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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Dienstag, 5. Mai 2015

Ich bin, was ich bin. Aber wer bist eigentlich Du?


,,Du und ich, wir gehören doch zusammen“ drang es aus Ajlien`s Mund. Sie sassen in einem kleinen Café am Ende der Stadt. Es roch nach frisch gemahlenem Arabica und Puderzucker, der auf die gerade gebackenen Mandelhörnchen gezuckert wurde. 

Hier und jetzt dachte sich Tilo. Hier und jetzt will ich nicht sein. ,,Aber was, wenn das alles nicht so einfach ist“ ,,Wie meinst Du das?“ erwiderte Ajlien.  Aus ihren Augen quollen nun dicke Tränen, die sie nicht mehr zurückhalten konnte. Am liebsten wünschte sie sich in diesem Moment, dass eine Abrissbirne ins Café einschlagen würde und alles unter ihrer dumpfen Gewalt begrub. Sie dachte über das Wort ,,einfach“ nach. 
Währenddessen versuchte sich Tilo mit seinen letzten Abschiedsworten zu retten. Ajlien bekam es nicht mehr mit. In ihren Ohren rauschte das Blut und alles was Tilo sagte, hörte sich an, als würden sie nicht die gleiche Sprache sprechen. Ihr Herz klopfte wie wild. Es kam ihr so vor, als sei dies einer dieser Momente den man aufzeichnen müsste, um ihn später immer wieder ansehen zu können. Es geht ihr alles viel zu schnell.

,,Eine andere, ich kann so nicht mehr, das wird mir alles zu viel, es tut mir leid...“ Tilo kam zum Schluss. Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, stand auf,  trank in zwei grossen Schlucken seinen Cappucino aus und legte das Bargeld auf den Tisch. Ajlien wusste, wenn er das kleine Café verlässt, ist alles vorbei. Die Freundschaft, die Liebe, die Nähe zu ihm. Dann ging er durch die Tür. Tilo stand draussen und fühlte sich so frei und zugleich so einsam wie noch nie zuvor in seinem Leben.

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