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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 30. September 2015

Balz

Da stand sie, die Anmutige, die Stolze, die in königliches Blau Getauchte, Wohlgeformte, Geheimnisvolle, makellos Schöne. Und nicht unweit von ihr, gleich auf dem Schreibtisch am Fenster, da lag er – seine scharfen Jahre waren vorüber, aber er war noch gut in Form. Täglich neu stellte er sich seiner eigentlichsten Lebensaufgabe.

Seinem Gefährten offenbarte er immer wieder wieviel er für die Schönheit empfand. Er war – so könnte man sagen – von ihrem Anmut wie verzaubert. Auch war er stets bemüht sich bei ihr als einen guten Fang zu präsentieren. Er warb um sie – und tat dies auf uneitle Weise, so dass sie sogar ein wenig Gefallen an ihm fand.

Während die schlanke Schönheit um die halbe Welt gereist war, bevor sie diesen Raum mit ihrer Erotik verzauberte, konnte sich niemand mehr an die Herkunft des Bleistiftanspitzers erinnern; und keiner wusste so recht wie es zu und her ging, dass er hier auf diesem Schreibtisch landete. Vermutlich, so wurde gemunkelt, kam er aus dem kleinen Schreibwarenladen zwei Häuserecken weiter – womit er allerdings niemanden beeindrucken konnte. Dennoch plauderte die Kerze gerne mit ihm.

„Ich habe noch nicht viel von der Welt gesehen“, so gestand er ihr einmal, „aber im Laufe meines Lebens konnte ich unzähligen Stiften dabei helfen ihre Bestimmung zu finden und das zu werden was sie sind – sie wurden allesamt gute Schreiber. Dank meiner Hilfe füllten sie mit ihrem von mir freigelegten und in Form gebrachten Mark ganze Berge von Papier. Das Papier wiederum wurde vervielfältigt und in Bücher gedruckt. Und die Bücher wurden von Tausenden, ja von Abertausenden gelesen, studiert und geachtet. Es wird erzählt sie hätten die Welt verändert. Einige Menschen seien durch sie sogar ein wenig menschlicher geworden.“

„Stimmt das denn auch genauso wie du es sagst?“ fragte die Königsblaue. „Kann ich mich darauf verlassen, dass du auf diese Weise zu Ehren kamst?“ „Aber ja, es stimmt – ganz gewiss. Es ist die Wahrheit!“ Mein Freund der Heftklammernhalter wird dir das bezeugen; sowie alle, die etwas davon verstehen es bezeugen könnten. Der Heftklammerhalter jedoch weiß es von allen am allerbesten. Denn es waren seine Klammern, Klammern aus seinem Bauche, die das Papier zusammenhielten, das von  meinen Stiften beschrieben wurde, bevor es weitergegeben und vervielfältigt und in Bücher gedruckt wurde.“

„Ja, ja, doch, doch – so ist es“ beteuerte der Heftklammernhalter eilig. „Jedes einzelne Wort, das der Spitzer von sich gibt ist eine wirkliche Wirklichkeit an der er nichts zu rütteln gibt!“

Das gefiel der schönen Kerze – und so kam es, dass sie sich dem Bleistiftspitzer gar wirklich noch ein wenig mehr zugeneigt fühlte, was dem feinsinnigen Spitzer freilich nicht entging. Und weil sie doch offenbar gefallen an seiner Balz empfand, fasste er sich eines schönen Tages ein Herz und fragte, ob sie nicht seine Braut werden wolle.

„Mein lieber Spitzer, du hast gewiss ganz fabelhafte Vorzüge – flüsterte ihm die Königsblaue vornehm zu, „aber du musst wissen, dass ich schon so gut wie halb verlobt mit der Elster bin, die täglich auf dem Baum vor dem Fenster hockt und von dort oben so sehnsuchtsvoll zu mir herüberschaut. Sie hat mir bereits mehr als einen Antrag gemacht. Zwar habe ich bis heute noch keinen angenommen, doch in meinem Herzen habe ich zu dem prachtvollen Vogel bereits »ja!« gesagt. Denn schau doch nur wie seine Federn schön glänzen. Das Gefieder schimmert so hübsch bläulich, wenn das Licht darauf fällt. Wir werden ganz gewiss ein vortreffliches Paar abgeben. Aber dich, mein lieber Herr Bleistiftanspitzer, werde ich niemals vergessen!“   

„Na, da habe ich aber was davon!“ sagte der Spitzer und wurde darüber sehr traurig. Aber das Seltsamste war, dass er sie nun noch schöner und begehrenswerter fand als je zuvor – obwohl sie ihn doch zurückgewiesen hatte.

