Auch wir haben gestern lange und hitzig über
unsere persönliche Auffassung unserer Entscheidungsgewalt diskutiert. Viele
Denkanstösse, viele Unstimmigkeiten und schlussendlich der Konsens, dass wir
keinen Konsens finden...Doch es regte mich zum weiteren Grübeln an und ich
begann mich genauer über die verschiednen Auffassungen des freien Willens zu
erkundigen und stiess auch höchstinteressante Darstellungen, die ich nun gerne
teile.
Einen inneren Konflikt löste die Erkenntnis,
dass Determinismus doch mit der Willensfreiheit vereinbar sein kann, im
Fachjargon wird dies Kompatibilismus genannt. Innerhalb der kompatibilistischen
Positionen gibt es wieder zwei weitere Auffassungen. Da ist einmal der weiche
Kompatibilismus: hier spielt es keine Rolle, ob Entscheidungen deterministisch
bedingt sind oder nicht, da die handelnde Person die determinierenden Faktoren
nicht alle kennt. D.h. der Handelnde agiert aus Gründen, die ihm nicht
vollständig bewusst sind, die erlebte ist somit nur eine scheinbare
Freiheit. Zum andern gibt es den harten
Kompatibilismus. Hier anerkennt man den Willen nur als fei, wenn jener durch
Gründe entsteht, die im Einklang mit den Werten und Überzeugungen der
handelnden Person stehen. Sobald dies nicht mehr der Fall ist, wird er
handlungsleitend und als auferlegt erlebt (z.B. Zwangsgedanken).
Andererseits stellen viele Philosophen die
Vereinbarkeit der Konzepte des freien Willens und des Determinismus in Frage.
Analog zum Kompatibilismus wäre dies dann der Inkompatibilismus. Hier gibt es
weitere Untergruppen. Die Vertreter des harten Determinismus bestreiten, dass
es überhaupt einen freien Willen gibt. Die Libertarianer glauben, dass
Handlungen einem substantiellen Willen entspringen, dessen Entscheidungen aber
undeterminiert sind.
Interessant für mich waren v.a. Ergebnisse aus
Studien mit funktionellen MRIs. Hier konnte man nachweisen, dass Entscheidungen
im Gehirn bereits getroffen werden, bevor es der Person bewusst wird. Genauso
spannend finde ich die Möglichkeit eines „Vetos“, welches jedoch ebenfalls
unbewusst getroffen und erst nachträglich als freie Entscheidungen empfunden
werden (u.a. soll an dieser Stelle das Libet-Experiment erwähnt werden). Ein
weiteres sehr interessantes Experiment wurde von der Gruppe um Alvaro
Pascual-Leone 1992 durchgeführt. Es zeigte sich, dass durch die Stimulation der
verschiednen Hirnhälften mittels magnetischer Felder die Wahl einer Person
stark beeinflusst werden konnte. Erstaunlich war dabei, dass trotz dieses
nachweislichen Einflusses von aussen, die Probanden weiterhin der Überzeugung
waren, ihre Wahl frei getroffen zu haben.
Ich denke, schlussendlich spielt es keine Rolle, ob
wir einen freien Willen haben oder nicht. Entscheidend ist, dass wir die
Empfindung haben, wir hätten eine Willensfreiheit und damit Selbstwirksamkeit
und Verantwortung. Ich, für meinen Teil jedoch kann Schopenhauer nur zustimmen,
wenn er sagt: „ Der freie Wille ist eine Illusion, in Wahrheit ist der
Wille durch chaotische (also äußerst komplexe) Einflüsse außerhalb und
innerhalb des Subjekts gesteuert.“
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