frankreich in den Stellungskrieg geschickt.

In der Nähe von Maricourt, einem kleinen Städtchen zwischen Albert und Péronne an der Somme, lagen wir Ende Juni 1916 im Schützengraben in nassen Kleidern vom gnadenlosen Unwetter. Seit einigen Tagen hagelte ein unerbittliches Trommelfeuer der Alliierten auf uns herab. Trotz des pausenlosen Regens war die erdrückende Junihitze kaum auszuhalten. Wir gehörten der 6. deutschen Armee unter dem Kommando von General Fritz und Below an. Wir hatten Bericht erhalten, dass unsere Kameraden an vielen Stellungen unter dem Trommelfeuer gezwungen waren, sich in den Schutz der nahegelegenen Dörfer und Gehöfte zurückzuziehen. Wir vermochten bislang unsere Maschinengewehrstellung zu halten. Doch die mittlerweile sechs Nächte ohne eine Minute Schlaf setzten jedem Mann zu. Das war das Schlimmste am Ganzen: Kein Schlaf.

Josef Eberhardt und ich waren mit einem weiteren Kameraden, Stutz (seinen Vornamen habe ich nie erfahren, oder vergessen), für ein Maschinengewehr zuständig und wechselten uns mit der Wache ab. Der ständige Lärm der detonierenden Sprengkörper liess keinen ein Auge zutun. In dieser schicksalhaften siebten Nacht hatte mein Bruder Wache. Das Trommelfeuer von der Front war etwas näher gerückt, hatte jedoch leicht nachgelassen. Doch es sollte sich nur als die Ruhe vor dem Sturm herausstellen.

Stutz und ich hatten uns zum Essen ins Lager begeben, wo der Koch die Schöpfkelle schwenkte und beschwingt jedem seine Portion weisse Bohnen und Rindfleisch verteilte. Hinzu kam eine unerklärliche doppelte Wurst- und Brotportion als Proviant. Und doppelte Rauchportion zusätzlich! Wir waren seit Langem zufrieden. Noch als Stutz, Müller, Kamm und ich so beisammen sassen und unsere Bohnen verdrückten, kam plötzlich ein aufgebrachter Junge aus Frontrichtung angelaufen.

„Ein Angriff! … Infanterie! … Sie kommen!“

Ohne die Reaktion der anderen abzuwarten stürzte ich los. Ich dachte nur noch an Josef Eberhardt, den wir alleine zurück gelassen hatten. Im zuführenden Graben nährte ich mich hastig dem Frontgraben. Ich nahm kaum die unzähligen Granaten und Feuerhagel wahr, die in meiner unmittelbaren Nähe einschlugen. Hinter mir rief jemand verzweifelt meinen Namen – oder rief er meinen Bruder? Endlich war unser Maschinengewehr in Sicht. Und Josef Eberhardt sass angestrengt dahinter. Ich erreichte die Grube atemlos und liess mich neben meinem Bruder gegen den Erdwall fallen. Ich lud mein Gewehr zur Schussbereitschaft und schrie entsetzt: „Was ist denn los?“

„Die Baguettefresser sind verrückt geworden!“ Das ohrenbetäubende Rattern der Maschinengewehrsalve verunmöglichte jedes weitere Gespräch. Ich blickte über den Schanzenrand, um zu erspähen, worauf Josef Eberhardt schoss. Und ich konnte meinen Augen nicht trauen. Sie hatten nun tatsächlich die Tanks im Einsatz, gepanzerte Kettenfahrzeuge. Ich hatte von ihnen gehört, das Gerücht kursierte schon seit einigen Wochen, doch noch niemand hatte bislang einen zu Gesicht bekommen. Wir waren Zeugen des ersten Panzereinsatzes der Weltgeschichte! – Doch in diesem Moment war ich alles andere als stolz darauf. Ich wünschte mich an jeden anderen Ort auf dieser verfluchten Welt! Ich glaubte mich in der Hölle. Rundherum explodierte es mit ohrenbetäubender Macht. Der Regen prasselte noch immer gnadenlos auf uns herab und hüllte den dämmernden Morgen in ein einheitliches Grau.

