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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

Willkommen!

Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Sonntag, 7. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 7

Stefan war bereits da, als Roland am nächsten Morgen auf den Posten kam. Er stand lässig an Rolands Schreibtisch gelehnt und schien auf dessen Aufkreuzen zu warten.
„Guten Morgen!“, begrüsste Stefan Roland munter.
Bereits diese Fröhlichkeit voller Tatendrang am frühen Morgen war ein gefühlter Schlag in Rolands Magengrube und löste bei ihm Übelkeit aus. Ach, wie hatte er die Zeit vor Stefan genossen, als er morgens noch der Erste auf dem Posten und in seinem Büro war, in Ruhe seinen Kaffee trinken und dabei planen konnte, wie er weiter vorgehen würde. Das war nun zu Ende. Stefan war stets streberhaft vor ihm da und überfiel Roland mit seiner guten Laune und den ersten unternommenen Schritten für eine erfolgreiche Weiterarbeit.
So auch heute. Stefan streckte Roland einen Kaffee hin und meinte: „Ich habe uns bereits bei den Gerbers für heute Vormittag verabredet und am Nachmittag nimmt sich Paul Bühler, Chef der Bank, bei der Herr Rieder gearbeitet hatte, Zeit für ein kurzes Gespräch. Ich hoffe das passt dir.“
„Muss ja.“, schmollte Roland.
Dies nahm Stefan kurzerhand den Wind aus den Segeln und er schwieg. Als Roland jedoch nichts zur Wiedergutmachung sagte, zuckte er mit den Schultern: „Entschuldigung, ich dachte, es wäre hilfreich, wenn ich schon mal loslege. Aber in Zukunft werd’ ich’s vorher mit dir absprechen, versprochen! Jedenfalls müssen wir in zwei Stunden los zu den Gerbers. Bis dahin bin ich in meinem Büro, falls du mich suchst. Wir sehen uns später.“
Als Roland seine Ruhe hatte, setzte er sich an seinen Schreibtisch, rieb sich die Augen und seufzte. Er nahm seinen Notizblock aus der Tasche und fasste nochmals die wichtigsten Erkenntnisse von den gestrigen Vernehmungen zusammen. Danach griff er zum Telefonhörer, rief in die Rechtsmedizin an und liess sich zu Dr. Stäger durchstellen.
„Dr. Stäger.“, meldete sich dieser prompt.
„Kunz hier, guten Morgen Dr. Stäger. Ich wollte mich erkundigen, wie weit Sie mit der Obduktion von Herrn Rieder sind?“
„Ah, guten Tag Herr Kunz. Gut, rufen Sie an. Die Obduktion ist abgeschlossen. Wie vermutet war die Todesursache der massive Blutverlust durch die Wunde an der linken Halsschlagader. Die Luftröhre wurde nur leicht verletzt, doch nicht genügend, um mit todesursächlich zu sein.“
„Konnten Sie zum Tatzeitpunkt und den Tatvorgang Genaueres herausfinden?“
„Allerdings. Der Tatzeitpunkt muss zwischen 13.00 und 13.30 Uhr gewesen sein. Zum Tatvorgang ist Folgendes zu sagen: Wir konnten im Urin Äther nachweisen, ein uraltes Betäubungsmittel, das sich für eine kurze Narkose anbietet, da es sehr schnell wirkt und bei Raumtemperatur sofort gasförmig wird. Bei höherer Temperatur, wie das in der Sauna der Fall gewesen sein muss, geht das Ganze noch schneller vonstatten. Der Täter scheint das Opfer also zuerst betäubt zu haben. Danach hat er wahrscheinlich von vorne direkt in die linke Halsschlagader gestochen und brachial die unscharfe Tatwaffe in Richtung Drosselgrube gezogen. Die Tatwaffe scheint spitz, aber nicht allzu scharf zu sein. Der Schnitt gleicht eher einer Reisswunde, daher denke ich bei der Tatwaffe, so komisch es klingen mag, eher an einen Reisszahn denn an ein Messer. Ich habe eine solche Verletzung noch nie gesehen und die Ergebnisse der Analyse der Schnittränder stehen noch aus. Jedoch haben wir weder Holz noch Metall in der Wunde gefunden. Ansonsten kann ich Ihnen momentan keine weiteren Informationen zur Tatwaffe geben. Zum Opfer ist zu sagen, dass er kurz vor seinem Tod, also im Verlauf des Vormittags noch ein Medikament eingenommen hatte.“
„Da ist er bestimmt keine Ausnahme.“, fiel Roland Dr. Stäger ins Wort.
„Naja, es war Viagra.“
Roland wiederholt verwundert: „Viagra? Hatte er noch Sex vor seinem Tod?“
„Es sind keine Spuren an seinem Körper, die vermuten liessen, dass er noch in der Sauna Geschlechtsverkehr gehabt haben könnte. Dass er jedoch am Vormittag noch ins Vergnügen kam, kann ich nicht ausschliessen.“
„Und wozu könnte er denn sonst noch Viagra genommen haben?“, fragte Roland fast schon rhetorisch.
„Naja, da gibt es schon den einen oder anderen weiteren Anwendungsbereich in der Medizin, doch fand ich bei der Obduktion keinerlei Hinweise für eine Krankheit, die das Medikament sonst hätte begründen können. Man scheint davon ausgehen zu können, dass das Opfer das Viagra zu den sonst handelsüblichen Zwecken gebraucht hatte.“
„Haben Sie sonst noch weitere Hinweise oder Ungereimtheiten?“
„Einige Laboranalysen stehen noch aus, doch grob kann ich sagen, dass das Opfer ansonsten sauber war. Ich werde Ihnen so schnell wie möglich meinen abschliessenden Bericht zukommen lassen.“
„Vielen Dank.“


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