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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Samstag, 20. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 20

Auf dem Posten übergaben die beiden Kommissare den immer noch wütenden Herrn Felder zwei Polizisten, die diesen ins Vernehmungszimmer bringen sollten und ihn dort an den Stuhl fesseln sollten. Frau Winkler hatte sie begleitet.
Roland verarztete zuerst seine Nase, die durch den Schlag zum Glück nicht gebrochen war, jedoch immer noch leicht blutete.
Er fühlte sich schwach und es war ihm peinlich, dass Stefan ihn in einem solchen Zustand sah. Er wusch sich ärgerlich das Gesicht mit kaltem Wasser, dann trat er wieder vor die Tür.
Stefan war inzwischen zu Laura gegangen, um sie zu beauftragen, Herrn Felder genauer zu überprüfen.
„Geht’s?“, fragte Laura Roland besorgt und auch Stefan schaute ihn mitfühlend an.
„Los, vernehmen wir den Schläger.“, sagte Roland mit fester Stimme ohne auf Laura einzugehen.
‚Jetzt nur keine Blösse mehr zeigen.’, dachte er bei sich und ging stampfend voraus zum Vernehmungszimmer.

Drin sassen eine in sich zusammengesunkene Frau Winkler, in Tränen aufgelöst und ein vor Zorn rauchender Herr Felder.
„Sie wussten also nichts von der Affäre?“, herrschte ihn Roland an.
„Nein, sonst hätt’ ich da garantiert was dagegen unternommen, das können Sie mir glauben!“
„Ach, Mark, es war wirklich ehrlich nur Sex! Und das Ganze war schon seit drei Monaten zu Ende!“, versuchte Frau Winkler ihn zu beruhigen, doch Herr Felder warf ihr bloss einen abwertenden Blick zu und schnauzte sie an: „Halt die Klappe, du Flittchen, du bist unter meinem Niveau! Herr Rieder...wie konntest du nur? So ein Schwächling, so ein Stummelschwanz, so ein Hanswurst! Dass dir das nicht peinlich ist!“ Er spuckte auf den Tisch.
„Herr Felder, wenn Sie hier weiterhin kein vernünftiges Benehmen an den Tag legen, werden wir erst morgen mit Ihnen sprechen können, wenn Sie sich beruhigt haben. Bis dahin dürften Sie dann in einer unserer netten Zellen warten.“, sagte Stefan ruhig und bestimmt.
Herr Felder schien das nicht zu gefallen und er atmete tief ein.
„Also, sie wussten nichts davon?“, fing Roland wieder an.
„Nein, das hab’ ich doch schon gesagt!“, er hob erneut seine Stimme.
Es klopfte an die Tür.
„Ja?“, rief Stefan.
Laura öffnete die Tür und winkte Roland und Stefan zu, die sich erhoben und zu ihr an die Tür gingen.
„Der Typ ist bereits wegen Tätlichkeit gegen Beamte und gegen Privatpersonen verhaftet worden und musste auch schon eine kurze Haftstrafe absitzen, wegen häuslicher Gewalt. Das war vor drei Jahren.“, informierte sie Laura.
„Warum wundert mich das nicht?“, fragte Stefan.
„Danke, Laura.“, sagte Roland und drehte sich wieder zu den beiden am Vernehmungstisch Sitzenden.
Er trat zu ihnen an den Tisch, setzte sich jedoch nicht mehr, sondern stand vor Herrn Felder hin und machte sich so gross wie möglich: „So, Herr Felder. Sie sind bei uns also bekannt. Sie und ihr Aggressionsproblem!“, provozierte Roland diesen bewusst.
Ihm war zwar klar, dass das nicht die feine Art war, nein, im Gegenteil, eigentlich war es armselig. Hier, auf dem Posten, lag er klar im Vorteil, war eindeutig am längeren Hebel und dies auszunutzen, war eigentlich nicht fair. Dennoch konnte er sich den kleinen Racheakt nicht verkneifen. Herr Felder reagierte prompt darauf, er stampfte zornig mit den Füssen auf und schnauzte: „Na und, was hat das, verdammt nochmals, mit dem Scheiss hier zu tun?“
„Einiges. Sie sind offenbar durchaus zu Gewalt bereit und wir können leider nicht einschätzen, wo da ihre persönlichen Grenzen sind. Faustschläge, häusliche Gewalt...Mord?“
„Spinnen Sie?“, brüllte Herr Felder, „Ich hätte dem Arsch von einem Rieder die Fresse poliert, aber umgebracht hätte ich ihn nie!“
„So, das genügt, wir haben Sie gewarnt und ich denke, Sie müssen sich jetzt zuerst einmal beruhigen.“, sagte Roland überlegen und ruhig.
Er schaute zu Stefan und Laura, welche immer noch an der Tür standen: „Ich denke, unser liebe Herr Felder braucht eine Abkühlung in unserer Zelle. Ruft ihr bitte Gerhard, der kümmert sich bestimmt gerne um ihn.“
Stefan grinste und Laura folgte dem Auftrag und verschwand. Kurze Zeit später kam sie zurück mit Gerhard Roth im Schlepptau. Dieser geleitete den immer noch wutentbrannten Herr Felder zu den Gefängniszellen.
Roland richtete sich danach an Frau Winkler: „Sie haben uns gesagt, ihr Freund sei erst später gekommen, gerade als Frau Rieder ging. Er sei dann gegangen, zusammen mit einem gewissen Herrn...“, ein Blick in sein Notizbuch half ihm auf die Sprünge, „zusammen mit Herrn Küng, ist das korrekt?“
„Ja, er war nur kurz vorbei gekommen, um mit mir was Kleines zu essen.“, bestätigte Frau Winkler.
„Und während seines Besuchs waren sie beide die ganze Zeit zusammen?“
„Ja, auch das stimmt. Nein, so verrückt Mark Ihnen auch erscheinen mag, er hat Herrn Rieder ganz, ganz bestimmt nicht umgebracht.“, schützte Frau Winkler ihren Freund.
Stefans Blick verriet Roland, dass er ihr glaubte. Auch Roland hatte nicht das Gefühl, dass Frau Winkler log und so meinte er: „Gut, ich denke, das ist dann vorerst Alles. Wir werden Herrn Felder morgen wieder entlassen, sofern Sie keine Anzeige wegen Tätlichkeit gegen ihn erstatten.“
Frau Winkler schüttelte den Kopf: „Nein, Mark ist ein herzensguter Mensch. Manchmal schätzt er seine Kraft einfach falsch ein. Aber es gibt für mich keinen Grund, ihn zu beschuldigen!“

