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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Freitag, 5. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 5

Zwei Minuten später fanden sie keinen Parkplatz vor der angegeben Adresse der Rieders. Stefan konnte es nicht lassen, Roland noch mehr zu provozieren, indem er sagte: „Wären wir doch besser gelaufen.“, er lachte, „Entweder wir fahren zurück zum Parkplatz vor dem Studio oder wir suchen noch eine halbe Stunde einen Parkplatz, der schlussendlich bestimmt weiter weg ist, als der vor der Sauna.“
Roland knirschte mit den Zähnen. Stefan schien die geladene Stimmung nicht wirklich einordnen zu können, erst gar nicht bezog er sie auf sich. Er versuchte Roland zu besänftigen, indem er sagte: „Ach Roland, nimm’s locker, hätt’ ja echt einen Parkplatz haben können. Jetzt haben wir halt Pech gehabt.“
Roland wusste nichts darauf zu antworten und schnaubte nur.
Nachdem sie noch zwei Mal um den Block gekurvt waren, bestand Stefan aus Zeitgründen darauf, den Wagen wieder vor dem Saunastudio abzustellen. Dort stand nun bereits der schwarze Leichenwagen und Dr. Stäger stand vor der Tür.
„Haben Sie etwas vergessen?“, fragte Dr. Stäger verwundert.
„Nein, wir haben bloss keinen Parkplatz vor dem Haus gefunden.“, lachte Stefan über den unglücklichen Zufall.
Gereizt stieg auch Roland aus dem Auto und schlug die Tür heftig zu.
„Ach komm Roland, dann haben wir grad etwas Zeit für Männergespräche, hihi.“, wollte Stefan Roland aufmuntern.
‚Genau das wollte ich ja vermeiden’, du Trottel, dachte Roland, sagte aber freudlos: „Na, toll.“
Offenbar verletzte die Bemerkung Stefan, denn seine gute Stimmung verflog und er verstummte.
„Na dann, guten Marsch.“, wünschte ihnen Dr. Stäger, der die schlechte Schwingungen zwischen den beiden Kommissaren bereits bei deren Ankunft wahrgenommen hatte, wobei diese hauptsächlich von einer Seite ausgingen.

Die frische Luft und die Bewegung halfen Roland, wieder Abstand zu seinem Ärger zu bekommen. Er schluckte: ‚Reiss dich zusammen, Roland, der ist es nicht wert.’
„Dir würde es echt gut tun, wenn du mit uns jeweils mit zum Bowlen kämst.“, bemerkte Stefan neben ihm, „Das würde dich etwas entspannen. Da kannst du echt Dampf ablassen, Mann.“
Roland hatte sich solchen Gruppenevents immer entzogen. Er hielt nichts von Teambuilding und noch weniger reizten ihn diese wöchentlichen Treffen, seitdem Stefan zum Team gehörte. Er hatte sich leider immer zu den Firmenessen überreden lassen, die ihm ohne Ausnahme in schlechter Erinnerung geblieben waren, aber die fanden wenigstens nur vierteljährlich statt. Aber auch noch jede Woche Geselligkeit vorspielen, das brachte Roland nicht über sich. Es waren alle freundlich zu ihm und er zu ihnen, aber mehr brauchte er nicht und er glaubte auch nicht, dass die andern mehr brauchten. Man nannte sie ja nicht grundlos Arbeitskollegen und nicht Arbeits- und Freizeitfreunde.
„Ausserdem lernst du die Typen vom Posten auch mal von einer andern Seite kennen.“, erklärte Stefan.
‚Als ob ich das wollte!’, dachte Roland, sagte jedoch nichts dazu.
„Naja, du musst es ja wissen. Du bist nur der Einzige, der es bislang nie geschafft hat und du wärst herzlich eingeladen.“
„Ich bin noch nie gekommen, die Firmenessen reichen mir.“
„Verstehst du dich denn nicht mit den Leuten?“
„Doch, aber das heisst nicht, dass ich mit ihnen auch meine Freizeit verbringen muss.“
„Es ist ja nur ein Abend jede Woche und wenn du mal nicht kannst oder willst, musst du ja nicht kommen, ist ja keine Verpflichtung.“
„Ich hab Besseres zu tun.“
„Was denn?“, bohrte Stefan bubenhaft.
„Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig. Ich bin nie zum Bowlen gegangen und werde nie gehen.“, wollte Roland das Gespräch beenden.
„Schade. Ich hätte dich echt gerne mal beim Bowlen gesehen. Du würdest doch bestimmt einen Strike nach dem andern werfen.“
Roland überraschte das Kompliment: „Wie kommst du darauf?“
„Naja, du bist bestimmt so ein Typ, der nicht nur im Job voll präzise ist. Ausserdem, stille Wasser...du weißt schon.“
Roland konnte mit der Erklärung nicht viel anfangen, nutzte jedoch das Schweigen Stefans, um die Diskussion endgültig zu beenden und erwiderte nichts mehr.
Die letzten Meter liefen sie – zu Rolands Erstaunen – schweigend nebeneinander.
Am Schild mit der Nummer 34 blieben beide stehen und drehten sich zu einem schmucken Reihenhaus mit gepflegtem Vorgarten. Stefan öffnete das Ziergartentor und liess Roland den Vortritt. Vor der Tür hing ein zur Jahreszeit passender Kranz mit einem kleinen Schild, auf dem „Willkommen“ stand. Roland drückte auf die Türklingel mit der Aufschrift „S.&F. Rieder“.
Nur wenige Sekunden später öffnete eine ebenfalls verheult aussehende Frau die Tür. Sie hatte lange braune Haare und eine tolle Figur, welche sie offenbar durch entsprechende Kleidung hervorzuheben wusste.
„Sabine Rieder?“, versicherte sich Stefan vorsichtig.
Die Frau nickte.
„Guten Abend, Fink ist mein Name und das hier ist mein Kollege Herr Kunz.“, stellte Stefan sich und Roland vor, „Dürfen wir eintreten? Wir sind von der Polizei.“
„Das habe ich mir gedacht, Vera hat mich gerade angerufen.“ Frau Rieder trat bei Seite und liess die beiden Männer eintreten.



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