„Dieser Duft und diese Linie“ schwärmte der Spitzer dann seinem Freund dem Heftklammernhalter immerzu vor – „hast du je so einen Duft vernommen und solch eine Linie gesehen?“ Der Heftklammernhalter hatte es jedoch nicht so mit guten Düften und schönen Linien. Dafür war er immer sehr zufrieden, wenn er genügend Heftklammern in seinem Bauch hatte. Aber er schwärmte aus Höflichkeit ein wenig mit, weil der Bleistiftspitzer sein Freund war – und Freunde meinen es doch gut miteinander. Dem Spitzer aber war es sehr ernst mit seiner Schwärmerei, weil er die Kerze unsäglich gern hatte und sich nach ihr verzehrte.

„Mich dünkt – er liebt die Kerze voller Inbrunst“, rief einmal der Brieföffner herüber, der es gewohnt war sich sehr vornehm auszudrücken. Denn auch ihm entgingen die romantischen Gefühle des Bleistiftanspitzers nicht.

Eines schönen Tages, als der Hausherr das Zimmer betrat ging er direkt ans Pult und brachte mit seinem unerwarteten Auftritt das Geplapper auf dem Schreibtisch jäh zum verstummen. Er setzte sich nieder und schaute aus dem Fenster – oder einfach nur Löcher in die Luft. Das war immer schwierig zu beurteilen. Auf jeden Fall nahm er sich dabei den Spitzer zur Hand und drehte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger wie einen Kreisel. Plötzlich stand er auf, so schnell auf wie er gekommen war, verließ den Raum mit großen schweren Schritten und ging mit ihm auf und davon. Er nahm ihn mit in den Keller, wo es dunkel war und der Spitzer sich zu fürchten begann. „Er wird mir doch wohl nichts antun“, ängstigte er sich. „Am Ende wirft er mich noch zum alten Eisen – und dann ist es aus mit mir.“

Im Keller angekommen spannte der Hausherr den Spitzer fest in den Schraubstock, so dass er sich nicht mehr rühren konnte. Dann griff der kräftige Mann nach einer Feile und feinem Schmirgel – und Hub um Hub befreite er den Spitzer von seinen rostigen Flecken. Er schmirgelte, polierte und lackierte ihn bis er aussah wie ein funkelndes Schmuckstück. Sogar die Klinge hatte er ihm herausgenommen, scharf angeschliffen und blitzeblank wieder eingesetzt. Der Spitzer fühlte sich wie neu geboren.

Als er schlussendlich wieder zurück auf dem Schreibtisch landete – ja da gab es vielleicht einen Wirbel. Geschrei und Tumult, wie auf dem Marktplatz! Schere und Stifte und Füllfederhalter und Radiergummi und selbst das Tintenfass, von dem man sonst kaum je etwas zu hören bekam, plapperten wild drauf los und wollten genau wissen, in welchen Jungbrunnen ihn der Hausherr denn geworfen hatte. Der Spitzer fühlte sich Pudelwohl in seiner neuen Fasson und genoss die überschwängliche Aufmerksamkeit und die schönen  Komplimente, die ihm von allen Seiten zuflogen. Und so ging es zu bis es dunkel wurde.

„Nein, heute war vielleicht was los“, stöhnte der Locher schließlich, als die Aufregung sich zu legen begann. „Bei dieser Unruhe habe ich den ganzen Tag hindurch kein einziges Schläfchen machen können. Ich könnte ebensogut Zahnweh gehabt haben, dann kann ich nämlich auch nicht schlafen!“

Aber nun war es still geworden und fast das ganze Schreibtischvolk machte erschöpft von den Aufregungen des Tages die Augen etwas früher zu als an normalen Tagen. 

Wie es nun aber ganz still geworden war, da betraten zwei Dienstleute das Zimmer. Mademoiselle griff sogleich nach den Schwefelhölzern und entflammte damit die Kerze. Als ihr zarter Docht Feuer fing füllte sie den ganzen Raum mit ihrem warmen Schein und verbreitete dabei einen derart balsamischen Duft, dass die beiden darüber recht selig wurden und begannen sich lieb zu haben.

Der Spitzer, der schon immer ein Nachtschwärmer war und selten früh zu Bett ging, wurde Zeuge dieses Zaubers und geriet darüber ins Träumen. Er vernahm wie  es sich die jungen Brautleute im Schein der Kerze gut gehen ließen. Sie flüsterten sich Geschichten über Feuer, Liebe, Verlangen und Lust ins Ohr  und dem Spitzer wurde klar, dass sie über seine Kerze sprachen. Das gefiel ihm freilich, weil er seinem Freund dem Heftklammernhalter das Schwärmen über die Kerze eben doch nie so richtig abgekauft hatte. „Aber diese feinsinnigen Menschen“, so stellte er fest, „die sind genauso veranlagt wie ich. Sie wissen was schön ist und wofür es sich zu leben lohnt!“ Und ebenso wie die Menschen erging auch er sich in sehnsuchtsvollen Schwärmereien und Phantasien.

Im Schutz der Nacht stellte er sich dann vor wie er seiner geliebten Kerze sehr nahe kam und wie sie sich ihm zärtlich zuneigte – damit er sie um ihren zarten Docht herum ein klein wenig anspitzten konnte...

Der Heftklammernhalter, der auch noch ein Auge halb geöffnet hatte, bemerkte dass sein Freund in einer ganz besonderen Stimmung war, denn er konnte sehen wie er an seinen ehemals rostigen Stellen ein wenig rot wurde. Aber er tat so als ob er fest schlafen würde, weil er seinen Freund doch nicht in Verlegenheit bringen wollte.

Am nächsten Morgen nun, als der Spitzer aus seinen schönen Träumen erwachte, blickte er zur Kerze hinüber – und was bekam er da zu Gesicht? Nichts! Fort war sie. Von ihrem angestammten Platze ganz verschwunden.

„Ich weiß wohl wo sie ist“, seufzte er, „sie ist mit der Elster auf und davon und macht nun jenen vermaledeiten Vogel Tage und Nächte so glücklich und noch viel glücklicher als sie mich heute Nacht froh gemacht hat.“

Je mehr er darüber nachdachte, desto größer wurde seine Liebe für die Kerze – und Eifersucht und Pein fraßen ihn beinahe auf. Zwar sind Bleistiftanspitzer von Natur aus sehr eifersüchtig veranlagte Wesen – das ist bekannt; aber dass die Kerze einen Anderen ihm vorgezogen hatte – und noch dazu solch einen diebischen Vogel – das war gewiss sehr schmerzlich und mindestens das halbe Schreibtischvolk konnte die Leiden des nicht mehr ganz so jungen Spitzers sehr gut nachempfinden. Hatten doch viele seiner Gefährten, genau so wie er nun, schon einmal ganz ähnliche Qualen durchlitten.

Der Unglückselige konnte von den Gedanken an die Schöne nicht loskommen. Immerzu erinnerte er sich an die glücklichen Momente mit ihr und stellte sich vor wie sie nun einen Anderen glücklich macht. Darüber verging Stund um Stunde und Tag um Tag; und in seinen Gedanken wurde sie immer schöner und schöner.

Eines Morgens dann betrat das Dienstmädchen mit einem Wedel über der Schulter das Zimmer und hielt eine lange, schlanke und leuchtend gelbe Kerze in der Hand. Sie legte die Kerze behutsam auf die Kommode, so dass das Sonnenlicht auf sie fiel, wodurch sie zu glänzen begann wie strahlendes Gold. Ihre perfekte Linie und der Duft von Alabaster, den sie verbreitete, ließen dem Spitzer den Atem stocken. Und während sie so da lag, vornehm wie eine Königstochter, entfernte die Dienstmagd mit einem Messer einen kleinen blauen Wachsstummel, der tief in dem mit Bernstein verzierten Sockel steckte. „Dieser Bernstein“, so dachte der Spitzer, „er fügte sich meiner Angebeteten doch immer so trefflich um ihren vollkommenen Körper. Ach wie fühlte sie sich doch fein geschmückt.“ Und noch während der Spitzer sich auf diese Weise in Gedanken verlor, warf das Dienstmädchen den Kerzenstummel in den Kübel neben dem Schreibtisch. Bum! Aber was dann geschah: Als das Dienstmädchen sich drehte, um die prachtvolle goldene Kerze auf den mit Bernstein verzierten Sockel zu stellen, da streifte sie mit ihrem Wedel achtlos übers Pult und schwubdiwub lag der Spitzer neben dem kläglichen Rest der blauen Kerze ebenfalls im Kübel.

„Gott sei Dank, da leistet mir noch einer meinesgleichen Gesellschaft! Denn eigentlich bin ich von nobler Abstammung und aus duftendem Wachs gemacht. Gezogen wurde ich von den Händen einer zarten Jungfrau. Außerdem bin ich um die halbe Welt gereist – aber das wird mir jetzt wohl keiner mehr ansehen. Ich war im Begriff eine Elster zu heiraten. Allein, die Nächte haben mir zu schaffen gemacht. Ich brannte herab bis nichts mehr von mir übrig blieb als dieser klägliche Stummel, als der ich jetzt im Kübel liege. 

Der Spitzer aber sagte nichts. Vielmehr dachte er an seine Verflossene. Doch je mehr er ihr zuhörte desto klarer wurde ihm, dass sie es war.

Als der Hausherr nun – es war darob schon Nachmittag geworden – sich an seinen Schreibtisch begab, um seine Arbeit zu tun, ging es nicht lange und er hatte einen seiner Stifte anzuspitzen. Und dazu benötigte er den Spitzer – was freilich nicht erwähnt werden muss. Also begann er nach ihm zu suchen, denn er hatte ihm ja eigenhändig zu neuer Pracht verholfen. Er suchte und suchte und „Heisa!“ rief er: „Endlich! Da ist ja mein Prachtstück!“

Er fischte den Spitzer mit zwei Fingern aus dem Kübel und drehte mit Genuss einen stumpfen Stift unter seiner scharfen Klinge hindurch, so dass dieser im Handumdrehen spitz wurde wie ein Haifischzahn. Dann legte er den Bleistiftanspitzer wieder zurück aufs Pult. Nun jedoch platzierte er ihn in bester Lage, was sein Ansehen unter dem Schreibtischvolke noch zusätzlich verbesserte. Von der Kerze jedoch hörte man nichts mehr. Auch der Spitzer sprach kaum mehr von seiner alten Liebe – erkannte er sie doch fast nicht wieder – so übernächtigt und abgebrannt wie sie im Kübel lag. Aber von Zeit zu Zeit erinnerte er sich noch mit einem zarten Gefühl an ihren exotischen Duft und ihre makellose Linie. Sie war fast so schön wie diese goldene Kerze, die ihm doch gerade ein wenig zugelächelt zu haben schien…

Mittwoch, 23. September 2015

Das Date

Ein erstes Treffen, ein nettes Gespräch, man versteht sich. Ja, die Zeit vergeht sogar wie im Flug und für beide scheint es ein kurzweiliger und unterhaltsamer Abend zu sein. Keine peinlichen Momente, zwischendurch fühlt man sich gar sehr verstanden vom Gegenüber. Dennoch hat es bisher nicht richtig gefunkt, ist man noch nicht vertraut. Das erste Beschnuppern jedoch ist sehr angenehm – gerne wieder.

Wir verquatschen uns auch so lange, dass der nette Kellner freundlich nach dem Bezahlen der Rechnung fragt. Es macht sich eine Erleichterung in mir breit, dass die Verabredung kein Reinfall war, ja, dass die Sympathien auf Gegenseitigkeit beruhen.

Draussen aber geschieht etwas, das diese Emotion wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen lässt:

„Einen letzten Test habe ich noch vergessen.“, schäkert er und zwinkert mir zu.

Sofort werde ich unsicher und sage: „Ja, dann müssen wir uns dann wohl für diese Prüfung ein andermal wiedersehen.“

Inständig bitte ich, dass es nicht auf das hinauslaufen wird, was ich befürchte. Aber das tut es: Er küsst mich, nimmt mich immer mehr in seine Arme und unsere Zungen finden einander.

Ich fühle nichts, ich funktioniere, ich spiele mit, ich bin es ihm doch schuldig, schliesslich hat er mich hier eingeladen, hat mich akzeptiert und es mit mir mehr als 2 Stunden ausgehalten…

Dann ist es endlich vorbei. Er lächelt und sagt: „War ein schöner Abend, danke und komm gut heim.“ Ganz leer erwidere ich: „Ja, danke für die Einladung und vielleicht bis auf ein anderes Mal.“

Ich gehe und Ekel macht sich in mir breit. Ich sage mir: Reiss dich zusammen, das ist normal und sei froh, hat er nicht mehr gefordert. Trotzdem fühlt es sich an, als hätte ich mich prostituiert. Ich spucke aus, möchte den gefühlten Schmutz so loswerden, möchte vergessen, was eben passiert ist. Warum nur macht er das mit mir? Hat er nicht gemerkt, dass ich noch nicht soweit war? Was sollte das, es hat doch für ihn bestimmt auch noch nicht gefunkt? Muss man immer klar sagen, was man will oder eben nicht – soll das ein passendes Gegenüber nicht erspüren können? Es wäre ein so schöner Abend gewesen, ich hätte ihn ja gerne wieder getroffen, geschaut, was sich daraus entwickelt…Aber mit dem Kuss hat er mir klar gezeigt, was seine Absichten sind.

Es läuft doch immer auf dasselbe raus. Ich bin frustriert. Der ganze Abend schien nur ein Vorspiel für ihn gewesen zu sein, ein Mittel zum Zweck. Die Balz. Aber ich war noch nicht paarungsbereit, bei mir geht das nicht so Knall auf Fall. Man mag es prüde nennen, aber ich bin nun mal so. Ich brauche eine Einwärmung, eine Aufwärmung und eine Aufheizung und erst dann kann Mann von mir aus mit dem Balzen anfangen. Aber bisher habe ich die bitteren Erfahrungen machen dürfen, dass ich einfach zu langsam oder verkorkst ticke und mich zu wenig klar ausdrücke für das männliche Geschlecht(-steil). Sei es wie es sei, einmal mehr habe ich erkannt, dass ich wohl nicht geschaffen bin für Spiele solcher Art.

Dienstag, 15. September 2015

An H.

Das Leben ist nichts Wert, wenn man niemals versucht, nach der Sonne zu greifen. Den Körper angespannt, das Herz rasend, der Geist blank, die Augen starr hochzuspringen, von den Fingerspitzen bis zu den Zehen gestreckt auf das Licht zu. Das sind die Momente, die schönen Atemzüge, um die herum sich die restliche Lebenszeit sammelt. Wenn dann, für eine unfassbar lange Zeit, für einen Augenblick, das goldene Licht durch die Finger glitzert, wer ist denn dann tot genug, nicht zu glauben? Wer sagt, es sei nicht möglich, wer sagt nicht "vielleicht"? Für einen Augenblick gehört mir die Möglichkeit, wenn ich nur nicht den Blick abwende, wenn ich nur stark genug bin, fest genug springe, den Boden vergesse. Solange ich schwebe, so lange lebe ich. Gut weiss ich, dass es nicht einfach ist, die Sonne in den Händen zu halten. Aber ich weiss, eines Tages, wenn ich hoch genug springe, wenn ich all meine Kraft nehme, wenn ich stark genug bin. Bis dahin habe ich die Ewigkeiten des Schwebens, der Rest rauscht in einem Zug vorbei. Ein Kindertraum.

Kind bin ich nicht mehr, seit langem. Ich sah, wie Blumen welken, Jahr für Jahr, und irgendwann verstand ich; es passiert immer wieder, es welkt und es blüht. Ich sah, wie die Schwalben gingen, wie sie immer wiederkamen, wieder mit den Blumen, doch es kamen nicht immer alle. Auch das verstand ich dann, dass nicht alles immer wieder kommt. Kinderträume.

Ich lebte, und ich sah, sah immer neu, bis man mich fragte: "weisst du noch?" "weisst du noch,was einmal war?" So lernte ich, dass alles älter wird, dass wir den Unterschied zu gestern Zeit nennen. Wusstest du, dass die Zeit Fussspuren hinterlässt? Auf den Blumen, um die Schwalbennester herum, und auf mir. Auch auf mir, ohne dass ich weiss, wer oder was sie ist. Ohne die kleinste Erklärung für mich, sie zu begreifen. Ich habe die Zeit noch nie gesehen, man sagte mir nur, sie sei da, und ich sehe ihre Fussspuren. Sie kommen und gehen mit dem Blühen, mit dem Welken, und man fragt mich, "weisst du noch?" und manchmal weiss ich nicht mehr, oder sehe zu viel, um es noch zu wissen. Und wenn ich nicht mehr weiss, dann ist das vergessen. Es gibt Dinge, die ich sehe, aber nicht wissen kann, und auch Dinge, die ich nicht sehe, aber wissen muss. Manches davon ist wahr, manches echt und manches falsch. "Was ist wahr?" ist aber immer die falsche Frage. Ich weiss nur, was echt ist. Die Blumen, die Schwalben und du, wenn du da bist.

Du siehst, ich bin kein Kind mehr, das alles weiss ich. Ich weiss, dass es weniger Weh tut, wenn man sich auf die Lippen beisst.

Es gibt aber etwas, das habe ich gefunden, einfach so. Es passiert, wenn ich weiss, was wahr ist, es aber nicht glaube. Dann kann es sein, dass die Blumen nicht welken, die Schwalben immer unter dem Dach nisten, die Zeit mit ihren Schritten fortbleibt, dass nach dem Sprung der Boden nicht wiederkommt. Ich glaube, manche nennen das hoffen. Ich mag es nicht benennen. Aber ich weiss, was es ist. Es ist eine Kinderzeichnung, ein Kindertraum. Es ist das Leben, bevor uns die Zeit alt werden lässt, bevor wir müde sind. Der Augenblick, wie er echt ist. Die Blumen blühen, die Schwalben fliegen, die Sonne hell und zum Greifen nah. Deshalb muss ich springen, mich strecken, nach der Sonne greifen. Und wenn, ja wenn ich sie einmal erreiche, dann wird dieser Augenblick bleiben. Immer leuchtend, wie Buntstift auf Papier.

Ich konnte dir nie sagen, dass du die Sonne bist. Ich sah dich und sprang, das Herz rasend, der Geist blank, den Boden vielleicht, vielleicht für immer zu verlassen.

Und nun bläst ein Wind mein Blatt Papier fort, du glitzerst durch meine Finger, der Boden kommt näher.

die Fremde

nicht viel, was wir haben
Momente gespielter Selbstvergessenheit
nicht viel,
Tropfen von dir, die warm meine Lippen benetzen

immer wieder

du kamst, kamst doch den ganzen Weg
wozu jetzt stehen bleiben?
mein Schatz, mein allergrösster Schatz
komm, du bist so schön
du bist so schön, wenn du lügst

sei mein flüchtiger Gast
oder nimm du mich auf, in deinem Luftschloss
lass mich deine Brise atmen
lass mich meinen Sturm toben

du bist so schön 

Freitag, 11. September 2015

Im Lift

Die Assistenzärzte

„Müde?“
„Geht so, wurde gestern einfach wieder spät, hab bis neun gearbeitet und danach noch Fitness.“
„Bis neun ist ja noch human. Wir haben im Moment so viele komplexe Patienten, da bin ich echt froh, wenn ich vor zehn rauskomme.“
„Ja, das kenn ich nur allzu gut. Wobei, alles eine Frage der Planung und Delegation, hihi.“
„Das kannst du laut sagen. Da sehe ich echt andere Assistenten! Letztens habe ich einen Eintrag im Verlauf um 23:50 gelesen und es war nicht der Nachtdienst. Meine Güte, wie bringt man denn das fertig?“
„Was? Ja, das zeugt wirklich nicht grad von grossem Organisationstalent.“
„Nein, aber das sind ja auch nicht die, die lange bleiben.“
„Allerdings. Oh, hab ich dir schon erzählt, dass mich der Oberarzt für eine Vertragsverlängerung vorgeschlagen hat?“
„Nein, gratuliere! Dann bleiben wir zwei ja voraussichtlich noch länger hier, hihi, hab eben erst den neuen Vertrag für ein weiteres Jahr unterschrieben, mit Aussichten auf eine Oberarztstelle.“
„Toll, dann müssen wir echt auch mal in der Freizeit was unternehmen. Ev. mal zusammen ins Fitnesscenter?“
„Ja unbedingt. Nur jetzt gerade ist ungünstig, trainiere grade für einen Marathon. Aber im Winter bin ich dann wieder dabei.“
„Ah, du bist eher der Ausdauer-Typ. Ich gehe lieber auf die Kraftübungen.“
„Die Mischung macht’s aus, mein Lieber.“
„Wie wahr. Aber schnelle Kraft liegt mir halt einfach schon mehr als das stundenlange Dahinjoggen.“

*Dong*

„Na dann, einen schönen Tag noch.“
 
Die Oberärzte

„Und wie läuft’s so?“
„Naja, es geht ganz ordentlich. Viele komplexere Fälle. Die Arbeit würde einem echt erleichtert, wenn man etwas fähigere Assistenten hätte. Sie bemühen sich ja, aber am Ende bleibt alles an mir hängen.“
„Oh ja, auf unserer Station ist’s doch genau das Gleiche. Teilweise verursachen sie mehr Arbeit, als sie einem abnehmen. Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass ich jemals so heillos überfordert war.“
„Allerdings. Naja, solange die Familie da nicht drunter leidet, bin ich zufrieden und momentan kann ich meine Work-Life-Balance noch halten.“
„Oh ja, da hast du vollkommen recht, da acht ich auch besonders drauf. Man lernt halt effizient zu arbeiten, hehe.“
 „Und richtig delegieren.“
„Wobei das bei dem wilden Haufen, den ich unter mir habe gar nicht so einfach ist.“
„Da muss ich dir schwer Recht geben, und dann wird denen noch der Arbeitsvertrag verlängert.“
„Man nimmt einfach, was man kriegt. Ich hab da nur ein Wort dazu: Ärztemangel.“
„Naja, wobei das ja eigentlich eher die tieferen Stufen betrifft…Chefärzte gibt’s ja dann nicht mehr so viele und dafür mehr Anwärter. Da muss man dann schon etwas mehr drauf haben.“
„Ah ja, das bringt mich grad drauf: Ich hatte letztens ein Mitarbeitergespräch mit dem Chef und stell dir vor, er wird mich als Leitender der Abteilung vorschlagen.“
„Gratuliere. Dann bleiben wir wohl noch ein Weilchen Kollegen hier. Ich habe den Vertrag bereits unterschrieben, ab neuem Jahr bin ich Leitender auf der Abteilung.“

*Dong*

„Na dann, gratuliere und wir müssen auch mal privat was miteinander unternehmen!“
„Unbedingt!“

 Die Leitenden

„Ich weiss nicht, ob das was wird, aber ich musste Müller als Leitenden vorschlagen.“
„Geht mir doch gleich mit Meier, der wird ab Januar auch mehr Kompetenzen haben…ich bin davon aber selbst auch noch nicht ganz überzeugt. Aber was will man machen, trotz der Stellenausschreibung keine brauchbaren Bewerbungen, da muss man halt auf das Bekannte zurückgreifen.“
„Da kann ich dir nur beipflichten.“
„Und steht das heute Abend?“
„Klar, acht Uhr mit Frau, ohne Kinder.“