Nachdem Frau Winkler gegangen war, wandte sich Stefan an Roland: „So, mein Lieber, jetzt hast du dir aber echt einen guten Whisky oder Scotch verdient. Was für ein Zufall, dass heute auch noch der Bowlingabend stattfindet. Es kommen alle, komm doch auch. Ich lad’ dich ein!“
Roland suchte verzweifelt nach einer guten Ausrede, doch der Schlag von Herrn Felder schien sein Hirn zu stark durchgeschüttelt zu haben, er konnte einfach nicht schnell genug reagieren. Stefan missdeutete sein Schweigen als Zustimmung und jubelte laut, dass es auch möglichst viele mitbekamen: „Ja, das ist super, Roland kommt mit zum Bowlen. Er ist in meinem Team!“
Laura und Gerhard waren am nächsten und reckten beide Daumen hoch.


Freitag, 19. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 19

Da das Saunastudio direkt auf der Strecke zwischen Herr Neumanns Büro und dem Polizeiposten war, bot es sich an, dort einen Zwischenstopp zu machen und Frau Winkler zur Rede zu stellen.
Frau Winkler blickte auf, als Stefan und Roland eintraten und lächelte ihnen traurig zu. Sie schien der Tod von Herrn Rieder immer am meisten zu belasten.
„Guten Tag.“, grüsste sie sie.
„Frau Winkler, wir haben neue Erkenntnisse im Fall Rieder und wollten Sie erneut um Ihre Hilfe bitten.“, orientierte Stefan Frau Winkler, „Und zwar gehen wir nun davon aus, dass Sie und Herr Rieder tatsächlich eine Affäre hatten, ist das korrekt?“
Frau Winklers Augen wurden feucht, sie warf sich die langen Haare hinter die Schulter und schniefte: „Nein. Also ja, also...Vor einem guten Jahr hatten wir so etwas, das man Affäre nennen könnte. Es war eine kleine rein körperliche Liebelei. Ich mochte Franz sehr und er schien bei mir seine sexuellen Vorzüge ausleben zu können.“ Ihre Wangen färbten sich leicht rosa, „Es war nicht wahre Liebe, aber wir beide hatten unseren Spass. Wir schienen dasselbe in unseren Beziehungen zu vermissen und konnten es einander geben. Aber er beendete diese Spielereien nachdem er von der Expedition zurück war. Seither hatten wir nur noch ein rein freundschaftliches Verhältnis. Und das war auch für mich vollkommen ok.“
„Was war ok für dich?“, fragte eine tiefe Stimme hinter ihnen.
Herr Felder war eben ins Studio eingetreten.
„Ach, nichts, mein Lieber.“, meinte Frau Winkler nervös.
„Gibt es etwa neue Erkenntnisse?“, fragte Herr Felder und baute sich neben den Kommissaren auf.
„Das erklärt Ihnen besser Frau Winkler selbst.“, wollte sich Stefan elegant aus der Affäre ziehen.
Herr Felder musterte seine Freundin genau, welche beschämt zu Boden blickte, „Was gibt es Neues, Vera?“, und als Frau Winkler nicht reagierte, fordernder: „Raus mit der Sprache, was ist los?“
„Nichts Wichtiges, die Polizisten wollten nur nochmals die genauen Zeiten durchgehen.“, versuchte sich Frau Winkler rauszureden.
Sie blickte die beiden Kommissare bittend an, doch weder Roland noch Stefan waren bereit, für sie zu lügen, auch wenn die Affäre Vergangenheit war. Also schwiegen sie.
„Ihr hattet eine Affäre, stimmts, du und Rieder?“, erboste sich Herr Felder, der offenbar die Ausrede erkannte und misstrauisch wurde.
Frau Winkler fing an zu weinen und schüttelte heftig den Kopf. Zu heftig.
„Verdammt nochmal, ich hab’s gewusst, gib’s zu, du Schlampe!“, erboste sich Herr Felder.
„Es gibt keinen Grund ausfällig zu werden, Herr Felder!“, warnte ihn Roland.
Doch Herr Felder war bereits in Rage und spielte mit den Muskeln. Er ging hinter den Empfangspult und packte seine Freundin an den Schultern: „Gib’s zu!“, blaffte er sie an, er hatte sichtlich Mühe, seine Stimme im Griff zu behalten. Frau Winkler weinte nur mehr und schüttelte heftig den Kopf. Das schien Herr Felder zur Weissglut zu bringen, er rüttelte seine Freundin und schrie sie nun tatsächlich an: „Du verdammte Schlampe, gib’s zu, dass du mit dem Milchbubi von einem Rieder gefickt hast! Du Nut...“
Roland war hinter ihn getreten und unterbrach ihn: „Bitte, Herr Felder, kein Grund gleich handgreiflich zu werden.“
Herr Felder liess von seiner erschrockenen Freundin ab und drehte sich zu Roland um. Ohne jegliche Vorwarnung schlug er ihm die Faust ins Gesicht. Stefan eilte ihm zu Hilfe und packte geschickt die Hand, zu der Herr Felder zum erneuten Schlag ausholte.
Roland ergriff die andere Hand und ächzte: „Sie sind verhaftet!“ und zückte die Handschellen, die er immer griffbereit in seiner Tasche hatte.


Donnerstag, 18. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 18

Neumanns Büro entsprach Rolands Vorstellungen von einem Arbeitsplatz eines Privatdetektiven: Dunkel, unaufgeräumt und mit angebissenen Äpfeln, Hamburgern und offenen Chipspackungen. In einer Ecke stand ein dunkelbraues durchgesessenes Stoffsofa und der ganze Raum roch nach Rauch.
Herr Neumann war, wie die meisten Privatdetektive, ein unscheinbarer Mann mittleren Alters mit sehr aufmerksamen Augen. Er musterte die beiden Polizeibeamten interessiert.
„Nun, wie kann ich Ihnen helfen, meine werten Kollegen!“, grinste er.
„Wir sind wegen des Auftrags von Frau und Herr Bühler an Sie hier. Was können Sie uns dazu sagen.“
Das Grinsen Neumanns wurde breiter: „Ein wirklich gut bezahlter Job. Frau Bühler hatte mich vor gut drei Monaten erstmals kontaktiert. Sie gab mir den Auftrag, Herrn Rieder auszuspionieren. Ich sollte mich genau über ihn, sein Leben und seinen Tagesablauf informieren. Speziell hinzu kam, dass ich herausfinden sollte, wie viel er von einer gewissen Affäre in der Bank wusste und wie er hinter diese kam.“, gab Neumann bereitwillig zu.
„Mit der Affäre in der Bank meinen Sie wahrscheinlich der Veruntreuung der Kundengelder durch Herrn Bühler.“, stellte Roland fest.
„Genau.“, meinte Herr Neumann unbeeindruckt, „Ich nehme an, Sie haben bereits ein Geständnis der Bühlers?“
„Richtig. Sie können also offen sprechen. Was haben Sie herausgefunden...“, Stefan hielt kurz inne, „Herr Kollege?“, schmeichelte er dann.
Honig um den Bart schmieren, das beherrschte dieser Stefan, das musste man ihm lassen. Er stellte sich bei den Vernehmungen wirklich nicht blöd an und genau das ärgerte Roland. Herr Neumann sprang aber sofort auf solche Nettigkeiten auf und eifrig erzählte er, was er alles wusste: „Da gibt es so einiges. Das Wichtigste ist wahrscheinlich, dass Herr Rieder nicht alleine, sondern mit einer Frau zusammenarbeitete. Die Gute trat in der Bank als Frau Brun auf, war aber in Wirklichkeit Frau Gerber, die beste Freundin der Frau von Herrn Rieder. Damit liessen sich die beiden dann auch hervorragend unter der Knute halten.“, er kicherte, „Nun gut. Andere Personen schienen jedoch nicht in diese investigativen Arbeiten Rieders involviert worden zu sein. Ausser vielleicht Frau Kaufmann, die sich einen netten Batzen verdiente, weil sie Bühler nicht über die heimlichen Treffen der beiden informierte. Völlig sinnlos, denn ich wusste ja bereits davon.“, er klopfte sich selbstlobend auf die Brust.
Roland und Stefan tauschten abschätzige Blicke aus ob dieser Selbstgefälligkeit des Privatdetektivs. Dieser fuhr unbeirrt fort: „Wie auch immer, die beiden schienen echt effizient zu arbeiten und hatten wirklich einige Beweise gegen Herrn Bühler in der Hand. Daher wurde ich auch von Frau Bühler beauftragt, alles Nötige zu tun, die beiden zum Schweigen zu bringen. Wir besprachen natürlich, was sie damit meinte – eine Erpressung nämlich – doch die Durchführung ebenjener überliess sie mir. Sie wollte sich wohl die Hände nicht schmutzig machen.“
„Und Sie machten sie sich schmutzig!“, schalt ihn Roland.
„Was man nicht alles fürs liebe Geld tut!?! Aber so ein paar harmlose Anrufe auf Rieders Natel...was ist das schon? Ich habe ihn lediglich darüber informiert, dass ich Frau Gerbers Deckung auffliegen lassen würde, falls er seine Erpressungsversuche nicht einstellen würde. Ausserdem gab es noch ein wenig mehr Dreck an seinem Stecken: Er hatte nämlich eine heimliche Affäre mit der sexy Lady aus dem Saunastudio, Frau Winkler. Damit hatte ich genug, um ihn vorerst zum Schweigen zu bringen.“
„Vorerst?“, fragte Roland nach.
„Naja, er blieb still. Aber der Mord an ihm hat wohl Frau Gerber derart verängstigt, dass sie sich an Sie wendete und offensichtlich auspackte. Also machte auch ihr ein nettes Telefonat, das sie daran erinnern sollte, dass sie sich besser um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte.“
„Sie geben also zu, ihr gedroht zu haben?“, stellte Stefan fest.
„Jep.“, meinte Herr Neumann gelangweilt, „Aber wie gesagt, es blieb bei harmlosen Telefonaten.“
„Sie meinen also, sie haben nichts mit dem Mord zu tun?“, fragte Stefan nach.
„Genau. Und ich habe auch ein Alibi: Ich war mit Frau Bühler zum Mittagessen verabredet. In der Stadt. Ich bin davon überzeugt, dass uns der Kellner wiedererkennen würde. Es ist also ein wasserdichtes Alibi, wie man so schön sagt!“, er grinste siegessicher.
„Wir werden das natürlich überprüfen.“
„Bitte, tun Sie was, sie nicht lassen können. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“
„Bis auf ein paar kleine Erpressungen.“, erinnerte ihn Stefan.
Herr Neumann schnaubte verächtlich: „Kümmern Sie sich lieber um die trauernde Witwe, die ist es ja bekanntlich immer.“