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Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 10. März 2016

Der Mensch kann tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will. (A. Schopenhauer)

Willensfreiheit soll die subjektiv empfundene menschliche Fähigkeit sein, bei verschiedenen Optionen eine bewusste Entscheidung treffen zu können. Unabhängig davon, ob diese Fähigkeit tatsächlich existiert oder nicht. Dennoch beschäftigt die Menschen die Frage nach dem freien Willen und ob es die Fähigkeit dazu gibt seit Urzeiten.

Auch wir haben gestern lange und hitzig über unsere persönliche Auffassung unserer Entscheidungsgewalt diskutiert. Viele Denkanstösse, viele Unstimmigkeiten und schlussendlich der Konsens, dass wir keinen Konsens finden...Doch es regte mich zum weiteren Grübeln an und ich begann mich genauer über die verschiednen Auffassungen des freien Willens zu erkundigen und stiess auch höchstinteressante Darstellungen, die ich nun gerne teile.

Einen inneren Konflikt löste die Erkenntnis, dass Determinismus doch mit der Willensfreiheit vereinbar sein kann, im Fachjargon wird dies Kompatibilismus genannt. Innerhalb der kompatibilistischen Positionen gibt es wieder zwei weitere Auffassungen. Da ist einmal der weiche Kompatibilismus: hier spielt es keine Rolle, ob Entscheidungen deterministisch bedingt sind oder nicht, da die handelnde Person die determinierenden Faktoren nicht alle kennt. D.h. der Handelnde agiert aus Gründen, die ihm nicht vollständig bewusst sind, die erlebte ist somit nur eine scheinbare Freiheit.  Zum andern gibt es den harten Kompatibilismus. Hier anerkennt man den Willen nur als fei, wenn jener durch Gründe entsteht, die im Einklang mit den Werten und Überzeugungen der handelnden Person stehen. Sobald dies nicht mehr der Fall ist, wird er handlungsleitend und als auferlegt erlebt (z.B. Zwangsgedanken).

Andererseits stellen viele Philosophen die Vereinbarkeit der Konzepte des freien Willens und des Determinismus in Frage. Analog zum Kompatibilismus wäre dies dann der Inkompatibilismus. Hier gibt es weitere Untergruppen. Die Vertreter des harten Determinismus bestreiten, dass es überhaupt einen freien Willen gibt. Die Libertarianer glauben, dass Handlungen einem substantiellen Willen entspringen, dessen Entscheidungen aber undeterminiert sind.

Interessant für mich waren v.a. Ergebnisse aus Studien mit funktionellen MRIs. Hier konnte man nachweisen, dass Entscheidungen im Gehirn bereits getroffen werden, bevor es der Person bewusst wird. Genauso spannend finde ich die Möglichkeit eines „Vetos“, welches jedoch ebenfalls unbewusst getroffen und erst nachträglich als freie Entscheidungen empfunden werden (u.a. soll an dieser Stelle das Libet-Experiment erwähnt werden). Ein weiteres sehr interessantes Experiment wurde von der Gruppe um Alvaro Pascual-Leone 1992 durchgeführt. Es zeigte sich, dass durch die Stimulation der verschiednen Hirnhälften mittels magnetischer Felder die Wahl einer Person stark beeinflusst werden konnte. Erstaunlich war dabei, dass trotz dieses nachweislichen Einflusses von aussen, die Probanden weiterhin der Überzeugung waren, ihre Wahl frei getroffen zu haben.
Ich denke, schlussendlich spielt es keine Rolle, ob wir einen freien Willen haben oder nicht. Entscheidend ist, dass wir die Empfindung haben, wir hätten eine Willensfreiheit und damit Selbstwirksamkeit und Verantwortung. Ich, für meinen Teil jedoch kann Schopenhauer nur zustimmen, wenn er sagt: „ Der freie Wille ist eine Illusion, in Wahrheit ist der Wille durch chaotische (also äußerst komplexe) Einflüsse außerhalb und innerhalb des Subjekts gesteuert.“

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