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Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 18. Mai 2016

Reichtum der Erinnerung


Liebster Tom,
Entschuldige, dass ich Dir erst wieder so spät schreibe. Ich war auf einer längeren Reise.
Auf einer Reise in ferne Länder. Auf einer Reise zu mir selbst.
Ich würde Dir so gerne erzählen, was ich alles erleben durfte. Ich habe so viele schöne, traurige, atemberaubende, faszinierende Bilder in meinem Kopf.
Ich sehe so viele Gesichter von so vielen Menschen in meinem Kopf. Ich sehe wie sie vor mir stehen. Wie sie aussehen. Gross und klein. Und ihr Gesicht. Ich sehe ihre Gesichter. Ihre Augen. Der braungebrannte Teint. Das Lachen. Der traurige Blick spiegelt von mir in ihnen. Die grossen Kinderaugen. Sie schauen nicht traurig. Sie sehen mich verwundert und belustigt an. Sie freuen sich, wenn ich ihnen etwas in die klitzekleinen Hände drücke. Sie lächeln mich an. Ohne, dass ich einen Vorwurf,ohne dass ich ein Urteil spüre. Sie wirken ohne Vorurteile auf mich. Diese Grossen braunen, glänzenden, schmutzigen Kinderaugen. Diese kleine geöffnete bettelnde Hand. Ich halte sie. In meinen beiden Händen umarme ich die kleine Kinderhand. Es bricht mir das Herz. Das Bild brennt sich in meine Netzhaut. Ich kann und möchte sie niemals mehr vergessen.

Sie alle sind meine Reise. Sie alle sind mein Glück. Sie alle sind eins in mir. Ich habe sie in meinem Kopf. In meinen Gedanken.

Und ich sehe die vielen Orte. Ich sehe das Meer. Das Blau in Blau. Ich spüre den heissen Sand. Ich rieche die Luft. Ich sehe das Grün der Wälder. Das Eis der Gletscher. Ich sehe die Berge und die vielen zurückgelegten Kilometer. Ich sehe die Wolken und den Himmel und den Mond.
Ich sehen den Reichtum und die Armut. Ich sehe das sterile, weissgehaltene Wohnzimmer und die Körper die in der Einbuchtung der Strasse im totalem Dreck schlafen. Ich sehe die vielen Tiere. Die vielen toten, überfahrenen Tiere am Strassenrand. Die vielen kranken Hunde die mir nachlaufen und mit denen ich mich so verbunden fühle. Ich sehe die geputzten und gestriegelten Vorstadtköter. Die aussehen als wären sie frisch gebadet. Ihr Fell ganz weiss und das Halsband piekfein. Es scheint als wäre ihr Blick ein anderer.
 Ich sehe die humpelnde Hündin und wie sie aus meiner Hand am heissen Strand das Wasser trinkt. Wie sie mich am Abend wiedererkennt, an der Strandpromenade mir nachläuft und sich neben mich zum schlafen legt.  

Ich sehe die vielen Tempel und Kirchen. Ich sehe die unterschiedlichsten Menschen beten. Ich sehe wie sie glauben. Alle gleich und doch so anders. Ich spüre die gleiche Hoffnung und die Wünsche.  Ich spüre die Stille und höre die schönen Gesänge.

Ich sehe meine drei Reisebegleitungen. Jede besser als die andere. Die blonden langen Haare meiner Schwester. Die vielen schönen Kleider und der übergrosse Rucksack. Die Kippe immer zur Hand und stets die Ansage. Warte ich muss noch zuerst eine Rauchen. 

Die schwarzen, liebevollen Augen von Basil. Die vielen Witze.  Die ständige Abenteuerlust. Immer das Steuerrand in der Hand. Immer ein neuer Flyer irgendwo gehortet.

Und die grünen Augen von Pepe. Die grünen Augen im goldenen untergehenden Sonnenlicht. Der Fotoapparat in der Hand und die Kippe im Mund.  Die Haut jeden Tag ein wenig mehr Milchschokoladenbraun.

Mein Gott lieber Tom. Was habe ich alles gesehen. Was habe ich alles erlebt. Ich kann mich so glücklich schätzen. Ich wünschte mir Du wärst dabei gewesen. Ich wünschte mir Du hättest Dich entschieden noch ein wenig zu bleiben. Ich nimm Dich mit, überall wo ich bin ist auch ein Teil von Dir.
Wir werden uns wiedersehen....

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