Als Roland am
Schalter Frau Kaufmann darüber informierte, dass Frau Brun verhindert sei,
reagierte diese, wie es Roland vermutet hatte.
„Es ist mir leider
unmöglich, ein Bankschliessfach ohne Beisein des Inhabers zu öffnen. Das
Vertrauen unserer Kunden liegt uns wirklich sehr am Herzen.“
Roland hatte sich
bereits auf eine erste Hürde eingestellt und liess sich nicht beeindrucken: „Es
geht hier um ein Gewaltverbrechen, Frau Kaufmann. Sie werden verstehen müssen,
dass die Aufklärung ebendessen oberste Priorität hat. Natürlich kann ich einen
Durchsuchungsbefehl in Auftrag stellen, doch dies bedeutet Bürokratie und
unnötigen Zeitverlust. Ich weise mich gerne erneut als Kriminalbeamten aus und
wenn Sie sich absichern möchten, dürfen Sie gerne Frau Brun anrufen und ihre
Rückversicherung, dass die Öffnung des Schliessfachs in Ordnung ist.“
Frau Kaufmann
überlegte kurz und bestand danach darauf, Frau Brun tatsächlich erneut
anzurufen.
Nach dem kurzen
Telefonat, bei dem sich Frau Kaufmann bei Frau Gerber rückversicherte, stand
Frau Kaufmann auf und führte Roland zu den Schliessfächern, wo sie die Nummer
105 öffnete. Sie trat zurück und liess Roland herantreten. Dieser packte sich
das gesamte Bündel Papier, das darin lag.
„Vielen Dank, ich
werde den Stapel zu Untersuchungszwecken mit auf den Posten nehmen.“
Frau Kaufmann
presste die Lippen zusammen, dann sagte sie: „Ich werde jedoch Herr Bühler
darüber in Kenntnis setzen müssen.“
„Das verstehe ich
und ist Ihr gutes Recht.“
Zurück auf dem
Posten ging Roland schnurstracks zu Laura und überreichte ihr den Stapel Akten:
„Bitte überprüf das doch. Es soll um Veruntreuung von Kundendaten gehen.“
Frau Meili schaute
auf die kleine Beige Akten und meinte: „Na hier geht’s bestimmt nicht darum!“
Sie deutete auf eine kleine Mappe mit der Aufschrift eines Reiseveranstalters.
Roland war das vorher gar nicht aufgefallen, doch nun griff er sich die Mappe
und sagte: „Um die kümmere ich mich, schau du dir doch bitte die Kontoauszüge
an und die Geldbewegungen. Und überprüfe, was dir komisch erscheint. Du hast da
echt auch Talent für!“, lobte er sie motivierend.
Roland mochte Laura
und ihre exakte Arbeitsweise. Er konnte ihr gut solche Dinge anvertrauen,
ausserdem erledigte sie solche Abklärungen doppelt so schnell wie er, da sie
sich mit den Online-Suchprogrammen um ein Vielfaches besser auskannte als er.
Sie lächelte ihn
bescheiden an: „Vielen Dank! Ich weiss es echt zu schätzen, wenn meine Arbeit
der Aufklärung des Falles dient. Ich kümmere mich gerne darum!“
„Danke!“
Roland zog sich in
sein Büro zurück und musterte die Mappe des Reisebüros. Intuitiv griff er zum
Hörer und wählte Stefans Nummer.
„Hey, Roland! Bin
noch bei Frau Gerber!“, meldete sich Stefan.
„Das ist super. Hör
mal, ich hab da in dem Bankfach neben vielen Kontoauszügen eine Mappe mit zwei
Flugtickets nach Australien, einfach, gefunden. Frag doch bitte Frau Gerber, ob
sie etwas davon weiss!“
„Mach ich. Sonst
noch was?“
„Nein, bis später.“
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