„Nachladen!“ schrie Josef Eberhardt vom Geschütz her. Ich riss die Munition aus der Lagerkiste und machte mich am Gewehr zu schaffen. Indes spähte Josef Eberhardt durch seinen Feldstecher zur feindlichen Front.

Das letzte Wort, das ich von meinem Bruder hörte, war: „Verdammt!“ Dann stürzte er sich plötzlich auf mich, wir landeten zusammen im Schlamm des Grabens, und kurz darauf erbebte eine mächtige Explosion die Erde. Eine gewaltige Druckwelle erfasste uns, und ein markdurchdringender Schmerz erfüllte meinen ganzen Körper bis in den letzten Knochen. Ich verlor das Bewusstsein. Und als ich wieder zu mir kam, roch die Luft beissend nach Schwefel und alles schmeckte nach Blut und Erde. Schwer und reglos lag der Körper meines Bruders auf mir und nahm mir die Luft. Ich rollte mich zur Seite und kroch unter ihm hervor. Josef Eberhardt plumpste Gesicht voran in den Schlamm. Ich konnte meinen rechten Arm nicht mehr bewegen. So drehte ich ihn einarmig wieder auf den Rücken. Ich erschrak. Sein Gesicht war schlamm- und blutverschmiert. Ich wischte ihm Augen, Nase und Mund frei. Als ich mein Ohr an sein Gesicht hielt, hörte ich ihn schnell und flach atmen. „Josef Eberhardt!“ hauchte ich mit letzter Kraft. „Bruder!“ Doch er antwortet nicht. Er antwortete nie mehr. So hatte er sein Leben für meines hergegeben, tapfer und selbstlos. Der Regen wusch langsam sein schönes Gesicht sauber. Unter dem Helm floss langsam ein stetiger Blutstrom hervor. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und weinte. So lagen wir da. Zwei Brüder im Schützengraben. Blutig. Grün und nass.

Mittwoch, 17. Februar 2010

Zärtliche Stille

Ich sitze auf meinem roten Sofa und blicke dumpf in Richtung des Flatscreens an der gegenüberliegenden Wand. Ich bin müde, ich sollte eigentlich schlafen.
Es ist 22:20, gerade ist CSI fertig und die Werbung schießt mir gleich eines überlauten Maschinengewehrs ins Hirn. Die Versicherung die Bank die mir den Weg frei macht und der Schwangerschaftstest der garantiert 100%ig funktioniert, den ich aber nicht brauche weil ich ein Mann bin.
Französische Autowerbung gehört zu den dümmsten die je über die Mattscheibe geflimmert ist und sie nervt mich schon wieder, ich schalte um.
Nächster Kanal - Werbung! Ich schalte wieder und treffe schon wieder die Autowerbung. Ich drücke auf den Knopf... "machen sie ihr Gold zu Geld..." ZAPP... Talkshow, irrsinnig blöde Cartoons die für völlig verblödete Kinder gedacht sind und MTV wo nur noch HipHop in meine Tranceliebende Ohren tönt.
Der Screen gehorcht aber auch auf den roten Knopf und wird dunkel. Stille... ich gehe ins Bett. Ich freue mich auf mein Bett, denn ich bin müde und kuschle mich in meine Decke. Es ist warm und ich entspanne mich...Gedanken huschen durch meinen Kopf, Arbeit, Termine an die ich denken muss, die Probleme mit meiner Frau, die Schmerzen in meinen Füssen und die Frage ob die Inkas doch recht haben mit ihrer Apokalypse. Ich falle in einen unruhigen Schlaf und habe einen fürchterlich lauten Traum.
Ich bin in einer großen Stadt und versuche eine U-Bahnstation zu finden. Neben mir hupt ein völlig hysterischer VW Fahrer nur weil vor ihm ein Fahrschüler das Auto abwürgt, ein Düsenjäger kreischt über die Stadt und der Rettungswagen vom Roten Kreuz jagt mit schriller Sirene über die Kreuzung.
Die Nacht war kurz und meine Träume grauenvoll, was mache ich nur? Mein Handy weckt mich 5:30h und ich spüre wie fertig ich bin. Ich kann nicht mehr, ich brauche Urlaub. Heute werde ich in der Unfallchirurgie sein und ich weiß schon das der Professor wieder nerven wird. Der Mann ist alt und nuschelt fürchterlich, er kann sich selten schnell entscheiden welches Verfahren er für die Osteosynthese anwenden will, das bedeutet wieder Stress und Rennerei. Ich hab den Kanal gestrichen voll und es kotzt mich heute alles an.
Ich bin eigentlich immer gut gelaunt, besonders morgens, aber heute... irgendwie ist alles laut geworden. Zu laut für meine Seele die sich nach Ruhe sehnt.
Ich denke an meinen Strand in Dänemark und für einen Moment scheint es, als ob es das wäre...die Lösung. Ich sollte vielleicht nach Dänemark in Ferien fahren. Kein schlechter Gedanke, aber auch dort... habt ihr schonmal die Dänische Nordsee im Winter erlebt? Da kocht die See, echt wahr...sie donnert und kracht mit ohrenbetäubendem Lärm an den weiten Strand und der eisige Nordweststurm, der Tagelang ohne Unterbrechung den Schnee waagerecht über die See fegt und heult. Ich liebe das normalerweise, stehe dann nur zu gern am Strand und lasse mich von der See anbrüllen...und dann brülle ich zurück.
Aber heute sehne ich mich nur einfach nach Ruhe - keine Hektik, kein Stress, keine Autos, kein Fernsehen und kein Telefon. Aber auch die Natur soll mich nicht stören... ich sehne mich nach zärtlicher Stille, die mich liebevoll einhüllt und sanft wiegt, mir einfach meine Seele in Watte packt.
Ich komme heim und setze mich an den PC. Ich muss noch meine Farm in Ordnung bringen und meine Tiere pflegen. Farmville wurde zu einer Art Sucht.
Eine Freundin ist im Chat...hm...wie schön denke ich und klicke auf ihren Namen.
"Hej Mikkamaus" schreibt sie... Ich schreibe ihr in dieser Anrede zurück. Sie lacht und macht einen liebevollen Witz über mich. Ich mag ihre Witze, ich mag sie und ich mag die Ruhe die sie mir in mein Herz bringt. Wir chatten. Eine Stunde lang und sie fragt mich wie sie mir helfen kann meinen Stress zu bewältigen. Ich sage, mehr aus Witz, "wenn du mit mir auf eine Hütte in den Bergen gehst wo ich die perfekte Ruhe finden kann."
Meine Freundin grinst so breit sie nur kann, als sie den Schlüssel in der schweren Holztür umdreht. Hier oben ist es wirklich sehr still, nur unsere Stimmen und die knarrenden hölzernen Stufen sind zu hören.
Wir sind im Schwarzwald auf knapp 1400m über dem Meer, und es ist sehr kalt und: Ja es ist einfach still. Der Schnee türmt sich dieses Jahr über 250cm auf und alles ist einfach still. Es rieselt...Pulverschnee und aus dem Kamin unserer Hütte kräuselt langsam und still weißer Rauch - wie ein Wattebausch.
Schnell wird es dunkel in Januar hier oben in den Bergen und es gibt keine Strassenlaterne die die Ruhe mit ihrem Licht stören könnte, nur das Knistern im Kamin und der ruhige Atem einer jungen Frau, die mit mir hier oben ist und ihren Kopf zärtlich auf meiner Brust liegen hat und friedlich schläft. Ich atme vorsichtig ein und aus, denn ich will sie nicht wecken. Ich genieße diese zärtliche Stille, dann höre ich ihren Herzschlag, oder ist es meiner?

Donnerstag, 7. Januar 2010

Helles weiches Sonnenlicht fiel auf mich, als ich die Augen öffnete. Frische kühle würzige Luft, gepaart mit dem schweren süßen Duft wilder Rosen und dem beruhigenden leisen summen von Bienen.
Ich drehte meinen Kopf zur Seite und begann mich umzusehen, während ich mich fragte wo ich eigentlich bin. Keine Erinnerung wie ich in dieses warme weiche Bett kam. Ich richtete mich auf und sah mich um.
Ich befand mich in einem japanischen Haus, schwarz lackierte schwere Holzdielen auf denen der bequeme Futon lag auf dem ich mich befand. Reisstrohmatten bedeckten den Boden teilweise und in der Ecke stand ein traditionelles Kohlebecken. Die Wände waren kunstvoll mit alten japanischen Kranichmotiven bemalt und das einfallende weiche, warme Sonnenlicht zauberte eine unwirklich zärtliche Athmosphäre in den Raum, der noch durch den Blick durch eine geöffnete Schiebetür neben dem Bett in den üppigen Garten verstärkt wurde.
Mein Blick fiel auf etwas rotes auf der anderen Seite neben mir, halb durch die cremefarbene Seidendecke verdeckt.
Meine Hand fuhr unter die Decke, unter es noch sehr warm war...wer war hier noch bis vor kurzem gelegen? Ein roter, seidener, kurzer Kimono glitt durch meine Hand, die ihn an mein Gesicht legte. Ein leichter süßer Duft nach Honig und Yasmin betörte für einen Augenblick meine Sinne und lies das Lächeln einer bezaubernden Schönheit in meiner Erinnerung entstehen. Aber leider nur sehr kurz dann bohrte sich wieder die frage nach dem "Wo bin ich" in mein Gehirn. Ich legte den Kimono beiseite und stand auf. Nun konnte ich auf die hölzerne Terasse blicken. Da standen zwei paar japanische Reisstrohsandalen akkurat vor der Schiebetür, ein Paar kleiner als das andere. Die schwarzen Holzdielen der Terrasse glänzten als ob sie nass wären; ihnen folgend gelangte mein Blick bis an deren Ende und über eine riesige halbkreisförmige, von hohen steilen Bergen begrenzte Meeresbucht. Offensichtlich lag mein Standpunkt sehr hoch, mindestens 200 Meter über dieser Bucht, doch ich erkannte mächtige Brecher die sich schäumend an vorgelagerten Klippen brachen. Der Wind trieb die Salzluft die Hänge hinauf bis hierher zu mir und lies den Morgen noch würziger duften.
Alles erschien mir wie im Paradies, es war wunderschön und ich fühlte mich ausgeruht und sehr entspannt, die Umgebung gefiel mir und lies mich denken, 'hier möchtest du für immer bleiben', aber wo war ich? Wie kam ich hierher? Und wer ist die Frau, die offensichtlich neben oder besser, mit mir die Nacht verbracht hatte?
Eine weiche, zarte, junge Frauenstimme flüsterte hinter mir leise meinen Namen. Ein wohliger Schauer lief mir den Rücken hinunter, als ich die feuchte Wärme süßer Lippen auf meiner Haut auf meinem Rücken spürte. Langsam, voller Erwartung drehte ich mich um...

Ich habe diesen Traum bereits 4 Male geträumt, doch nie träumte ich ihn zu Ende. Warum? Und warum träume ich diesen Traum sooft? Ist er symbolisch? Ist es meine Zukunft? Ist er ein Dejavu?
Ich weiß es nicht, doch denke ich sehr oft daran.
Wo war ich?