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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Samstag, 13. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 12

Wenig später sass Frau Gerber im Vernehmungszimmer und schaute unsicher den beiden Kommissaren entgegen, die nun eintraten.
„So Frau Gerber, dann erklären Sie uns doch mal genau, wie ihr Vormittag gestern verlaufen war. Wir interessieren uns dabei speziell für die Zeit ab elf Uhr.“, fing Roland ohne Umschweife an.
Frau Gerber seufzte: „Ich wollte das nicht alles vor meinem Mann erklären, denn ich glaube, Franz hatte nie mit ihm darüber gesprochen und ich hielt es zu seinem  Schutz ebenfalls geheim.“
„Ja dann können sie jetzt frei von der Seele sprechen.“, scherzte Roland trocken.
„Ich war gestern in der Bank bei Franz.“ Frau Gerber verstummte.
„Ach, lassen Sie sich nicht alles aus der Nase ziehen. Erklären Sie uns, was Sie dort gemacht haben.“, forderte sie Roland ungeduldig auf.
„Nun ja, ich habe Ihnen ja bereits gesagt, dass sich das Verhältnis zwischen Franz und Herr Bühler deutlich abgekühlt hatte.“, sie blickte in die Runde und fuhr fort: „Dies lag daran, dass Franz auf Lohnabrechnungen gestossen war, die den Verdacht nahelegten, dass Herr Bühler sich immer wieder mal etwas Kundengeld in die eigene Tasche schaffte. Er hatte noch keine handfesten Beweise, doch genug, um eine Vertrauensperson beizuziehen. Da ich Ökonomie studiert habe und eine gute Freundin von Franz war, bot sich natürlich an, mich zu fragen.“, sie lächelte stolz, doch sie senkte sofort wieder traurig den Blick, „Seit ein paar Wochen versuchte er mir immer wieder unauffällig Lohnabrechnungen und Kundendaten zu präsentieren, die belegen sollten, dass Herr Bühler tatsächlich Kundengelder veruntreute. Wir waren seit einer guten Woche auf einer heissen Spur. Meinen Sie, dies ist Franz zum Verhängnis geworden?“ Sie schaute unsicher in die Runde, ihre Augen weiteten sich, als ob sie zu einer neuen Erkenntnis gekommen wäre: „Meinen Sie, ich befinde mich auch in Gefahr?“
„Um das zu beantworten, wäre es hilfreich, wenn wir erstens mehr zur heissen Spur erfahren und zweitens Herrn Bühler dann damit konfrontieren könnten.“, erklärte Stefan beruhigend.
„Warum haben Sie ihm eigentlich nicht Ihren Verdacht unterbreitet?“, erkundigte sich Roland.
„Franz ging da lieber auf Nummer sicher.“, sagte Frau Gerber schlicht.
„Und warum haben Sie nicht mehr darauf insistiert?“
„Es war Franz’ Angelegenheit und es stand in erster Linie seine Karriere auf dem Spiel. Ich war ihm nur etwas behilflich, wollte mich aber eigentlich nicht gross einmischen. Aus solchen Dingen hält man sich besser raus.“
„Warum haben Sie ihren Mann nicht mit involviert? Er war schliesslich der beste Freund von Herrn Rieder.“, fragte Stefan berechtigterweise.
„Franz wollte das Ding alleine durchziehen, er wollte möglichst wenige da mitreinziehen. Er war so ein ehrenwerter Mann.“, ihr standen die Tränen in den Augen.
„Können Sie uns mehr Information zu der „heissen Spur“ geben?“
„Ich kann Ihnen einfach erzählen, was ich weiss. Sämtliche Papiere befinden sich bei Franz auf der Bank, in einem separaten Schliessfach.“
„Dann bitte, schildern Sie uns, was Sie wissen.“
Es folgte ein kurzer Ausflug in die Betriebsökonomie und Frau Gerber schien tatsächlich viel darüber zu wissen. Sie erklärte plausibel, dass es in den Lohn- und Kontoabrechnungen sowie im Wertpapierhandel der Bank mit Privatkunden immer wieder zu kleinen Unstimmigkeiten gekommen sei. Es handelte sich um kleine bis mittlere Beträge, die den jeweiligen Kunden wahrscheinlich nicht auffielen und wenn doch, wurde das Geld sofort und grosszügig zurückerstattet und der „Fehler“ entschuldigt. Als sie mit ihren Ausführungen fast fertig war, sagte Frau Gerber: „Wenn das so alles stimmt, muss Herr Bühler sich in den letzten fünf bis zehn Jahren ein echt nettes Vermögen zusammengestohlen haben, ohne dass es jemandem auffiel. Bis eben auf Franz. Aber wie gesagt, sämtliche Papiere, die dies untermauern könnten, liegen in einem Privatschliessfach in der Bank.“
„Könnten Sie es öffnen?“
„Natürlich, Franz sicherte sich immer doppelt ab und vertraute mir.“, meinte Frau Gerber.
„Dann würden wir Sie doch sehr darum bitten, dies mit uns zu tun und uns die Papiere für weitere Abklärungen zu überlassen.“, empfahl ihr Stefan.
Frau Gerber nickte und blickte zu Roland: „Kann es gefährlich für mich sein?“
Roland zuckte mit den Schultern: „Wir werden der Spur zügig nachgehen und angemessene Sicherheitsvorkehrungen für Sie treffen, falls wir der Ansicht sein sollten, dass es gefährlich für Sie wird.“
Damit gab sich Frau Gerber nicht zufrieden: „Ich möchte nicht sterben, also strengen Sie sich bitte an und verhaften Sie Herrn Bühler, wenn es nötig ist!“
„Frau Gerber, wir kennen diesen Beruf und sind durchaus in der Lage, Gefahrensituationen richtig zu beurteilen. Vorerst besteht für Sie keinen Grund, sich zu fürchten. Wir haben noch keine Hinweise darauf, dass Herr Bühler etwas mit dem Mord von Herrn Rieder zu tun hat. Wir werden jedoch Ihre Hilfe benötigen, das Schliessfach zu öffnen.“
„Das werde ich tun, aber nur, wenn Herr Bühler nicht erfährt, dass ich da war!“, forderte Hanna Gerber.
„Das lässt sich arrangieren.“, versicherte ihr Stefan.
„Wir werden uns morgen Vormittag vor der Bank treffen, um das Schliessfach zu öffnen.“, bestimmte Roland, „Bis dahin sollten Sie weiterhin zu niemandem über diese Veruntreuungen sprechen.“
„Das hatte ich sowieso vor.“, bestätigte Frau Gerber.
Roland stand auf, Stefan tat es ihm gleich  so auch Frau Gerber. Sie streckte Ihnen die Hand entgegen: „Ich hoffe, ich konnte helfen, den Mord so schnell wie möglich aufzuklären. Franz war so ein toller Mann, das hat er einfach nicht verdient.“
Mit glasigen Augen wurde Frau Gerber wieder entlassen.

Auf dem Gang kam ihr Frau Meili entgegen und schaute sie verwundert an, grüsste sie und kam mit erhobenem Daumen auf Stefan und Roland zu: „Wow, ihr habt bereits Frau Brun gefunden?“
„Frau Brun? Das war Frau Gerber!“, meinte Roland erstaunt über das verfrühte Lob.
„Ich hab mit Frau Kaufmann gesprochen und sie hatte mir Frau Brun beschrieben. Ich habe mir sie genauso vorgestellt, wie die Frau, die mir gerade entgegen kam: Braune Locken, gross, schlank, sportlich, wahrscheinlich um die 30, tadellos angezogen und ein Muttermal über dem rechten Mundwinkel.“
Stefan und Roland schauten sich fragend an und wandten sich wieder zu Laura.
Stefan fragte neugierig: „Hast du noch mehr über sie in Erfahrung bringen können?“
„Aber sicher!“, grinste Laura siegessicher, „Frau Kaufmann erzählte mir, dass Frau Brun wohl trotz des Verbots mindestens zwei Mal wöchentlich vorbeikam und für eine gute Stunde ein „Beratungsgespräch“ mit Herrn Rieder hatte. Herr Rieder habe diese Termine als „Beratungsgespräch mit Herrn Müller“ in der Agenda getarnt und dafür gesorgt, dass nur Frau Kaufmann jeweils am Empfang war, welche eben zugegeben hat, dass für sie dabei ein schöner Zustupf ins eigene Portemonnaie raussprang. Frau Kaufmann wurde jeweils von Herrn Rieder aufgefordert, niemandem etwas zu verraten und die beiden während dem Termin keinesfalls zu stören. Frau Kaufmann habe diese Treffen nicht weiter hinterfragt, doch auffällig sei gewesen, dass Frau Brun jeweils vor und nach den Gesprächen zu ihrem Schliessfach geleitet werden wollte, was anscheinend eher ungewöhnlich für Privatkunden ist.“
„Wann war Frau Brun gestern da?“, fragte Stefan, der offenbar den gleichen Verdacht hatte wie Roland.
„Gestern sei Frau Brun pünktlich um 11.00 Uhr in der Bank eingetroffen.“, beantwortete Laura die Frage.
„Lotto!“, rief Stefan erfreut aus.

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