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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 17

Herr Bühler öffnete den beiden Polizeibeamten die Tür des alleinstehenden Hauses mit beachtlichem Umschwung und gepflegtem englischen Rasen. Er machte seinem Ärger sofort Luft: „Sie wissen schon, dass mich dies möglicherweise um einen sehr interessanten Neukunden gebracht hat.“
„Was diese CEOs immer denken...Dass das Wichtigste auf der Welt ihre Geschäftemacherei ist?!?“, sagte Roland zu Stefan.
Herr Bühler schoss die Röte ins Gesicht und er hatte offensichtlich grosse Mühe damit, seine Wut im Zaum zu halten.
„Treten Sie ein.“, knirschte er.
Stefan und Roland folgten der unfreiwilligen Einladung und wurden in eine grosszügige Lounge geleitet. Es war ein höchst ansprechender Raum: hell durch die bis zum Boden reichenden Fenstern und denn Marmorboden.
An einem runden, polierten Echtholztisch sass eine schick angezogene Frau mit hochgesteckter Frisur und glitzernden Ohrringen. Sei erhob sich, als die beiden Männer eintraten.
„Guten Tag, meine Herren. Nehmen Sie doch Platz.“, die Frau wies auf die Stühle am Tisch und fuhr fort: „Ich bin übrigens Frau Bühler. Kann ich Ihnen etwas anbieten?“
Herr Bühler warf seiner Gattin einen missbilligenden Blick zu. Erneut lehnten die beiden Beamten dankend ab und setzten sich an den glänzenden Tisch.
„Warum wir erneut mit Ihnen reden möchten hat folgenden Grund: Wir haben sehr eindeutige Hinweise darauf, dass Sie, Herr Bühler, Kundengelder veruntreut haben.“, konfrontierte Roland das Ehepaar.
Ein zweites Mal schoss Herr Bühler die Zornesröte ins Gesicht und er fauchte: „Wie können Sie es wagen!“
Frau Bühler warf ihrem Mann einen ängstlichen Blick zu und legte ihm die Hand auf den Arm: „Nicht doch, Paul. Du weißt doch, was der Arzt gesagt hat. Kein Stress, keine Aufregung.“, und zu den Polizeibeamten meinte sie: „Paul hatte letztes Jahr einen Herzinfarkt. Solche Anschuldigungen regen ihn auf und sind höchst ungesund für ihn!“, erklärte sie vorwurfsvoll.
„Die Hinweise sind, wie gesagt, eindeutig. Es handelt sich folglich nicht um Anschuldigungen, sondern um Tatsachen.“, korrigierte sie Stefan.
Einen Moment lang wussten weder Frau noch Herr Bühler etwas darauf zu antworten. Schliesslich stürzte die Fassade der besorgten Ehefrau von Frau Bühler in sich zusammen und auch sie empörte sich: „Wenn man sich nicht nimmt, was einem zusteht, dann kommt man auf keinem grünen Zweig!“
„Zusteht?!?“, lachte Roland.
„Paul hat immer gut und fleissig gearbeitet. Meinen Sie, irgendeiner der reichen Kunden hätte es ihm je gedankt? Nein, die waren alle genau gleich gierig nach Geld und zahlten ihm immer nur das mindeste Honorar. Da ist es nur recht, wenn Paul sich da hie und da selbst etwas mehr belohnte! Er meinte es ja nur gut. Sehen Sie sich doch unser Haus an, unser Leben. Das alles wäre nicht möglich gewesen, ohne eine kleine Finanzspritze hie und da! Und die meisten haben es ja nicht einmal gemerkt. Denen ist ihr Vermögen Piep egal, solange es mehr wird! Gierig und geizig sind die alle!“, sie schlug wütend mit der Faust auf den Tisch. Ein Diamantring blitzte im Sonnenlicht auf.
„Wir möchten mit Ihnen hier nicht über Gerechtigkeit diskutieren. Tatsache ist, dass es illegal ist. Und jemand ist dahinter gekommen! Wissen Sie wer?“
„Pah!“, blaffte Paul Bühler Roland an, „Natürlich. Ich bin ja nicht blöd. Dieser Rieder sah plötzlich nur noch Dollarzeichen!“
„Wie meinen Sie das?“, wollte Stefan wissen.
„Erpresst hat der uns, dieser freche, hinterhältige...“, Frau Bühler biss sich auf die Lippen.
„Ja! Mehr Lohn oder Beteiligung am Gewinn...Fifty-Fifty, unverschämt!“, spuckte Herr Bühler zornig.
„Paul, dein Herz!“, machte sich Frau Bühler Sorgen, „Sie sehen, das hat meinen lieben Mann stark mitgenommen. Bisher war Herr Rieder stets ein sehr guter Mitarbeiter, doch auch er verfiel dem Reiz des Geldes. Ohne Rücksicht auf Verluste!“
„Wie sind Sie mit der Erpressung umgegangen?“, fragte Roland.
„Anfangs war es nur amateurhaft.“, sagte Herr Bühler abfällig, „Er hatte keinerlei Beweise. Doch er hat es sich anschliessend zur Aufgabe gemacht, gegen mich und die Bank zu arbeiten. Vielleicht wollte er seinen Betthäschen mit Vermögen Eindruck machen! Wer weiss das schon, was in ihm plötzlich vorging! Jedenfalls hat er angefangen, nach Beweisen zu suchen. Leider stiess er tatsächlich auf Dokumente die die Geldbewegungen untermauern konnten und die Erpressung wurde glaubhafter.“, gab Herr Bühler zu.
„Verstehen Sie, es ging hier nicht nur um Paul’s Gesundheit, die immer mehr darunter litt, sondern auch um unsere gesamte Existenz! Jemand musste da eingreifen! Schliesslich ging das Rieder absolut nichts an!“, nahm Frau Rieder ihren Mann in Schutz.
„Sie haben also etwas dagegen unternommen. Was genau?“, interessierte sich Stefan.
Stille. Das Ehepaar tauschte Blicke aus. Dann senkte Frau Bühler den Blick und murmelte, „Ach, das bringt doch alles nichts mehr!“, sie verstummte und schaute ihren Mann hilfesuchend an. Doch dieser war überhaupt nicht bereit dazu, zu kapitulieren und rief: „Wir haben jedenfalls nichts mit dem Mord zu tun, falls Sie das nun glauben!“
„Was haben Sie gegen die Erpressung unternommen?“, stellte Stefan die Frage erneut.
Frau Bühler seufzte: „Tut mir Leid Paul, aber ich möchte nicht in irgendwelche Morde reingezogen werden.“
Herr Bühler empörte sich: „Die werden es nicht wagen, mir oder dir irgendwelche Gewaltverbrechen anhängen zu wollen!“ Er schrie beinahe.
Stefan lachte: „Gehen Sie mit der Zeit, Herr Bühler! Haben Sie noch nie etwas von den CEOs der Grossbanken gehört, die angeklagt und verurteilt wurden? Das Gesetz geht vor.“
Herr Bühlers Hitze erfüllte den ganzen Raum. Frau Bühler ergriff das Wort: „Wir haben einen Privatdetektiv engagiert, der sich ein bisschen schlau über Herrn Rieders Leben machen sollte. Wie du mir, so ich dir, verstehen Sie?“
„Sie wollten Herrn Rieder also gegenerpressen?“, schlussfolgerte Stefan.
„Ja, das war die Idee.“
„Und hat es geklappt?“, fragte Roland.
„Allerdings! Er hat herausgefunden, dass Rieder und Frau Brun unter einer Decke steckten und vor allem hat er herausgefunden, dass Frau Brun in Wirklichkeit Frau Gerber war. Damit konnten wir die beiden ganz gut im Zaum halten.“, jubelte sie, als ob sie einen Sieg errungen hätte.
„Hatten Sie heute Morgen Frau Gerber bedroht?“, erkundigte sich Roland.
„Natürlich nicht, die Erpressung selbst ging und nichts an. Wir liessen Herrn Neumann freien Handlungsspielraum, was das anbelangt.“, meinte Frau Bühler.
„Aha, dann werden Sie wohl so freundlich sein und uns die Kontaktdaten zu Herrn Neumann geben, ich nehme an, es handelt sich dabei um den beauftragten Privatdetektiv?“, forderte Roland.
„Ja.“, bestätigte Frau Bühler und stand auf.
Sie ging in die riesige offene Küche, die mit den neusten technischen Errungenschaften des Kochens ausgerüstet war. Sie kam mit einer Visitenkarte zurück und überreichte diese Roland wiederwillig.
„Danke. Ah, und da fällt mir noch ein: Was haben Sie vorgestern am Mittag bis in den frühen Nachmittag gemacht?“
Frau Bühler schaute Roland entgeistert an: „Bin ich etwa tatverdächtig?“
„Haben Sie ein Alibi?“, stellte Roland geschickt die Gegenfrage erneut.
„Aber natürlich!“, entrüstete sich Frau Bühler, „Ich habe mich mit Herrn Neumann in einem äusserst guten Restaurant in der Stadt zum Mittagessen getroffen. Er wollte mich auf den neusten Stand bringen, was seine Ermittlungen betrafen. Er wird das Ihnen bestimmt bestätigen können!“
Herr Bühler stand wütend auf und fuhr die beiden Kommissare an: „Und ich war in der Bank, was sie hoffentlich überprüft haben und mir daher glauben werden! Und nun verlassen Sie mein Haus!“
Weder Stefan noch Roland wollten Öl ins Feuer werfen und folgten dem Befehl. Wohlwissend, dass sie das Ehepaar bald wieder sehen würden, spätestens nach deren Verhaftung.

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