Herr Bühler öffnete
den beiden Polizeibeamten die Tür des alleinstehenden Hauses mit beachtlichem
Umschwung und gepflegtem englischen Rasen. Er machte seinem Ärger sofort Luft:
„Sie wissen schon, dass mich dies möglicherweise um einen sehr interessanten
Neukunden gebracht hat.“
„Was diese CEOs
immer denken...Dass das Wichtigste auf der Welt ihre Geschäftemacherei ist?!?“,
sagte Roland zu Stefan.
Herr Bühler schoss
die Röte ins Gesicht und er hatte offensichtlich grosse Mühe damit, seine Wut
im Zaum zu halten.
„Treten Sie ein.“, knirschte
er.
Stefan und Roland
folgten der unfreiwilligen Einladung und wurden in eine grosszügige Lounge
geleitet. Es war ein höchst ansprechender Raum: hell durch die bis zum Boden
reichenden Fenstern und denn Marmorboden.
An einem runden,
polierten Echtholztisch sass eine schick angezogene Frau mit hochgesteckter Frisur
und glitzernden Ohrringen. Sei erhob sich, als die beiden Männer eintraten.
„Guten Tag, meine
Herren. Nehmen Sie doch Platz.“, die Frau wies auf die Stühle am Tisch und fuhr
fort: „Ich bin übrigens Frau Bühler. Kann ich Ihnen etwas anbieten?“
Herr Bühler warf
seiner Gattin einen missbilligenden Blick zu. Erneut lehnten die beiden Beamten
dankend ab und setzten sich an den glänzenden Tisch.
„Warum wir erneut
mit Ihnen reden möchten hat folgenden Grund: Wir haben sehr eindeutige Hinweise
darauf, dass Sie, Herr Bühler, Kundengelder veruntreut haben.“, konfrontierte
Roland das Ehepaar.
Ein zweites Mal
schoss Herr Bühler die Zornesröte ins Gesicht und er fauchte: „Wie können Sie
es wagen!“
Frau Bühler warf
ihrem Mann einen ängstlichen Blick zu und legte ihm die Hand auf den Arm:
„Nicht doch, Paul. Du weißt doch, was der Arzt gesagt hat. Kein Stress, keine
Aufregung.“, und zu den Polizeibeamten meinte sie: „Paul hatte letztes Jahr
einen Herzinfarkt. Solche Anschuldigungen regen ihn auf und sind höchst ungesund
für ihn!“, erklärte sie vorwurfsvoll.
„Die Hinweise sind,
wie gesagt, eindeutig. Es handelt sich folglich nicht um Anschuldigungen,
sondern um Tatsachen.“, korrigierte sie Stefan.
Einen Moment lang
wussten weder Frau noch Herr Bühler etwas darauf zu antworten. Schliesslich
stürzte die Fassade der besorgten Ehefrau von Frau Bühler in sich zusammen und
auch sie empörte sich: „Wenn man sich nicht nimmt, was einem zusteht, dann
kommt man auf keinem grünen Zweig!“
„Zusteht?!?“, lachte
Roland.
„Paul hat immer gut
und fleissig gearbeitet. Meinen Sie, irgendeiner der reichen Kunden hätte es
ihm je gedankt? Nein, die waren alle genau gleich gierig nach Geld und zahlten
ihm immer nur das mindeste Honorar. Da ist es nur recht, wenn Paul sich da hie
und da selbst etwas mehr belohnte! Er meinte es ja nur gut. Sehen Sie sich doch
unser Haus an, unser Leben. Das alles wäre nicht möglich gewesen, ohne eine
kleine Finanzspritze hie und da! Und die meisten haben es ja nicht einmal
gemerkt. Denen ist ihr Vermögen Piep egal, solange es mehr wird! Gierig und
geizig sind die alle!“, sie schlug wütend mit der Faust auf den Tisch. Ein
Diamantring blitzte im Sonnenlicht auf.
„Wir möchten mit
Ihnen hier nicht über Gerechtigkeit diskutieren. Tatsache ist, dass es illegal
ist. Und jemand ist dahinter gekommen! Wissen Sie wer?“
„Pah!“, blaffte Paul
Bühler Roland an, „Natürlich. Ich bin ja nicht blöd. Dieser Rieder sah
plötzlich nur noch Dollarzeichen!“
„Wie meinen Sie das?“,
wollte Stefan wissen.
„Erpresst hat der
uns, dieser freche, hinterhältige...“, Frau Bühler biss sich auf die Lippen.
„Ja! Mehr Lohn oder
Beteiligung am Gewinn...Fifty-Fifty, unverschämt!“, spuckte Herr Bühler zornig.
„Paul, dein Herz!“,
machte sich Frau Bühler Sorgen, „Sie sehen, das hat meinen lieben Mann stark
mitgenommen. Bisher war Herr Rieder stets ein sehr guter Mitarbeiter, doch auch
er verfiel dem Reiz des Geldes. Ohne Rücksicht auf Verluste!“
„Wie sind Sie mit
der Erpressung umgegangen?“, fragte Roland.
