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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 23. September 2015

Das Date

Ein erstes Treffen, ein nettes Gespräch, man versteht sich. Ja, die Zeit vergeht sogar wie im Flug und für beide scheint es ein kurzweiliger und unterhaltsamer Abend zu sein. Keine peinlichen Momente, zwischendurch fühlt man sich gar sehr verstanden vom Gegenüber. Dennoch hat es bisher nicht richtig gefunkt, ist man noch nicht vertraut. Das erste Beschnuppern jedoch ist sehr angenehm – gerne wieder.

Wir verquatschen uns auch so lange, dass der nette Kellner freundlich nach dem Bezahlen der Rechnung fragt. Es macht sich eine Erleichterung in mir breit, dass die Verabredung kein Reinfall war, ja, dass die Sympathien auf Gegenseitigkeit beruhen.

Draussen aber geschieht etwas, das diese Emotion wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen lässt:

„Einen letzten Test habe ich noch vergessen.“, schäkert er und zwinkert mir zu.

Sofort werde ich unsicher und sage: „Ja, dann müssen wir uns dann wohl für diese Prüfung ein andermal wiedersehen.“

Inständig bitte ich, dass es nicht auf das hinauslaufen wird, was ich befürchte. Aber das tut es: Er küsst mich, nimmt mich immer mehr in seine Arme und unsere Zungen finden einander.

Ich fühle nichts, ich funktioniere, ich spiele mit, ich bin es ihm doch schuldig, schliesslich hat er mich hier eingeladen, hat mich akzeptiert und es mit mir mehr als 2 Stunden ausgehalten…

Dann ist es endlich vorbei. Er lächelt und sagt: „War ein schöner Abend, danke und komm gut heim.“ Ganz leer erwidere ich: „Ja, danke für die Einladung und vielleicht bis auf ein anderes Mal.“

Ich gehe und Ekel macht sich in mir breit. Ich sage mir: Reiss dich zusammen, das ist normal und sei froh, hat er nicht mehr gefordert. Trotzdem fühlt es sich an, als hätte ich mich prostituiert. Ich spucke aus, möchte den gefühlten Schmutz so loswerden, möchte vergessen, was eben passiert ist. Warum nur macht er das mit mir? Hat er nicht gemerkt, dass ich noch nicht soweit war? Was sollte das, es hat doch für ihn bestimmt auch noch nicht gefunkt? Muss man immer klar sagen, was man will oder eben nicht – soll das ein passendes Gegenüber nicht erspüren können? Es wäre ein so schöner Abend gewesen, ich hätte ihn ja gerne wieder getroffen, geschaut, was sich daraus entwickelt…Aber mit dem Kuss hat er mir klar gezeigt, was seine Absichten sind.

Es läuft doch immer auf dasselbe raus. Ich bin frustriert. Der ganze Abend schien nur ein Vorspiel für ihn gewesen zu sein, ein Mittel zum Zweck. Die Balz. Aber ich war noch nicht paarungsbereit, bei mir geht das nicht so Knall auf Fall. Man mag es prüde nennen, aber ich bin nun mal so. Ich brauche eine Einwärmung, eine Aufwärmung und eine Aufheizung und erst dann kann Mann von mir aus mit dem Balzen anfangen. Aber bisher habe ich die bitteren Erfahrungen machen dürfen, dass ich einfach zu langsam oder verkorkst ticke und mich zu wenig klar ausdrücke für das männliche Geschlecht(-steil). Sei es wie es sei, einmal mehr habe ich erkannt, dass ich wohl nicht geschaffen bin für Spiele solcher Art.

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