Ungeachtet der Zeit
liess sich Roland von Stefan, der erst sein Bier getrunken hatte, zum Posten
zurück chauffieren. Laura hatte darauf bestanden, mitzufahren, da sie bei der
Lösung „ihres ersten Mordes“ unbedingt dabei sein wollte.
Ohne weitere Worte
eilte Roland freudig in sein Büro und wählte die Nummer von Dr. Stäger.
„Stäger.“, meldete
sich dieser prompt.
„Herr Doktor, hier
ist Kunz.“, begrüsste ihn Roland mit etwas schwerer Zunge.
„Haben Sie mal auf
die Uhr geschaut? Haben Sie getrunken?“, der die Schwerfälligkeit von Rolands
Worten richtig interpretierte.
„Entschuldigung,
aber es geht hier um Mord! Und ich habe gerade genug getrunken, um einen
brillanten Einfall zu haben, Herr Doktor.“
„Aha.“, antwortete
jener unbeeindruckt.
„Und zwar,“, fuhr
Roland unbeirrt fort, „könnte es sein, dass die Tatwaffe ein spitzes Stück Eis
gewesen ist?“
Am andern Ende blieb
es einige Minuten still, dann meinte der Arzt: „Hmm, naja, das wäre ja
tatsächlich brillant. Möglich wäre es...ja, ich denke, möglich wäre es
wirklich! Aber sagen Sie, wie kommen Sie darauf?“
„Dank des Whiskys!“,
lachte Roland.
„Wie bitte?“
„Ich trinke Whisky
immer ohne Eis, weil es schmilzt! Es schmilzt Herr Doktor!“
„Na klar!“, rief
Laura und schlug sich die Hand vor die Stirn, „Das ist es.“
Stefan schaute sie
fragend an und gab etwas peinlich berührt zu: „Ich hab es leider nicht
geschnallt. Erklärt’s mir bitte!“
„Herr Doktor, ich
stell’ Sie auf Lautsprecher.“ Roland drückte auf den entsprechenden Knopf und legte
seinen gespannten Zuhörern seine Idee dar: „Die Tatwaffe muss ein spitzes Stück
Eis gewesen sein, welches der Täter in der Thermosflasche mit in die Sauna
gebracht hatte. Nach der Tat hat er das Eisstück einfach in der weiterhin
heissen Sauna gelassen und so ist es halt geschmolzen, wie das Eis in meinem
Whisky!“, lachte Roland und machte einen kleinen Luftsprung (im Nachhinein
schrieb Roland diesen natürlich seinem bereits etwas erhöhten Alkoholpegel zu).
„Das tönt genauso
verrückt wie genial!“, kommentierte Stefan Rolands Idee und Laura hob
bewundernd die Hand: „Schlag ein, Meisterdetektiv!“
Sie hielt ihm die
Hand über den Pult hin, in die Roland etwas zu heftig einschlug. Dabei flog die
Mappe des Reiseveranstalters, die noch auf seinem Tisch gelegen hatte, mit
einem sanften Rauschen davon und auf den Boden.
Nun lag es an
Stefan, sich die Hand vor die Stirn zu schlagen, nun lag es an Roland und
Laura, ihn entgeistert anzublicken und aus dem Lautsprecher stellte Herr Dr.
Stäger die Frage, die den andern beiden auf der Zunge brannte: „Was ist
passiert?“
„Der
Reiseveranstalter...Ich hab doch gesagt, mir käme das Abzeichen bekannt vor!“,
klärte sie Stefan auf, „Es war bei den Gerbers. Herr Gerber hatte Whisky
darüber verschüttet.“
„Ja, klar!“,
erinnerte sich nun auch Roland.
„Na da kann ich nur
sagen, preiset den Whisky!“, tönte es aus dem Lautsprecher von einem amüsierten
Gerichtsmediziner.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen