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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Samstag, 30. Mai 2015

Elefant


Meine liebe Ana,

nun bin ich ganz am anderen Ort und in der anderen Person angekommen. Es ist erstaunlich, je mehr ich jener Andere bin, desto mehr habe ich bisweilen das Gefühl ich selbst zu sein – ist das nicht paradox?

Mir fällt erst hier auf, dass es in meinem Alltag kaum Zufälle und Überraschungen gibt. Hier hingegen, außerhalb der gewohnten Bahnungen, fällt mir laufend etwas Neues und Unerwartetes zu. Durch diesen Aufbruch scheint etwas in Bewegung zu geraten. Vielleicht braucht das Glück dieses Gelücke… diese Aufbrüche und Zufälle? Es kann dadurch eine Vitalität, Wachheit und Ruhe zu Tage treten, die sonst zugedeckt bleibt unter allzu alltäglichen Gewohnheiten, Verantwortungen und Verpflichtungen.

Meine Arbeitstage und -Wochen sind durchgeplant und durchgetaktet. Effizient, schnell und produktiv; auf Zielvorgaben gerichtet, ergebnisorientiert. Aber: je mehr Zeit ich dadurch einspare, desto weniger Zeit scheine ich zu haben. Und in der Freizeit? Zerstreuung bis zum Abwinken! Manchmal glaube ich unsere Zivilisation und Arbeitswelt macht uns alle verrückt. Und meine Rolle darin? Vielleicht bin ich im Wesentlichen darum bemüht, diejenigen nicht zu enttäuschen, die erwarten, dass ich bin, der ich schon immer gewesen war?

Wie auch immer – das Experiment mit dem Reisepseudonym war aus diesem Grund, so glaube ich, gar keine schlechte Idee, weil es mir hilft einen inneren Abstand herzustellen. Mir ist als wenn da etwas aufbricht… vielleicht jenes selbstgewisse Verharren auf einer bestimmten Auffassung von mir selbst.

Ich bin mir noch nicht sicher was da passiert, aber es kommt etwas ins fließen… Es wird spielerischer… tänzerischer… nimmt sich selbst nicht mehr so ernst. Vielleicht erkennt dieses Ich, dass es auch anders sein kann. Vielleicht gibt es ja gar kein für allemal festgelegtes Ego; keinen fixen Kern einer Persönlichkeit; kein in diesem Sinne „wahres Selbst“, das zu erkennen wir aufgerufen sind.

Vielleicht verhält sich alles ganz anders  und ich habe die Möglichkeit, wenn ich nicht mehr etwas Bestimmtes sein muss, ja dass ich dann alles Mögliche werden kann? Vielleicht. Wenn mich jemand nach der Wahrheit des Selbst fragt, dann weiß ich es nicht; aber wenn dieses Fließen da ist, dann weiß ich es... dann fühlt es sich ganz natürlich, unmittelbar und stark an – so als ob es das Selbstverständlichste auf der Welt wäre, sich selbstvergessen in der Welt ganz selbstgewiss aufgehoben zu fühlen.

Ich weiß jedoch auch, dass die Klarheit dieser Wahrnehmung nur sehr selten im Wolkenmeer meines Alltags aufscheint. Jetzt aber ist es da. Es ist weich, weit, offen, lebendig und kraftvoll. Ist das Freiheit? bin das Ich? Wenn ja, dann ist es keine Freiheit des Ich, sondern vielmehr Freiheit vom Ich… oder besser – das frei sein vom krampfhaften Festhalten an jenem kleinen privaten Ego, das sich ängstlich an seine Vorstellungen, Wünsche und Meinungen klammert, um sich ja nicht zu verlieren.

Wenn ich darüber nachdenke, kommt mir immer wieder dieser Elefant in den Sinn. Denn hier in der Nachbarschaft gibt es eine Familie, die einen Elefanten im Garten stehen hat. Es ist ein Arbeitselefant – ein mächtiges Tier. Die schwersten Lasten kann er scheinbar mühelos ziehen oder tragen oder stoßen. Und falls er einmal nicht gut zieht oder trägt oder stößt, dann bekommt er eins mit dem Stock – bisweilen sogar mit einem eisernen Haken. Das passiert aber nur sehr selten. Meistens tut dieses große gefügige Tier treu und brav alles, was es tun muss. Am Abend wird der müde Elefant dann in den Garten vor dem Haus geführt und an seinen Pflock gebunden. Dieser Pflock ist so lächerlich klein, dass ihn der Elefant mit Leichtigkeit herausreißen könnte. Ich stelle mir vor, dass er dann in die Wälder verschwindet, um mit all den wilden Elefanten – von denen es hier eine Menge gibt – durch das weite Land zu streifen. Von Zeit zu Zeit würde er aber wieder am Seeufer auftauchen, um sich mit den anderen Elefanten im Schlamm zu suhlen, zu baden, zu tränken und ausgelassen mit Wasser zu bespritzen.

Die Leute haben den Elefanten schon seit dem er noch ein Babyelefant war. Damals konnte er sich unmöglich von seinem Pflock befreien. Er war noch zu klein. Bestimmt hat er es unzählige Male versucht. Ich denke er hat sich schon früh daran gewöhnt, dass er es gewiss nicht schaffen kann, sich zu befreien. Dabei wäre es für ihn nur ein kleiner Schritt zur Freiheit.

Vielleicht, so frage ich mich, ist genau das der Grund, warum mir dieses brave Tier so seltsam vertraut vorkommt...

In diesem Sinne, meine liebe Ana, bin ich froh über diese Reise und auch darüber bald wieder bei Dir zu sein – und glücklich das zarte Band zu spüren, das uns verbindet...

F.

Montag, 25. Mai 2015

Selbstfindung

Es ging einst ein glücklicher Mann, der Felix hiess, durch die Welt. Er machte sich auf die Reise, um sich selbst zu finden. Er trat vor seine Frau und seine Kinder und sprach: „Meine Liebsten, ich muss euch leider für eine Weile verlassen, um mich selbst zu finden.“
Seine Familie verstand ihn nicht und blickte ihn fragend an. „Wie meinst du das, Liebster?“ fragte schliesslich seine Frau. „Was willst du da denn finden? Ich kann dir sagen, wer du bist: Du bist der liebevollste Vater und Ehemann, den ich mir vorstellen kann. Geduldig, treu und verlässlich. Was mehr willst du finden? Geh nicht!“
Als Felix keine Antwort wusste, küsste er seine Familie zum Abschied und ging.
Dann ging er zu seinem Meister und sprach erneut: „Mein Meister, ich muss Euch leider für eine Weile verlassen, um mich selbst zu finden.“
Wiederum stiess er nur auf Verwirrung und Unverständnis: „Was glaubt Ihr denn zu finden? Ich sage euch, wer Ihr seid: Ihr seid der beste Arbeiter, den ich habe. Aufmerksam, kollegial und präzise. Was mehr wollt Ihr finden? Geht nicht!“
Auch dieses Mal fiel ihm keine Antwort ein und er verabschiedete sich mit einem festen Händedruck.
Dann ging er zu seinem besten Freund und sprach: „Mein lieber Freund, ich muss dich leider für eine Weile verlassen, um mich selbst zu finden.“
„Du armer Tor! Welcher Teufel hat dich nun wieder geritten? Ich sag dir, wer du bist: Du bist der loyalste Freund, den es gibt. Hilfsbereit, humorvoll und schlau. Was mehr willst du finden? Geh nicht!“
Zuletzt ging Felix zu seinem Erzfeind und sprach auch da: „Ich werde für eine Weile fortgehen, um mich selbst zu finden. Ich warne dich, solltest du meinen Liebsten zu nahe kommen…!“
„Was willst du da draussen finden?“ spottete sein Feind. „Ich sage dir, was du bist: Du bist das Letzte. Feige, treulos und simpel. Aber nur zu! Geh hinfort! Auf dass du dich zum Besseren wendest!“
So zog Felix von dannen und liess Familie, Arbeit, Freunde und sogar Feinde hinter sich zurück. Er zog über Berg und Tal, Wald und Wiesen, durch Wind und Wetter. Schliesslich gelangte er ans Ende der Welt und traf dort auf den Teufel. Dieser blickte Felix mitleidig an und fragte: „Was bist denn du für ein armer Tropf?“ Der Reisende wollte antworten, doch ihm fiel sein Name nicht mehr ein. „Lass mich in deine Seele sehen, um zu entscheiden, ob sich die Mühe für dieses Häufchen Elend lohnt.“ Dann griff der Teufel in des Reisenden Brust und holte sein Herz heraus. Er blickte tief hinein und stellte enttäuscht fest: „Du bist ja gar nichts! Du hast weder Familie, noch Arbeit, noch Freunde, ja nicht einmal Feinde hast du! Du bist eine erbärmliche Hülle ohne Inhalt, ohne Namen!“ Damit verfiel er in ein dröhnendes Lachen und liess das arme Herz über den Rand der Welt fallen, wo es in den ewig lodernden Höllenfeuern verbrannte.
Mit blutender Brust fiel der Suchende auf die Knie und weinte. Er war gegangen, sich selbst zu finden, hatte die ganze Erde dabei bereist und hatte stattdessen alles verloren. Verzweifelt legte sich der Elende zum sterben. Da erschien Gott vor ihm und fragte ihn: „Was bist denn du für ein armer Tropf?“ Der Sterbende hatte keine Kraft mehr zu antworten. „Lass mich hinter dich blicken, um zu sehen, wer du bist.“ Erstaunt sah der Todgeweihte hinter sich und erblickte einen langen, erleuchteten Pfad, der sich in weiten Mäandern über die ganze Erde wand. Von ihm stiegen überall farbige Lichter auf. An manchen Orten dichter als an anderen.
Und Gott sprach: „Jedes dieser Lichter ist ein Gedanke an dich. Es sind Gedanken jeder Art, liebevoll, wie auch feindselig. Ohne dich gäbe es all diese Gedanken nicht. Wie viel dunkler wäre die Welt!“
So konnte Felix glücklich sterben – und sein Pfad leuchtete noch lange weiter.

