"Was für schöne Hände" –
dachte ich. Dann versanken ihre filigranen Finger in der rötlich-gelben Masse.
Sie formte daraus eine nach Kardamom duftende Kugel und schob sie sich genüsslich
in ihren halbgeöffneten Mund.
„Weisst du, dass ein
Mensch im Durchschnitt etwa dreizehn bis siebzehn Jahre seiner Lebenszeit mit
Essen verbringt? – sagte ich, etwas nervös werdend.
„Das ist echt viel.“
„Ja, aber da ist dann
alles dabei – vom Austernessen bis zum Leichenschmaus.“
„Ich glaube, dass es
eine tiefe Verbindung zwischen Essen und dem Liebesspiel gibt.“
„Ach so?“
„Manche leben keusch;
anderen verlieren sich in schamloser Begierde und zügelloser Lust.“
„Das tönt nach Religion“
– versuchte ich das Thema auf ein mir vertrautes Terrain zu lenken, „...aber warum auch
nicht – der aufgeklärte Mensch von heute isst ja nicht einfach nur kein
Fleisch, sondern er ist Vegetarier, so wie man früher Protestant oder Katholik
war.“
„Essen. Das ist für mich
etwas durch und durch Erotisches. Tisch und Bett stehen bei mir dicht
beieinander“, sagte sie, während dem sie lächelnd und mit einem Augenaufschlag
in das benachbarte Schlafzimmer blickte.
Durch die weit
aufgesperrte Schlafzimmertür sah ich ihr gigantisches Bett, dem ich schon
ansehen konnte, dass es gut riecht. Es schien mir wie ein Altar der Lust. Ich
konnte kaum glauben, dass ich es je so nah an ihr Allerheiligstes bringen würde
– und hätte alles dafür gegeben…
Dann leckte sie sich Daumen,
Zeige- und Mittelfinger ab und streckte sie mir direkt unter die Nase.
„Meine Finger werden
noch übermorgen nach diesem Curry duften. Eine ganze Gewürzpalette" – hauchte sie
mit einem Lächeln, das mir irgendwie frivol vorkam. „Süßlich, scharf und
intensiv.“
„Das kann ich mir gut
vorstellen,“ stammelte ich etwas unbeholfen. Meine Handflächen wurden feucht und das Herz schlug mir spürbar bis
zum Hals. Während sie sprach konnte ich nicht anders als ihren Mund zu betrachten, der mir geheimnisvoll und einlandend vorkam, wie ein verborgener Garten, voller verbotener Früchte, von denen ich mir sehnlichst wünschte sie zu kosten.
„Wenn ich esse zweifele ich
nicht," fuhr sie fort, "sondern bejahe die Welt, indem ich sie in mich aufnehme – und ich habe Hunger
auf die Welt! Ich bin hergestellt aus Essen. Ich habe es aufgenommen und
verwandelt. Ich bin verzaubertes Essen!“
„Wow“ – entglitt es mir.
„Ich mag die
Feuchtigkeit und die Hitze beim Braten, Kochen und Backen. Ich mag die Küche –
diesen magischen Ort der Alchemie. Am meisten liebe ich den Ofen. Er ist wie eine
Gebärmutter, der das Fleisch in sich aufnimmt und reif werden lässt. Aber besonders
gerne habe ich Spargel in meinem Ofen. Und was hast du gerne?“
„Ich... ich mag Kartoffeln.“
Und man bleibt eben doch, was man is(s)t... ;)
AntwortenLöschen...drum sag mir was du isst - und ich sag dir wer du bist ;)
Löschen...oder Liebe geht eben durch den Magen... :-)
AntwortenLöschen...und führt dann zur Erblindung... ;)
LöschenNa dann. Bon Appetit!
AntwortenLöschen...bon appetit! ;)
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