Seiten

Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 18

Neumanns Büro entsprach Rolands Vorstellungen von einem Arbeitsplatz eines Privatdetektiven: Dunkel, unaufgeräumt und mit angebissenen Äpfeln, Hamburgern und offenen Chipspackungen. In einer Ecke stand ein dunkelbraues durchgesessenes Stoffsofa und der ganze Raum roch nach Rauch.
Herr Neumann war, wie die meisten Privatdetektive, ein unscheinbarer Mann mittleren Alters mit sehr aufmerksamen Augen. Er musterte die beiden Polizeibeamten interessiert.
„Nun, wie kann ich Ihnen helfen, meine werten Kollegen!“, grinste er.
„Wir sind wegen des Auftrags von Frau und Herr Bühler an Sie hier. Was können Sie uns dazu sagen.“
Das Grinsen Neumanns wurde breiter: „Ein wirklich gut bezahlter Job. Frau Bühler hatte mich vor gut drei Monaten erstmals kontaktiert. Sie gab mir den Auftrag, Herrn Rieder auszuspionieren. Ich sollte mich genau über ihn, sein Leben und seinen Tagesablauf informieren. Speziell hinzu kam, dass ich herausfinden sollte, wie viel er von einer gewissen Affäre in der Bank wusste und wie er hinter diese kam.“, gab Neumann bereitwillig zu.
„Mit der Affäre in der Bank meinen Sie wahrscheinlich der Veruntreuung der Kundengelder durch Herrn Bühler.“, stellte Roland fest.
„Genau.“, meinte Herr Neumann unbeeindruckt, „Ich nehme an, Sie haben bereits ein Geständnis der Bühlers?“
„Richtig. Sie können also offen sprechen. Was haben Sie herausgefunden...“, Stefan hielt kurz inne, „Herr Kollege?“, schmeichelte er dann.
Honig um den Bart schmieren, das beherrschte dieser Stefan, das musste man ihm lassen. Er stellte sich bei den Vernehmungen wirklich nicht blöd an und genau das ärgerte Roland. Herr Neumann sprang aber sofort auf solche Nettigkeiten auf und eifrig erzählte er, was er alles wusste: „Da gibt es so einiges. Das Wichtigste ist wahrscheinlich, dass Herr Rieder nicht alleine, sondern mit einer Frau zusammenarbeitete. Die Gute trat in der Bank als Frau Brun auf, war aber in Wirklichkeit Frau Gerber, die beste Freundin der Frau von Herrn Rieder. Damit liessen sich die beiden dann auch hervorragend unter der Knute halten.“, er kicherte, „Nun gut. Andere Personen schienen jedoch nicht in diese investigativen Arbeiten Rieders involviert worden zu sein. Ausser vielleicht Frau Kaufmann, die sich einen netten Batzen verdiente, weil sie Bühler nicht über die heimlichen Treffen der beiden informierte. Völlig sinnlos, denn ich wusste ja bereits davon.“, er klopfte sich selbstlobend auf die Brust.
Roland und Stefan tauschten abschätzige Blicke aus ob dieser Selbstgefälligkeit des Privatdetektivs. Dieser fuhr unbeirrt fort: „Wie auch immer, die beiden schienen echt effizient zu arbeiten und hatten wirklich einige Beweise gegen Herrn Bühler in der Hand. Daher wurde ich auch von Frau Bühler beauftragt, alles Nötige zu tun, die beiden zum Schweigen zu bringen. Wir besprachen natürlich, was sie damit meinte – eine Erpressung nämlich – doch die Durchführung ebenjener überliess sie mir. Sie wollte sich wohl die Hände nicht schmutzig machen.“
„Und Sie machten sie sich schmutzig!“, schalt ihn Roland.
„Was man nicht alles fürs liebe Geld tut!?! Aber so ein paar harmlose Anrufe auf Rieders Natel...was ist das schon? Ich habe ihn lediglich darüber informiert, dass ich Frau Gerbers Deckung auffliegen lassen würde, falls er seine Erpressungsversuche nicht einstellen würde. Ausserdem gab es noch ein wenig mehr Dreck an seinem Stecken: Er hatte nämlich eine heimliche Affäre mit der sexy Lady aus dem Saunastudio, Frau Winkler. Damit hatte ich genug, um ihn vorerst zum Schweigen zu bringen.“
„Vorerst?“, fragte Roland nach.
„Naja, er blieb still. Aber der Mord an ihm hat wohl Frau Gerber derart verängstigt, dass sie sich an Sie wendete und offensichtlich auspackte. Also machte auch ihr ein nettes Telefonat, das sie daran erinnern sollte, dass sie sich besser um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerte.“
„Sie geben also zu, ihr gedroht zu haben?“, stellte Stefan fest.
„Jep.“, meinte Herr Neumann gelangweilt, „Aber wie gesagt, es blieb bei harmlosen Telefonaten.“
„Sie meinen also, sie haben nichts mit dem Mord zu tun?“, fragte Stefan nach.
„Genau. Und ich habe auch ein Alibi: Ich war mit Frau Bühler zum Mittagessen verabredet. In der Stadt. Ich bin davon überzeugt, dass uns der Kellner wiedererkennen würde. Es ist also ein wasserdichtes Alibi, wie man so schön sagt!“, er grinste siegessicher.
„Wir werden das natürlich überprüfen.“
„Bitte, tun Sie was, sie nicht lassen können. Ich habe mir nichts vorzuwerfen.“
„Bis auf ein paar kleine Erpressungen.“, erinnerte ihn Stefan.
Herr Neumann schnaubte verächtlich: „Kümmern Sie sich lieber um die trauernde Witwe, die ist es ja bekanntlich immer.“




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen