Zwei Minuten später
fanden sie keinen Parkplatz vor der angegeben Adresse der Rieders. Stefan
konnte es nicht lassen, Roland noch mehr zu provozieren, indem er sagte: „Wären
wir doch besser gelaufen.“, er lachte, „Entweder wir fahren zurück zum
Parkplatz vor dem Studio oder wir suchen noch eine halbe Stunde einen
Parkplatz, der schlussendlich bestimmt weiter weg ist, als der vor der Sauna.“
Roland knirschte mit
den Zähnen. Stefan schien die geladene Stimmung nicht wirklich einordnen zu
können, erst gar nicht bezog er sie auf sich. Er versuchte Roland zu
besänftigen, indem er sagte: „Ach Roland, nimm’s locker, hätt’ ja echt einen
Parkplatz haben können. Jetzt haben wir halt Pech gehabt.“
Roland wusste nichts
darauf zu antworten und schnaubte nur.
Nachdem sie noch
zwei Mal um den Block gekurvt waren, bestand Stefan aus Zeitgründen darauf, den
Wagen wieder vor dem Saunastudio abzustellen. Dort stand nun bereits der
schwarze Leichenwagen und Dr. Stäger stand vor der Tür.
„Haben Sie etwas
vergessen?“, fragte Dr. Stäger verwundert.
„Nein, wir haben
bloss keinen Parkplatz vor dem Haus gefunden.“, lachte Stefan über den
unglücklichen Zufall.
Gereizt stieg auch
Roland aus dem Auto und schlug die Tür heftig zu.
„Ach komm Roland,
dann haben wir grad etwas Zeit für Männergespräche, hihi.“, wollte Stefan
Roland aufmuntern.
‚Genau das wollte
ich ja vermeiden’, du Trottel, dachte Roland, sagte aber freudlos: „Na, toll.“
Offenbar verletzte
die Bemerkung Stefan, denn seine gute Stimmung verflog und er verstummte.
„Na dann, guten
Marsch.“, wünschte ihnen Dr. Stäger, der die schlechte Schwingungen zwischen
den beiden Kommissaren bereits bei deren Ankunft wahrgenommen hatte, wobei
diese hauptsächlich von einer Seite ausgingen.
Die frische Luft und
die Bewegung halfen Roland, wieder Abstand zu seinem Ärger zu bekommen. Er
schluckte: ‚Reiss dich zusammen, Roland, der ist es nicht wert.’
„Dir würde es echt
gut tun, wenn du mit uns jeweils mit zum Bowlen kämst.“, bemerkte Stefan neben
ihm, „Das würde dich etwas entspannen. Da kannst du echt Dampf ablassen, Mann.“
Roland hatte sich
solchen Gruppenevents immer entzogen. Er hielt nichts von Teambuilding und noch
weniger reizten ihn diese wöchentlichen Treffen, seitdem Stefan zum Team
gehörte. Er hatte sich leider immer zu den Firmenessen überreden lassen, die
ihm ohne Ausnahme in schlechter Erinnerung geblieben waren, aber die fanden
wenigstens nur vierteljährlich statt. Aber auch noch jede Woche Geselligkeit
vorspielen, das brachte Roland nicht über sich. Es waren alle freundlich zu ihm
und er zu ihnen, aber mehr brauchte er nicht und er glaubte auch nicht, dass
die andern mehr brauchten. Man nannte sie ja nicht grundlos Arbeitskollegen und nicht Arbeits- und
Freizeitfreunde.
„Ausserdem lernst du
die Typen vom Posten auch mal von einer andern Seite kennen.“, erklärte Stefan.
‚Als ob ich das
wollte!’, dachte Roland, sagte jedoch nichts dazu.
„Naja, du musst es
ja wissen. Du bist nur der Einzige, der es bislang nie geschafft hat und du
wärst herzlich eingeladen.“
„Ich bin noch nie
gekommen, die Firmenessen reichen mir.“
„Verstehst du dich
denn nicht mit den Leuten?“
„Doch, aber das
heisst nicht, dass ich mit ihnen auch meine Freizeit verbringen muss.“
„Es ist ja nur ein
Abend jede Woche und wenn du mal nicht kannst oder willst, musst du ja nicht
kommen, ist ja keine Verpflichtung.“
„Ich hab Besseres zu
tun.“
„Was denn?“, bohrte
Stefan bubenhaft.
„Ich bin dir keine
Rechenschaft schuldig. Ich bin nie zum Bowlen gegangen und werde nie gehen.“,
wollte Roland das Gespräch beenden.
„Schade. Ich hätte
dich echt gerne mal beim Bowlen gesehen. Du würdest doch bestimmt einen Strike
nach dem andern werfen.“
Roland überraschte
das Kompliment: „Wie kommst du darauf?“
„Naja, du bist
bestimmt so ein Typ, der nicht nur im Job voll präzise ist. Ausserdem, stille
Wasser...du weißt schon.“
Roland konnte mit
der Erklärung nicht viel anfangen, nutzte jedoch das Schweigen Stefans, um die
Diskussion endgültig zu beenden und erwiderte nichts mehr.
Die letzten Meter
liefen sie – zu Rolands Erstaunen – schweigend nebeneinander.
Am Schild mit der
Nummer 34 blieben beide stehen und drehten sich zu einem schmucken Reihenhaus
mit gepflegtem Vorgarten. Stefan öffnete das Ziergartentor und liess Roland den
Vortritt. Vor der Tür hing ein zur Jahreszeit passender Kranz mit einem kleinen
Schild, auf dem „Willkommen“ stand. Roland drückte auf die Türklingel mit der
Aufschrift „S.&F. Rieder“.
Nur wenige Sekunden
später öffnete eine ebenfalls verheult aussehende Frau die Tür. Sie hatte lange
braune Haare und eine tolle Figur, welche sie offenbar durch entsprechende
Kleidung hervorzuheben wusste.
„Sabine Rieder?“,
versicherte sich Stefan vorsichtig.
Die Frau nickte.
„Guten Abend, Fink
ist mein Name und das hier ist mein Kollege Herr Kunz.“, stellte Stefan sich
und Roland vor, „Dürfen wir eintreten? Wir sind von der Polizei.“
„Das habe ich mir
gedacht, Vera hat mich gerade angerufen.“ Frau Rieder trat bei Seite und liess
die beiden Männer eintreten.
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