*Dong*

„Genau, bis dann.“
„Bis bald.“

Samstag, 5. September 2015

Blues

Wie blauäugig muss ich tatsächlich denn gewesen sein,
Dass sie so lange wahren konnt‘ den blaublütigen Schein?
Sie machte stets ja wirklich nur nen blauen Dunst mir vor
Und trotzdem blieb ich leider nur ein blauäugiger Tor.
Ich wusst‘ ein blaues Wunder, ja, würd‘ sie einst noch erleben,
Ich ärgerte mich grün und blau, die Brust begann zu beben.
Ich kam nach Haus‘, vollkommen blau, nun würd ich’s endlich wagen!
Ich hob die Faust bis grün und blau die Schlange war geschlagen.
„Jetzt hast du wenigstens ‘nen Grund, auch morgen blau zu machen!“
Ich ging voll Stolz ins Blau‘ hinein – sie hatte nichts zu lachen.

Freitag, 4. September 2015

L.O. + V.E.

Sie sassen bei einem Baum und betrachteten die schön funkelnden Sterne. Sie hatte ihren Kopf auf seine Schulter gelegt und er seinen an den Baum gelehnt. Sie sassen schon lange so da, doch plötzlich richtete er sich auf und sah sie an. Auch sie blickte ihm liebevoll in die Augen. Er war jedoch ganz konzentriert. Er schien etwas abzuwägen und dies verunsicherte sie. Daher fragte sie nach einer geraumen Weile: „Was ist?“
Wie aus einem Traum erwachend lächelte er und antwortete dann geheimnisvoll: „Ich habe mir gerade etwas überlegt. Findest du es nicht auch wunderschön?“
„Was?“ fragte sie etwas verwirrt.
„Na, uns! Ich meine, wir sind doch wie für einander geschaffen!“ Er stand begeistert auf. „Findest du nicht auch?“
Sie blickte ihn noch verwirrter an. „Natürlich…“ Sie lächelte.
„Eben! Und du willst doch auch nicht, dass das irgendwann zu Ende geht, oder?“ Erwartungsvoll blickte er sie an.
„Was soll das? Natürlich nicht!“ antwortete sie.
„Eben! Und ich habe mir überlegt, wie man das sicherstellen kann…“ Er kniete vor ihr nieder und sah ihr tief in die Augen. „Bist du bereit, dafür ein Opfer darzubringen?“
Sie wusste nicht, was er meinte und war sowieso von seinem ganzen Gerede total überfordert. Sie blinzelte ihn nur an.
„Nun?“ fragte er verheissungsvoll.
„Nun… Ich weiss nicht so recht… Was—“ Doch er schnitt ihr das Wort harsch ab.
„Bist du so wenig bereit für unsere Liebe zu geben?“ Er schüttelte enttäuscht den Kopf. Dann legte er seine Hand an ihre Wange und fuhr sanft fort: „Hast du etwa … Angst?“
Sie erschrak, als sie dieses Wort und gleichzeitig diesen ungewöhnlichen Ausdruck in seinem Gesicht wahrnahm. Sie drückte sich näher an den Baum. Ihr war nicht mehr ganz behaglich zu Mute.
Noch einmal fragte er mit einem mysteriösen Lächeln: „Nun? Liebe für immer?“
„Natürlich…“ entgegnete sie verwirrt fast ängstlich. So hatte sie ihren Verlobten noch nie erlebt!
Dann langsam, ja fast mit Genuss zog er aus der Innentasche seiner Jacke ein grosses Klappmesser hervor und liess die Klinge aufspringen. Ihr stockte der Atem. Sie starrte auf die Klinge die kalt im Mondlicht glänzte.
„Gut“, sagte er dann ruhig und lächelte sie an. „Laura O’Neill und Victor Edwards für immer und ewig vereint! Das ist es doch, was wir beide wollen.“
„Aber—“ fing sie entsetzt an, doch Victor legte ihr den Finger auf die Lippen.
„Tss, tss“, machte er und schüttelte dabei abweisend den Kopf. Flüsternd fuhr er fort: „Nicht. Es ist zu spät… Du hast schon dein Ja-Wort dazu gegeben.“
Mit diesen Worten legte er das Messer in einen besseren Griff. Sie starrte fassungslos auf seine Hand, die sich zu einer festen Faust um das Messer formte. Er küsste sie auf die Stirn und stach zu!
Sie schrie auf, ihr Puls raste, ihr wurde heiss und kalt, dann blickte sie zum Messer hinab, das tief — in der Baumrinde steckte.
Sie wagte sich nicht zu rühren. Wie versteinert blieb sie sitzen und alle Muskeln verkrampften sich.
Dann strich Victor ihr wieder sanft über die Wange und nahm sie in den Arm. Sie war nicht in der Lage die Umarmung physisch und auch nicht emotional zu erwidern. Er half ihr aufzustehen und kauerte sich dann wieder vor die Stelle am Baum, worin das Messer steckte. Mit kräftigen Schnitten vollendete er sein Werk und ritzte ein Herz mit ihren und seinen Initialen darin in die Rinde.
Schliesslich stand er wieder auf und sah seine Liebste belustigt an. „Hast wohl einen Schock gehabt, was?“ Dann nahm er ihre Hände und fuhr eindringlich fort: „Glaubst du wirklich, ich könnte dir je etwas antun? Laura, in was für einer Welt lebst du eigentlich?“
Endlich fand sie ihre Fassung wieder und damit auch ihre Sprache. „In einer, in der nichts ewig währt!“ keifte sie scharf und ging davon.

