Seiten

Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 21. Mai 2015

Erlebnis zum Thema
"ICH"
Von Mikka


Ich will, ich möchte, ich muss, ich soll, ich brauche, ich werde, ich kann, ich habe, ich bin, ich denke.... ich, ich, ich...
Wie viele Male am Tag sage ich „ich“? Wie oft am Tag denke ich zuerst an mich? Wie viele Menschen denken nur an sich und wie viele Unfälle, wie viel Leid, Tränen, Enttäuschungen und Trauer könnte erspart bleiben, würden wir Menschen dieser Zeit ein oder zweimal am Tag weniger an uns selbst denken, oder uns selbst „verwirklichen“ wollen?
Wie schädlich ist Egoismus?
Um diese Frage zu beantworten, brauch man nur die Augen zu öffnen und bewusst zu erleben.
Beispiel:
Ort: Autobahn A5, KM 476, Fahrtrichtung Kassel – Frankfurt am Main kurz hinter der Ausfahrt Friedberg.
Zeit: Sonntag 26. April 2015, 15:18h

Die Skyline von Frankfurt ist schemenhaft durch die Gischtschleier des von den unzähligen Autorädern aufgewirbelten Wassers auf der Fahrbahn, gerade noch so zu erkennen.
Es regnet sehr stark und der dichte Verkehr erzeugt diese hochgefährlichen Wasserschwaden, denen auch ein guter Scheibenwischer in der schnellen Einstellung nicht mehr Herr wird und somit die Sichtverhältnisse so schlecht werden, dass es die Logik und die Vernunft gebietet, langsamer zu fahren und den Abstand zum Vordermann zu vergrößern.
Doch das Drängeln, Rasen, Anblinken, und Drohen endet auch in dieser Situation nicht.
Es scheint, als ob die namenlosen unzähligen Gesichter hinter den lederumantelten Lenkrädern der VW´s, Audis, Skodas, Fords, BMW´s, Opels und wie sie alle heißen, nur ein Sinn und eine Art Gedanken haben: ICH will vorbei! ICH bin schneller! ICH bin wichtig! ICH habe das bessere Auto! ICH hab es eilig! ICH ICH ICH....
Man(n) sitzt in seiner Sänfte und kennt nur den Raum zwischen A und C Säule der Karosserie – vielleicht noch die paar Zentimeter bis zum Ende der Motorhaube.
So fahren sie, Männlein und Weiblein gleichermaßen, hektisch springen Füsse zwischen Gaspedal und Bremse hin und her, Benzin und Diesel werden Literweise durch die Einspritzdüsen gejagt und umgehend verbrannt. Bremsen erhitzen und nutzen sich ab.
Bremslichter leuchten weiter vorne kollektiv und zeitgleich auf.
Warnblinkanlagen dringen durch die dichten Wasserschwaden und signalisieren, was die vielen Füsse jetzt dringend zu tun haben.
Plötzlich erwachen die Namenlosen Gesichter aus ihrem „Ichnebel“. Jäh erscheint eine Wand aus Bremslichtern und blinkenden Blinkern, aus immer dichter werdenden Räumen, aus immer kürzer werdenden Abständen und macht jede Träumerei und jedes Ego gleich.
Egal ob Audi, Mercedes, Toyota, Volvo und Renault... Die Abstände verkleinern sich rasend schnell und im Moment des Aufpralls hat auch der letzte „ICH muss“ realisiert, dass man zu schnell und zu dicht war, dass alles was bis gerade eben noch wichtig war, plötzlich überhaupt keine Importanz mehr besitzt. Das Überleben in immer dichter werdenden Fahrgastzellen... Das Weiße an den Knöcheln der Finger, die sich ums Lederumantelte Lenkrad krallen und versuchen das eigene Körpergewicht abzufangen... Aufgerissene Augen... Zum Entsetzen entstellte namenlose bleiche Gesichter... wenn sie bemerken, dass „Ich“ keinen Platz mehr habe, dass „Ich“ noch zu schnell bin, dass „Ich keine Chance mehr habe, den Aufprall zu verhindern.
Der Egoismus in den Fahrzeugen führt dazu, dass nun Blech zerknittert, Glas zerspringt, Airbags explodieren, Menschen nach vorne gerissen werden.
Der Egoismus in den Taten der Menschen führt dazu, dass vielfaches Leid entsteht. Knochen brechen, makellose Haut zerkratzt und platzt.
Der Egoismus der noch gerade eben so wichtig war führt dazu, dass Werte zu Null zerschlagen, das Leben und Zukunft endet, oder verändert werden.
Um mich herum kracht, knirscht, kreischt und knallt Metall in einander, bevor Totenstille sich wie eine schwere Decke auf den dampfenden, qualmenden und kaputten Statussymbolen ausbreitet.
In diesem Moment realisiere ich, wie weise es war, einen Sicherheitsabstand einzuhalten und den Sichtverhältnissen angepasst, die Geschwindigkeit gedrosselt zu haben.
„Ich“ realisiere, dass nur wenige das gleiche taten. „Wir“ wurden noch Minuten vorher angeblinkt und beleidigt. Wir waren die „Langsamen“, die „Idioten“... daher fuhren „Wir“ ganz rechts und darum kamen „Wir“ rechtzeitig und ganz souverän zum stehen. „Wir“ hatten keinen Schaden. „Unser“ Leben wurde hier nicht gegen unseren Willen verändert und „wir“ erreichten unser Ziel in Gesundheit.
Es war manchmal schwer, weil man auch schnell fahren könnte, weil man sich manchmal einfach aus dieser „Hackordnung“ der Egoisten die in ihren Fahrzeugen nur an sich denken, befreien möchte. Doch man wird sehr schnell gewahr, dass es klüger ist, weiter nach vorn und nach hinten zu sehen, sein eigenes Ego zu überwinden und die eigene Fahrweise zu Gunsten der anderen anzupassen.

Vielleicht nur ein Beispiel... aber ein sehr eindrückliches und jähes.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen