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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Freitag, 19. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 19

Da das Saunastudio direkt auf der Strecke zwischen Herr Neumanns Büro und dem Polizeiposten war, bot es sich an, dort einen Zwischenstopp zu machen und Frau Winkler zur Rede zu stellen.
Frau Winkler blickte auf, als Stefan und Roland eintraten und lächelte ihnen traurig zu. Sie schien der Tod von Herrn Rieder immer am meisten zu belasten.
„Guten Tag.“, grüsste sie sie.
„Frau Winkler, wir haben neue Erkenntnisse im Fall Rieder und wollten Sie erneut um Ihre Hilfe bitten.“, orientierte Stefan Frau Winkler, „Und zwar gehen wir nun davon aus, dass Sie und Herr Rieder tatsächlich eine Affäre hatten, ist das korrekt?“
Frau Winklers Augen wurden feucht, sie warf sich die langen Haare hinter die Schulter und schniefte: „Nein. Also ja, also...Vor einem guten Jahr hatten wir so etwas, das man Affäre nennen könnte. Es war eine kleine rein körperliche Liebelei. Ich mochte Franz sehr und er schien bei mir seine sexuellen Vorzüge ausleben zu können.“ Ihre Wangen färbten sich leicht rosa, „Es war nicht wahre Liebe, aber wir beide hatten unseren Spass. Wir schienen dasselbe in unseren Beziehungen zu vermissen und konnten es einander geben. Aber er beendete diese Spielereien nachdem er von der Expedition zurück war. Seither hatten wir nur noch ein rein freundschaftliches Verhältnis. Und das war auch für mich vollkommen ok.“
„Was war ok für dich?“, fragte eine tiefe Stimme hinter ihnen.
Herr Felder war eben ins Studio eingetreten.
„Ach, nichts, mein Lieber.“, meinte Frau Winkler nervös.
„Gibt es etwa neue Erkenntnisse?“, fragte Herr Felder und baute sich neben den Kommissaren auf.
„Das erklärt Ihnen besser Frau Winkler selbst.“, wollte sich Stefan elegant aus der Affäre ziehen.
Herr Felder musterte seine Freundin genau, welche beschämt zu Boden blickte, „Was gibt es Neues, Vera?“, und als Frau Winkler nicht reagierte, fordernder: „Raus mit der Sprache, was ist los?“
„Nichts Wichtiges, die Polizisten wollten nur nochmals die genauen Zeiten durchgehen.“, versuchte sich Frau Winkler rauszureden.
Sie blickte die beiden Kommissare bittend an, doch weder Roland noch Stefan waren bereit, für sie zu lügen, auch wenn die Affäre Vergangenheit war. Also schwiegen sie.
„Ihr hattet eine Affäre, stimmts, du und Rieder?“, erboste sich Herr Felder, der offenbar die Ausrede erkannte und misstrauisch wurde.
Frau Winkler fing an zu weinen und schüttelte heftig den Kopf. Zu heftig.
„Verdammt nochmal, ich hab’s gewusst, gib’s zu, du Schlampe!“, erboste sich Herr Felder.
„Es gibt keinen Grund ausfällig zu werden, Herr Felder!“, warnte ihn Roland.
Doch Herr Felder war bereits in Rage und spielte mit den Muskeln. Er ging hinter den Empfangspult und packte seine Freundin an den Schultern: „Gib’s zu!“, blaffte er sie an, er hatte sichtlich Mühe, seine Stimme im Griff zu behalten. Frau Winkler weinte nur mehr und schüttelte heftig den Kopf. Das schien Herr Felder zur Weissglut zu bringen, er rüttelte seine Freundin und schrie sie nun tatsächlich an: „Du verdammte Schlampe, gib’s zu, dass du mit dem Milchbubi von einem Rieder gefickt hast! Du Nut...“
Roland war hinter ihn getreten und unterbrach ihn: „Bitte, Herr Felder, kein Grund gleich handgreiflich zu werden.“
Herr Felder liess von seiner erschrockenen Freundin ab und drehte sich zu Roland um. Ohne jegliche Vorwarnung schlug er ihm die Faust ins Gesicht. Stefan eilte ihm zu Hilfe und packte geschickt die Hand, zu der Herr Felder zum erneuten Schlag ausholte.
Roland ergriff die andere Hand und ächzte: „Sie sind verhaftet!“ und zückte die Handschellen, die er immer griffbereit in seiner Tasche hatte.


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