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Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Sonntag, 22. Mai 2016

Verzaubertes Essen

"Was für schöne Hände" – dachte ich. Dann versanken ihre filigranen Finger in der rötlich-gelben Masse. Sie formte daraus eine nach Kardamom duftende Kugel und schob sie sich genüsslich in ihren halbgeöffneten Mund.

„Weisst du, dass ein Mensch im Durchschnitt etwa dreizehn bis siebzehn Jahre seiner Lebenszeit mit Essen verbringt? – sagte ich, etwas nervös werdend.

„Das ist echt viel.“

„Ja, aber da ist dann alles dabei – vom Austernessen bis zum Leichenschmaus.“

„Ich glaube, dass es eine tiefe Verbindung zwischen Essen und dem Liebesspiel gibt.“

„Ach so?“

„Manche leben keusch; anderen verlieren sich in schamloser Begierde und zügelloser Lust.“

„Das tönt nach Religion“ – versuchte ich das Thema auf ein mir vertrautes Terrain zu lenken, „...aber warum auch nicht – der aufgeklärte Mensch von heute isst ja nicht einfach nur kein Fleisch, sondern er ist Vegetarier, so wie man früher Protestant oder Katholik war.“ 

„Essen. Das ist für mich etwas durch und durch Erotisches. Tisch und Bett stehen bei mir dicht beieinander“, sagte sie, während dem sie lächelnd und mit einem Augenaufschlag in das benachbarte Schlafzimmer blickte.

Durch die weit aufgesperrte Schlafzimmertür sah ich ihr gigantisches Bett, dem ich schon ansehen konnte, dass es gut riecht. Es schien mir wie ein Altar der Lust. Ich konnte kaum glauben, dass ich es je so nah an ihr Allerheiligstes bringen würde – und hätte alles dafür gegeben…

Dann leckte sie sich Daumen, Zeige- und Mittelfinger ab und streckte sie mir direkt unter die Nase.  

„Meine Finger werden noch übermorgen nach diesem Curry duften. Eine ganze Gewürzpalette"  hauchte sie mit einem Lächeln, das mir irgendwie frivol vorkam. „Süßlich, scharf und intensiv.“

„Das kann ich mir gut vorstellen,“ stammelte ich etwas unbeholfen. Meine Handflächen wurden feucht und das Herz schlug mir spürbar bis zum Hals. Während sie sprach konnte ich nicht anders als ihren Mund zu betrachten, der mir geheimnisvoll und einlandend vorkam, wie ein verborgener Garten, voller verbotener Früchte, von denen ich mir sehnlichst wünschte sie zu kosten. 

„Wenn ich esse zweifele ich nicht," fuhr sie fort, "sondern bejahe die Welt, indem ich sie in mich aufnehme – und ich habe Hunger auf die Welt! Ich bin hergestellt aus Essen. Ich habe es aufgenommen und verwandelt. Ich bin verzaubertes Essen!“

„Wow“ – entglitt es mir.

„Ich mag die Feuchtigkeit und die Hitze beim Braten, Kochen und Backen. Ich mag die Küche – diesen magischen Ort der Alchemie. Am meisten liebe ich den Ofen. Er ist wie eine Gebärmutter, der das Fleisch in sich aufnimmt und reif werden lässt. Aber besonders gerne habe ich Spargel in meinem Ofen. Und was hast du gerne?“


„Ich... ich mag Kartoffeln.“

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