Sonntag, 24. Mai 2015

Eine Lebensaufgabe

"Ich habe einmal eine Reportage über einen russischen Clown gesehen. Das ist schon viele Jahre her, doch Sie erinnerten mich von Anfang an an ihn. In der Dokumentation sieht man zuerst den Unterhalter auf der Bühne: fröhlich, aufgeschlossen, optimistisch und humorvoll, ja eine Persönlichkeit, der das gesamte Publikum mitzureissen vermag. Daraufhin wechselt die Szenerie hinter die Bühne, wo ein Interview mit dem ungeschminkten Mann stattfindet. Dort zeigt er ein ganz anderes Gesicht: nachdenklich, traurig, ja manchmal fast ein bisschen depressiv. Schliesslich möchte der Reporter provokativ wissen, wer er denn nun sei - der Clown auf der Bühne oder der melancholische Mann ungeschminkt? Der Befragte antwortet daraufhin unbeeindruckt: Ich bin beide: der lebenslustige, mitreissende Entertainer und der schwermütige Realist. Und mein Leben lang werde ich versuchen, möglichst viele Berührungspunkte zwischen den beiden Seiten zu finden."
Er traf es auf den Punkt: Die letzten sechs Monate wurde ich mehr und mehr von der einen Ablenkung befreit, welche mich von mir selbst mehr und mehr entfernte und jegliche Gefühle schwer abdämpfte. Doch in den vergangenen Monaten begann ich wieder zunehmend richtig zu fühlen. Ich spürte Dinge, die ich schon sehr lange nicht mehr wahrgenommen hatte. Überschwängliche Freude, unbeschränkte Lebenslust, sprudelnde Kreativität, kribbeliges Verliebtsein...aber auch tiefe Traurigkeit, unendliche Einsamkeit, zerreissenden Zorn, schneidende Reue. Die eine Gefühlsseite mochte ich liebend gern und war mir wieder schnell vertraut, die andere wollte ich nicht wahrhaben und versuchte sie weiterhin zu verdrängen. Erst vor kurzem und eigentlich erst durch diese Rückmeldung wurde mir bewusst, dass ich auch dieses Gesicht als das meine anerkennen sollte, um das Leben bestreiten zu können und mich nicht wieder in meine altbekannte, ungesunde "Höhle/Hölle" zu verstecken. Soll es auch für mich zur Lebensaufgabe werden, für diese beiden gefühlt so unterschiedlichen Persönlichkeiten in mir möglichst viele Berührungspunkte zu schaffen? Eine grosse Herausforderung, welche ich nicht sicher zu meistern im Stande bin. Doch ein Versuch soll gestartet werden, begonnen mit dem ersten Schritt: der Erkenntnis, dass es ein weiteres Ich gibt.

Donnerstag, 21. Mai 2015

Erlebnis zum Thema
"ICH"
Von Mikka


Ich will, ich möchte, ich muss, ich soll, ich brauche, ich werde, ich kann, ich habe, ich bin, ich denke.... ich, ich, ich...
Wie viele Male am Tag sage ich „ich“? Wie oft am Tag denke ich zuerst an mich? Wie viele Menschen denken nur an sich und wie viele Unfälle, wie viel Leid, Tränen, Enttäuschungen und Trauer könnte erspart bleiben, würden wir Menschen dieser Zeit ein oder zweimal am Tag weniger an uns selbst denken, oder uns selbst „verwirklichen“ wollen?
Wie schädlich ist Egoismus?
Um diese Frage zu beantworten, brauch man nur die Augen zu öffnen und bewusst zu erleben.
Beispiel:
Ort: Autobahn A5, KM 476, Fahrtrichtung Kassel – Frankfurt am Main kurz hinter der Ausfahrt Friedberg.
Zeit: Sonntag 26. April 2015, 15:18h

Die Skyline von Frankfurt ist schemenhaft durch die Gischtschleier des von den unzähligen Autorädern aufgewirbelten Wassers auf der Fahrbahn, gerade noch so zu erkennen.
Es regnet sehr stark und der dichte Verkehr erzeugt diese hochgefährlichen Wasserschwaden, denen auch ein guter Scheibenwischer in der schnellen Einstellung nicht mehr Herr wird und somit die Sichtverhältnisse so schlecht werden, dass es die Logik und die Vernunft gebietet, langsamer zu fahren und den Abstand zum Vordermann zu vergrößern.
Doch das Drängeln, Rasen, Anblinken, und Drohen endet auch in dieser Situation nicht.
Es scheint, als ob die namenlosen unzähligen Gesichter hinter den lederumantelten Lenkrädern der VW´s, Audis, Skodas, Fords, BMW´s, Opels und wie sie alle heißen, nur ein Sinn und eine Art Gedanken haben: ICH will vorbei! ICH bin schneller! ICH bin wichtig! ICH habe das bessere Auto! ICH hab es eilig! ICH ICH ICH....
Man(n) sitzt in seiner Sänfte und kennt nur den Raum zwischen A und C Säule der Karosserie – vielleicht noch die paar Zentimeter bis zum Ende der Motorhaube.
So fahren sie, Männlein und Weiblein gleichermaßen, hektisch springen Füsse zwischen Gaspedal und Bremse hin und her, Benzin und Diesel werden Literweise durch die Einspritzdüsen gejagt und umgehend verbrannt. Bremsen erhitzen und nutzen sich ab.
Bremslichter leuchten weiter vorne kollektiv und zeitgleich auf.
Warnblinkanlagen dringen durch die dichten Wasserschwaden und signalisieren, was die vielen Füsse jetzt dringend zu tun haben.
Plötzlich erwachen die Namenlosen Gesichter aus ihrem „Ichnebel“. Jäh erscheint eine Wand aus Bremslichtern und blinkenden Blinkern, aus immer dichter werdenden Räumen, aus immer kürzer werdenden Abständen und macht jede Träumerei und jedes Ego gleich.
Egal ob Audi, Mercedes, Toyota, Volvo und Renault... Die Abstände verkleinern sich rasend schnell und im Moment des Aufpralls hat auch der letzte „ICH muss“ realisiert, dass man zu schnell und zu dicht war, dass alles was bis gerade eben noch wichtig war, plötzlich überhaupt keine Importanz mehr besitzt. Das Überleben in immer dichter werdenden Fahrgastzellen... Das Weiße an den Knöcheln der Finger, die sich ums Lederumantelte Lenkrad krallen und versuchen das eigene Körpergewicht abzufangen... Aufgerissene Augen... Zum Entsetzen entstellte namenlose bleiche Gesichter... wenn sie bemerken, dass „Ich“ keinen Platz mehr habe, dass „Ich“ noch zu schnell bin, dass „Ich keine Chance mehr habe, den Aufprall zu verhindern.
Der Egoismus in den Fahrzeugen führt dazu, dass nun Blech zerknittert, Glas zerspringt, Airbags explodieren, Menschen nach vorne gerissen werden.
Der Egoismus in den Taten der Menschen führt dazu, dass vielfaches Leid entsteht. Knochen brechen, makellose Haut zerkratzt und platzt.
Der Egoismus der noch gerade eben so wichtig war führt dazu, dass Werte zu Null zerschlagen, das Leben und Zukunft endet, oder verändert werden.
Um mich herum kracht, knirscht, kreischt und knallt Metall in einander, bevor Totenstille sich wie eine schwere Decke auf den dampfenden, qualmenden und kaputten Statussymbolen ausbreitet.
In diesem Moment realisiere ich, wie weise es war, einen Sicherheitsabstand einzuhalten und den Sichtverhältnissen angepasst, die Geschwindigkeit gedrosselt zu haben.
„Ich“ realisiere, dass nur wenige das gleiche taten. „Wir“ wurden noch Minuten vorher angeblinkt und beleidigt. Wir waren die „Langsamen“, die „Idioten“... daher fuhren „Wir“ ganz rechts und darum kamen „Wir“ rechtzeitig und ganz souverän zum stehen. „Wir“ hatten keinen Schaden. „Unser“ Leben wurde hier nicht gegen unseren Willen verändert und „wir“ erreichten unser Ziel in Gesundheit.
Es war manchmal schwer, weil man auch schnell fahren könnte, weil man sich manchmal einfach aus dieser „Hackordnung“ der Egoisten die in ihren Fahrzeugen nur an sich denken, befreien möchte. Doch man wird sehr schnell gewahr, dass es klüger ist, weiter nach vorn und nach hinten zu sehen, sein eigenes Ego zu überwinden und die eigene Fahrweise zu Gunsten der anderen anzupassen.

Vielleicht nur ein Beispiel... aber ein sehr eindrückliches und jähes.

Freitag, 8. Mai 2015

Denkfehler


Friedrich dachte gerne über das Leben nach. Er konnte bisweilen richtig in Fahrt geraten und dann philosophierte er sich förmlich in Rage. Er stellte Fragen und wälzte Problem ohne Ende. Er drehte und wendete Gedanken und Theorien vom Kopf auf die Füße und wieder zurück. Er wechselte gekonnt zwischen den unterschiedlichsten Perspektiven und nahm mit seinem Verstand jedes Denkgebäude so raffiniert auseinander, dass buchstäblich nichts mehr davon übrig blieb. 

Friedrich mochte es, sich mit den großen Problemen zu befassen und er kam dabei auf die eine oder andere sehr beeindruckende Lösung  welche die Welt erschüttern konnten. "Was ist Wahrheit?", fragte er sich. "Was ist ein gutes Leben?" Er analysierte messerscharf die Vor- und Nachteile der einen oder anderen Art zu Leben. "Was können wir sicher wissen? Wer bin ich eigentlich... und was ist der Mensch? Wo kommen wir her und wo gehen wir hin? Warum gibt es überhaupt Etwas und nicht vielmehr Nichts?"
 
Er dachte und dachte über das Leben nach und suchte den Sinn von Alledem zu verstehen...  

Eckhart hingegen war ein guter Zuhörer. Aber was Friedrich am meisten an Eckhart beeindruckte, das war, dass Eckhart es mit seinen Fragen und Geschichten immer wieder fertig brachte ihm ein Bein zu stellen. Ausgerechnet ihm, der sich doch selbst dafür zuständig fühlte alles zu Fall zu bringen... und Eckhart machte dies bisweilen mit ziemlich banalen Geschichten – was Friedrich schließlich noch nachdenklicher machte.

„Friedrich – du denkst gerne und oft über das Leben nach“ – sagte Eckhart einmal. „Ich weiß nicht warum, aber irgendwie erinnerst du mich mit deinem maßlosen Nachdenken über die Welt und das Leben an meinen Großvater, der eine Menge Whisky trank – was ihm enorme Probleme einbrachte. Daher begann er den Whisky mit Wasser zu verdünnen, aber natürlich wurde er irgendwann auch davon betrunken. Dann stieg er auf Pernod um, weil der weniger stark ist. Den trank er freilich auch mit Wasser. Er trank davon aber mehr als vom Whisky. Natürlich wurde er auch davon betrunken. Schließlich stieg er auf Wein um. Den Wein verdünnte er zwar auch mit Wasser, aber er trank so viel davon, dass er auch davon betrunken wurde.“