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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Dienstag, 5. Mai 2015

Zeitreise


Meine liebe Lou,

du hattest Recht! Mein Widerstand gegen die bevorstehende Reise war ein Symptom meines Sträubens gegen die Veränderung. Ein Symptom meiner Angst vor der großen Ungewissheit. Letztlich ein Symptom meines Widerstands gegen die Zeit, die sich immerzu in Richtung der großen Ungewissheit bewegt.

Mein Experiment scheint mich bisweilen mehr zu lähmen als dass es mich aufweckt und beflügelt. Wie du weißt sollte es mich wachrütteln und emporziehen. Ich wollte mich damit anspornen meine Zeit mit Leben zu füllen. Was aber passierte tatsächlich? Indem ich die Tage zu zählen begann, die mir bis zum Ablauf der Jahresfrist noch bleiben, fing ich an mich immer mehr am Gewohnten und Altvertrauten festzuklammern – so als wollte ich das Bestehende konservieren, um es vor der  Vergänglichkeit zu bewahren.

Zunächst fühlte ich mich noch ganz so wie ein kleines Kind, das übermütig drauf los stürmt, um mit seinen gerade erwachten Fähigkeiten die große weite Welt zu erobern. Dann aber, überwältigt von den maßlosen Möglichkeiten und der schier endlosen Weite der Welt, flüchtet es zurück, um sich an Mamas Bein zu klammern. Verängstigt und verzweifelt fleht es nun darum wieder aufgehoben und an die Brust genommen zu werden.

Genauso, liebe Lou, klammere auch ich mich an die Vertrautheiten und Gewohnheiten meines alltäglichen Lebens und will mich nicht mehr fortbewegen, aus den behaglichen und Sicherheit versprechenden Regionen des Bekannten und Bewährten – voller Angst und Argwohn gegenüber dem Anderen und Unbekannten.

Je näher ich jener Grenzlinie zur großen Ungewissheit komme – je mehr breitet sich dieses Unbehagen in mir aus… um so stärker wird die Angst und mithin mein Bedürfnis nach Sicherheit und Berechenbarkeit.

Du aber fragst – wo ist das Vertrauen und die Hoffnung und die Zuversicht, dass das Unbekannte und jenes gänzlich Andere auch etwas Gutes bringen könnte?

Ich habe auch mit Paulo darüber geredet. Er hat mir dann diese Geschichte erzählt:

Es heißt, der junge Napoleon habe, während er einst einmal einer heftigen Bombardierung ausgesetzt war, gezittert wie Espenlaub. Ein Soldat, der das sah, meinte zu seinen Kameraden: „Seht euch den an, der bepisst sich ja gleich vor Angst!“
 
„Ja“, entgegnete Napoleon, „aber ich kämpfe noch. Wenn du ebenso große Angst hättest wie ich, wärst du schon längst davon gelaufen.“

Diese Geschichte hat mich ermutigt. Ich habe Angst, ja  aber ich werde jetzt trotzdem meine Koffer packen und die Reise antreten.

Ich danke dir für dein Vertrauen, deine Zuversicht, dein Vorbild, deinen Mut - und vor allem deine Freundschaft!

In Liebe und Verbundenheit, Lukas








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