Neumanns Büro
entsprach Rolands Vorstellungen von einem Arbeitsplatz eines Privatdetektiven:
Dunkel, unaufgeräumt und mit angebissenen Äpfeln, Hamburgern und offenen Chipspackungen.
In einer Ecke stand ein dunkelbraues durchgesessenes Stoffsofa und der ganze Raum
roch nach Rauch.
Herr Neumann war,
wie die meisten Privatdetektive, ein unscheinbarer Mann mittleren Alters mit
sehr aufmerksamen Augen. Er musterte die beiden Polizeibeamten interessiert.
„Nun, wie kann ich
Ihnen helfen, meine werten Kollegen!“, grinste er.
„Wir sind wegen des
Auftrags von Frau und Herr Bühler an Sie hier. Was können Sie uns dazu sagen.“
Das Grinsen Neumanns
wurde breiter: „Ein wirklich gut bezahlter Job. Frau Bühler hatte mich vor gut
drei Monaten erstmals kontaktiert. Sie gab mir den Auftrag, Herrn Rieder
auszuspionieren. Ich sollte mich genau über ihn, sein Leben und seinen
Tagesablauf informieren. Speziell hinzu kam, dass ich herausfinden sollte, wie
viel er von einer gewissen Affäre in der Bank wusste und wie er hinter diese
kam.“, gab Neumann bereitwillig zu.
„Mit der Affäre in
der Bank meinen Sie wahrscheinlich der Veruntreuung der Kundengelder durch
Herrn Bühler.“, stellte Roland fest.
„Genau.“, meinte
Herr Neumann unbeeindruckt, „Ich nehme an, Sie haben bereits ein Geständnis der
Bühlers?“
„Richtig. Sie können
also offen sprechen. Was haben Sie herausgefunden...“, Stefan hielt kurz inne,
„Herr Kollege?“, schmeichelte er dann.
Honig um den Bart
schmieren, das beherrschte dieser Stefan, das musste man ihm lassen. Er stellte
sich bei den Vernehmungen wirklich nicht blöd an und genau das ärgerte Roland.
Herr Neumann sprang aber sofort auf solche Nettigkeiten auf und eifrig erzählte
er, was er alles wusste: „Da gibt es so einiges. Das Wichtigste ist
wahrscheinlich, dass Herr Rieder nicht alleine, sondern mit einer Frau
zusammenarbeitete. Die Gute trat in der Bank als Frau Brun auf, war aber in
Wirklichkeit Frau Gerber, die beste Freundin der Frau von Herrn Rieder. Damit
liessen sich die beiden dann auch hervorragend unter der Knute halten.“, er
kicherte, „Nun gut. Andere Personen schienen jedoch nicht in diese
investigativen Arbeiten Rieders involviert worden zu sein. Ausser vielleicht
Frau Kaufmann, die sich einen netten Batzen verdiente, weil sie Bühler nicht
über die heimlichen Treffen der beiden informierte. Völlig sinnlos, denn ich
wusste ja bereits davon.“, er klopfte sich selbstlobend auf die Brust.
Roland und Stefan
tauschten abschätzige Blicke aus ob dieser Selbstgefälligkeit des
Privatdetektivs. Dieser fuhr unbeirrt fort: „Wie auch immer, die beiden
schienen echt effizient zu arbeiten und hatten wirklich einige Beweise gegen
Herrn Bühler in der Hand. Daher wurde ich auch von Frau Bühler beauftragt,
alles Nötige zu tun, die beiden zum Schweigen zu bringen. Wir besprachen
natürlich, was sie damit meinte – eine Erpressung nämlich – doch die
Durchführung ebenjener überliess sie mir. Sie wollte sich wohl die Hände nicht
schmutzig machen.“
„Und Sie machten sie
sich schmutzig!“, schalt ihn Roland.
„Was man nicht alles
fürs liebe Geld tut!?! Aber so ein paar harmlose Anrufe auf Rieders Natel...was
ist das schon? Ich habe ihn lediglich darüber informiert, dass ich Frau Gerbers
Deckung auffliegen lassen würde, falls er seine Erpressungsversuche nicht
einstellen würde. Ausserdem gab es noch ein wenig mehr Dreck an seinem Stecken:
Er hatte nämlich eine heimliche Affäre mit der sexy Lady aus dem Saunastudio,
Frau Winkler. Damit hatte ich genug, um ihn vorerst zum Schweigen zu bringen.“
„Vorerst?“, fragte
Roland nach.
„Naja, er blieb
still. Aber der Mord an ihm hat wohl Frau Gerber derart verängstigt, dass sie
sich an Sie wendete und offensichtlich auspackte. Also machte auch ihr ein
nettes Telefonat, das sie daran erinnern sollte, dass sie sich besser um ihre
eigenen Angelegenheiten kümmerte.“
„Sie geben also zu,
ihr gedroht zu haben?“, stellte Stefan fest.
„Jep.“, meinte Herr
Neumann gelangweilt, „Aber wie gesagt, es blieb bei harmlosen Telefonaten.“
„Sie meinen also,
sie haben nichts mit dem Mord zu tun?“, fragte Stefan nach.
„Genau. Und ich habe
auch ein Alibi: Ich war mit Frau Bühler zum Mittagessen verabredet. In der
Stadt. Ich bin davon überzeugt, dass uns der Kellner wiedererkennen würde. Es
ist also ein wasserdichtes Alibi, wie man so schön sagt!“, er grinste
siegessicher.
„Wir werden das
natürlich überprüfen.“
„Bitte, tun Sie was,
sie nicht lassen können. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“
„Bis auf ein paar
kleine Erpressungen.“, erinnerte ihn Stefan.
Herr Neumann
schnaubte verächtlich: „Kümmern Sie sich lieber um die trauernde Witwe, die ist
es ja bekanntlich immer.“
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