Auf dem Posten
übergaben die beiden Kommissare den immer noch wütenden Herrn Felder zwei
Polizisten, die diesen ins Vernehmungszimmer bringen sollten und ihn dort an
den Stuhl fesseln sollten. Frau Winkler hatte sie begleitet.
Roland verarztete
zuerst seine Nase, die durch den Schlag zum Glück nicht gebrochen war, jedoch
immer noch leicht blutete.
Er fühlte sich
schwach und es war ihm peinlich, dass Stefan ihn in einem solchen Zustand sah.
Er wusch sich ärgerlich das Gesicht mit kaltem Wasser, dann trat er wieder vor
die Tür.
Stefan war
inzwischen zu Laura gegangen, um sie zu beauftragen, Herrn Felder genauer zu
überprüfen.
„Geht’s?“, fragte
Laura Roland besorgt und auch Stefan schaute ihn mitfühlend an.
„Los, vernehmen wir
den Schläger.“, sagte Roland mit fester Stimme ohne auf Laura einzugehen.
‚Jetzt nur keine
Blösse mehr zeigen.’, dachte er bei sich und ging stampfend voraus zum
Vernehmungszimmer.
Drin sassen eine in
sich zusammengesunkene Frau Winkler, in Tränen aufgelöst und ein vor Zorn
rauchender Herr Felder.
„Sie wussten also
nichts von der Affäre?“, herrschte ihn Roland an.
„Nein, sonst hätt’
ich da garantiert was dagegen unternommen, das können Sie mir glauben!“
„Ach, Mark, es war
wirklich ehrlich nur Sex! Und das Ganze war schon seit drei Monaten zu Ende!“,
versuchte Frau Winkler ihn zu beruhigen, doch Herr Felder warf ihr bloss einen
abwertenden Blick zu und schnauzte sie an: „Halt die Klappe, du Flittchen, du
bist unter meinem Niveau! Herr Rieder...wie konntest du nur? So ein
Schwächling, so ein Stummelschwanz, so ein Hanswurst! Dass dir das nicht
peinlich ist!“ Er spuckte auf den Tisch.
„Herr Felder, wenn
Sie hier weiterhin kein vernünftiges Benehmen an den Tag legen, werden wir erst
morgen mit Ihnen sprechen können, wenn Sie sich beruhigt haben. Bis dahin
dürften Sie dann in einer unserer netten Zellen warten.“, sagte Stefan ruhig
und bestimmt.
Herr Felder schien
das nicht zu gefallen und er atmete tief ein.
„Also, sie wussten
nichts davon?“, fing Roland wieder an.
„Nein, das hab’ ich
doch schon gesagt!“, er hob erneut seine Stimme.
Es klopfte an die
Tür.
„Ja?“, rief Stefan.
Laura öffnete die
Tür und winkte Roland und Stefan zu, die sich erhoben und zu ihr an die Tür
gingen.
„Der Typ ist bereits
wegen Tätlichkeit gegen Beamte und gegen Privatpersonen verhaftet worden und
musste auch schon eine kurze Haftstrafe absitzen, wegen häuslicher Gewalt. Das
war vor drei Jahren.“, informierte sie Laura.
„Warum wundert mich
das nicht?“, fragte Stefan.
„Danke, Laura.“,
sagte Roland und drehte sich wieder zu den beiden am Vernehmungstisch
Sitzenden.
Er trat zu ihnen an
den Tisch, setzte sich jedoch nicht mehr, sondern stand vor Herrn Felder hin
und machte sich so gross wie möglich: „So, Herr Felder. Sie sind bei uns also
bekannt. Sie und ihr Aggressionsproblem!“, provozierte Roland diesen bewusst.
Ihm war zwar klar,
dass das nicht die feine Art war, nein, im Gegenteil, eigentlich war es
armselig. Hier, auf dem Posten, lag er klar im Vorteil, war eindeutig am
längeren Hebel und dies auszunutzen, war eigentlich nicht fair. Dennoch konnte
er sich den kleinen Racheakt nicht verkneifen. Herr Felder reagierte prompt
darauf, er stampfte zornig mit den Füssen auf und schnauzte: „Na und, was hat
das, verdammt nochmals, mit dem Scheiss hier zu tun?“
„Einiges. Sie sind
offenbar durchaus zu Gewalt bereit und wir können leider nicht einschätzen, wo
da ihre persönlichen Grenzen sind. Faustschläge, häusliche Gewalt...Mord?“
„Spinnen Sie?“,
brüllte Herr Felder, „Ich hätte dem Arsch von einem Rieder die Fresse poliert,
aber umgebracht hätte ich ihn nie!“
„So, das genügt, wir
haben Sie gewarnt und ich denke, Sie müssen sich jetzt zuerst einmal
beruhigen.“, sagte Roland überlegen und ruhig.
Er schaute zu Stefan
und Laura, welche immer noch an der Tür standen: „Ich denke, unser liebe Herr
Felder braucht eine Abkühlung in unserer Zelle. Ruft ihr bitte Gerhard, der
kümmert sich bestimmt gerne um ihn.“
Stefan grinste und
Laura folgte dem Auftrag und verschwand. Kurze Zeit später kam sie zurück mit
Gerhard Roth im Schlepptau. Dieser geleitete den immer noch wutentbrannten Herr
Felder zu den Gefängniszellen.
Roland richtete sich
danach an Frau Winkler: „Sie haben uns gesagt, ihr Freund sei erst später
gekommen, gerade als Frau Rieder ging. Er sei dann gegangen, zusammen mit einem
gewissen Herrn...“, ein Blick in sein Notizbuch half ihm auf die Sprünge,
„zusammen mit Herrn Küng, ist das korrekt?“
„Ja, er war nur kurz
vorbei gekommen, um mit mir was Kleines zu essen.“, bestätigte Frau Winkler.
„Und während seines
Besuchs waren sie beide die ganze Zeit zusammen?“
„Ja, auch das
stimmt. Nein, so verrückt Mark Ihnen auch erscheinen mag, er hat Herrn Rieder
ganz, ganz bestimmt nicht umgebracht.“, schützte Frau Winkler ihren Freund.
Stefans Blick
verriet Roland, dass er ihr glaubte. Auch Roland hatte nicht das Gefühl, dass
Frau Winkler log und so meinte er: „Gut, ich denke, das ist dann vorerst Alles.
Wir werden Herrn Felder morgen wieder entlassen, sofern Sie keine Anzeige wegen
Tätlichkeit gegen ihn erstatten.“
Frau Winkler
schüttelte den Kopf: „Nein, Mark ist ein herzensguter Mensch. Manchmal schätzt
er seine Kraft einfach falsch ein. Aber es gibt für mich keinen Grund, ihn zu
beschuldigen!“
Nachdem Frau Winkler
gegangen war, wandte sich Stefan an Roland: „So, mein Lieber, jetzt hast du dir
aber echt einen guten Whisky oder Scotch verdient. Was für ein Zufall, dass
heute auch noch der Bowlingabend stattfindet. Es kommen alle, komm doch auch.
Ich lad’ dich ein!“
Roland suchte
verzweifelt nach einer guten Ausrede, doch der Schlag von Herrn Felder schien
sein Hirn zu stark durchgeschüttelt zu haben, er konnte einfach nicht schnell
genug reagieren. Stefan missdeutete sein Schweigen als Zustimmung und jubelte
laut, dass es auch möglichst viele mitbekamen: „Ja, das ist super, Roland kommt
mit zum Bowlen. Er ist in meinem Team!“
Laura und Gerhard
waren am nächsten und reckten beide Daumen hoch.
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