So steht sie da, sie die Tanne, einsam
verloren. So liess man sie stehen. Die Geschwister sind zersägt und verholzt,
zum Wohle der Menschen. Rufe verhallen einsam im einstigen Wald. Ein Käfer kriecht
an ihr empor und kitzelt sie. Stolz zeigen ihre Äste nach da und nach dort. Niemand
antwortet, sie horcht in die Nacht.
Doch dann – ganz sanft – beginnt es doch. Weich
wie Watte setzt ein Erstes sich auf die Rinde. Ein zweites folgte und ruft ein
Drittes. Sie fallen, trubeln und sinken um die Wette, als gäbe es hier zu wenig
Platz. Und keines gleicht dem andern. Sie flüstern einander zu und hüllen die ganze
Tanne ein.
Die Nacht ist hell, der Mond schaut zu. Der
Wind bläst kalt, der Schnee liegt weich.
Ein Reh versinkt fast bis zur Hüfte. Es schaut
sich um, sucht Schutz und Futter.
Doch zugebettet liegen Pflanzen. Sie schlafen
tief, sind schlaff und müde.
Wer irrt im Wald? Wer ist noch draussen?
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Zwei Beine gehen Schritt vor Schritt. Sie sind
es gewohnt zu gehen und stehn.
Die Tanne schaut von oben zu. Wo führt der
Weg? Wo geht er hin?
Ich bin seit hundert Jahren hier. Mein Weg
führt hinauf ins Dach des Himmels.
Wie gerne würde ich mit ihm gehen, dem Wandrer
dort, des Weges ziehn.
Und immer schwerer wird mein Kleid. Die weisse
Pracht mich drückt und engt.
Denk ich zurück an Sommertage, wie leicht sich
meine Äste wogen.
Ich lieb den Wechsel, die Farben, was kommt.
Die Buche, mein Freund, ist nimmerdar.
Im Herbst sie noch jauchzte, ihr Kleid war das
Schönste.
Wo ist er jetzt hin? Ich hab geträumt. Der
Wandrer ist fort, der Weg ist leer.
Wen frag ich, wer sagt mir, ich möchte ihm
folgen. Die Wurzeln sie frieren und rühren sich nicht. Der Mond hinter Wolken ,
so grau und so weiss. Ach, hilft mir denn niemand?
Was sehe ich dort? Was sagt mir mein Sinn?
Spuren im Schnee, dort möchte ich hin!
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(von Pseudonym1)
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