Aufreibender Leerlauf

Mein Wecker klingelt um 7:00 Uhr - wie könnte es anders sein, die Beschreibung meines Alltags beginnt bereits mit einem Satz, der für einen Anfang eines solchen Textes nur allzu stereotyp ist. Wahrscheinlich wäre es aussergewöhnlicher, ihn auf 6:52 Uhr zu stellen, oder noch besser: 3:24 Uhr oder - ganz kreativ - 24:98 Uhr… Wie auch immer, ich gehöre nun mal zu Otto-Normalverbraucher und time ihn auf 7:00 Uhr. Es sei denn, ich muss pünktlich sein, dass überwinde ich mich ausnahmsweise, ihn auf 6:50 Uhr zu stellen, obwohl meiner Meinung nach jegliche Weckzeiten von 0 bis und mit 6 als Stundenzahl einfach schlicht inhuman sind. Ausser man arbeitet in einem Schichtbetrieb, was natürlich spannend wäre, da nicht ganz der Norm entsprechend und daher auch nicht meinen Alltag darstellt. Nein, ich gehöre zum grossen Pool der 0815-Arbeiter. Und meine Tätigkeit beinhaltet auch genau das, was man sich halt unter so einem Job vorstellt. Daneben habe ich natürlich Hobbies, wie jeder normale Mensch. Aber nein, ich betreibe keine Extremsportart, stehe nicht auf spezielle Sexualpraktika und bin in keinem Gebiet der totale Crack. Also kurz gesagt, wenn man mich und meinen Alltag betrachtet, passe ich zur Gruppe Stereotyp „Durchschnitt“.

Sobald ich diese Behauptung aber über mich aufstelle, frage ich mich, ob man das wirklich so sagen kann. Was bedeutet denn denn „Durchschnitt“ überhaupt? Gibt es, menschlich betrachtet, tatsächlich einen Durchschnitt? Vielmehr ist das, was man als solchen betrachtet doch davon abhängig, wo man sich befindet, wie sein Umfeld ist und welche Prioritäten man setzt. So leuchtet ein, dass beispielsweise der durchschnittliche Afrikaner demselbigen Chinesen nicht allzu ähnlich ist. Oder werden wir deduktiver: Dann ist doch auch ein Berner Stereotyp „Hans Meier“ nicht dem Zürcher „Max Muster“ gleichzusetzen. Das Gedankenspinnen sei eröffnet.

 Je mehr ich darüber sinniere, desto klarer wird für mich, dass ein Stereotyp bloss ein Konstrukt ist, welchem kein Mensch jemals 100% entsprechen kann. Erleichternd und frustrierend zugleich: So froh ich bin zu erkennen, niemals einfach nur einem Lieschen Müller zu entsprechen, so unglücklich bin ich darüber, einsehen zu müssen, dass ich nie ganz und gar Stereotyp „Traumfrau“ sein kann. Wieder einmal mehr wird mir die Sinnlosigkeit meines Strebens danach bewusst. Aber solange diese Erkenntnis nicht bis tief in mich hinein Wurzeln gefasst hat, strebe ich verzweifelt nach diesem Gedankenkonstrukt. Ein endloser und kräftezehrender Weg, der gesäumt ist von Selbstunzufriedenheit und -enttäuschung. Ein unrealistisches Ziel zu verfolgen ist hoffnungslos und absurd. Doch solange man nicht mit dem Herzen begriffen hat und wirklich glaubt, dass es illusorisch ist, strebt man weiter danach, auch wenn die Ratio einem sagt, dass es frei jeglichen Zwecks ist.

Ach, wünschte ich doch, der altbekannte Samen, der mit diesem Thema erneut gesät wurde, keime  endlich und schlage tiefe Wurzeln in mein Innerstes. Das fruchtlose Bemühen nähme ein Ende.