Seiten

Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Samstag, 28. November 2015

Unser blasser Herbstmorgen

Ich schließe die Augen und blicke in die Sonne. So, wie du mir das gezeigt hast. 
Die Sonne ist warm auf meinem Gesicht. Ich atme ein, und mir wird auch ganz warm. 

Ich habe die Augen geschlossen und sehe überall Licht, überall warmes Licht. Ich sehe dich, atme ein. Die Sonne riecht wie du und mir wird ganz warm. 

Ich öffne die Augen und sehe dich, vor deiner Reise. Sehe dich immer, wie du da bist und da bist. Ich, ich war auch da und ich habe mich ganz schrecklich in dich verloren und mir wurde ganz warm. 

Du hast mir grün gezeigt, blau, rot und ganz viel gelb. Du mochtest alle schönen Farben und ich Himbeereis. Wir wussten, dass wir auf Wolken laufen können. 

Du hast mir gezeigt, wie die Nacht schmeckt, hast mit mir die Bären am Himmel gesucht. 
Du liebtest frisches Brot und wenn ich hungrig bin, manchmal, schmeckt warmes Brot wie du. 

Du hast mich immer gefunden, auch als ich ganz klein geworden war und in deine Hand passte. Hast mich dann ganz nah an dich gedrückt und mein Schatten wurde groß, ich wurde groß. 

Ich habe dir meine Welt erzählt und du warst Lachen, du warst Leben. Bei dir konnten meine Augen nass sein. Nass wie Regen, wie Regen, der auf warme Erde tropft. Du hast mir Tränen geschenkt.

Ich wollte immer bei dir sein und jetzt, jetzt weiß ich, wie man die Uhr liest. Ich könnte für dich die Zeit lesen, immer, wann du wolltest. 

Ich zähle Minuten, zähle Stunden, ich zähle Tage und zähle mein Leben. Alles zusammen macht... nichts Nennenswertes. 

Es tut weh, wie sehr du nicht da bist wie immer. Ganz alt bin ich geworden, ganz tapfer, wenn es kalt ist und beiße mir auf die Lippen, wenn es regnet. 

Ich esse Himbeereis und Brot, weil es schmeckt, wie du. Alles, das ich mag, schmeckt wie du. Alles, das ich liebe, riecht wie du. Ich sehe gelb, überall, und alle schönen Farben. 

Ich schließe die Augen, drinnen ist es warm, und ich bin da, und du bist da, und Licht. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen