Da das Saunastudio
direkt auf der Strecke zwischen Herr Neumanns Büro und dem Polizeiposten war,
bot es sich an, dort einen Zwischenstopp zu machen und Frau Winkler zur Rede zu
stellen.
Frau Winkler blickte
auf, als Stefan und Roland eintraten und lächelte ihnen traurig zu. Sie schien
der Tod von Herrn Rieder immer am meisten zu belasten.
„Guten Tag.“,
grüsste sie sie.
„Frau Winkler, wir
haben neue Erkenntnisse im Fall Rieder und wollten Sie erneut um Ihre Hilfe
bitten.“, orientierte Stefan Frau Winkler, „Und zwar gehen wir nun davon aus,
dass Sie und Herr Rieder tatsächlich eine Affäre hatten, ist das korrekt?“
Frau Winklers Augen
wurden feucht, sie warf sich die langen Haare hinter die Schulter und
schniefte: „Nein. Also ja, also...Vor einem guten Jahr hatten wir so etwas, das
man Affäre nennen könnte. Es war eine kleine rein körperliche Liebelei. Ich
mochte Franz sehr und er schien bei mir seine sexuellen Vorzüge ausleben zu
können.“ Ihre Wangen färbten sich leicht rosa, „Es war nicht wahre Liebe, aber
wir beide hatten unseren Spass. Wir schienen dasselbe in unseren Beziehungen zu
vermissen und konnten es einander geben. Aber er beendete diese Spielereien
nachdem er von der Expedition zurück war. Seither hatten wir nur noch ein rein
freundschaftliches Verhältnis. Und das war auch für mich vollkommen ok.“
„Was war ok für
dich?“, fragte eine tiefe Stimme hinter ihnen.
Herr Felder war eben
ins Studio eingetreten.
„Ach, nichts, mein
Lieber.“, meinte Frau Winkler nervös.
„Gibt es etwa neue
Erkenntnisse?“, fragte Herr Felder und baute sich neben den Kommissaren auf.
„Das erklärt Ihnen
besser Frau Winkler selbst.“, wollte sich Stefan elegant aus der Affäre ziehen.
Herr Felder musterte
seine Freundin genau, welche beschämt zu Boden blickte, „Was gibt es Neues,
Vera?“, und als Frau Winkler nicht reagierte, fordernder: „Raus mit der
Sprache, was ist los?“
„Nichts Wichtiges,
die Polizisten wollten nur nochmals die genauen Zeiten durchgehen.“, versuchte
sich Frau Winkler rauszureden.
Sie blickte die
beiden Kommissare bittend an, doch weder Roland noch Stefan waren bereit, für
sie zu lügen, auch wenn die Affäre Vergangenheit war. Also schwiegen sie.
„Ihr hattet eine
Affäre, stimmts, du und Rieder?“, erboste sich Herr Felder, der offenbar die Ausrede
erkannte und misstrauisch wurde.
Frau Winkler fing an
zu weinen und schüttelte heftig den Kopf. Zu heftig.
„Verdammt nochmal, ich
hab’s gewusst, gib’s zu, du Schlampe!“, erboste sich Herr Felder.
„Es gibt keinen
Grund ausfällig zu werden, Herr Felder!“, warnte ihn Roland.
Doch Herr Felder war
bereits in Rage und spielte mit den Muskeln. Er ging hinter den Empfangspult
und packte seine Freundin an den Schultern: „Gib’s zu!“, blaffte er sie an, er
hatte sichtlich Mühe, seine Stimme im Griff zu behalten. Frau Winkler weinte
nur mehr und schüttelte heftig den Kopf. Das schien Herr Felder zur Weissglut
zu bringen, er rüttelte seine Freundin und schrie sie nun tatsächlich an: „Du
verdammte Schlampe, gib’s zu, dass du mit dem Milchbubi von einem Rieder
gefickt hast! Du Nut...“
Roland war hinter
ihn getreten und unterbrach ihn: „Bitte, Herr Felder, kein Grund gleich
handgreiflich zu werden.“
Herr Felder liess
von seiner erschrockenen Freundin ab und drehte sich zu Roland um. Ohne
jegliche Vorwarnung schlug er ihm die Faust ins Gesicht. Stefan eilte ihm zu
Hilfe und packte geschickt die Hand, zu der Herr Felder zum erneuten Schlag
ausholte.
Roland ergriff die
andere Hand und ächzte: „Sie sind verhaftet!“ und zückte die Handschellen, die
er immer griffbereit in seiner Tasche hatte.
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