Wir verquatschen uns auch so lange, dass der nette Kellner
freundlich nach dem Bezahlen der Rechnung fragt. Es macht sich eine
Erleichterung in mir breit, dass die Verabredung kein Reinfall war, ja, dass
die Sympathien auf Gegenseitigkeit beruhen.
Draussen
aber geschieht etwas, das diese Emotion wie ein Kartenhaus in sich
zusammenbrechen lässt:
„Einen
letzten Test habe ich noch vergessen.“, schäkert er und zwinkert mir zu.
Sofort werde
ich unsicher und sage: „Ja, dann müssen wir uns dann wohl für diese Prüfung ein
andermal wiedersehen.“
Inständig
bitte ich, dass es nicht auf das hinauslaufen wird, was ich befürchte. Aber das
tut es: Er küsst mich, nimmt mich immer mehr in seine Arme und unsere Zungen
finden einander.
Ich fühle
nichts, ich funktioniere, ich spiele mit, ich bin es ihm doch schuldig,
schliesslich hat er mich hier eingeladen, hat mich akzeptiert und es mit mir
mehr als 2 Stunden ausgehalten…
Dann ist es endlich
vorbei. Er lächelt und sagt: „War ein schöner Abend, danke und komm gut heim.“
Ganz leer erwidere ich: „Ja, danke für die Einladung und vielleicht bis auf ein
anderes Mal.“
Ich gehe und
Ekel macht sich in mir breit. Ich sage mir: Reiss dich zusammen, das ist normal
und sei froh, hat er nicht mehr gefordert. Trotzdem fühlt es sich an, als hätte
ich mich prostituiert. Ich spucke aus, möchte den gefühlten Schmutz so
loswerden, möchte vergessen, was eben passiert ist. Warum nur macht er das mit
mir? Hat er nicht gemerkt, dass ich noch nicht soweit war? Was sollte das, es
hat doch für ihn bestimmt auch noch nicht gefunkt? Muss man immer klar sagen,
was man will oder eben nicht – soll das ein passendes Gegenüber nicht erspüren
können? Es wäre ein so schöner Abend gewesen, ich hätte ihn ja gerne wieder
getroffen, geschaut, was sich daraus entwickelt…Aber mit dem Kuss hat er mir
klar gezeigt, was seine Absichten sind.
Es läuft doch
immer auf dasselbe raus. Ich bin frustriert. Der ganze Abend schien nur ein
Vorspiel für ihn gewesen zu sein, ein Mittel zum Zweck. Die Balz. Aber ich war
noch nicht paarungsbereit, bei mir geht das nicht so Knall auf Fall. Man mag es
prüde nennen, aber ich bin nun mal so. Ich brauche eine Einwärmung, eine
Aufwärmung und eine Aufheizung und erst dann kann Mann von mir aus mit dem
Balzen anfangen. Aber bisher habe ich die bitteren Erfahrungen machen dürfen,
dass ich einfach zu langsam oder verkorkst ticke und mich zu wenig klar
ausdrücke für das männliche Geschlecht(-steil). Sei es wie es sei, einmal mehr
habe ich erkannt, dass ich wohl nicht geschaffen bin für Spiele solcher Art.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen