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Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 12. November 2015

Eine Reise mit ungewissem Ziel

Wenn man sich normalerweise auf eine Reise begibt, kennt man eigentlich immer den Startpunkt und das Ziel.
Eine Reise ohne Ziel ist aber ein Wagnis, ein Abenteuer, oder auch völlig irrsinnig. Jedoch in jedem Fall eine große Herausforderung und manchmal auch sehr mutig.

Wenn man mit der Bahn verreist, kann die Reise immer nur dort hin gehen, wo die Gleise hinführen, es bleiben also nur ganz wenige Möglichkeiten vom eigentlichen Ziel abzuweichen.

Das Leben ist eine Reise und ich denke, wir alle stimmen dem Vergleich zu. 
Als wir geboren wurden, begann unsere Reise und niemand, ja nicht mal wir selbst, wußten wohin unsere Reise gehen wird. 
Wenn man jung ist, weiß man sowieso meistens gar nichts. Es interessiert auch gar nicht wirklich, denn man hat ja noch so viel Zeit. Warum schon so früh ein Ziel anpeilen? 
Wenn man dann älter wird, beginnt man sich Zwischenstopps einzuplanen, also gewissermassen Etappen. 

Irgendwann wird man dann so alt, dass man das Ziel vor Augen sieht. Zumindest denken das die meisten Jungen, wenn sie an die "Alten" denken.

Stellt euch einen Zug vor, der auf seinen Gleisen fährt. Jeder an Bord des Zuges weiß wohin er fahren wird, denn er kann nur auf seinen Gleisen fahren. Auch der Lokführer... der sitzt da vorne und hat kein Lenkrad, keinen Steuerknüppel, nichts womit er die Richtung ändern könnte. Um auf ein anderes Gleis zu gelangen, müsste er einen Kollegen in einem Stellwerk anrufen und ihn bitten eine bestimmte Weiche anders zu stellen.

Nun hat aber unser Lokführer total den Frust. Er ist von seinem Leben gelangweilt, oder vielleicht denkt er auch nur, "Mein Leben lang bin ich immer nur in die Richtung gefahren, die mir vorgeschrieben wurde... Ich möchte einmal selber bestimmen, wohin es geht... Einmal möchte ich den Zug dahin fahren, wo es mir gerade einfällt."

Stellt euch vor, es wäre dem Lokführer gelungen, den ganzen Zug aus den Gleisen zu zwingen und auf einer Strasse weiter zu fahren. Ohne Gleise, die ihn wiederum in seiner Entscheidung einschränken.

Die Menschen, die das miterleben, werden nicht amüsiert sein. Sie werden ihn nicht verstehen, und selbst wenn sie Verständnis aufbrächten, so würden sie es nicht akzeptieren, dass er sein eigenes "Ding" dreht.
Sie würden ihn für einen Wahnsinnigen halten, einen Spinner, einen Egoisten... 

Wenn wir in unserem Leben also plötzlich die Richtung ändern, die Richtung, in die wir bisher gegangen sind, würden dann nicht auch die Umstehenden denken, "Was ist denn mit dem los? Spinnt der?" 

Meine beste Freundin hat mir einmal etwas wichtiges und Lehrreiches über Konventionen erzählt, die unsere Freiheit einengen.

Stellen wir uns vor, der Lokführer lässt den Zug da wo er hingehört - er will ja niemanden gefährden, oder zwingen etwas zu erleben, was sie nicht erleben möchten... also ändert er etwas in seinem Leben. Er ist ja schon älter, verheiratet und seine Kinder sind ja auch schon alle selbstständig. Da begegnet ihm plötzlich eine Person... diese ist einfach nur nett, und es ist angenehm ab und zu zu reden. Aber nach einer Weile verlieben sich beide in einander. 
Ob wir ihm das glauben? Hat er das nicht die ganze Zeit gehofft?
Auf jeden Fall ist es unser Lokführer ja gewohnt, sehr pflichtbewusst zu sein und in so fern hat er seine Konventionen auch in seinem Leben gesetzt.
Sich in eine andere Person zu verlieben, das geht nicht! 
Aber das mit der Liebe... das ist so eine Sache - sie ist manchmal einfach so stark und hat immer eine Eigendynamik, die man nicht leicht unter Kontrolle hat. 
Jedenfalls fallen unsere zwei Beispielpersonen gemeinsam bodenlos in die Tiefe ihrer eigenen Liebe zu einander. 

Wie urteilen wir? Er ist wahnsinnig? Egoistisch? Völlig abgedreht? 
Auf seiner Reise, die er immer in eine Richtung gegangen ist, hat er sein ursprüngliches Ziel geändert. Doch nun steht er am Anfang einer ganz neuen Reise... wo ist das Ziel? Wohin geht die Reise jetzt?

Warum ihn verurteilen? Warum nach Erklärungen fragen? 
Wenn wir in seinem Zug gesessen wären, müssten wir aussteigen - denn sein Zug fährt wahrscheinlich nicht mehr in die Richtung, in die wir eigentlich mit ihm wollten. 
Die Entscheidung, seine Fahrgäste zum Aussteigen zu bitten, wird ihm verdammt schwer fallen. Oder er müsste sein neues Ziel wieder ändern und seine Liebe zum Aussteigen bitten.
In jedem Fall aber wird es richtig hart werden und keine leichte Sache sein...





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