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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 11

Roland hatte sich in sein Büro zurückgezogen, als sie von Bühlers Vernehmung wieder auf dem Posten waren. Er hatte die Einkaufszettel von Frau Gerber in der Hand vor Stefans Nase herumgefuchtelt mit den Worten: „Ich überprüf’ die Mal, kümmer’ du dich um ihren Mann und Bühler überlassen wir Laura.“ Er hatte sich umgedreht, um Stefan keine Gelegenheit zu geben, etwas zu erwidern. So war die Zusammenarbeit für Roland am erträglichsten: Möglichst kurze zwischenmenschliche Interaktionen mit Stefan und klare Arbeitsaufteilung, über die er, Roland, bestimmen konnte. Es war ihm zwar bewusst, dass Fairness anders ging, aber Stefan war neu und hatte sich seiner Meinung nach ihm anzupassen.
Roland sass nun also eine gute Stunde in seinem Büro, genoss die Ruhe und hatte produktiv arbeiten können: Er hatte die Kassenbelege nach Zeiten geordnet und war nun froh, dass er sich so beharrlich da durch gekämpft hatte, denn seine Arbeit wurde belohnt. Er griff zum Telefonhörer und rief umgehend bei den Gerbers an.
„Gerber.“, meldete sich die bereits bekannte Stimme Hannas.
„Kunz hier, von der Polizei. Ich habe mir ihre Einkaufsbelege durchgeschaut und dabei eine Lücke entdeckt, die ich mir gerne von Ihnen erklären lassen würde.“
„Hmm. Kann das nicht Zufall sein?“, die Stimme von Frau Gerber klang unsicher.
Roland hatte genug Erfahrung in seinem Beruf und ein gutes Gespür dafür entwickelt, wann jemand eine Ausrede erfindet und wann jemand die Wahrheit sprach. Also wechselte er die Strategie: „Sind Sie sich da sicher? Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Kassenbons gar nicht von Ihnen persönlich entgegengenommen worden sind. Doch wenn ich Ihnen glauben soll, dass Sie tatsächlich in jenen Geschäften gewesen sind und eingekaft haben, dann gibt es eine einstündige Lücke ab ca. 11 Uhr. Also entweder Sie erklären mir die Lücke, oder ich werte Ihre Verkaufsbelege als nichtig und hoffe für Sie, dass Sie andere Beweise vorbringen können, dass Sie gestern in der Stadt waren.“
Natürlich war Roland klar, dass er sich mit solchen Äusserungen in einer rechtlichen Grauzone befand, doch die meisten der Befragten nahmen die unterschwellige Drohung ernst.
So knickte auch Frau Gerber ein: „Ich möchte es Ihnen nicht am Telefon erklären.“, flüsterte sie in den Hörer und lauter schlussfolgerte sie: „Ich muss also zu Ihnen auf den Posten kommen?“
„Das wäre mir recht. Haben Sie heute noch Zeit?“
„Ich werd’s mir einrichten müssen.“

Noch beflügelt vom Gefühl , die erste Spur gefunden zu haben, machte sich Roland auf zu Stefans Büro. Er klopfte an und steckte den Kopf in die halboffene Tür: „Ich hab’ da was. Frau Gerber kommt jetzt gleich vorbei und wird uns eine Zeitlücke erklären, die ich am Tatmorgen in ihren Kassenbelegen gefunden habe.“
„Spannend.“, kommentierte Stefan, „Ich hatte da leider weniger Erfolg. Herr Gerber scheint tatsächlich um 7.30 Uhr am Institut ein- und kurz vor vier nachmittags ausgestempelt zu haben. Ich geh’ jetzt noch kurz zu Laura rüber und checke, ob sie was bei Bühler hat.“
„Ich komm’ mit.“

„Seine Agenda scheint sauber. Ich habe bei den meisten Kunden sogar ausfindig machen können, dass sie bei der Bank tatsächlich mit Herrn Bühler persönlich reden konnten. Er scheint also wirklich den ganzen Morgen in der Bank gewesen zu sein. Ich hatte allerdings auch noch mit Frau Kaufmann vom Empfang gesprochen, welche zudem erwähnte, dass Herr Rieder gestern noch am Morgen wider des Verbots erneut Frau Brun empfangen hatte, während Herr Bühler im Beratungsgespräch war.“
„Sehr gut, tolle Arbeit, Laura!“, lobte Stefan sie herzlich. Laura lächelte ihn strahlend an. Zu Roland gewandt meinte Stefan: „Wir müssen uns wohl um diese Frau Brun kümmern, vielleicht ist sie ja der Grund für das Viagra!“
„Ich kann mich gerne genauer über sie informieren bei Frau Kaufmann.“, bot Laura engagiert an.
„Das wär toll! Du bist spitze!“, schmeichelte Stefan.
Allmählich gingen Roland diese Nettigkeiten, welche Stefan und Laura untereinander austauschten auf die Nerven. Dieser Stefan schien alle auf dem Posten um den Finger zu wickeln und je mehr sie ihn hier mochten, umso geringer Rolands Chancen, ihn bald wieder los zu werden.
Nun grimmiger sagte er zu Stefan: „Apropos Viagra, wir müssen uns da auch nochmals mit Frau Rieder unterhalten. Am besten konfrontieren wir sie hier damit.“
„Ja, stimmt, ich rufe sie gleich an.“, ereiferte sich Stefan.
Roland nickte nur, aber Laura setzte dem ganzen Schauspiel hier die Krone auf, indem sie jubilierte: „Na, das nenn’ ich Teamarbeit! So macht’s echt Spass, Geld zu verdienen!“



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