Schon früh wurden meine Schwester und ich von meinen Eltern in die allherbstlichen Fernreisen eingeladen. Auf den ersten Reisen war stets ein Koffer für Windeln reserviert. Wir waren dem Schnuller noch nicht entwachsen und hatten bereits die Dominikanische Republik, die Kanaren, Asien und anderes gesehen. Diese Reiselust ist wahrscheinlich von meinem Grossvater mütterlicherseits vererbt worden, der mit etwa 20 Jahren und null Geld auf einem Frachtschiff ab nach Kanada gereist ist. Bei meiner Mutter äussert sich das Fernweh eher im Rahmen von zwei- bis dreiwöchigen Hotelferien in der Wärme und Sonne, während der von ihr (und mir) so ungeliebten Herbst-/Wintertage hier in der Schweiz.
Flughäfen gehörten also seit jeher zu Orten, wo ich mich äusserst wohl fühlte und fühle. Ich finde, es herrscht dort immer eine Aufbruchstimmung im positiven Sinne: Die Mehrheit ist gespannt, voller Vorfreude oder gesättigt von verlebten schönen Erinnerungen. Es ist für mich der Notausgang aus dem Alltag, eine Eingangspforte zu einem andern, spannenden Leben. Ich könnte mich im Schwärmen verlieren und gelegentlich fahre ich, wenn ich ein wenig dem Alltagstrott entfliehen möchte, zum Zürcher Flughafen. Dort rätsle ich dann vor mich her, wo die Leute wohl so hinreisen und wie sie ihren Urlaub dort verbringen...ich reise wohl im Herzen ein bisschen mit. Meist kehre ich dann mit eine beschwingten Gefühl nach hause. Nun, da mir diese Stelle in den Schoss gefallen ist, kann ich tagtäglich ein wenig fortfliegen...ich komme überall hin, mache jegliche Form von Urlauben von Hotel bis Zelter in Gedanken mit und darf hin und wieder an Erlebnissen von vergangenen Reisen teilhaben. Von aussen betrachtet, erscheint mein Job zwar langweilig und eintönig, aber mein Reiseherz blüht und das erste Mal seit langem quält mich im Winter hier nicht mehr das Fernweh. Das liegt allerdings nicht zuletzt auch daran, dass ich endlich auch ein zuhause gefunden habe, in dem ich Kraft tanken kann, ich bin nicht mehr auf der verzweifelten Suche nach Heimat, sondern vielmehr auf Entdeckungsreise ohne Drang nach dem Fort. Weg, ja; nie mehr zurück, nein. Das verdanke ich nicht zuletzt ganz besonderen und wundervollen Freunden (an dieser Stelle ein grosses Danke aus tiefstem Herzen) und einigen glücklichen Zufällen in letzter Zeit. Der Himmel scheint mir, nachdem ich ihm so oft entgegengeflogen bin, auch hin und wieder zu mir zu kommen...
Schön, sowas über seine Freunde zu schreiben... ;-)
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