Seiten

Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Freitag, 4. September 2015

Aufreibender Leerlauf

Mein Wecker klingelt um 7:00 Uhr - wie könnte es anders sein, die Beschreibung meines Alltags beginnt bereits mit einem Satz, der für einen Anfang eines solchen Textes nur allzu stereotyp ist. Wahrscheinlich wäre es aussergewöhnlicher, ihn auf 6:52 Uhr zu stellen, oder noch besser: 3:24 Uhr oder - ganz kreativ - 24:98 Uhr… Wie auch immer, ich gehöre nun mal zu Otto-Normalverbraucher und time ihn auf 7:00 Uhr. Es sei denn, ich muss pünktlich sein, dass überwinde ich mich ausnahmsweise, ihn auf 6:50 Uhr zu stellen, obwohl meiner Meinung nach jegliche Weckzeiten von 0 bis und mit 6 als Stundenzahl einfach schlicht inhuman sind. Ausser man arbeitet in einem Schichtbetrieb, was natürlich spannend wäre, da nicht ganz der Norm entsprechend und daher auch nicht meinen Alltag darstellt. Nein, ich gehöre zum grossen Pool der 0815-Arbeiter. Und meine Tätigkeit beinhaltet auch genau das, was man sich halt unter so einem Job vorstellt. Daneben habe ich natürlich Hobbies, wie jeder normale Mensch. Aber nein, ich betreibe keine Extremsportart, stehe nicht auf spezielle Sexualpraktika und bin in keinem Gebiet der totale Crack. Also kurz gesagt, wenn man mich und meinen Alltag betrachtet, passe ich zur Gruppe Stereotyp „Durchschnitt“.

Sobald ich diese Behauptung aber über mich aufstelle, frage ich mich, ob man das wirklich so sagen kann. Was bedeutet denn denn „Durchschnitt“ überhaupt? Gibt es, menschlich betrachtet, tatsächlich einen Durchschnitt? Vielmehr ist das, was man als solchen betrachtet doch davon abhängig, wo man sich befindet, wie sein Umfeld ist und welche Prioritäten man setzt. So leuchtet ein, dass beispielsweise der durchschnittliche Afrikaner demselbigen Chinesen nicht allzu ähnlich ist. Oder werden wir deduktiver: Dann ist doch auch ein Berner Stereotyp „Hans Meier“ nicht dem Zürcher „Max Muster“ gleichzusetzen. Das Gedankenspinnen sei eröffnet.

 Je mehr ich darüber sinniere, desto klarer wird für mich, dass ein Stereotyp bloss ein Konstrukt ist, welchem kein Mensch jemals 100% entsprechen kann. Erleichternd und frustrierend zugleich: So froh ich bin zu erkennen, niemals einfach nur einem Lieschen Müller zu entsprechen, so unglücklich bin ich darüber, einsehen zu müssen, dass ich nie ganz und gar Stereotyp „Traumfrau“ sein kann. Wieder einmal mehr wird mir die Sinnlosigkeit meines Strebens danach bewusst. Aber solange diese Erkenntnis nicht bis tief in mich hinein Wurzeln gefasst hat, strebe ich verzweifelt nach diesem Gedankenkonstrukt. Ein endloser und kräftezehrender Weg, der gesäumt ist von Selbstunzufriedenheit und -enttäuschung. Ein unrealistisches Ziel zu verfolgen ist hoffnungslos und absurd. Doch solange man nicht mit dem Herzen begriffen hat und wirklich glaubt, dass es illusorisch ist, strebt man weiter danach, auch wenn die Ratio einem sagt, dass es frei jeglichen Zwecks ist.

Ach, wünschte ich doch, der altbekannte Samen, der mit diesem Thema erneut gesät wurde, keime  endlich und schlage tiefe Wurzeln in mein Innerstes. Das fruchtlose Bemühen nähme ein Ende.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen