Am nächsten Morgen
trafen Roland und Stefan etwas früher bei der Bank ein, als mit Frau Gerber
abgemacht. Sie wollten sich versichern, dass Herr Bühler auch tatsächlich
ausser Haus war. Frau Kaufmann hatte es so arrangiert, dass Herr Bühler einen
Termin bei einem Privatkunden zu Hause wahrzunehmen hatte. In dieser Zeit wollten
die Beamten zusammen mit Frau Gerber zu ihrem Schliessfach.
Frau Kaufmann
bestätigte, dass Herr Bühler vor einer knappen halben Stunde gegangen war und
bestimmt frühestens in einer Stunde zurück wäre.
„Dann warten wir nur
noch auf Frau Gerber.“, sagte Roland in die Runde.
In diesem Moment
klingelte sein Natel.
„Kunz.“, meldete er
sich.
„Hier ist Frau
Gerber.“, sagte eine aufgeregte Stimme am andern Ende der Leitung.
„Frau Gerber, wo
bleiben Sie denn?“, fragte Roland.
„Ich kann nicht
kommen. Ich wurde bedroht!“, rief Frau Gerber verzweifelt ins Telefon.
„Von wem? Wie?“
„Keine Ahnung, ich
erkannte die Stimme nicht. Doch jemand scheint zu wissen, dass ich alles
zugegeben habe. Jedenfalls sagte mir die Person: ‚Wenn Sie sich weiterhin um
Dinge kümmern, die nicht Ihren Angelegenheiten entsprechen, droht Ihnen das gleiche
Schicksal wie Ihrem lieben Freund, Herr Rieder!’. Sie werden also verstehen,
dass ich jetzt sicher nicht zur Bank kommen kann! Wer weiss, vielleicht wird
sogar dieses Telefonat abgehört.“, sagte Frau Gerber ängstlich.
„Bleiben Sie vorerst
zuhause, mein Kollege wird gleich bei Ihnen sein. Gibt es einen Zweitschlüssel
für das Schliessfach?“, fragte Roland.
„Ja, der ist bei der
Bank hinterlegt.“
„Gut. Dann werde ich
mich um das Schliessfach kümmern und Herr Fink wird unverzüglich zu Ihnen
kommen.“
Auf der andern Seite
der Leitung herrschte einen Moment Stille, bis Frau Gerber zögernd sagte:
„Einverstanden. Aber Sie sollten noch etwas wissen...“, wieder Stille, „...das
Schliessfach ist auf den Namen ‚Brun’ gebucht.“
„Sie werden das
meinem Kollegen nachher erklären. Auf Wiedersehen!“, verabschiedete sich Roland
knapp.
„Was war das denn?“,
fragte Stefan verwundert.
„Das war Frau Gerber
alias Frau Brun. Stefan, ich hab’ eine Aufgabe für dich.“, Roland versicherte
sich, dass Frau Kaufmann wieder zurück hinter dem Empfangsschalter war und
senkte die Stimme: „Frau Gerber wurde bedroht und sie hat eben zugegeben, dass
Sie hier als Frau Brun auftrat. Ich möchte, dass du dich um sie nun kümmerst,
währenddessen werde ich das hier regeln.“
Stefan nickte:
„Treffen wir uns dann wieder auf dem Posten?“
„Genau.“
„Dann nehme ich das
Auto.“, erklärte Stefan.
Roland schnaubte, er
mochte es nicht, wenn über ihn hinaus Entscheidungen getroffen wurden, erst
recht nicht, wenn es Stefan war, der die Führung übernahm. Doch im Moment war
er zu gespannt darauf, was sich im Schliessfach verbarg und was mit Frau Gerber
passierte, daher liess er sich auf keinen Hahnenkampf ein und willigte ein.
„Bis später also.“,
verabschiedete sich Stefan, Roland nickte ihm wortlos zu.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen