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Zitat des Monats

Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die Einen Schutzmauern, die Anderen bauen Windmühlen.

Chinesische Weisheit

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Liebe Schreibende

In unserer hektischen Welt, dominiert von High-Speed-Rechnern, Zeitmangel, Medien, Facebook und Leistungsdruck, versuchen wir uns hier eine kleine Insel der Besinnung zu erhalten. Sich einmal im Monat in Ruhe niederzusetzen, sich mit einem Thema eingehend zu beschäftigen und dann die passenden Worte zu finden, um seine Gedanken mit anderen zu teilen, erscheint mir dabei ein geeigneter Weg, aus dieser Alltagshektik auszubrechen.

Sollten wir innerhalb eines Jahres genügend Beiträge beisammen haben, werde ich diese zusammentragen und in Buchform drucken lassen. So hat man dann Ende Jahr ein schönes Büchlein zur Hand - zur Erinnerung, oder als Geschenk zu Weihnachten, oder auch, um die Heimbibliothek mit einem eigenen Werk etwas auszubauen.

Dann also viel Spass beim Schreiben!

Eilean

Dienstag, 23. Dezember 2014

Whisky gut, alles gut! - Törchen 23

Nach der kleinen Erfolgsfeier in Rolands Büro, waren alle drei der Meinung, dass vor allem Roland zuerst wieder nüchtern sein musste, um bei den Gerbers einen klärenden Besuch abzustatten. So machte sich das Trio erst am nächsten Morgen auf den Weg zum Haus der Gerbers.
Frau Gerber öffnete ihnen im Morgenmantel und ihr fiel beinahe die Tasse mit dem brühheissen Kaffee aus der Hand, als sie den Aufmarsch vor ihrer Tür sah.
„Guten Morgen miteinander!“, brachte sie erstaunt hervor und dann aufgeregter: „Haben Sie den Erpresser?“
„Nicht hier draussen.“, sagte Roland ohne begrüssende Worte.
„Na, dann treten Sie doch bitte ein.“
Frau Gerber machte einen Schritt zur Seite und liess einen nach dem andern in ihr Häuschen.
Roland lief wieder den bekannten Flur entlang. Erst jetzt fielen ihm die Bilder auf, die den Gang schmückten: Gletscher, Eisberge, Eiskristalle, Eis, Eis, Eis, soweit das Auge reichte. Dass ihm das nicht früher aufgefallen war!
Dieses Mal war das Wohnzimmer jedoch leer.
„Kann ich Ihnen heute etwas anbieten? Vielleicht einen guten Kaffee?“, bot ihnen Frau Gerber an.
Wieder verneinten die Kommissare.
„Nehmen Sie bitte Platz, Frau Gerber.“, riet ihr Stefan weise.
„Spannen Sie mich nicht so auf die Folter, was ist los?“, fragte Frau Gerber, während sie sich langsam setzte.
„Nun, uns ist aufgefallen, dass das Reisebüro mit dem Sie ihre Alaska-Expedition gemacht haben, dasselbe ist, wie das, bei dem nun Herr Rieder die Australien-Reise oder –Auswanderung, wer weiss, gebucht hat.“
„Naja, das bot sich wahrscheinlich an, nach der guten Zusammenarbeit mit Thomas, unserem Freund beim Reisebüro.“, dachte Frau Gerber laut und schaute von Kriminalpolizist zu Kriminalpolizist zu Kriminalpolizistin.
Als keiner etwas sagte, meinte sie enttäuscht: „Ist das alles?“
Dann wurde sie bleich und hauchte: „Moment mal, wenn Franz tatsächlich bei Thomas die Reise gebucht hat, dann ist es höchstwahrscheinlich, dass Martin auch davon erfahren hat. Ach du heilige...“, sie schlug sich die Hand vor den Mund.
„Sie wussten also doch auch von der Reise?“, stellte Stefan vorwurfsvoll fest.
„Naja, ich wusste nicht direkt davon, aber Roland hat ständig davon gesprochen, dass er mit mir abhauen wolle, sobald ein bisschen Geld aus unserer Erpressungsaktion hervorging.“, gab sie nun zu.
„Frau Gerber,“, sagte Roland ungeduldig, „es ist nun wirklich allerhöchste Zeit, ganz auszupacken! Hatten Sie und Herr Rieder eine Liebschaft?“
Frau Gerber senkte traurig den Kopf und bejahte leise. Stille Tränen kullerten ihr plötzlich über die Wangen: „Es lief schon eine ganze Weile. Seit der Expedition, um genau zu sein. Anfangs war es einfach eine Liebschaft, mit der Zeit wurde es mehr. Wir wollten uns beide von unseren jeweiligen Partnern trennen und wir wollten mit der Wahrheit herausrücken. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie belastend es für mich war, meiner besten Freundin etwas vorzuspielen. Sie hätte das Recht darauf gehabt, es zu erfahren. Aber Franz wollte zuerst ein kleines Geldpolster anschaffen, um sich unsere neue Existenz, die wir uns aufbauen wollten, zu sichern, bevor er reinen Tisch machen wollte. Ihm fiel es bestimmt genauso schwer, Martin gegenüber zu lügen. Zwischen ihm und Sabine kriselte es schon länger, daher belastete es ihn da weniger. Aber ich und Martin hatten bis anhin eine gute Ehe geführt. Aber erst seit ich Franz näher kennen gelernt hatte, merkte ich, was mir alles gefehlt hatte.“
Sie brach ab und schnäuzte sich die Nase.
„Von der Affäre mit Frau Winkler wussten Sie?“, nutze Stefan die Pause.
„Ja, doch die hatte er für mich beendet. Bei mir fand er alles, was er brauchte. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit.“, schniefte Frau Gerber.
„Und Sie hatten am Tatmorgen Geschlechtsverkehr mit Herrn Rieder und waren nicht bloss auf der Bank?“, forschte Stefan weiter.
Frau Gerbers Wangen färbten sich rot, als sie nickte.
„Und wusste ihr Mann von der Affäre? Hat er etwas vermutet?“, fragte Roland skeptisch.
„Bis jetzt dachte ich, er hätte bestimmt nichts geahnt. Aber wenn Franz tatsächlich bei Thomas die Reise gebucht hat, dann könnte es wirklich sein, dass er davon erfahren hatte. Aber nein, er würde doch nicht...nicht seinen besten Freund!“, sie schüttelte ungläubig und heftig den Kopf.
„Wo ist ihr Mann jetzt?“, erkundigte sich Roland.
„Er ist heute ganz früh los und wollte ins Institut.“, antwortete Frau Gerber aufgeregt, „Aber er kann es doch nicht gewesen sein. Er ist doch auch am Tattag im Institut gewesen. Ich hab ihn ja selbst am Nachmittag dort angerufen!“
„Naja, wenn man sich die Distanz vom Studio zum Institut anschaut, dann braucht man mit dem Fahrrad 20 Minuten, mit dem Auto sogar weniger!“, mischte sich Laura ein.
„Ach Gott, nicht Martin, nicht mein Mann!“, heulte Frau Gerber verzweifelt auf.
„Bevor wir voreilige Schlüsse ziehen, möchten wir mit Ihrem Mann sprechen.“, besänftigte sie Stefan und wandte sich zu Roland: „Zum Institut, oder?“
Roland stimmte mit einem knappen „Ja“ zu und Frau Gerber stand sofort auf: „Ich will mitkommen!“
„Das ist wohl keine gute Idee.“, wollte sie Roland abweisend, doch ohne Erfolg.
„Ich bin seine Ehefrau, ich muss das wissen, mein Mann kann kein Mörder sein! Und dann noch sein bester Freund. Nein, so einer ist er nicht. Das kann ich nicht glauben!“
„Dann begleiten Sie uns, wenn’s denn sein muss.“, willigte Roland ein, denn er hatte keine Lust auf lange Diskussionen.

Ein Student öffnete Ihnen die Tür zu den Laboratorien, er steckte den Kopf hinaus und erkannte Frau Gerber: „Guten Tag, Frau Gerber! Was machen Sie denn hier? Und wen bringen Sie hier mit?“
„Moris, wir möchten alle gerne zu meinem Mann. Die Herren hier und die Frau gehören zur Polizei.“
„Polizei?“ Der als Moris benannte Student machte grosse Augen, „Geht es um den Mord an Herrn Rieder? Ich habe davon in der Zeitung gelesen!“
„Genau.“, bestätigte Roland hinter Frau Gerber, „Wenn Sie uns also zu Herr Gerber führen würden.“
Ganz aufgeregt zeigte Moris ihnen den Weg zu Herr Gerbers Labor.
Dieser war gerade unter einer Glasglocke damit beschäftigt, seine gezüchteten Eiskristalle zu inspizieren.
Erschrocken fiel ihm ein faustgrosser Eiskristall aus der Hand, als Roland hinter ihn trat und ruhig sagte: „Herr Gerber, wir würden gerne nochmals mit Ihnen über den Tatmorgen sprechen.“
Abrupt drehte dieser sich zu ihnen allen um und schaute verwirrt den Aufmarsch an.
„Hast du Franz ermordet?“, platzte Frau Gerber heraus.
Herr Gerber stand auf und lachte gezwungen: „Spinnst du? Ich hab doch ein Alibi! Und warum sollte ich Franz töten?“
„Naja, das Alibi, dass Sie hier waren, ist zweifelhaft. Allein die Auszüge der Zeiterfassung reichen da nicht ganz.“, informierte Roland den nervösen Forscher.
„Ich war hier im Labor.“, beharrte Herr Gerber.
Hinter ihnen räusperte sich Moris verschämt und als sich alle Blicke auf ihn richteten, stieg ihm die Schamesröte ins Gesicht, „Also, nicht dass ich Sie da in was Blödes reinbringen möchte, Herr Dr. Gerber, aber am Mittag habe ich Sie gesehen, wie Sie das Institut verlassen haben.“
„Aha!“, triumphierte Frau Gerber und wandte sich wieder an ihren Mann. Wütend verpasste Sie ihm eine Ohrfeige: „Das hätte ich nie von dir gedacht, du Monster, du Tier, du...“ Sie fand keine Worte mehr und begann stattdessen neuerlich zu weinen.
Herr Gerbers Stimme zitterte vor Wut, doch er schrie nicht: „Du Weibsstück, du bist an allem Schuld. Du nennst mich Monster? Weißt du, was du mir angetan hast? Abhauen wolltest du, du hinterhältige Betrügerin! Wie konntet ihr mich so hintergehen? Was habe ich euch getan?“
„Sie wussten also von der Affäre und von der Reise?“, schaltete sich Roland ein.
Herr Gerber hatte sie keines Blickes mehr gewürdigt, erst jetzt schien er sich über die Präsenz der Polizei bewusst zu werden. Er packte den grossen Eiskristall und warf ihn den Polizisten entgegen, nahm einen zweiten und warf ihn erneut gegen die Beamten. Dann versuchte er zu flüchten, indem er einfach auf Laura, die wesentlich kleiner war als er, zurannte und sie heftig wegstiess. Laura verlor das Gleichgewicht und fiel.
Da keiner der sonst Anwesenden mit einer solchen Reaktion gerechnet hatte, war der Überraschungsmoment auf Herr Gerbers Seite und hätte Moris nicht geistesgegenwärtig die Schleusen geschlossen, wäre Herr Gerber wohl vorerst auch davongekommen, doch nun schlug dieser zornig gegen die verschlossenen Türen. Als ihm klar wurde, dass es keinen Ausweg mehr gab, sackte er zusammen und rutschte den Toren entlang zu Boden.
Die restliche Verhaftung gestaltete sich dann als sehr einfach und auch die Fahrt zurück auf den Posten verlief komplikationslos.
Frau Gerber und Laura blieben im Institut. Frau Gerber würde von der Polizei in Zivil nach Hause gebracht werden, während Laura begann, Herr Gerbers Labor zu untersuchen.

Im Vernehmungszimmer brauchte es ebenfalls wenig Überzeugungskraft, Herr Gerber zum Geständnis zu bringen. Er schien eingesehen zu haben, dass es sinnlos wäre.
„Ich hatte es bereits nach der Expedition geahnt. Hanna hatte sich immer mehr von mir distanziert. So habe ich auf eigene Faust ein bisschen Detektiv gespielt und bin meiner Frau einen Tag lang unauffällig gefolgt. Und gleich der erste Treffer. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie unglaublich enttäuscht ich gewesen war, als ich herausfand, dass mein bester Freund, den, den ich mit auf die Expedition eingeladen habe, den, mit dem ich mich immer wieder zu Männerabenden traf, den, den ich schon seit Jahrzehnten kenne, mich mit meiner eigenen Frau betrog! Oh war ich wütend, doch lange wusste ich gar nicht, was ich machen sollte. Aber dann kam der Hammer! Thomas vom Reisebüro rief mich an und hatte mich erstaunt gefragt, ob mich mein lieber Freund umgestimmt hätte, dass nun plötzlich eine Reise nach Australien anstehen sollte. Franz war doch tatsächlich so blöd, bei unserem Freund zu buchen und hatte ihm gesagt, dass ich und er zusammen eine erneute Expedition unternähmen. Oh war ich zornig. Natürlich war mir sofort klar, dass das zweite Ticket nicht für mich gedacht war. Pah, für wie blöd hielten die mich?“, stiess Herr Geber wütend hervor, „Ich musste etwas unternehmen!“
„Wie haben Sie Herrn Gerber umgebracht?“, fragte Stefan, der Rolands These bestätigen lassen wollte.
„Ich habe im Institut eine wunderbare, eigene, perfekte Tatwaffe hergestellt.“, meinte Herr Gerber nun mit einem Anflug von Stolz, „Als der herrliche Eiskristall fertiggestellt  war, fuhr ich an jenem Mittag zu Franz in die Sauna. Ich kannte seinen Tagesablauf in- und auswendig und die Sauna bot sich doch mehr als an. Damit ich meine Tatwaffe auch dorthin bringen konnte, verpackte ich das Eis in eine extra neu gekaufte Thermoskanne. Auch dieser Saunabesuch verlief wie ich es durch meine Beobachtungen bereits kannte: Franz kreuzte etwas früher auf, plapperte noch belanglos mit Frau Winkler, bevor diese ihm die Tür aufschloss und ihn in die Sauna liess. Dann brauchte ich nur zu warten, bis die gute Frau Winkler für ihr leibliches Wohl sorgen musste – wie jeden Mittag – ich schlich in die Sauna und erklärte Franz, warum ich so wütend war. Er entschuldigte sich und winselte wie ein Hund.“, Herr Gerber kicherte irre und wurde wieder ernst, „Aber er konnte es nicht wieder gut machen. Er sollte genauso leiden, wie ich. Dennoch bin ich ja kein Monster, ich betäubte ihn mit Äther. Es war ein Leichtes für mich, den in unseren Laboratorien unauffällig zu besorgen. Erst als mein lieber Freund schon weg war, hatte ich Zeit, den wunderbaren Eiskristall auszupacken. Damit stach ich zu. Ich blieb bei Franz, wie man es von einem guten Freund erwartet hätte, bis er tot war. Danach musste ich nur noch den Moment abwarten, bis Frau Winkler wie immer die Zähne putzte. Die Thermosflasche liess ich dabei dummerweise in der Eile liegen, doch ich trug ja Handschuhe. Ansonsten lief alles wie geplant reibungslos ab.“
„Naja, nicht ganz reibungslos, Sie sitzen ja nun doch hier.“, erinnerte ihn Stefan.
„Aber geben Sie zu, die Idee war einmalig!“, beharrte Herr Dr. Gerber.
Keiner der beiden Beamten war bereit dazu, hierauf ein Lob auszusprechen und Stefan schüttelte sogar verständnislos den Kopf: „Sie haben jemanden umgebracht!“
Herr Dr. Gerber zuckte bloss mit den Schultern und meinte eisig: „Und ich bereue es nicht!“

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