Sobald ich diese Behauptung aber über mich aufstelle, frage
ich mich, ob man das wirklich so sagen kann. Was bedeutet denn denn „Durchschnitt“ überhaupt? Gibt es, menschlich
betrachtet, tatsächlich einen Durchschnitt? Vielmehr ist das, was man als
solchen betrachtet doch davon abhängig, wo man sich befindet, wie sein
Umfeld ist und welche Prioritäten man setzt. So leuchtet ein, dass
beispielsweise der durchschnittliche Afrikaner demselbigen Chinesen
nicht allzu ähnlich ist. Oder werden wir deduktiver: Dann ist doch auch ein
Berner Stereotyp „Hans Meier“ nicht dem Zürcher „Max Muster“ gleichzusetzen.
Das Gedankenspinnen sei eröffnet.
Je mehr ich darüber
sinniere, desto klarer wird für mich, dass ein Stereotyp bloss ein Konstrukt
ist, welchem kein Mensch jemals 100% entsprechen kann. Erleichternd und
frustrierend zugleich: So froh ich bin zu erkennen, niemals einfach nur einem Lieschen
Müller zu entsprechen, so unglücklich bin ich darüber, einsehen zu müssen, dass
ich nie ganz und gar Stereotyp „Traumfrau“ sein kann. Wieder einmal mehr wird
mir die Sinnlosigkeit meines Strebens danach bewusst. Aber solange diese
Erkenntnis nicht bis tief in mich hinein Wurzeln gefasst hat, strebe ich
verzweifelt nach diesem Gedankenkonstrukt. Ein endloser und kräftezehrender
Weg, der gesäumt ist von Selbstunzufriedenheit und -enttäuschung. Ein
unrealistisches Ziel zu verfolgen ist hoffnungslos und absurd. Doch solange man
nicht mit dem Herzen begriffen hat und wirklich glaubt, dass es illusorisch ist, strebt man weiter
danach, auch wenn die Ratio einem sagt, dass es frei jeglichen Zwecks ist.
Ach, wünschte ich doch, der altbekannte Samen, der mit
diesem Thema erneut gesät wurde, keime endlich und schlage tiefe Wurzeln in mein
Innerstes. Das fruchtlose Bemühen nähme ein Ende.
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