„Anfangs war es nur
amateurhaft.“, sagte Herr Bühler abfällig, „Er hatte keinerlei Beweise. Doch er
hat es sich anschliessend zur Aufgabe gemacht, gegen mich und die Bank zu
arbeiten. Vielleicht wollte er seinen Betthäschen mit Vermögen Eindruck machen!
Wer weiss das schon, was in ihm plötzlich vorging! Jedenfalls hat er
angefangen, nach Beweisen zu suchen. Leider stiess er tatsächlich auf Dokumente
die die Geldbewegungen untermauern konnten und die Erpressung wurde
glaubhafter.“, gab Herr Bühler zu.
„Verstehen Sie, es
ging hier nicht nur um Paul’s Gesundheit, die immer mehr darunter litt, sondern
auch um unsere gesamte Existenz! Jemand musste da eingreifen! Schliesslich ging
das Rieder absolut nichts an!“, nahm Frau Rieder ihren Mann in Schutz.
„Sie haben also
etwas dagegen unternommen. Was genau?“, interessierte sich Stefan.
Stille. Das Ehepaar
tauschte Blicke aus. Dann senkte Frau Bühler den Blick und murmelte, „Ach, das
bringt doch alles nichts mehr!“, sie verstummte und schaute ihren Mann
hilfesuchend an. Doch dieser war überhaupt nicht bereit dazu, zu kapitulieren
und rief: „Wir haben jedenfalls nichts mit dem Mord zu tun, falls Sie das nun
glauben!“
„Was haben Sie gegen
die Erpressung unternommen?“, stellte Stefan die Frage erneut.
Frau Bühler seufzte:
„Tut mir Leid Paul, aber ich möchte nicht in irgendwelche Morde reingezogen
werden.“
Herr Bühler empörte
sich: „Die werden es nicht wagen, mir oder
dir irgendwelche Gewaltverbrechen anhängen zu wollen!“ Er schrie beinahe.
Stefan lachte:
„Gehen Sie mit der Zeit, Herr Bühler! Haben Sie noch nie etwas von den CEOs der
Grossbanken gehört, die angeklagt und verurteilt wurden? Das Gesetz geht vor.“
Herr Bühlers Hitze
erfüllte den ganzen Raum. Frau Bühler ergriff das Wort: „Wir haben einen
Privatdetektiv engagiert, der sich ein bisschen schlau über Herrn Rieders Leben
machen sollte. Wie du mir, so ich dir, verstehen Sie?“
„Sie wollten Herrn
Rieder also gegenerpressen?“, schlussfolgerte Stefan.
„Ja, das war die
Idee.“
„Und hat es
geklappt?“, fragte Roland.
„Allerdings! Er hat
herausgefunden, dass Rieder und Frau Brun unter einer Decke steckten und vor
allem hat er herausgefunden, dass Frau Brun in Wirklichkeit Frau Gerber war.
Damit konnten wir die beiden ganz gut im Zaum halten.“, jubelte sie, als ob sie
einen Sieg errungen hätte.
„Hatten Sie heute
Morgen Frau Gerber bedroht?“, erkundigte sich Roland.
„Natürlich nicht,
die Erpressung selbst ging und nichts an. Wir liessen Herrn Neumann freien
Handlungsspielraum, was das anbelangt.“, meinte Frau Bühler.
„Aha, dann werden
Sie wohl so freundlich sein und uns die Kontaktdaten zu Herrn Neumann geben,
ich nehme an, es handelt sich dabei um den beauftragten Privatdetektiv?“,
forderte Roland.
„Ja.“, bestätigte
Frau Bühler und stand auf.
Sie ging in die
riesige offene Küche, die mit den neusten technischen Errungenschaften des Kochens
ausgerüstet war. Sie kam mit einer Visitenkarte zurück und überreichte diese
Roland wiederwillig.
„Danke. Ah, und da
fällt mir noch ein: Was haben Sie vorgestern am Mittag bis in den frühen
Nachmittag gemacht?“
Frau Bühler schaute
Roland entgeistert an: „Bin ich etwa tatverdächtig?“
„Haben Sie ein
Alibi?“, stellte Roland geschickt die Gegenfrage erneut.
„Aber natürlich!“,
entrüstete sich Frau Bühler, „Ich habe mich mit Herrn Neumann in einem äusserst
guten Restaurant in der Stadt zum Mittagessen getroffen. Er wollte mich auf den
neusten Stand bringen, was seine Ermittlungen betrafen. Er wird das Ihnen
bestimmt bestätigen können!“
Herr Bühler stand
wütend auf und fuhr die beiden Kommissare an: „Und ich war in der Bank, was sie
hoffentlich überprüft haben und mir daher glauben werden! Und nun verlassen Sie
mein Haus!“
Weder Stefan noch
Roland wollten Öl ins Feuer werfen und folgten dem Befehl. Wohlwissend, dass
sie das Ehepaar bald wieder sehen würden, spätestens nach deren Verhaftung.
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