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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Sonntag, 14. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 14

Am nächsten Morgen trafen Roland und Stefan etwas früher bei der Bank ein, als mit Frau Gerber abgemacht. Sie wollten sich versichern, dass Herr Bühler auch tatsächlich ausser Haus war. Frau Kaufmann hatte es so arrangiert, dass Herr Bühler einen Termin bei einem Privatkunden zu Hause wahrzunehmen hatte. In dieser Zeit wollten die Beamten zusammen mit Frau Gerber zu ihrem Schliessfach.
Frau Kaufmann bestätigte, dass Herr Bühler vor einer knappen halben Stunde gegangen war und bestimmt frühestens in einer Stunde zurück wäre.
„Dann warten wir nur noch auf Frau Gerber.“, sagte Roland in die Runde.
In diesem Moment klingelte sein Natel.
„Kunz.“, meldete er sich.
„Hier ist Frau Gerber.“, sagte eine aufgeregte Stimme am andern Ende der Leitung.
„Frau Gerber, wo bleiben Sie denn?“, fragte Roland.
„Ich kann nicht kommen. Ich wurde bedroht!“, rief Frau Gerber verzweifelt ins Telefon.
„Von wem? Wie?“
„Keine Ahnung, ich erkannte die Stimme nicht. Doch jemand scheint zu wissen, dass ich alles zugegeben habe. Jedenfalls sagte mir die Person: ‚Wenn Sie sich weiterhin um Dinge kümmern, die nicht Ihren Angelegenheiten entsprechen, droht Ihnen das gleiche Schicksal wie Ihrem lieben Freund, Herr Rieder!’. Sie werden also verstehen, dass ich jetzt sicher nicht zur Bank kommen kann! Wer weiss, vielleicht wird sogar dieses Telefonat abgehört.“, sagte Frau Gerber ängstlich.
„Bleiben Sie vorerst zuhause, mein Kollege wird gleich bei Ihnen sein. Gibt es einen Zweitschlüssel für das Schliessfach?“, fragte Roland.
„Ja, der ist bei der Bank hinterlegt.“
„Gut. Dann werde ich mich um das Schliessfach kümmern und Herr Fink wird unverzüglich zu Ihnen kommen.“
Auf der andern Seite der Leitung herrschte einen Moment Stille, bis Frau Gerber zögernd sagte: „Einverstanden. Aber Sie sollten noch etwas wissen...“, wieder Stille, „...das Schliessfach ist auf den Namen ‚Brun’ gebucht.“
„Sie werden das meinem Kollegen nachher erklären. Auf Wiedersehen!“, verabschiedete sich Roland knapp.
„Was war das denn?“, fragte Stefan verwundert.
„Das war Frau Gerber alias Frau Brun. Stefan, ich hab’ eine Aufgabe für dich.“, Roland versicherte sich, dass Frau Kaufmann wieder zurück hinter dem Empfangsschalter war und senkte die Stimme: „Frau Gerber wurde bedroht und sie hat eben zugegeben, dass Sie hier als Frau Brun auftrat. Ich möchte, dass du dich um sie nun kümmerst, währenddessen werde ich das hier regeln.“
Stefan nickte: „Treffen wir uns dann wieder auf dem Posten?“
„Genau.“
„Dann nehme ich das Auto.“, erklärte Stefan.
Roland schnaubte, er mochte es nicht, wenn über ihn hinaus Entscheidungen getroffen wurden, erst recht nicht, wenn es Stefan war, der die Führung übernahm. Doch im Moment war er zu gespannt darauf, was sich im Schliessfach verbarg und was mit Frau Gerber passierte, daher liess er sich auf keinen Hahnenkampf ein und willigte ein.
„Bis später also.“, verabschiedete sich Stefan, Roland nickte ihm wortlos zu.



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