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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 5. November 2015

mein tägliches Brot gib mir heute

Ich soll euch also von meinem Alltag erzählen...Ja, Reisen, damit verdiene ich mein tägliches Brot. Da die Schweizer eines der reiselustigsten und gleichzeitig eines der sicherheitsliebendsten Völker auf der ganzen Welt ist, bricht der Ansturm auf das Tropeninstitut nicht ab. Obwohl wir wohl nur einen Bruchteil der Travellers sehen, ist das Wartezimmer vor dem Beratungsraum kaum je leer. Als ich als Assistenzärztin in der reisemedizinischen Beratung anfing, ging ich davon aus, dass ich den andern neun Beratern bloss die Kunden wegnehme (ausgenommen vielleicht in der Hochsaison), doch bald durfte ich merken: es gibt keine Hochsaison fürs Reisen mehr, jeder reist und das zu jeder Zeit. Nicht selten arbeiten wir zu zehnt und machen dennoch 2 Stunden Überzeit. Der Arme, der Schlussdienst hat sogar länger, weil er noch auf der Impfstation helfen muss, bis der letzte Kunde gegangen ist. Wie auch immer, wider meiner Erwartungen ging uns die Arbeit nicht aus und wir konnten sogar noch drei weitere Berater im letzten Monat einstellen.
Schon früh wurden meine Schwester und ich von meinen Eltern in die allherbstlichen Fernreisen eingeladen. Auf den ersten Reisen war stets ein Koffer für Windeln reserviert. Wir waren dem Schnuller noch nicht entwachsen und hatten bereits die Dominikanische Republik, die Kanaren, Asien und anderes gesehen. Diese Reiselust ist wahrscheinlich von meinem Grossvater mütterlicherseits vererbt worden, der mit etwa 20 Jahren und null Geld auf einem Frachtschiff ab nach Kanada gereist ist. Bei meiner Mutter äussert sich das Fernweh eher im Rahmen von zwei- bis dreiwöchigen Hotelferien in der Wärme und Sonne, während der von ihr (und mir) so ungeliebten Herbst-/Wintertage hier in der Schweiz.
Flughäfen gehörten also seit jeher zu Orten, wo ich mich äusserst wohl fühlte und fühle. Ich finde, es herrscht dort immer eine Aufbruchstimmung im positiven Sinne: Die Mehrheit ist gespannt, voller Vorfreude oder gesättigt von verlebten schönen Erinnerungen. Es ist für mich der Notausgang aus dem Alltag, eine Eingangspforte zu einem andern, spannenden Leben. Ich könnte mich im Schwärmen verlieren und gelegentlich fahre ich, wenn ich ein wenig dem Alltagstrott entfliehen möchte, zum Zürcher Flughafen. Dort rätsle ich dann vor mich her, wo die Leute wohl so hinreisen und wie sie ihren Urlaub dort verbringen...ich reise wohl im Herzen ein bisschen mit. Meist kehre ich dann mit eine beschwingten Gefühl nach hause. Nun, da mir diese Stelle in den Schoss gefallen ist, kann ich tagtäglich ein wenig fortfliegen...ich komme überall hin, mache jegliche Form von Urlauben von Hotel bis Zelter in Gedanken mit und darf hin und wieder an Erlebnissen von vergangenen Reisen teilhaben. Von aussen betrachtet, erscheint mein Job zwar langweilig und eintönig, aber mein Reiseherz blüht und das erste Mal seit langem quält mich im Winter hier nicht mehr das Fernweh. Das liegt allerdings nicht zuletzt auch daran, dass ich endlich auch ein zuhause gefunden habe, in dem ich Kraft tanken kann, ich bin nicht mehr auf der verzweifelten Suche nach Heimat, sondern vielmehr auf Entdeckungsreise ohne Drang nach dem Fort. Weg, ja; nie mehr zurück, nein. Das verdanke ich nicht zuletzt ganz besonderen und wundervollen Freunden (an dieser Stelle ein grosses Danke aus tiefstem Herzen) und einigen glücklichen Zufällen in letzter Zeit. Der Himmel scheint mir, nachdem ich ihm so oft entgegengeflogen bin, auch hin und wieder zu mir zu kommen...

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